Ungewöhnliche Protestaktion gegen die Parkumzäunung
Mit einer ungewöhnlichen Aktion haben Aktivist*innen am Ostersonntag Kritik an der nächtlichen Schließung des Görlitzer Parks geübt. Im Hasenkostüm verteilten sie Kopien des Schlüssels für die Tore des neu errichteten Zauns an Parkbesucher*innen. Seit Anfang März wird der Park nachts verschlossen. Mit den Nachschlüsseln lassen sich offenbar alle Tore öffnen, die nicht verklebt oder zusätzlich mit einer Kette gesichert sind.
Schokohasen mit Görli-Generalschlüsseln wurden an Parkbesucher verteilt. Foto: Gewerkschaft der Osterhasen*Parallel dazu wurde eine Pressemitteilung der »Gewerkschaft der Osterhasen*« (GdO) veröffentlicht. »Wir Osterhasen* sind auch gar nicht begeistert über den neuen Görli-Zaun«, heißt es darin. Beim nächtlichen Ostereier-Verstecken habe man »immer ganz außenrum hoppeln« müssen. »Damit endlich wieder alle Mensch- und Tierwesen jederzeit Zugang zum Görli haben« habe man am Ostersonntag Schokohasen mit Görli-Schlüsseln verteilt. Die Aktion ist auch in einem Video dokumentiert, das die GdO bei TikTok und Instagram veröffentlicht hat.
Einen weiteren Auftritt vor Journalist*innen hatten die Osterhasen kurzfristig abgesagt, nachdem der Termin im Vorfeld veröffentlicht worden war und angeblich bereits die Polizei ermittle.
In einer weiteren Pressemitteilung äußerten sich die Aktivisten der GdO ausführlicher zu ihren Beweggründen. Die Görli-Schließung sei »wirklich völliger Quatsch«. »Statt die drängenden sozialen Probleme wie Obdachlosigkeit und Armut endlich zu lösen, wird hier viel Geld für einen absoluten Blödsinn verballert, während an anderen Stellen gestrichen wird.«
Gewerkschaft der Osterhasen* will Druck auf den Senat erhöhen
Es werde »enorm viel Geld für Zäune, Tore, Videoüberwachung, Wachschutz und anderen Quatsch wie die Olympia-Bewerbung ausgegeben, während etwa für die Reinigung der Schulen in Neukölln kein Geld mehr da sein soll. Das finden wir so richtig doof.« Man werde weiter dazu beitragen, dass der Görli zu jeder Tag- und Nachtzeit betreten werden kann. »Und wir rufen alle menschlichen und nichtmenschlichen Wesen auf, den Druck auf den Senat zu erhöhen: Gesellschaftliche Probleme müssen endlich gelöst werden, anstatt auf immer mehr Ausgrenzung, Überwachung und Repression zu setzen!«
Die kopierten Schlüssel sind offenbar nicht die einzige Schwachstelle der umstrittenen Görli-Umfriedung. So habe sich auf Höhe Cuvrystraße in der Mauer um den Park »ein neues Loch aufgetan, das zum nächtlichen In-den-Görli-Hoppeln einlädt«. Auch das Drehkreuz am Eingang Lübbener Straße habe »seine Sperrfunktion aufgegeben« und ließe sich problemlos in beide Richtungen drehen. In den vergangenen Wochen waren immer wieder Zaun- und Torteile entfernt oder zerstört worden – und relativ schnell ersetzt oder repariert.
Auch die Nachschlüssel dürften nicht lange nutzbar bleiben. Gegenüber dem Tagesspiegel hatte eine Sprecherin der Umweltverwaltung erklärt, dass es sich bei den Schlössern ohnehin nur um »Bauschlösser« handele. Diese würden »in den nächsten Wochen« ersetzt werden, sobald noch anstehende Restarbeiten im Park abgeschlossen seien.
Erschienen in der gedruckten KuK vom Mai 2026 (auf Seite 1).










