»Dieses Homeoffice-Gefühl ist eigentlich ganz angenehm«

Wie die Schulen mit den Herausforderungen der Corona-Pandemie umgehen / von Robert S. Plaul

So voll ist es zu voll: An der SFE muss die Basisdemokratie erst einmal anders organisiert werden. Foto: rsp (Archiv)

Die Maßnahmen zur Eingrenzung der Corona-Pandemie haben viele Menschen vor ganz neue Herausforderungen gestellt, vor allem, wenn es darum geht, ihrer beruflichen Tätigkeit nachzugehen. Doch während Arbeiten im Homeoffice und Videokonferenzen zumindest in einigen Branchen kein absolutes Neuland sind, funktioniert Schulunterricht meistens noch ziemlich analog und vor allem: vor Ort und in oft gro­ßen Gruppen – ein Ding der Unmöglichkeit in Zeiten von Corona.

Bei den Schülerinnen und Schülern an der Schule für Erwachsenenbildung (SFE) herrschte auf jeden Fall erstmal große Ratlosigkeit, als der Berliner Senat Mitte März die bislang schärfsten Maßnahmen beschloss. »Freitag haben wir gesagt bekommen: Ab Montag ist die Schule zu«, erzählt Hannah, die an der SFE ihr Abitur auf dem zweiten Bildungsweg machen will. »Alle waren erstmal super-überfordert.« Tatsächlich ist die SFE vielleicht viel stärker von den Restriktionen betroffen als andere Schulen. »Unsere Schule lebt ja auch vom Miteinanderlernen und dem Basisdemokratischen«, erklärt die 24-Jährige, die auch im Vorstand des Trägervereins ist. So müssen derzeit auch die normalerweise alle zwei Wochen stattfindenden Vollversammlungen ausfallen, auf denen alle wesentlichen Beschlüsse gefasst werden. Stattdessen soll jetzt ein Delegiertensystem eingeführt werden.

Der Unterricht selbst verlagerte sich auf verschiedene digitale Kommunikationswege. Zunächst gab es überwiegend Aufgaben per E-Mail, später kamen immer öfter auch Zoom-Videokonferenzen dazu. Immer auch abhängig vom technischen Ausstattungsstand des Kollegiums, wie Simon einräumen muss, der an der SFE Mathematik unterrichtet. »Bei einigen hat es acht Wochen gedauert, bis sie sich ein Laptop angeschafft hatten.« Er selbst hat gute Erfahrungen mit dem Video-Unterricht gemacht. Zur Verwendung kam dabei nicht nur die Möglichkeit, den eigenen Bildschirm mit den Schülerinnen und Schülern zu teilen, sondern auch eine kleine Spielzeug-Tafel für Kinder.

»Es ist ein individuellerer Lernprozess als in der Schule.«

Im Zuge der allmählichen Lockerungen hat der Präsenzunterricht inzwischen wieder begonnen, allerdings mit weitreichenden Einschränkungen. Maximal drei Klassen sind gleichzeitig in der Schule, und es wird penibel auf die Abstands- und Hygienevorschriften geachtet. 4-Tage-Wochen mit Vorort- und Zoom-Unterricht wechseln sich jetzt ab, so dass nie zu viele Personen gleichzeitig in den Räumen im Mehringhof sind. Das reihum von den Klassen zubereitete Frühstück ist ebenso auf Eis gelegt wie der ebenfalls im Rotationsprinzip organisierte Putzplan. Das Reinigen der Räume wurde jetzt in professionelle Hände gelegt und ist »wahrscheinlich die bestbezahlte Putzstelle Berlins«, schätzt Simon – denn an der SFE bekommen alle Angestellten das gleiche Gehalt.

So diszipliniert wie an der SFE wird offenbar nicht überall mit den Eindämmungsmaßnahmen verfahren. Der Kreuzberger Max, der in Charlottenburg am Schiller-Gymnasium im 11. Jahrgang ist, war jedenfalls nicht so richtig überzeugt von der Einhaltung der Einlassregelungen bei den jetzt wieder eingeführten Präsenzterminen. Zwar mussten die Schülerinnen und Schüler eine Erklärung unterschreiben, die sie unter anderem über die Abstandspflicht informierte, aber etwa eine Maske – die dort auch nicht verpflichtend ist – trug kaum jemand. Weil bei ihm auch noch die Anreise per U-Bahn dazukommt, hat er seinen Lehrern mitgeteilt, dass er vorerst lieber von einem Besuch des Unterrichts absieht.

Die digitalen Lernmöglichkeiten bewertet er dafür durchweg positiv. »Dieses Homeoffice-Gefühl zu haben, ist eigentlich ganz angenehm«, findet er. »Es ist ein individuellerer Lernprozess als in der Schule.«

Anlaufschwierigkeiten mit der Technik habe es trotzdem gegeben, sehr abhängig vom Lehrer. »Manche haben wochenlang gar nichts gemacht.« Zudem herrschte ein gewisses Kommunikationschaos, weil neben E-Mail auch noch die App WebUntis und die Senats-Plattform Lernraum Berlin zum Einsatz kommen. Inzwischen klappe das allerdings ziemlich gut. »Ich vermisse aber die Situation mit anderen, gerade bei Fächern, bei denen die mündliche Arbeit spannend ist.«

