Bezirksbürgermeisterin Herrmann kritisiert Senatspläne zur Erstaufnahmeeinrichtung
Zum Jahreswechsel 2026/2027 sollen hier bis zu 1000 Geflüchtete unterkommen. Foto: Gunnar Klack (CC BY-SA 4.0)Zum Jahreswechsel 2026/2027 soll im ehemaligen Dienstgebäude der Deutschen Rentenversicherung in der Hasenheide eine Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete eröffnet werden. Zwischen 750 und 1050 Menschen sollen hier nach den Plänen des Landesamts für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) unterkommen, darunter auch geschätzt 200 schulpflichtige Kinder und Jugendliche. Doch während sich die Beschreibung des Vorhabens auf der Website des LAF wie die eines wohldurchdachten Vorzeigeprojekts liest, sieht das Bezirksamt erhebliche Probleme und ungeklärte Fragen.
Ende November hat sich Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann mit einem Brief an den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner und die zuständige Senatorin Cansel Kiziltepe gewandt und um ein zeitnahes Krisengespräch gebeten. Schon, dass sich der Senat bei der Unterbringung von Geflüchteten künftig ausschließlich auf Großunterkünfte konzentrieren möchte, hält Herrmann für den falschen Weg.
»Diese Entscheidung ist eine Abkehr vom ursprünglich vereinbarten Vorgehen einer dezentralen Unterbringung Geflüchteter und belastet die verbleibenden und noch geplanten Unterkünfte und die entsprechenden Sozialräume unverhältnismäßig«, schreibt Herrmann.
Bereits im Juni hatte das Bezirksamt der Senatsverwaltung eine Aufstellung des prognostizierten Finanzbedarfs für den Aufbau der sozialen Infrastruktur übermittelt. Mit den Bereichen Gesundheit, Kinder/Jugendliche/Familien, Nachbarschaft/soziale Angebote und Sprachkurse kommt das Bezirksamt insgesamt auf rund 2,1 Millionen Euro. Doch statt einer Finanzierungszusage habe die Senatsverwaltung dem Bezirk in Aussicht gestellt, künftig eine Miete für einen Teil der Räume zahlen zu müssen.
Willkommensbündnis fordert Betreuungsinfrastruktur auch außerhalb der Unterkunft
Die Mietzahlungen des Bezirks sollen dabei insbesondere für einen Teil der Nutzung fällig werden, den das Bezirksamt ohnehin kritisch sieht: Nach den Senatsplänen soll die Beschulung der Kinder und Jugendlichen nicht etwa an benachbarten Schulen stattfinden, sondern in der Unterkunft selbst.
Auch das Willkommensbündnis Hasenheide warnt davor, Betreuungsstrukturen nur innerhalb der Unterkunft aufzubauen. Das begünstige die Bildung von Parallelgesellschaften und verstärke die Isolation der Bewohnenden in der Nachbarschaft, argumentiert das Bündnis auf seiner Website (KuK-Link kuk.bz/rf4).
»Im Willkommensbündnis Hasenheide setzen wir uns dafür ein, dass die geplante Erstaufnahmeeinrichtung an der Hasenheide nicht als abgeschottete Massenunterkunft umgesetzt wird. Wir möchten im Vorfeld schon zu guten Bedingungen beitragen, indem wir mit Verantwortlichen sprechen und notfalls Druck ausüben auf Politiker:innen, den Senat, den Bezirk und das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten.«
Auf mehr Gesprächsbereitschaft seitens des Senats hofft auch die Bezirksbürgermeisterin, die eine verbindliche Berücksichtigung des Finanzbedarfs fordert. »Unsere Hinweise zur Ausgestaltung der Unterkunft in der Hasenheide wurden bislang kaum gehört beziehungsweise berücksichtigt.«
Erschienen in der gedruckten KuK vom Januar 2026 (auf Seite 1).











