Wenn der Weinberg mit dem Computer spricht

Beim Projekt »Z1BinärWein« treffen Computergeschichte, Kunst und Weinbau aufeinander

Was haben Wein und Computer gemeinsam? Auf den ersten Blick eher wenig. Der eine wächst am Rebstock, der andere besteht aus Schaltern, Leitungen und Rechenoperationen. In Kreuzberg liegen beide allerdings nicht nur örtlich erstaunlich nah beieinander – beim Kunst- und Forschungsprojekt »Z1BinärWein« werden sie sogar miteinander verbunden.

Auf dem Grundstück an der Methfesselstraße, auf dem sich heute der Kreuzberger Weinberg befindet, stand einst das Haus von Konrad Zuses Eltern. Hier baute Zuse zwischen 1936 und 1938 die Z1, einen frühen frei programmierbaren Rechner und wichtigen Meilenstein der Computergeschichte. Das Haus wurde 1944 bei einem Bombenangriff zerstört, mit ihm auch die Z1. Im Boden werden bis heute kleine Überreste des Rechners vermutet.

Martin G. Schicht und Dr. Anagnostis Paraskevopoulos stehen zwischen Weinreben und halten ein Schild des Projekts Z1BinärWein.Der Künstler Martin G. Schicht und LiFi-Experte Dr. Anagnostis Paraskevopoulos vom Fraunhofer HHI. Foto: rsj

Und genau über diesem Boden wachsen heute Weinreben.

Für den Künstler und Kurator Martin G. Schicht ist diese ungewöhnliche Verbindung Ausgangspunkt für »Z1BinärWein«, eine künstlerische Forschung, die sich über die Jahre 2026 und 2027 erstreckt. Dabei geht es um Technik und Natur, Vergangenheit und Zukunft – und um die Frage, ob sich zwischen all dem eine Verbindung herstellen lässt.

Das klingt zunächst ziemlich theoretisch. In der praktischen Umsetzung wird es jedoch überraschend anschaulich. Eine zentrale Rolle spielt LiFi, eine Technologie, bei der Daten nicht wie beim WLAN über Funk, sondern mithilfe von Licht übertragen werden. Die Weinpflanzen werden mit diesem Licht bestrahlt und erhalten darüber Informationen in Form von Binärcode – also jenen Nullen und Einsen, die die Grundlage digitaler Datenverarbeitung bilden.

Technische Module auf einer Stativkonstruktion über den Weinreben, dahinter eine Gedenktafel zur Z1.LiFi-Module bestrahlen die Weinreben mit Infrarot-Licht, das Informationen in Form von Binärcode enthält. Foto: Martin G. Schicht

Das Licht übernimmt damit gleich zwei Aufgaben: Es trägt Informationen und ist gleichzeitig das, was die Pflanze zum Wachsen braucht. Die Rebe macht daraus mithilfe der Photosynthese Trauben. Und aus den Trauben entsteht schließlich Wein – der wiederum mit Informationen angereichert sein soll.

Schicht geht noch einen Schritt weiter. Untersucht werden soll eine mögliche Kommunikation über die Pflanzen, ihr Wurzelwerk und die Pilzgeflechte im Boden. Dort könnten noch winzige Überreste der historischen Z1 liegen. Das Projekt verbindet damit moderne Kommunikationstechnik mit einer Art archäologischer Spurensuche.

Das erklärte Ziel klingt beinahe wie aus einem Roman: Gesucht wird der letzte Rechenvorgang der Z1 vor ihrer Zerstörung.

Ob der Weinberg dieses Geheimnis tatsächlich noch preisgeben kann, bleibt abzuwarten. Gerade darin liegt aber ein Teil des Reizes des Projekts. »Z1BinärWein« versteht sich ausdrücklich als künstlerische Forschung und nicht als Experiment mit vorab feststehendem Ergebnis. Schicht arbeitet bereits seit 2017 daran; das Projekt entwickelt sich prozessual und bleibt ergebnisoffen.

Dabei arbeitet er nicht allein. Beteiligt sind unter anderem die Winzer Hannes Lewerenz und Daniel Mayer, der LiFi-Entwickler Dr. Anagnostis Paraskevopoulos vom Fraunhofer HHI, Fachleute aus Biologie, Bodenforschung, Technikphilosophie und Umweltanthropologie sowie Horst Zuse, Informatiker, IT-Historiker und Sohn von Konrad Zuse.

Auch die Geschichte des Ortes wird dabei nicht unkritisch verklärt. Zuses Verhältnis zum NS-Regime wird im Projekt ausdrücklich thematisiert. Zwar war er kein Mitglied der NSDAP, arbeitete während des Zweiten Weltkriegs jedoch unter anderem an Berechnungen für militärische Flugzeugtechnik. Dieser Teil seiner Biografie gehört ebenso zur Auseinandersetzung mit dem historischen Ort.

Das Projekt bekommt einen ungewöhnlichen Abschluss. Aus einem Grundstück, auf dem einst einer der ersten Computer entstand, wächst fast neunzig Jahre später Wein, während Licht darüber wieder Binärcode transportiert.

Nullen und Einsen, Wurzeln und Mikrochips, Geschichte und Zukunft – »Z1BinärWein« bringt Dinge zusammen, die eigentlich nicht zusammengehören. Vielleicht ist gerade das ziemlich typisch Kreuzberg.