MaxLieber mit Maske: Max ist von den Sicherheitsmaßnahmen seiner Schule nicht hundertprozentig überzeugt. Foto: rsp

Wie gut Unterricht unter den gegebenen Voraussetzungen funktioniert, ist aber auch immer abhängig von der Einsatzbereitschaft der Lehrkräfte. Was das angeht, kann sich Rebecca, Fünftklässlerin an der Lenau-Schule, nicht beklagen. »Wir haben großes Glück, weil die Klassenlehrerin unwahrscheinlich motiviert und engagiert ist«, sagt ihr Vater Gerald. Schnell habe die Lehrerin Kontakt zu den Eltern aufgenommen, um das weitere Vorgehen zu besprechen, und ist damit wohl »eher die Ausnahme.« Auf eigene Faust hat sie sogar täglichen Sportunterricht per Videokonferenz angeboten.

»Jeder aus der Klasse hat jetzt Kontakt zur Lehrerin, per WhatsApp oder SMS«, erzählt Rebecca. Sie findet den Online-Unterricht zwar »nicht perfekt«, aber hält es für gut, dass sich jetzt auch mehr Schüler mit der Technik auskennen als früher.

Inzwischen findet auch an der Lenau-Schule teilweise wieder Unterricht vor Ort statt. Rebeccas Klasse, mit 21 Schülerinnen und Schülern ohnehin eher übersichtlich, ist dafür in zwei feste Gruppen geteilt worden. Präsenzunterricht und Homeschooling wechseln sich im Zweiwochenrhythmus ab, und der Lehrplan wurde auf die Fächer Englisch, Mathe und Deutsch eingedampft, da die Lehrkräfte sich natürlich nicht wie ihre Klassen aufteilen können.

Ein wenig Unklarheit herrscht noch bei der Frage, wie Homeschooling-Leistungen eigentlich zu bewerten sind. Immerhin eins steht fest: Die Zeugnisnoten können sich in diesem Halbjahr nicht verschlechtern, sondern nur verbessern.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Juni 2020.

Der Tresen bleibt tabu

Kneipen sind wieder offen

Leerer Tresen im unterRock (2018)So gemütlich und gewohnt es sein mag: Am Tresen sitzen ist erst einmal nicht erlaubt. Foto: rsp

Jetzt ging alles dann doch ganz schnell. War Mitte Mai noch nicht einmal absehbar, wann die Kneipen wieder öffnen, hieß es gegen Ende des Monats, dass der 21. Juni angepeilt sei. Doch dann kam der 28. Mai. Die Pressemitteilung des Senats umfasst eine Seite, auf der neun Punke zur Lockerung der Maßnahmen gegen die Verbreitung des SARS-Cov-2-Virus aufgeführt sind. Der vorletzte Punkt schließlich ließ den Wirten ganze Felsbrocken von den Herzen fallen: »Reine Schankwirtschaften (Gäste dürfen nur an Tischen bedient werden), Rauchergaststätten, Shisha-Gaststätten, Shisha-Bars dürfen ab dem 2. Juni 2020 geöffnet werden (bis 23 Uhr).«

Allerdings gelten auch für Kneipen strenge Auflagen, ähnlich wie für Restaurants. Es gilt ein strenges Hygienekonzept, an das sich Wirte und Gäste zu halten haben. Dazu gehört auch, dass der Tresen tabu bleibt.

Tasächlich war die unterschiedliche Behandlung von Restaurants und Kneipen nun ebenso schwer vermittelbar, wie noch im März, als am 14. die Kneipen schließen mussten und die Restaurants erst einige Tage später folgten.

Als nun die Restaurants unter Auflagen wieder öffnen durften, die Kneipen aber nicht, erhob sich unter den Wirten von Schankwirtschaften lauter Protest. Sie sahen sich einerseits ungerecht behandelt und fürchteten andererseits um ihre Existenz, sollten die Schließungen noch länger andaueren.

Es erinnerte ein wenig an die Situation mit der Einführung des Rauchverbotes vor rund zehn Jahren. Damals mussten sich viele Kneipen entscheiden, entweder auf das Rauchen oder das Angebot von zubereiteten Speisen zu verzichten. Ähnlich wie damals reagierten nun einige Kneipen, die kurzerhand das Rauchen verboten und stattdessen Speisen anboten.

Dass die Wiedereröffnung der Kneipen nun doch so schnell verfügt wurde, kam für die meisten überraschend. Wenige Tage zuvor stand sogar der ursprünglich angedachte Termin vom 21. Juni noch auf der Kippe. Vor allem der Vorfall im ostfriesischen Leer, als sich bei einer Restaurant-Eröffnung über 20 Menschen infiziert hatten, ließ Zweifel aufkommen.

Die langen Nächte enden um elf

Aber auch die Tatsache, dass die Reproduktionszahl in Berlin drei Tage hintereinander über den kritischen Wert bis auf 1,3 gestiegen war, galt als Warnzeichen. Inzwischen ist der Wert auf 0,4 gesunken und liegt im grünen Bereich.

Das alles bedeutet allerdings nicht, dass in den Kreuzberger Kneipen wieder unbeschwert gefeiert werden kann. Dazu sind die Auflagen noch zu streng. Die sprichwörtlich langen Nächte fallen zunächst einmal deutlich kürzer aus. Um 23 Uhr ist der Kneipenabend zu Ende. Bislang galt für die Restaurants, die seit 15. Mai wieder geöffnet haben, dass sie um 22 Uhr schließen mussten.

