Der Südstern bleibt zu

BVG und Senat suchen nach Kältebahnhöfen

Statt am Südstern werden Obdachlose in diesem Winter an anderen Berliner U-Bahnhöfen übernachten können. Foto: ksk

Nachts nähern sich die Temperaturen draußen allmählich dem Gefrierpunkt. Währenddessen verhandeln die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) weiter darüber, auf welchen U-Bahnhöfen diesen Winter Obdachlose übernachten können. Eines scheint sicher: Der Bahnhof Südstern, wo die Tore im vergangenen Winter – neben Lichtenberg – auch nachts offen blieben, gehört nicht dazu.

Als die BVG im September ankündigte, die Bahnhöfe generell zu schließen, war die Empörung groß. Tatsächlich hatten die Verkehrsbetriebe gute Gründe: Angesichts einer stark zunehmenden Anzahl von Wohnungslosen aus Osteuropa entstünden Situationen, die »nicht beherrschbar sind«, hieß es. Immer wieder Stürze ins Gleisbett – was wegen der dort verlaufenden Stromschienen lebensgefährlich sein kann – , Notdurft, die zwischen den Gleisen verrichtet wurde, Alkohol- und Drogenmissbrauch. Alles das sei weder den BVG-Mitarbeitern noch den Fahrgästen noch den Obdachlosen selbst zuzumuten.

Deshalb wurde das Konzept jetzt geändert: Die Bahnsteige selbst bleiben zu, dafür will die BVG aber einige nicht genutzte, vielleicht sogar heizbare Räume in U-Bahnhöfen zur Verfügung stellen, zum Beispiel ehemalige Technikflächen. Infoflyer in sieben Sprachen sollen erstellt werden, die Sozialverwaltung müsste für Dixi-Klos, tägliche Reinigung und für Ansprechpartner sorgen. Weil zentral gelegen, sei der Alexanderplatz für so etwas eine gute Adresse, meint BVG-Sprecherin Petra Reetz: »Irgendetwas wird’s geben.« Von der BVG seien mehrere Orte angeboten worden, die Entscheidung läge jetzt beim Senat.

Es hätten bereits zwei Besichtigungen stattgefunden, nun gebe es noch eine weitere, bestätigt dort Sprecherin Karin Rietz: »Die Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales ist weiterhin im konstruktiven Dialog mit der BVG.«

Erschienen in der gedruckten KuK vom November 2018.

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