Und sollte dabei am Ende nicht nur eine spannende Geschichte, sondern auch ein guter Tropfen herauskommen, dürfte gegen diese Form der Digitalisierung kaum jemand etwas einzuwenden haben.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Oktober 2026 (auf Seite 13).

Neue Lust auf Gegenwartskunst im Kiez

Ein Rückblick auf die 16. ART Kreuzberg

Die 16. ART Kreuzberg zeigte eindrucksvoll, wie unmittelbar zeitgenössische Kunst im Stadtteil wirken kann: Drei Tage lang wurde der Kiezraum auf dem Dragonerareal zum offenen Treffpunkt für Kunst, Begegnung und Austausch. Rund 30 Positionen aus Malerei, Grafik, Fotografie, Lichtkunst, Performance und Kalligrafie boten einen vielseitigen Einblick in das aktuelle Kunstschaffen im Kiez. Besonders lebendig wurde das Festival durch die Öffnung in den Stadtraum: Cafés, Restaurants, Höfe und private Atelierwohnungen verwandelten sich in temporäre Kunstorte. Das verlieh der Veranstaltung eine offene und bewegliche Atmosphäre.

Besucherinnen und Besucher in einem Ausstellungsraum mit Gemälden und Fotografien an den Wänden.Offener Kunstort. Foto: F. Meynersen

Musik, Lesungen, ein Kurzvortrag, die Präsentation des Grafikkalenders, Artist Talks und geführte Rundgänge bereicherten das Programm und wurden von rund 300 Besucher*innen wahrgenommen.

Die Kooperation mit Upstadt e. V. / Glox stärkte die lokale Vernetzung. Die Nähe zur Ausstellung »Kreuzberg« im Gropius Bau schuf zudem eine spannende Perspektive: Während das Museum den Stadtteil historisch rahmt, zeigt ART Kreuzberg aktuelle Kunst dort, wo sie entsteht – mitten im Kiez.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Oktober 2026 (auf Seite 7).

Kreatives für Kleine und Große

Die Berlinische Galerie lädt ein

Der Blick aus dem Fenster zeigt es: die Tage werden kürzer, das Wetter wechselhafter und die Spielplatz- und Draußen-Tobe-Saison neigt sich dem Ende zu. Wer noch Inspiration für kreative Aktivitäten für die Familie sucht, wird eventuell bei der Berlinischen Galerie fündig.

Los geht es am 10.10. mit der »Kindervernissage«: Ab 15 Uhr warten im ganzen Museum Stationen zum Mitmachen, Zeichnen, Bauen und Spielen auf die kleinen Gäste. Die Veranstaltung richtet sich an Kinder ab 6 Jahre. Jüngere Geschwister dürfen gerne mitkommen, der Eintritt ist frei, der Einlass beginnt um 14:30 Uhr. Inspiriert wird das Ganze durch Werke der Künstler*innen Lovis Corinth und Jeewi Lee und des Architekten Josef Kaiser. Unter dem Motto »Alles Theater!« können ausgehend von Lovis Corinths Entwürfen Kostüme und Bühnenbilder geschaffen werden. »Stadtleben, Stadtschatten« lädt in Anlehnung an die Ausstellung zu Josef Kaiser dazu ein, eine imaginäre, drei-dimensionale Stadtlandschaft zu gestalten. Und die »Bröselnde Landschaft« entsteht aus kinetischem Sand, im Stil von Jeewi Lee.

Am 25.10. um 14:00 Uhr startet die Family Tour. In dieser Führung können Familien mit Kindern ab 7 Jahren spielerisch die Ausstellung »Lovis Corinth. Dann kam Berlin!« erleben. Die Führung ist im Museumseintritt enthalten, aufgrund der begrenzten Teilnehmendenzahl ist eine Anmeldung bis drei Tage vor dem Termin erforderlich. Jüngere Geschwister dürfen mitgebracht werden. Der nächstfolgende Termin ist der 01.11.2026.

Ebenfalls am 25.10. und 01.11. von 14:30 Uhr bis 17:30 Uhr können Kinder ab 3 Jahren und Erwachsene die Möglichkeiten entdecken, die kinetischer Sand bietet; ein Material, das an sich selbst haftet und sich immer wieder neu formen lässt. Und daraus werden Bilder: Die Formen und Umrisse können mit dem Zeichenstift festgehalten werden und werden dann in unterschiedlichen Größen projiziert – auf den Spuren der Künstlerin Jeewi Lee und ihrer Ausstellung »Residual Memories«. Der Workshop »Kleiner Kosmos Sand« ist im Eintritt enthalten, der Einstieg ist jederzeit möglich.

Der Kunstsonntag am 18.10. steht im Zeichen der Stop-Motion-Filmtechnik. Von 11 bis 14 Uhr können Familien mit Kindern ab 8 Jahren ihren eigenen Film in dieser Technik erstellen, bei der Bilder von unbewegten Motiven aufgenommen und anschließend aneinandergereiht werden. Am Ende des Workshops werden die Filme zusammen präsentiert. Die Kosten für die Teilnahme einer erwachsenen Person und eines Kindes, inklusive Materialkosten, betragen 20 Euro. Der Workshop in Deutsch, Farsi, Dari und Englisch findet im Atelier »Bunter Jakob« statt, eine Anmeldung bis drei Tage vor dem Termin ist erforderlich.

