Buntes Kreuzberg: Rosa

Wenn es in langen, dicken Rohren geheimnisvoll rauscht

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Es sind Kunstwerke und sie führen eindrucksvoll vor, wie man einen simplen Gebrauchsgegenstand mit ein bisschen Kreativität in etwas ganz Besonderes verwandeln kann. Die auffälligen rosafarbenen Rohre zieren seit ein paar Wochen die Gneisenaustraße, schlängeln sich elegant am Finanzamt vorbei und münden schließlich östlich der Amerika-Gedenkbibliothek in den Landwehrkanal.

Nein, sie markieren nicht die Grenze zwischen dem Bergmann- und dem Mittenwalder Kiez, sie befördern auch kein Öl oder Gas, sondern lediglich Grundwasser, das bei einem Bauvorhaben an der Ecke Gneisenau- / Nostitzstraße abgepumpt wird. Die Berliner Firma Pollems ist auf solche Grundwasserabsenkungen spezialisiert und die Rohre sind so hübsch rosa, weil vor 25 Jahren Kinder bei Bastelarbeiten im Kindergarten das die schönste Farbe fanden.

Was für eine tolle Idee! Wenn man das Ohr an eines der Rohre legt, hört man es übrigens leise rauschen.

Buntes Kreuzberg: Gelb

Warum ein „farbenfroher Blühaspekt“ noch keine biologische Vielfalt garantiert

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Es schaut auf den ersten Blick aus wie ein Rapsfeld, ist aber Weißer Senf (Sinapis alba) und noch ein wenig Kleinfrüchtiger Leindotter (Camelina microcarpa). Der breite Mittelstreifen in der Baer­waldstraße leuchtete Ende Mai in grellem Gelb. Im Zeichen der »biologischen Vielfalt« hat das Bezirksamt dort eine 1200 Quadratmeter große Blühwiese für Wildbienen, Hummeln und andere Insekten angelegt.

Jetzt kann man natürlich fragen, was so eine Senf-Monokultur mit biologischer Vielfalt zu tun hat. Tatsächlich sei das nur eine »Akzeptanzart«, heißt es dazu bei der Deutschen Wildtier Stiftung, die einen »farbenfohen Blühaspekt« erzeugen soll, bevor sie als einjährige Pflanze dann wieder verschwindet. Die meisten der 40 ausgesäten Wildblumenarten blühen nämlich erst 2021.

Buntes Kreuzberg: Blau

Auch der UnterRock hat schon einmal bessere Tage gesehen

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Kreuzberg ist bekannt für seine Vielfalt und Farbigkeit in jeder Hinsicht. Nun erscheint die gedruckte KIEZ UND KNEIPE leider nur in klassischem Schwarz-Weiß – was in der heutigen, reizüberfluteten Zeit aber schon fast wieder als stilbildendes Alleinstellungsmerkmal gelten kann. Unser Internet-Auftritt hingegen kennt die Farbe sehr wohl.

Deshalb gibt es dort künftig eine neue Rubrik „Buntes Kreuzberg“, immer so ungefähr zur Monatsmitte, wenn die gedruckte KuK ausgelesen ist. Ohne viel Text, mit einem Foto, das jeweils eine bestimmte Farbe in den Vordergrund rückt. „Schmuckbild“ hieß das früher. Der große Dichter Arthur Rimbaud wies den Vokalen bestimmte Farben zu, der polnische Regisseur Krzysztof Kieślowski schuf eine Trilogie mit den Farben Blau, Weiß, Rot. So anspruchsvoll sind wir nicht. Die KuK will nur ein bisschen mithelfen, die Augen dafür zu öffnen, wie bunt unser Kiez wirklich ist.