Die drangvolle Enge, die für viele Kneipen so typisch ist, wird es zunächst auch nicht geben. Natürlich gilt auch in Kneipen der Sicherheitsabstand. Und es heißt – zunächst – von lieben Gewohnheiten in der Kneipe Abschied nehmen. Wer seinen Stammplatz bislang am Tresen sah, wird sich in Zukunft einen Tisch suchen müssen, der auch noch über ausreichenden Abstand zum Nachbartisch verfügt. Zu eng darf es nicht werden.

Auch die Zahlungsmodalitäten werden sich für manchen ändern. Wer es gewohnt war, seine Rechnung direkt am Tresen zu begleichen, muss sich in Zukunft gedulden, bis er direkt am Tisch abkassiert wird.

Immerhin, das Bier darf dann ohne Mundschutz getrunken werden, aber bei Gang aufs stille Örtchen wird die Mund-Nasen-Abdeckung dann wieder fällig.

Wie sich das dann alles im realen Leben abspielen wird, bleibt noch abzuwarten. Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) hat jedenfalls schon mal weiteren Gesprächsbedarf in Sachen Hygienekonzept bei der Gastronomie angemahnt.

Kommentar: Auf Bewährung in die Kneipe?

Auf Bewährung in die Kneipe?

Wenn alles gut geht, wird es irgendwann mal heißen: »Corona dauerte vom 14. März bis zum 2. Juni 2020«. Für viele begann die wirkliche Wahrnehmung der Pandemie in dem Moment, als die Kneipen schlossen. Aber machen wir uns nichts vor. Corona gab’s schon vorher. Die ITB wurde zum Beispiel schon vorher abgesagt – und die Krise endet auch nicht am 2. Juni. Es gibt nicht wenige, die die Öffnung der Kneipen für voreilig halten. Allerdings ist fraglich, was in vier Wochen noch hätte öffnen können. Natürlich ist es wichtig, dass man nun auch den Wirt seines Vertrauens unterstützt, sonst kommt vielleicht doch noch das Aus.

Allerdings bedeutet die Öffnung auch, dass sich alle Gäste einer Kneipe darüber klar sein müssen, dass sie für sich und andere Verantwortung tragen und die Regeln, die jetzt gelten, auch befolgen. Sonst ist die Kneipe bald wieder zu.

They’re talkin’ about an isolation

Marcel Marotzke kennt die Profiteure der Krise

Angeschnittenes selbstgebackenes BrotWer selbst Brot bäckt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren. Foto: rsp

Ich bin bei dieser Zeitung gewiss nicht derjenige, der für Verschwörungstheorien verantwortlich zeichnet, aber beim Thema Corona muss ich dann doch mal die entscheidende Frage stellen: Cui bono? Wem nützt es? Die Antwort ist einfach: Leuten wie mir.

Während soziale Distanz und Isolation, Nudel- und Klopapier-Engpässe, geschlossene Kneipen und offene Rechnungen für Otto Normalverbraucher zunehmend zum Problem werden, gibt es auch Profiteure der Krise: Lesebühnenautoren und Kiezzeitungskolumnisten. Corona sei Dank können sie endlich schreiben, was noch nie jemand wissen wollte: Was für ein ödes Leben sie zu Hause in den eigenen vier Wänden führen. Wie der erste Brotbackversuch gelaufen ist. Was sie im Supermarkt gekauft haben und was nicht. Wie ihrer Meinung nach das Wort »Quarantäne« ausgesprochen wird. Wie gut die erste Videokonferenz geklappt hat. Was sie bei Netflix gesehen und auf Facebook gelesen haben.

All das haben wir Alltagsschreiber zwar schon immer geschrieben, aber erst die Krise adelt die belanglose Beobachtung zur pointierten Pulsmessung der Zeit. Geistloses wird zur Gesellschaftskritik, Genretext zur Gegenwartsliteratur.

Und noch eine Bevölkerungsgruppe darf derzeit jubilieren. Denn auch wenn fast 29 Jahre nach Erfindung der Webcam viele Menschen schon einmal Skype benutzt haben, sind Videokonferenzen doch erst seit Corona Mainstream geworden. Menschen, die derlei Hexenwerk benutzten und nicht wenigstens Journalisten oder Wirtschaftsfunktionäre waren, galten noch vor drei Monaten als hoffnungslose Nerds – genau wie jeder, der Computer bedienen konnte, die nicht im gleichen Raum waren, wie er selbst.

Und heute? Personen, die stets für ihre Tech­nik­affi­ni­tät belächelt wurden, werden plötzlich hofiert, weil nur sie erklären können, wie man das mit dem virtuellen Familien- oder Arbeitstreffen macht, und Tech­nik­skep­tiker, die das Internet bisher nur für WhatsApp, YouPorn und die elektronische Ein­kommens­steuer­erklä­rung benutzt haben, stehen plötzlich auf und sagen: »Danke, ihr Nerds dieser Welt, dass ihr damals das Internet für uns erfunden habt. Das war sehr weise von Euch.«

Tja, nein, leider tun sie das nicht. Dabei wäre es mal höchste Zeit dafür. Statt sich darüber zu beschweren, dass es beim Skypen ein Echo gibt, dass YouTube ruckelt und dass Windows schon wieder Updates installieren will, wäre jetzt eine gute Gelegenheit, sich bei denen zu bedanken, die den ganzen Kram überhaupt erst erfunden und die letzten Jahrzehnte damit verbracht haben, einer sich stetig vergrößernden Horde von Technikdeppen das Leben leichter zu machen.

