Alles Müll, oder was?

Kreuzberg wird Zero-Waste-Bezirk

Stört ungemein: Müll im öffentlichen Raum. Foto: ksk

Freunde des »Karnevals der Kulturen« wissen, dass die eigentlichen Höhepunkte der Veranstaltung erst am späteren Abend zu besichtigen sind. Dann schieben sich die Kehrmaschinen der BSR wie Mähdrescher aus dem amerikanischen Mittelwesten über die vierspurigen Straßen, saugen alles ein, was ihnen nur vor die gefräßigen Rüssel kommt, und arbeiten wie von unsichtbaren Händen gesteuert perfekt mit den Radladern und Straßenfegern zusammen, die alle nichts anderes im Sinn haben, als die gigantischen Mülllawinen zu beseitigen.

Diesem Müll im öffentlichen Raum hat das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg nun den Kampf angesagt. Dabei geht es gar nicht um die Sofas, die versifften Matratzen, lädierten Drehstühle, Regalreste oder kaputten Fernsehapparate, die immer häufiger die Trottoirs schmücken. Diese Art Abfall einzusammeln, das machte Umweltstadträtin Clara Herrmann bei der Präsentation des neuen Konzeptes klar, sei »nur Symptombekämpfung: Abfall soll gar nicht erst entstehen!«

»Fair-Trade-Bezirk« ist Kreuzberg schon, jetzt soll es auch noch »Zero-Waste-Bezirk« werden. Dazu wurde für 60.000 Euro ein umfangreiches Konzept erstellt mit einer Analyse des Ist-Zustandes, Best-Practice-Beispielen und Handlungsempfehlungen. So will der Bezirk noch in diesem Jahr Einweggrills verbieten, Zigarettenkippen-Mülleimer installieren und »Bibliotheken der Dinge« ausbauen. 2021 sollen dann alle Großveranstaltungen ein Abfallvermeidungskonzept vorlegen. Ob das wirklich hilft, bleibt abzuwarten. Liebhaber der großen Müllschlacht am Ende des Karnevals der Kulturen müssen sich vermutlich vorerst keine Sorgen machen.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Februar 2020.

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