Weitere Termine für Kinder und Familien gibt es auf der Website der Berlinischen Galerie.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Oktober 2026 (auf Seite 10).

Kulturschaffende bringen sich ein

Kampagne #DeineStimmeFürKultur gestartet

Demonstration gegen KulturabbauDemo gegen Kulturabbau. Foto: Christian von Polentz/transitfoto.de

Im Vorfeld der Berlin-Wahl startete im April die Kampagne #Deine­Stimme­Für­Kultur, mit der die  Initiatoren Kultur im Wahljahr sichtbar machen und deutlich zeigen wollen: Kultur ist kein Luxus, sondern demokratischer Raum, gesellschaftlicher Motor und prägender Teil der Berliner Identität. Gleichzeitig stehen viele kulturelle Einrichtungen und Akteur*innen zunehmend unter Druck – durch steigende Kosten, unsichere Förderstrukturen, den Verlust kultureller Räume und prekäre Arbeitsbedingungen.

Kulturakteur*innen aus mehr als 480 Berliner Institutionen und Organisationen haben bislang eine gemeinsame Erklärung unterschrieben, die die Politik zu einem klaren Bekenntnis zur Berliner Kultur auffordert.

Dabei geht es nicht nur um vorrangig finanzielle Aspekte wie einen dauerhaft abgesicherten Anteil von 3% des Landeshaushalts, verlässliche Förderstrukturen und ein Kulturfördergesetz, faire Honorare und soziale Absicherung sowie Investitionsmittel für Kulturbauten und zukunftsfähige Infrastruktur, sondern auch um die Sicherung der Kunstfreiheit und der Autonomie der Kultur, um den Ausbau von Diskriminierungsschutz und Barrierefreiheit und die Stärkung von kultureller Bildung und breiter gesellschaftlicher Teilhabe.

Ziel ist ein verbindlicher Dialog der Politik mit der Kultur und die Beteiligung der Kulturschaffenden an kulturpolitischen Entscheidungen.

In zwei Aktionswochen (10.–16.6. und 2.–8.9.) wollen die Unterzeichnenden die Vielfalt der Berliner Kultur sichtbar machen. Nähere Informationen zur Kampagne, zu Terminen und zu Unterstützungsmöglichkeiten gibt es hier.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Juni 2026 (auf Seite 1).

Subkultur, Erinnerung und Kreuzberg

Harald Schulzes »Blaue Filme« sind ein szenisches Zeitdokument

Hält man das Buch in der Hand und beginnt zu lesen, zeigt sich schnell: Es besteht aus einer Folge literarischer Momentaufnahmen aus einem längst vergangenen Berlin und eröffnet Räume zwischen Erinnerung, Traum und filmischer Imagination. Die Texte entfalten sich wie Szenen eines alten Super-8-Films: verschwommen, sprunghaft und manchmal irritierend, zugleich aber von großer atmosphärischer Dichte.

Buchcover »Blaue Filme«

Harald Schulze montiert Dialogsplitter, Straßenbilder, Musik und Traumsequenzen zu einem ka­lei­do­skop­ar­ti­gen Panorama, das eher erlebt als entschlüsselt werden will. Die einzelnen Episoden wirken oft wie Fragmente eines nie vollständig gezeigten Drehbuchs. Vieles bleibt offen, Andeutungen ersetzen Erklärungen. Gerade dadurch entsteht ein besonderer Reiz: Der Lesende bewegt sich dabei eigenständig zwischen vertrauten und unbekannten Orten, folgt Assoziationen und Stimmungen statt einer klaren Handlung.

Im Zentrum steht weniger eine Geschichte als ein bestimmtes Lebensgefühl. Das West-Berlin der späten siebziger und frühen achtziger Jahre erscheint als Ort zwischen kultureller Aufbruchsstimmung und urbanem Verfall. Die Vielfalt jener Zeit prägt jede Seite: alternative Musikszene, kleine Tonstudios, nächtliche Begegnungen, Hausbesetzer, Punks, Popper und Randfiguren des Großstadtlebens bilden eine schillernde Kulisse. Kneipen, improvisierte Konzerte und nächtliche U-Bahnfahrten verdichten sich zu Bildern einer eingeschlossenen Inselstadt, die zugleich rau und voller kreativer Energie wirkt.

Die Nähe zu Kreuzberg ist spürbar – Mehringdamm, Yorckschlösschen, Kreuzberg, Tempodrom. Prägend für die Texte: das Nebeneinander von Chaos, politischer Spannung und künstlerischer Freiheit. Kreuzberg als Sinnbild einer unangepassten Stadtkultur.

»Blaue Filme« funktioniert deshalb nicht nur als Literatur, sondern auch als szenisches Zeitdokument eines verschwundenen West-Berlins. Sprachlich fühlt man Rhythmus und bildhafte Verdichtungen. Manche Passagen lesen sich wie Songtexte oder Notizen für einen experimentellen Film. Das macht die Lektüre faszinierend, verlangt aber auch Geduld. Wer einen stringenten Handlungsverlauf oder psychologisch ausgearbeitete Figuren erwartet, wird hier kaum fündig.