Denn wie öde und kom­pli­ziert wäre das Leben in- und außerhalb der eigenen vier Wände ohne all das? Ohne Brotrezepte aus dem Internet, ohne Onlineshops für Waren des täglichen Bedarfs, ohne Kontakt zu Freunden und Familie, ohne Unterhaltung und Information aus aller Welt – und ohne Webwörterbücher, die einem die korrekte Aussprache von »Quarantäne« erklären und vorspielen? Insofern: Danke, Nerds!

Erschienen in der gedruckten KuK vom Mai 2020.

Als Krankenschwester durch die Krise

Kendra Popa arbeitet auf der Intensivstation des Urban-Krankenhauses

Kendra Popa. Foto: privat

Dass die Menschen, die nun in ihren Wohnungen sitzen und auch nicht so recht wissen, was sie machen sollen, um sich erkenntlich zu zeigen, nun eben ein paar Mal auf ihren Balkonen geklatscht haben, sei ja auch irgendwo verständlich. Manche Teile des Pflegepersonals, so Kendra Popa, fänden es sogar schön, nun »endlich mehr« Aufmerksamkeit für die Anforderungen ihres Berufs in der Pflege zu bekommen. Einige Kolleginnen und Kollegen hatten in der Vergangenheit schon ein wenig Bedenken, zu wenig gesehen zu werden. Das war allerdings nie ein Thema für sie. Popa hingegen habe nun eher ein unbehagliches Gefühl, wenn es heißt, dass das Pflegepersonal – also nur das Pflegepersonal – mehr Geld bekommen solle. Was sei denn mit Technikern, den Menschen, die in der Kantine arbeiten, den Reinigungskräften, dem Servicepersonal, den Ärzten? Schließlich sei es für alle Angestellten im Krankenhaus gerade eine sehr anstrengende Situation.

Kendra Popa ist Krankenschwester in der Anästhesie des Urban-Krankenhauses. Und nun auch auf der ITS, der Intensivstation, seitdem Corona auch hier in Kreuzberg angekommen ist. Seit dem 9. März ändert sich ihr Alltag in regelmäßigen Abständen. Der 9. März war der Tag, an dem die Krankenhausleitung die Maßnahmen beschloss: mehr Vorsicht, viele Masken, ITS unterstützen. Während der ersten Woche sollte das Pflegepersonal in der Freizeit in der Stadt bleiben, Handy auf laut schalten, abrufbar sein. »Das war schon eine besondere Situation, die keiner von uns vorher je so kannte«, erklärt Popa. Diese ziehe sich durch das gesamte Personal: Auf einmal fragen die Kolleginnen lieber drei Mal nach, wie es einem geht. Eine ganz andere Dimension von Solidarität sei das jetzt.

Die Umstellung auf die ITS sei zum Anfang natürlich auch eine Herausforderung gewesen. Zum einen natürlich fachlich: In weiten Teilen unterschieden sich die neuen Aufgaben von denen in der Anästhesie. Herzinfarkte und Reanimation gebe es dort, in der Anästhesie, seltener. Gleichzeitig sei aber auch interessant, wie viel anästhetisches Wissen dann eben doch in der intensivmedizinischen Betreuung gebraucht wird. Zudem seien Therapieverläufe in der Anästhesie ja nicht so sichtbar wie auf der ITS – bemerkenswert.

Was ihr allerdings wirklich naheginge, sei der zurückgeschraubte intensive Patientenkontakt. Während Popa ihre sonstigen Patienten von vor der OP bis in den Aufwachraum begleite, sehe sie so manche, doch längst nicht alle ITS-Patienten nie in einem Wachzustand oder hat viele Patienten auf einmal.

Ist sie dann mal wieder in ihrem eigentlichen Fachbereich, der den Betrieb während der Krise auf Notoperationen heruntergefahren hat (von zehn werden nur noch vier OP-Säle genutzt), erfahre sie einen nicht wie sonst von Zeitdruck beherrschten Betrieb. Dass ein unvertretbarer Personalmangel herrscht, sei schon vorher klar gewesen. Jetzt, im Ausnahmezustand, wo die OPs auf die nö­tigs­ten begrenzt sind, zeige sich allerdings das große Ausmaß des Mangels im Normalzustand.

Wie es weitergeht, das wisse natürlich niemand. Im Gegensatz zu vielen Kolleginnen und Kollegen denke Popa aber nicht, dass der Peak schon erreicht ist und der große Ansturm ausbleiben wird. »Letztendlich sind wir aber auch ein Level-3-Krankenhaus«, die meisten Corona-Patienten würden vorerst nämlich erstmal in Level-1- und Level-2-Krankenhäusern untergebracht werden und das Urban vielleicht noch nicht an seine Kapazitätsgrenzen stoßen. Knappheit an Masken und Handschuhen hätten sie trotzdem nach bereits einer Woche gehabt. Hier erhofft sich Popa eine Verbesserung: Die Versorgungsketten sollten doch bitte so wenig wie möglich vom Ausland abhängig sein. Und: Weniger Klatschen, mehr Demonstrieren.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Mai 2020.

