Buntes Kreuzberg: Rosa

Wenn es in langen, dicken Rohren geheimnisvoll rauscht

Foto: ksk

Es sind Kunstwerke und sie führen eindrucksvoll vor, wie man einen simplen Gebrauchsgegenstand mit ein bisschen Kreativität in etwas ganz Besonderes verwandeln kann. Die auffälligen rosafarbenen Rohre zieren seit ein paar Wochen die Gneisenaustraße, schlängeln sich elegant am Finanzamt vorbei und münden schließlich östlich der Amerika-Gedenkbibliothek in den Landwehrkanal.

Nein, sie markieren nicht die Grenze zwischen dem Bergmann- und dem Mittenwalder Kiez, sie befördern auch kein Öl oder Gas, sondern lediglich Grundwasser, das bei einem Bauvorhaben an der Ecke Gneisenau- / Nostitzstraße abgepumpt wird. Die Berliner Firma Pollems ist auf solche Grundwasserabsenkungen spezialisiert und die Rohre sind so hübsch rosa, weil vor 25 Jahren Kinder bei Bastelarbeiten im Kindergarten das die schönste Farbe fanden.

Was für eine tolle Idee! Wenn man das Ohr an eines der Rohre legt, hört man es übrigens leise rauschen.

Die Invasion der Fahrradfahrer

Beim Kampf um den Straßenraum bleiben Fußgänger zunehmend auf der Strecke

Dass die Corona-Pandemie nicht mehr so ernst genommen wurde und die Menschen sich wieder auf die Straße trauten, erkannte man auch an den vielen Fahrradfahrern auf den Trottoirs. Aus Angst vor Viren in der U-Bahn holten offenbar viele ihr kaum genutztes Rad aus dem Keller, (…)

Erschienen in der gedruckten KuK vom Juli 2020.

Menschenkette mit Maskenpflicht

#Unteilbar verlangt in Kreuzberg: »Black Lives Matter!«

Die Sonne schien, überhaupt herrschte wunderbares Sommerwetter, die Stimmung war sehr entspannt und endlich einmal musste man zum Demonstrieren nicht bis zum Kanzleramt oder zum Alexanderplatz laufen. Das »Band der Solidarität«, welches das Bündnis #Unteilbar am 14. Juni spannte, reichte bis nach Kreuzberg: über Baer­wald-, Gneisenau­straße und Hasenheide bis (…)

Erschienen in der gedruckten KuK vom Juli 2020.

Durstige Straßenbäume …

… würden Bewässerungssäcke ausleihen (wenn sie könnten)

So ein Bewässerungssack ist eine nützliche Sache. Im Prinzip ist es nur ein großer Plastikbeutel, in den man 75 Liter Wasser hineinschütten kann. Aber weil er unten viele kleine Löcher hat, gibt er das Wasser nur langsam wieder ab und wirkt wie eine Betropfungsanlage, erklärt Christian Hönig vom BUND.

Das (…)

Erschienen in der gedruckten KuK vom Juli 2020.

Dilek Kalaycis Angst vor klaren Worten

Großes Rätselraten um die neue Corona-Quarantäne-Station in der Blücherstraße 26B

Am Ende ging alles so schnell, dass man schier nicht mehr hinterherkam. An einem Tag saß noch der Maler auf der Leiter vor der Front des »House of Life« und tilgte den alten Schriftzug. Am nächsten prangte dort schon das neue Logo von »Vivantes«. Der vom (…)

Erschienen in der gedruckten KuK vom Juli 2020.

Kleiner Verein sucht neues Zuhause

Trauer und Wut über die Schließung des House of Life / namu Art for Life Network e.V. in Not

Die kurzfristige Schließung des House of Life Ende Mai hinterlässt im Kiez Spuren. Eineinhalb Jahrzehnte waren die Bewohner des Pflegeheims Teil der Nachbarschaft. Waren auf den Straßen präsent, tauchten beim Späti auf. Umgekehrt kam der Kiez dank (…)

Erschienen in der gedruckten KuK vom Juli 2020.