Die Stärke des Buches liegt klar in seiner sprachlichen Dichte und Stimmungskraft. Lesende, die offen für experimentelle Literatur sind, werden an »Blaue Filme« Gefallen finden. Schulze gelingt ein eindringliches Porträt eines verschwundenen West-Berliner Lebensgefühls – melancholisch, roh und zugleich voller flüchtiger Schönheit, wie ein nächtlicher Spaziergang durch Kreuzberg kurz vor dem Morgengrauen.

Harald Schulze ist ein in Berlin lebender Autor und Anästhesist. Veröffentlicht wurde das Hardcover-Buch 2025 bei BoD – Books on Demand, 84 Seiten, ISBN 978-3-6951-9116-1. Collagen, Fotos und Zeichnungen verleihen dem Buch eine besondere Wirkung.

Link zum Buch im BoD-Buchshop

Erschienen in der gedruckten KuK vom Juni 2026 (auf Seite 7).

Das Festivalgefühl kann kommen

In Kreuzberg ist die Open-Air-Saison gestartet

Bühne auf dem Karneval der KulturenSeit 30 Jahren steht der Karneval der Kulturen für musikalische und kulinarische Vielfalt. Foto: bm

Sobald in Berlin die ersten warmen Nächte beginnen, startet in Kreuzberg die schönste Zeit des Jahres. Cafés stellen ihre Tische auf die Gehwege, Musiker spielen bis spät in die Nacht und zwischen Bergmannkiez und Landwehrkanal entsteht echtes Festivalgefühl. Der Open-Air-Sommer 2026 bringt drei Höhepunkte: den Karneval der Kulturen, die Fête de la Musique und das Kreuzberg-Festival. 

Den Auftakt machte der Karneval der Kulturen vom 22. bis 25. Mai, der in diesem Jahr sein 30-jähriges Jubiläum feierte. Der Blücherplatz wurde über Pfingsten erneut zum Treffpunkt für Musik, Tanz und kulinarische Vielfalt. Höhepunkt war der Straßenumzug am 24. Mai. Wegen der Baustellen in der Gneisenaustraße verlief die Parade erneut durch Friedrichshain entlang der Frankfurter Allee und Karl-Marx-Allee. Knapp 70 Gruppen mit Sambabands, Stelzenläufern, afrikanischen Tänzern und karibischen Klängen verwandelten die Straßen in ein Fest der Vielfalt. Viele Besucher schätzen die Mischung aus Kultur, Politik und ausgelassener Stimmung. »Der Karneval zeigt jedes Jahr, wie offen und international Berlin sein kann«, sagte Besucherin Judy aus Neukölln. Seit seiner Gründung versteht sich das Festival als Zeichen gegen Ausgrenzung und für ein solidarisches Miteinander. Mehr als 1,1 Mio. Menschen besuchten den diesjährigen Karneval. Gleichzeitig mussten die Veranstalter erstmals zu Spenden aufrufen, da die öffentlichen Fördermittel nicht mehr ausreichten.

Nur wenige Wochen später übernimmt die Musik die Straßen: Am 21. Juni macht die Fête de la Musique Berlin erneut zur offenen Bühne. Zwischen Oranienstraße, Bergmannstraße und Paul-Lincke-Ufer wechseln sich DJs, Brassbands und Singer-Songwriter ab. Das Besondere: Alle Konzerte sind kostenlos und frei zugänglich.

Fête de la Musique und Kreuzberg-Festival locken auf die Straße

Viele Besucher ziehen spontan von Bühne zu Bühne oder tanzen direkt auf dem Gehweg. Ab 14 Uhr präsentieren sich zum Beispiel auf der mog61-Bühne in der Fürbringerstraße sieben Live-Acts.

Straßenfest zum Karnveval der Kulturen vor der Heilig-Kreuz-KircheStraßenfest am Blücherplatz. Foto: phils

Ende des Monats folgt schließlich das Kreuzberg-Festival vom 26. bis 28. Juni, vielen älteren Berlinern noch als Bergmannstraßenfest bekannt. Der Kiez nördlich des Viktoriaparks verwandelt sich dann in eine lebendige Flaniermeile mit Livemusik, Kunsthandwerk und internationalen Spezialitäten. Familien sitzen mit Picknickdecken am Straßenrand, Kinder tanzen vor den Bühnen und Nachbarn treffen sich zwischen Fa­la­fel­stand und Cocktailbar.

Kreuzberg wird im Sommer 2026 wieder zum Treffpunkt für internationale Kultur, pulsierendes Nachtleben und kreative Bühnen im ganzen Kiez.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Juni 2026 (auf Seite 1).

Magere Zeiten für Bücherwürmer

Wie sich die Kürzung der Mittel auf die ZLB auswirkt

Das Land Berlin kürzt seinen Kultureinrichtungen – und damit auch der Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) – Zuwendungen in größerem Umfang. Das bedeutet einen harten Einschnitt. In konkreten Zahlen ausgedrückt, werden insgesamt jährlich 2,2 Millionen Euro fehlen. 

Was bedeutet das nun konkret für die Nutzer*innen?