Maskenpflicht jetzt auch im Einzelhandel

Berliner Senat folgt Empfehlung von KIEZ UND KNEIPE

Schlagzeilen von rbb24, Berliner Zeitung, BZ, Tagesspiegel, Berliner Kurier.

Es kommt nicht allzuoft vor, dass der Berliner Senat sich an die Ratschläge unseres kleinen Stadtteilmagazins KIEZ UND KNEIPE hält. Aber genau das ist jetzt passiert!

Am 21. April hatte der Senat im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie beschlossen, dass im Berliner ÖPNV künftig eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden muss. In Einzelhandelsgeschäften hingegen wurde das lediglich „empfohlen“. Damit gab es in ganz Deutschland nur in Berlin in den Geschäften keine Maskenpflicht.

Die KuK berichtet darüber in ihrer Mai-Ausgabe unter dem Titel „Maskenpflicht nur im ÖPNV“ und deutet im Kommentar „Fauler Kompromiss“ vorsichtig an, dass die Redaktion diese Beschränkung auf den Nahverkehr für einen Fehler hält. Und kaum waren die Texte am Wochenende produziert, kam Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) schon ins Grübeln. „Ich habe mir das sehr genau angeschaut und war wirklich erschrocken, dass nur ungefähr ein Fünftel der einkaufenden Menschen eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen haben“, sagte sie prompt am Sonntagabend einer Nachrichtenagentur. „Ich halte deshalb auch dort eine Verpflichtung für unumgänglich.“ Und sieh an, die kritischen Stimmen mehrten sich von Tag zu Tag. Schließlich war am Dienstag nach einer erneuten Sitzung des Senats auch die Maskenpflicht in den Läden – wie von der KuK angeregt – unter Dach und Fach.

Wir fühlen uns in unserer Funktion als kritische Kiez-Presse verstanden und natürlich sehr geehrt! Allerdings hatte das nun den Nachteil, dass die Schlagzeile der gedruckten Mai-Ausgabe schon bei Erscheinen zumindest ergänzungsbedürftig war. Gerade in Corona-Zeiten ändern sich die Verhältnisse eben ziemlich schnell und auch als Monats-Publikation kann man sich nicht auf Dinge beschränken, die garantiert 30 Tage lang so bleiben, wir sie sind. Wenn es der Verbesserung der Welt dient, nehmen wir eine gewisse Unschärfe ohnehin gern in Kauf.

Apropos, da die KuK ja im Moment das Ohr des Regierenden Bürgermeisters zu besitzen scheint: Lieber Herr Müller, wäre es nicht sinnvoll, wenn in den Geschäften außer den Kunden auch alle Beschäftigten einen solchen Mundschutz tragen würden?

Fauler Kompromiss

Die Berliner Politik hinterlässt einmal mehr Ratlosigkeit. Wenn die behelfsmäßigen Mund-Nasen-Masken, von denen jetzt überall die Rede ist, tatsächlich sinnvoll sind – warum werden sie dann um alles in der Welt nur im ÖPNV, aber nicht im Einzelhandel vorgeschrieben?

Die Antwort ist relativ einfach. In Berlin hat derzeit niemand vor, das Tragen von Masken in Bus und Bahn zu kontrollieren oder Verstöße zu ahnden. Deshalb ist die Maskenpflicht dort im Grunde gar keine Maskenpflicht, sondern auch nicht viel mehr als eine Empfehlung. In den Geschäften hingegen wären die Händler dafür verantwortlich gewesen, dass die Regeln beachtet werden.

Politisch gesehen ist es ein fauler Kompromiss. Wer die Maskenpflicht haben wollte, bekommt sie. Und wer sie nicht haben wollte, kann sich damit trösten, dass es in Wirklichkeit gar keine ist. In der Sache – mit Blick auf das längst noch nicht besiegte Virus – macht Berlin vermutlich gerade einen Fehler.

Siehe auch: Maskenpflicht nur im ÖPNV

Update: Maskenpflicht jetzt auch im Einzelhandel

Erschienen in der gedruckten KuK vom Mai 2020.

Autos fahren hier künftig einspurig

Pop-up-Radweg am Kottbusser Damm lässt Radler jubeln

Pressetermin am Kottbusser Damm: Kein Mundschutz, nirgends. Abstand eher fragwürdig. Foto: ksk

Es geht um temporäre Radwege oder »Pop-up-Radwege«, wie sie inzwischen heißen. Der Bezirk fing Ende März damit an, zusätzliche Radspuren anzulegen. Begründet wurde das mit der Corona-Krise. Die »existente Radinfrastruktur«, hieß es damals, sei »nicht umfassend geeignet«, die nun geltenden Abstandsvorschriften für Radfahrer einzuhalten und sie auf diese Weise vor dem Virus zu schützen.

Rund zwölf Kilometer neue Radwege wurden bereits angelegt, letzte Woche ein besonders spektakulärer Abschnitt am Kottbusser Damm. Hier fahren Autos künftig nur noch einspurig. Denn am Rande enthüllte Weisbrich die eigentliche Nachricht: Fast alle neuen Radwege werden bleiben, da sie ohnehin vom Mobilitätsgesetz gefordert würden.