Kisch & Co kämpft gegen Verdrängung

Gut 150 Menschen kamen Ende Juni zu einer Kundgebung vor der Oranienstraße 25 zusammen. Die dort seit 23 Jahren ansässige Buchhandlung Kisch & Co ist akut von Verdrängung bedroht. Nachdem Verhandlungen über eine Mietvertragsverlängerung mit dem neuen Hausbesitzer, einem anonymen luxemburger Immobilienfonds, gescheitert waren, steht der Buchladen seit Anfang Juni ohne Mietvertrag, aber dafür mit Räumungsaufforderung da.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Juli 2020.

Hauptsache nicht in aller Stille

Die Zeiten, in denen nach der überraschenden Schließung eines Ladens oder einer Kneipe nur ein kleiner Zettel mit der Aufschrift »Geschlossen wegen Geschäftsaufgabe« von den Hintergründen kündet, scheinen so langsam der Vergangenheit anzugehören. Initiativen wie »Bizim Kiez«, vor fünf Jahren gegründet, um einen Obst- und Gemüseladen im Wrangelkiez (…)

Erschienen in der gedruckten KuK vom Juli 2020.

Die Sprache der Vögel

Wildes Kreuzberg: Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus) / Hotel Mama auf den Friedhöfen am Halleschen Tor

Die Sprache der Vögel zu verstehen, ist eine schwierige, nicht leicht zu erlernende Kunst. Der heilige Franziskus hat sie beherrscht, von dem Filmemacher Pier Paolo Pasolini gibt es in »Uccellacci e uccellini« einen hinreißenden Kommentar dazu. Die Friedhöfe am Halleschen Tor (…)

Erschienen in der gedruckten KuK vom Juli 2020.

Die Nacht ist nicht lang genug

Man kann über die Corona-Pandemie und die Social-Distancing-Maßnahmen sagen, was man will, aber zu einem waren sie immerhin gut: Ich konnte mich endlich einmal mit dieser DVD-Box beschäftigen, die vor ein paar Monaten im Sonderangebot war: eine vollständige Sammlung sämtlicher James-Bond-Filme, die bislang erschienen sind und von denen ich tatsächlich einige noch nicht kannte.

Der Film-Marathon brachte im Wesentlichen drei Erkenntnisse:

Erstens: Eigentlich gibt es nur ein bis zwei wahre Bond-Darsteller.

Zweitens: Das ist aber egal. Heutzutage darf offenbar jeder Bond spielen.

Drittens: Die Handlung ist eigentlich genauso beliebig wie die Besetzung.

Aus all dem folgt zwingend, dass es auch genauso gut einen Kreuzberger Bond-Ableger geben könnte, um nicht zu sagen: sollte.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Juni 2020.

Corona-Quarantäne im House of Life

Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci richtet dort eine „Temporäre Notfall-Pflegeeinrichtung“ ein

Plötzlich ging alles ganz schnell: Zunächst sollte das „House of Life“ in der Blücherstraße 26B erst zum 30. Juni geschlossen werden, ganz überraschend war es dann aber schon am 31. Mai soweit. Flugs wurden neue Schilder angebracht mit dem Vivantes-Schriftzug, der alte „House-of-Life“-Schriftzug übermalt. Große Geheimnistuerei allerorten. (…)

Endlich mit Aufzug

U-Bahnhof Gneisenaustraße wird barrierefrei und bekommt einen dritten Eingang

Ein oranger Bauwagen ist zu sehen, ein Container-Standplatz, kürzlich wurde sogar ein mächtiger Wetterschutz aufgerichtet. Am östlichen Eingang des U-Bahnhofs Gnei­se­nau­stra­ße wird seit Wochen gebaut. Die KuK hat bei der BVG nachgefragt: Derzeit wird die bisherige Treppe abgerissen, ein neuer Treppenlauf betoniert und außerdem noch ein schönes, (…)

Erschienen in der gedruckten KuK vom Juni 2020.

Für Kinder und Erwachsene

Panzerartige SUVs haben auf Spielstraßen keine Chance

Gerade erst hat es kräftig geregnet. Der lang ersehnte Schauer nach wochenlanger Trockenheit. Das Kopfsteinpflaster auf der Arndtstraße glänzt nass und silbrig. Kein Mensch ist bei dem Wetter unterwegs. Aber stimmt gar nicht: Ganz da vorne steht einsam eine Frau in türkisgrüner Warnweste. Das ist eine Ordnerin für die (…)

Erschienen in der gedruckten KuK vom Juni 2020.