Fangen wir mit den positiven Nachrichten an: Die umfangreichen Öffnungszeiten – Montag bis Freitag bis 21 Uhr, Samstag bis 19 Uhr – bleiben vorerst erhalten. Auch die Sonntagsöffnungszeit der Amerika-Gedenkbibliothek (AGB) kann bis auf weiteres noch angeboten werden. Innerhalb dieser Zeiträume können sämtliche Selbstbedienungsleistungen der Bibliothek genutzt werden.

Das Hauptgebäude der Amerika-Gedenkkbibliothek aus der Luftperspektive2,2 Millionen Euro werden der Zentral- und Landesbibliothek Berlin jährlich fehlen. Foto: rsp

Im Gegensatz dazu müssen ab dem 01.07.2025 die Servicezeiten eingeschränkt werden. Dies betrifft Leistungen, die durch die Mitarbeitenden der Bibliothek ausgeführt werden, wie die Erteilung von Auskünften, die Ausstellung bzw. Erneuerung von Bibliotheksausweisen und die Bereitstellung von Medien aus dem Magazin. Diese Zeiten werden täglich um eine Stunde gekürzt. Um die Berufstätigen in der Leserschaft nicht zu benachteiligen, endet die Servicezeit an Montagen erst um 20 Uhr. Von Dienstag bis Samstag sind die Mitarbeitenden nur noch bis 19 Uhr anzutreffen. Zudem werden an beiden Standorten einzelne Beratungstheken geschlossen. Aufgrund der Kürzungen müssen über die nächsten Jahre ca. 30 Stellen eingespart werden; auch das wird sich auf die Betreuung der Nutzenden auswirken. 

Ein weiterer Verlust ist die im Sommer sehr beliebte Frischluftbibliothek auf der Wiese vor der AGB. Diese kann 2025 nicht mehr angeboten werden. Wer aber eine Decke oder andere eigene Sitzgelegenheit mitbringt, ist herzlich eingeladen, es sich dort weiterhin mit einem Buch aus der Bibliothek gemütlich zu machen. Zusätzlich wird dort das Bibliotheks-WLAN zur Verfügung gestellt.

Und auch im Bereich des Bestands und der Veranstaltungen machen sich die Kürzungen bemerkbar: Zukünftig werden weniger Veranstaltungen durchgeführt. Abonnements von Zeitungen und Zeitschriften, die weniger genutzt werden, müssen gekündigt werden. Dies wird aktuell ca. 200 Publikationen betreffen. Und auch die digitalen Angebote im VÖBB werden sich sukzessive verringern.

Wie Nutzer*innen ihre Bibliothek unterstützen können

Der Abbau in den Verwaltungs- und anderen Bereichen der ZLB ist zwar für die Nutzer*innen nicht direkt spürbar, die Auswirkungen auf die gesamte Arbeit werden sich jedoch zukünftig bemerkbar machen. 

Fazit: Weitere Kürzungen wird die ZLB nicht verkraften können! Und deshalb fordert sie die Nutzer*innen auf ihrer Website, auf Stellwänden im Foyer und mit einer Postkartenaktion zum Protest auf. An der Servicetheke liegen Postkarten zum Ausfüllen bereit, die gesammelt und im Roten Rathaus übergeben werden sollen. 

Die Bibliothek bittet um zahlreiche Unterstützung – ob nun per Hashtag in den Sozialen Medien, per Post oder E-Mail an den Regierenden Bürgermeister oder mittels der oben genannten Postkartenaktion. Ausführliche und stets aktuell gehaltene Informationen gibt es unter www.zlb.de/kuerzungen.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Juli 2025 (auf Seite 1).

Queere Filme zum Fest der Liebe

Weihnachtsfilmfestival mit Advents-Specials im Moviemento

Zwei Frauen stehen einander gegenüber und schauen sich an. Die linke trägt eine Weihnachtsmannmütze.»Carol« erzählt die Geschichte einer Liebe zwischen zwei Frauen im New York der 50er Jahre. Foto: Wilson Webb / DCM 2015

Der Dezember wird bunt: An jedem Adventssonntag präsentiert das Weihnachtsfilmfestival im Moviemento queere Kurz- und Spielfilme mit Bezug zum Thema Weihnachten. »Carol« von Todd Haynes – zu sehen am 15. Dezember – erzählt eine rührende Liebesgeschichte zwischen zwei Frauen im New York der 1950er Jahre. Zwei Kurzfilmprogramme am 8. und 22. Dezember nehmen sich den Themen »Nach Hause kommen« und »Stark bleiben« an. In den abwechslungsreichen kurzen Formaten finden sich Komödien, Dramen, Animations-, Experimental-, sowie Dokumentarfilme wieder.

Für den 24. und 26. Dezember ist zusätzlich ein »Xmas Animation Special« geplant. Infos zum Programm werden rechtzeitig unter ­weihnachtsfilmfestival.de veröffentlicht.

Die Filmscreenings starten jeweils um 19 Uhr. Tickets kosten 12 Euro, ermäßigt 10 Euro.

Das Festival hat sich seit 2016 den unkonventionellen Weihnachtsfilmen verschrieben und ist das einzige seiner Art in Europa.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Dezember 2024 (auf Seite 14).