Linken-Fraktionschef Oliver Nöll findet das Handeln des Bezirks gut und richtig Der ADAC wittert »Partialinteressen«, Fahrradaktivisten sind begeistert: »Ein Traum wird wahr!«, twittert einer. Würde man sich als Fußgänger nur wünschen, dass mit der gleichen Argumentation endlich die lästigen Leihfahrräder und Elektroroller von den Trottoirs verschwinden.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Mai 2020.

Wie sich der Kiez verändert hat (Teil 2)

Klaus Stark berichtet von seinen Erfahrungen während der Corona-Pandemie

Der wolkenlose, blaue Himmel, die Sonne und der kalte Ostwind werden in Erinnerung bleiben. Menschen in Supermärkten, die seltsame Tänze aufführen. Als wäre überraschend die Choreographie geändert worden und sie fänden sich noch nicht ganz zurecht. Wenn sie dann einen falschen Schritt machen, lächeln sie unsicher und ein bisschen entschuldigend.

Manche sagen, die Leute rücken in der Krise näher zusammen. Mir scheint der Kiez genau so bruchstückhaft wie zuvor. »Liebe Bedürftige«, schreiben da manche an Leute, denen sie vorher niemals die Hand gedrückt hätten, und hängen Lebensmittel an einen Gabenzaun, über die sich am Ende vermutlich die Ratten freuen. In einer Edelboutique werden schon wieder Kleiderständer auf die Straße gestellt – und ja, wenn man genau hinsieht, kann man in den Augen die Euro-Zeichen blinken sehen.

Krankenschwestern rackern für einen Hungerlohn, ein Rentnerpaar mit Mundschutz schlurft verängstigt und seltsam zukunftslos übers Trottoir. Gegenüber beim Späti klumpen Männer mit braunen Gesichtern und schwarzen Bärten zusammen. Breite Ellbogen, große Gesten. Kontaktverbot? Abstand zueinander? Nie gehört. Mir doch egal!

Ein großes Ganzes oder auch nur ein Gemeinsames ist nirgends in Sicht. Stattdessen treten im grellen Licht der Ge-ahr die Unterschiede nur umso plastischer hervor: Der Mundschutz verbirgt nicht, er macht sichtbar. Früher war das schwieriger. Jetzt braucht man nur kurz hinzusehen, um zu erkennen, ob einer sozial kompatibel ist oder nicht.

Ohnehin verläuft es sich. Die menschenleeren Straßen, die geschlossenen Spielplätze gaben der Pandemie ein Stück weit ein Gesicht. Jetzt tobt auf der Zossener wieder der übliche Stau, alle atmen auf und gehen den gewohnten, lieb gewordenen Fetischen nach. Die Katastrophe hat sich in häusliche Quarantäne zurückgezogen, in die Krankenhäuser und Altenheime. Dort wartet sie.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Mai 2020.

Fast wie in der Kneipe

Online-Treffpunkt bei mog61

Marie Hoepfner. Foto: ksk

Marie Hoepfner ist Vorsitzende des Vereins mog61 Miteinander oh­ne Grenzen e.V. Mit ihr sprach Klaus Stark.

KuK: Schick schaust du aus mit Maske! Hast du die selbst gemacht?

Marie: Danke, danke! Ja, das ist eine von den fast 600 Stück, die mog61 inzwischen hergestellt hat. Wir sind zwölf Leute, darunter zwei Jugendliche. Die einen schneiden den Stoff zu, andere bügeln die Falten rein, nähen die Bänder oder machen die Masken fertig.

Für wen sind die Masken bestimmt?

Große Posten gingen an das Nachbarschaftshaus in der Urbanstraße, die Sozialstation der Diakonie und an die Caritas. Weitere Masken sind für Kitas und Menschen, die Risikogruppen angehören oder in systemrelevanten Berufen arbeiten wie Krankenschwestern und Ehrenamtliche.

Warum macht ihr das?

Mund-Nasen-Masken von mog61. Foto: mog61

Es ist uns wichtig, in Zeiten von Corona unseren Teil beizutragen – auch wenn es nur ein kleiner Beitrag ist. Wir wollen uns solidarisch zeigen und helfen.

mog61 hat wegen Corona auch einen Online-Treffpunkt eingerichtet.

Ja, es geht darum, bei aller sozialer Distanz so etwas wie Nähe zu behalten. Es gibt verschiedene Themen. Mittwochs kann man mit Maike über Dinge reden, die einen belasten, und sich Mut zusprechen lassen. Donnerstags liest Gabi lustige und ernste Geschichten vor. Freitags ist Plauder­ecke mit Hilfsangeboten in der Nachbarschaft.

Kommt der virtuelle Treffpunkt gut an?

Wir machen das ja erst seit drei Wochen, so etwas muss sich etablieren. Aber wir hatten schon viele sehr gute Unterhaltungen. Simone etwa stammt aus Wien und hat erzählt, wie das mit Corona in Österreich läuft. Es ist ein wenig wie in der Kneipe, nur dass jeder sein Bier alleine trinkt.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Mai 2020.