Märchen für Kinder und Erwachsene

Außergewöhnliche Lesungen im Kiezladen

Die Berliner Märchentage sind ein fester Bestandteil der Kulturszene der Hauptstadt und entführen seit Jahrzehnten in die faszinierende Welt der Märchen. Zur 35. Ausgabe der Veranstaltung schließt sich der Verein mog61 e.V. dieser Tradition an und öffnet seinen Kiezladen für zwei außergewöhnliche Lesungen. Unter dem Titel »Zauberhafte Reise durch die Märchenwelt« lädt die interaktive Lesereihe zum gemeinsamen Erleben spannender Geschichten und lebendiger Märchenfiguren ein – ein magisches Erlebnis für alle Generationen.

Teil 1: Magie für die Kleinsten

Am Samstag, den 9. November um 15:00 Uhr beginnt das Abenteuer für Kinder und alle Junggebliebenen. Bekannte Märchenfiguren erwachen zum Leben und kreative Mitmachaktionen laden zum Entdecken ein. Ein leckeres Buffet sorgt für das leibliche Wohl.

Teil 2: Märchenabend für Erwachsene

Am Samstag, den 23. November um 19:00 Uhr folgt ein Abend für Erwachsene – Kinder sind natürlich herzlich willkommen! In stimmungsvoller Atmosphäre entführen talentierte Märchenerzähler:innen in die Welt der Volksmärchen. Ein Buffet lädt auch hier zum gemütlichen Beisammensein ein.

Ein Fest der Fantasie

Mit interaktiven Elementen und spannenden Rätseln bringt mog61 e.V. den Zauber der Berliner Märchentage in den Kiez und schafft ein unvergessliches Erlebnis für die ganze Familie. Der Eintritt ist frei, für das leibliche Wohl ist gesorgt. Eine Anmeldung unter kontakt@mog61ev.de ist erwünscht, aber auch spontane Gäste sind herzlich willkommen!

Ort: mog61 Kiezladen, Mittenwalder Str. 49, 10961 Berlin

Kleinverlagsinteressenvertretung

Neue Interessengemeinschaft formiert sich

Erstes Verlagstreffen im Mehringhof. Foto: privat

Ende Juni hat sich im Clash im Mehringhof eine Interessengemeinschaft unabhängiger Berliner Verlage formiert. Die Gemeinschaft hat es sich zum Ziel gesetzt, die Interessen der kleinen und unabhängigen Verlage in Berlin zu vertreten, den Austausch untereinander zu fördern und gemeinsame Projekte zu realisieren.

»Der deutsche Buchhandel, einst eine tragende Säule der Kultur- und Wissensvermittlung, steckt in einer existenziellen Krise«, heißt es in einer Pressemitteilung der Interessengemeinschaft. »Neben der fortschreitenden Digitalisierung und veränderten Konsumgewohnheiten haben auch wirtschaftliche Herausforderungen und die Konkurrenz durch internationale Online-Riesen wie Amazon zu einer existenziellen Bedrohung für viele Buchhandlungen und Verlage geführt.« Covid19-Pandemie und die Folgen des Ukrainekriegs hätten die Lage weiter verschärft und den Kollaps zahlreicher Verlage und Buchhandlungen beschleunigt. Eine der Forderungen an die Politik ist daher die Einführung einer strukturellen Verlagsförderung – wie sie bereits im Koalitionsvertrag vereinbart worden ist.

Als erstes gemeinsames Projekt plant die Interessengemeinschaft eine dreitägige Independent-Buchmesse im kommenden Jahr. Ein Förderantrag hierfür wurde bereits beim Hauptstadtkulturfonds des Senats eingereicht.

Die an der Gründung beteiligten Verlage sind:

Erschienen in der gedruckten KuK vom Juli 2024 (auf Seite 13).

Ein bitterböser Abgesang auf das schöne Spiel

Peter S. Kaspar hat Dominik Bardows Fußballroman »Trainingslager« gelesen

Die deutschsprachige Literatur kennt das Genre »Fußballroman« eher nicht. Wer danach im Internet sucht, bekommt fast ausschließlich eine Palette von Jugendromanen geboten. In der Belletristik hat bestenfalls »Fever Pitch« des Engländers Nick Hornby dem Fußball zu einem gewissen literarischen Erfolg verholfen. Das weiß auch Dominik Bardow, ehemaliger Sportredakteur des Tagesspiegels und bekennender Eintracht-Frankfurt-Fan. Dass er mit dem Roman »Trainingslager« das Thema Fußball bedient, ist daher einigermaßen mutig, aber vielleicht auch Ausdruck einer gewissen Verzweiflung. Mit seiner bitterbösen Satire gibt er all jenen Raum, die den allmählichen Untergang des »Jogo Bonito« betrauern.

Cover »Trainingslager« von Dominik BardowBardows Fußballroman »Trainingslager« ist ein bitterböser Abgesang auf das schöne Spiel.

So nennen Brasilianer den Fußball nämlich: das »schöne Spiel«. Und ein Brasilianer ist es auch, um den sich dieser Fußballkrimi letztlich dreht. Doch jener Jimmi ist kein Garrincha, kein Pelé und kein Ronaldo (nein nicht Cristiano Ronaldo!!). Er taugt bestenfalls noch als schlechtes Abziehbild eines großen Fußballers und wird dadurch zum Sinnbild für den Untergang des schönen Spiels.