»Wir werden nicht da weitermachen, wo wir aufgehört haben«

BVV nimmt die Arbeit bald wieder auf

Die Bezirksverordneten-Versammlung des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg hat sieben Wochen nicht getagt. Auch Ausschüsse und Fraktionssitzungen hat es in dieser zeit nicht gegeben. Am 29. April tagt die BVV erstmals wieder, allerdings verschlankt, mit Gesichtsmasken und in einer Turnhalle. Kiez und Kneipe hat den Fraktionsvorsitzenden der Linken, Oliver Nöll gefragt, wie es nun weitergeht.

»Wir lassen uns nicht unterkriegen!«

Kreuzberger Geschäfte, Restaurants, Kneipen und Selbstständige leiden unter dem Corona-Virus

Schild "Sorry, we are closed"Viele Geschäfte geschlossen, die Trottoirs leer wie sonst nur an Weihnachten. Auch in Kreuzberg kommt das öffentliche Leben teilweise zum Erliegen. Foto: ksk

Die wegen des Corona-Virus erlassene Kontaktsperre trifft in Kreuzberg viele Geschäfte, Restaurants, Cafés, Ateliers und Kulturschaffende sehr hart. Nur wenige Läden bleiben geöffnet. Die KuK hat sich umgesehen und umgehört.

Das DODO musste als Raucherkneipe bereits Mitte März seine Türen schließen. Wirt Rolf Jungklaus geht die Sache mit Humor an: »Der Dodo ist seit etwa 330 Jahren ausgestorben. Und das macht ihn unsterblich! Denn wer stirbt schon zweimal aus? Wir lassen uns jedenfalls nicht unterkriegen. Auf dodo-berlin.de gibt es ein Spendenkonto. Wenn wir dann wieder öffnen, feiern wir eine ganze Woche jede Nacht!«

Auch Olaf Dähmlow, Chef des Yorckschlösschens, hofft auf ein feucht-fröhliches Wiedersehen. »Wir versuchen die Situation zu überstehen, haben aber jede Menge Zahlungsverpflichtungen. Das Lokal haben wir komplett runtergefahren und alles leer und sauber gemacht. Viele Musiker sind nun leider ohne Einkommen und haben es sehr schwer.«

Chorleiter Horst Zimmermann von Con Forza ist selbst Musiker: »Mal ehr­­lich, ich genieße die Zwangspause. Der Himmel strahlend blau, keine Kondensstreifen, fast kein Abgasgestank. Der Klavier­unter­richt ist abgesagt, Chor natürlich zuerst, Klaviere stimmen geht mit Abstand und Desinfektionsmitteln am besten, aber mein kleines finanzielles Polster ist in ein paar Wochen geschwunden.«

Sieht man die teilweise leeren Regale im Edeka-Markt an der Ecke Mittenwalder / Gneise­naustraße, könnte man meinen, das Geschäft gehöre zu den Profiteuren der Pandemie. Doch im Gegenteil: »Ich mache deutlich weniger Umsatz als sonst«, erklärt Betreiber Huseyin Geyik. Weil Edeka die großen Märkte bevorzugt beliefert, kommen nur 35 bis 40 Prozent der bestellten Ware bei ihm an.

Horst Schmahl von Radio Art hofft, dass »die allgemeine Lage stabil bleibt. Wir sind als Laden mit Reparaturwerkstatt ganz gut dran und können Kunden Termine zur Abholung der Geräte anbieten. Noch sind Aufträge für April / Mai vorhanden.«

SICK!So kommentiert Pop-Art Künstlerin Tutu die Krise. Foto: ksk

Vu Hoang von der Sprachschule Transmitter ringt wie viele andere mit der Krise: »Uns ist es in den vergangenen zwei Wochen mit viel Mühe und Aufwand gelungen, unsere Sprachkurse in Online-Formate umzuwandeln. Kopfzerbrechen bereiten uns die kommenden Monate. Aber wir sind vorsichtig optimistisch. Drückt uns die Daumen!«

Keine Veranstaltungen mehr in Passionskirche und Heilig-Kreuz-Kirche bis Ende April. Sigrid Künstner vom Akanthus Kulturmanagement: »Ein erheblicher Einnahmeausfall nicht nur für uns, auch für Agenturen, Catering, Verleihfirmen, Techniker, Grafikerin und vor allem für die Künstler.«

Huseyin Geyik in seinem nah&gut-MarktUm Mitarbeiter und Kunden zu schützen, hat Huseyin Geyik Mindestabstände markiert und in Desinfektionsmittel, Handschuhe und Masken investiert. Foto: rsp

Da Broken Eng­lish auch Lebensmittel, Getränke und Drogerieartikel anbietet, bleibt das Geschäft in der Arndtstraße offen. Antje Blank ist »angesichts der funktionierenden hiesigen Gesundheitsversorgung täglich froh, dass wir von London nach Berlin gezogen sind«.