Und darum geht es: Der desolate »HauptStadtClub« hat in den österreichischen Alpen sein Trainingslager aufgeschlagen. Dort wird der heruntergekommene und meist betrunkene Sportreporter Holle Schneise Zeuge einer Entführung. Eben jener Jimmi, wichtigster Spieler des Clubs, wird offenbar verschleppt. Holle macht sich mit Jimmis Verlobter Amira Brösel auf die Suche nach dem Verschwundenen. Die beiden Jäger nach dem verlorenen Fußballer geraten dabei in ein wahnwitziges Netz von Lügen und Intrigen, in dem schnell alles Sportliche und alles Menschliche auf der Strecke bleibt, weil nur noch der Kommerz regiert.

Mit viel Wortwitz und Sarkasmus jagt Bardow seine beiden Hauptprotagonisten von einer irrsinnigen Situation in die nächste. Das ist oft amüsant bis komisch, doch bisweilen bleibt einem das Lachen dann doch im Halse stecken. So überdreht die Handlung manchmal daherkommt, so sehr schimmert auch immer wieder durch, was den Fußball kaputt macht. Vieles wird dem Kenner der Materie bekannt vorkommen. Doch Situationen und handelnde Personen sind meist aus verschiedenen Versatzstücken zusammengefügt, so dass das Buch eher ein Kaleidoskop ist als ein Schlüsselroman, auch wenn es sehr verlockend ist, Bezüge zur realen Welt herzustellen.

Der Roman ist nicht nur ein Abgesang auf den Fußball, wie er einmal war, sondern auch auf die Medien, ohne die der Profifußball gar nicht denkbar ist. Hier sprengt das Buch auch den Rahmen des Fußballromans und wird zur Gesellschaftskritik. Beklemmend zeigt es den Bedeutungsverlust der klassischen Medien, die mehr und mehr von digitalen und sozialen Medien ersetzt werden und ihre Deutungshoheit verlieren oder gar freiwillig für ein paar Klicks aufgeben.

So ist »Trainingslager« nicht nur ein Buch für eingefleischte Fans des runden Leders. Auch überzeugte Vertreter der fußballfernen Bildungsschichten werden ihre Freude daran haben – und sei es nur, weil sie alle ihre Klischees bestätigt sehen. So lustig das Buch auch geschrieben ist, am Ende fällt einem vielleicht doch noch das Wort des großen Bill Shankly ein: »Es gibt Leute, die denken, Fußball sei eine Frage von Leben und Tod. Ich mag diese Einstellung nicht. Ich kann Ihnen versichern, dass es noch sehr viel ernster ist.«

Dominik Bardow
Trainingslager
Klappenbroschur
336 S., 20,00 €
Carpathia Verlag
ISBN 978-3-98630-020-3
mehr Infos

Die Buchpremiere findet am 13.10. um 19 Uhr im Backbord statt.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Oktober 2023.

Für Kinder und Erwachsene

Bei Anagramm gibt es Bücher für Menschen, die gerne denken

Was wäre die Welt ohne Bücher? Sicherlich ein ganzes Stück langweiliger und dümmer. In dieser Reihe stellen wir Orte vor, an denen es Literatur zum Anfassen und Erleben gibt: Ob Belletristik, Sachbuch, Kochbuch, Lyrikband oder Fachbuch – Kreuzberger Buchhandlungen haben für jeden die passende Horizont­erweiterung im Angebot.

Die Buchhändlerinnen Sonja Marchewa und Katja Dotzauer zwischen Bücherregalen in der Buchhandlung AnagrammKennen den Geschmack der Nachbarschaft: Sonja Marchewa und Katja Dotzauer. Foto: rsp

Trotz ihrer Größe von rund 140 Quadratmetern droht die Buchhandlung Anagramm in der Trubeligkeit des Mehring­damms fast ein wenig unterzugehen. Was schade wäre – denn in dem geräumigen Ladenlokal findet sich ein sorgfältig kuratiertes Lektüreangebot für jedes Alter: Etwa die Hälfte der Titel machen Kinder- und Jugendbücher aus, womit die Buchhandlung, die 1976 (noch in der Großbeerenstraße) als »Kinderbuchladen Kreuzberg« gegründet wurde, gewissermaßen ihrer Tradition treu bleibt.

Wo anderswo die Titel der Spiegel-Best­seller­lis­te aufgereiht werden, präsentiert Anagramm eigene Favoriten: In den Büchern auf dem Tisch nahe dem Eingang stecken kleine Empfehlungskärtchen der drei Buchhändlerinnen, die ziemlich genau wissen, was die Kundinnen und Kunden aus der Nachbarschaft mögen.

Und was mag die Nachbarschaft? »Sie denkt gerne«, sagt Buchhändlerin Sonja Marchewa. Deshalb lasse man im Zweifelsfall auch »lieber mal eine Schmonzette weg«.

Ein Fokus des Ladens ist Feminismus, generell findet man bei Anagramm viel Literatur von Frauen. Neben deutschsprachiger Belletristik und Sachbüchern gibt es auch zwei Regale mit englischen Titeln – und eine Wand mit Graphic Novels.

Zweimal im Jahr präsentieren die Buchhändlerinnen ihre Empfehlungen in gebündelter Form bei Buchvorstellungsabenden. Außerdem finden regelmäßig – etwa einmal im Monat – Lesungen statt.

Erschienen in der gedruckten KuK vom September 2023.

Gebrauchte Geisteswissenschaften

Im Antiquariat Minx in der Bergmannstraße gibt es noch einige Buchschätze zu heben

Was wäre die Welt ohne Bücher? Sicherlich ein ganzes Stück langweiliger und dümmer. In dieser Reihe stellen wir Orte vor, an denen es Literatur zum Anfassen und Erleben gibt: Ob Belletristik, Sachbuch, Kochbuch, Lyrikband oder Fachbuch – Kreuzberger Buchhandlungen haben für jeden die passende Horizont­erweiterung im Angebot.

Antiquar Rainer Minx zwischen vollen Regalen und Bananenkisten voller alter Bücher.Antiquar Rainer Minx zwischen vollen Regalen und Bananenkisten voller alter Bücher. Foto: rsp

Rund 25.000 Bücher dürften es sein, die in den Räumen des Antiquariats an der Ecke Bergmannstraße/Schenkendorfstraße auf neue Leser warten. Ganz so genau kann Rainer Minx, der das Geschäft seit 23 Jahren zusammen mit Mitinhaber Wilhelm Fetting betreibt, es nicht sagen; die Rechengröße des Antiquars ist die Bananenkiste – und von denen gibt es auf den rund 80 Quadratmetern etliche zwischen den vollen Regalen. Weitere Bestände finden sich in Minx’ Zweitladen ein paar Meter die Schenkendorfstraße hinauf sowie in einem weiteren Antiquariat in der Bücherstadt Wünsdorf in Brandenburg.

Auch wenn – auch und gerade unter den bei gutem Wetter vorm Laden aufgestellten Büchern – einige belletristische Titel und sogar Musik-CDs dabei sind, liegt der Fokus des Geschäfts doch eindeutig bei den Geisteswissenschaften: Theater und Kultur, Philosophie und Psychologie, Theologie, Judaica und eine ganze Menge Bücher, die sich mit Marxismus beschäftigen.

Das ist heutzutage, das sagt auch Rainer Minx, nicht gerade das, was sich besonders gut verkauft. Richtige Sammler gäbe es kaum noch, und jüngere Menschen würden gar nicht erst auf die Idee kommen, sich eine eigene Bibliothek aufzubauen.

Und doch gibt es immer wieder Menschen, die in dem Laden auf Entdeckungsreise gehen und den einen oder anderen Schatz heben – und damit den zynischen Fatalismus des passionierten Buchhändlers Lügen strafen. Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert!

Erschienen in der gedruckten KuK vom August 2023.

Buchhandlung mit Druckwerkstatt

Große Auswahl für minderjährige Literaturfans bei Krumulus am Südstern

Was wäre die Welt ohne Bücher? Sicherlich ein ganzes Stück langweiliger und dümmer. In dieser Reihe stellen wir Orte vor, an denen es Literatur zum Anfassen und Erleben gibt: Ob Belletristik, Sachbuch, Kochbuch, Lyrikband oder Fachbuch – Kreuzberger Buchhandlungen haben für jeden die passende Horizont­erweiterung im Angebot.

Zwei Buchhändlerinnen von einem BücherregalBuchhändlerin Kerstin Hanne und Inhaberin Anna Morlinghaus. Foto: rsp

»Liebe kleine Krummelus, niemals will ich werden gruß«, lautet der Zauberspruch, mit dem Pippi Langstrumpf und ihre Freunde Tommy und Annika dem Erwachsenwerden abschwören. Die Buchhandlung Krumulus (mit drei U und einem M) am Südstern bietet auf jeden Fall genug Material, um die Zeit des Nicht-Erwachsenseins gut zu überstehen: Bilderbücher, Vorlesebücher, Bücher für Erstleser, Kleinkinder und Jugendliche finden sich auf den rund 80 angenehm verwinkelten Quadratmetern ebenso wie Sachbücher, Comics und Hörbücher für junge Menschen – mitgebrachte Erziehungsberechtigte können solange in der Erwachsenenecke abgestellt werden, die eine kleine Auswahl an Bestsellern und aktuellen Titeln bereithält.

Doch die sorgfältig kuratierte Auswahl an Kinder- und Jugendliteratur ist nicht alles, was der 2014 eröffnete Laden zu bieten hat: Im hinteren Galerieraum gibt es regelmäßige Ausstellungen mit Illustrationen, bei denen immer eines oder mehrere Bücher im Mittelpunkt stehen. Dort findet auch der Vorlesesalon für Kitagruppen und Schulklassen statt, außerdem gibt es Lesungen, Buchpremieren, Theater und musikalische Angebote für Familien sowie den Buchclub für Menschen zwischen 8 und 18.

In der Druckwerkstatt im Keller werden darüber hinaus Workshops für Kinder und Jugendliche angeboten, bei denen zum Beispiel Siebdruck und Linolschnitt ausprobiert werden können. In der Stempelwerkstatt können in den Sommerferien eigene Stempel gestaltet werden.