Alan Blim von Just Juggling hingegen musste schließen, setzt aber auf Online-Verkauf: »Da die Jonglage eine hervorragende Aktivität für zu Hause ist, haben wir viel mit Versand zu tun. Wer Bock auf Jonglage hat: einfach ein Anfänger Set von vier Bällen im Online-Shop bestellen!«

CD-Broker Christof Schönberg von UnderCover Media ist täglich im Büro und arbeitet Kleinigkeiten ab: »Ein paar Bestellungen, in erster Linie Material, aber nichts Arbeitsintensives. Es gibt im Bereich der Musik derzeit keinerlei Nachfragen mehr.«

Auch der Verein moment.mal hat seine Yoga­kurse für Kinder ausgesetzt. »Die Einschränkung ist für uns aber absolut nachzuvollziehen und bringt uns finanziell nicht in Gefahr«, sagt Constanze Hashemian, »da wir uns über private Spenden finanzieren und alles ehrenamtlich machen. Wir versuchen, online ein kleines Programm auf die Beine zu stellen.«

Das kleine griechisch-mediterrane Restaurant Nonne & Zwerg hat komplett geschlossen. Außer-Haus-Verkauf allein lohne sich nicht, sagt Kaj Biermann. »Wir wollten im Sommer ein paar Wochen Urlaub machen. Das ziehen wir jetzt vor.«

Beim Kino Moviemento ist jetzt Zeit für eine Grundreinigung von Böden und Sitzpolstern. Als Problem sieht Chefin Iris Praefke die Situation von Mini-Jobbern im Kino, weil Maßnahmen wie Kurzarbeit da nicht funktionieren. Noch könne man aber allen Mitarbeitern ihr Gehalt auszahlen.

Text: Marie Hoepfner, Robert S. Plaul, Klaus Stark

Erschienen in der gedruckten KuK vom April 2020.

Bloß keine Langeweile

Online-Plattformen können helfen

Der beste Weg, die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen, ist die Vermeidung von Kontakten, das sogenannte »Social Distancing«. Für Menschen, die wenig verlässliche Freunde haben und Hilfe brauchen, gibt es viele Angebote:

  • Über die Online-Plattform nebenan.de können sich Nachbar*innen recht einfach vernetzen.
  • Bei der Telegram-Gruppe Corona Kreuzberg wird ebenfalls Un-terstützung koordiniert.
  • Wir gegen Corona bringt Hilfsbedürftige und Helfer aus der Nachbarschaft zusammen.
  • Über KreuzbergHilftbeiCorona bei Twitter lassen sich Informationen austauschen.
  • Wer selbst etwas tun will, findet vielleicht bei Vostel eine passende Organisation für sein Online-Volunteering.
  • Ein überaus lebendiger Austausch zu allen Corona-Themen und -Problemen herrscht in der Facebook-Gruppe Corona Help Team Berlin.

»Social Distancing« kann oft auch schlechte Stimmung bedeuten. Irgendwann ist die Wohnung aufgeräumt und dann fällt einem leicht die Decke auf den Kopf. Vor allem für kranke Menschen ist das besonders in diesen schwierigen Zeiten eine Herausforderung.

Wen am Ende dann doch die Langeweile plagt, dem hilft im Netz zum Beispiel

Erschienen in der gedruckten KuK vom April 2020.

Was man über das Corona-Virus wissen muss

Händewaschen

Gründliches Händewaschen ist eine ganz zentrale Abwehrstrategie gegen das Corona-Virus. Wie das funktioniert, kann man sich z.B. in diesem lustigen Video ansehen. Und wie wichtig es ist, lernt man von diesen sehr eindrücklichen Fotos im »Tagesspiegel«.

Abstand halten

Das Virus überlebt auch eine Weile auf Oberflächen, wird aber anscheinend vor allem durch Anhusten oder eine feuchte Aussprache weiter verbreitet. Deshalb gilt: Zu Menschen, die nicht im gleichen Haushalt wohnen, mindestens 1,5 bis 2 Meter Abstand halten! Schwere Zeiten für Leute, die gerne mit anderen rumknutschen

Mundschutz

Normale Atemschutzmasken schützen vermutlich nicht vor Corona, können aber evtl. verhindern, dass andere von einem selbst ungewollt angesteckt werden. Da der Markt inzwischen leergekauft ist, sollten professionelle Masken Ärzten und Pflegern vorbehalten bleiben. Es wird aber zunehmend als »Akt der Höflichkeit« angesehen, sich selber welche zu basteln.

Symptome

Die Symptome von Covid-19 ähneln auf den ersten Blick einer Erkältung oder einer Grippe. Besonders auffällig dabei sind Fieber und ein trockener Husten. Bereits im März hat der »Spiegel« die wichtigsten Ähnlichkeiten und Unterschiede übersichtlich zusammengestellt.

In Leichter Sprache

Das Bundesgesundheitsministerium hat wichtige Informationen in Leichter Sprache zusammengestellt mit einem PDF, das man sich herunterladen kann. Überhaupt sind auf der Corona-Seite des Ministeriums sehr viele nützliche Beiträge, Tipps, Links und Informationsplakate versammelt – darunter auch ein Video in Gebärdensprache.

Neueste Zahlen

Die offiziellen Zahlen zu den Corona-Infizierten in Deutschland und in den einzelnen Bundesländern werden jeden Tag gegen 10 Uhr vom Robert Koch Institut mit Stand 0:00 Uhr bekannt gegeben. Meistens sind sie dann aber auch schon wieder überholt. Aktueller und genauer ist die Datensammlung der Berliner Morgenpost.

Berliner Regeln

Der Berliner Senat hat mit Wirkung vom 23. März umfangreiche Kontaktbeschränkungen beschlossen. Eine sehr hilfreiche Übersicht dazu findet sich hier. Dort gibt es auch weitere Erläuterungen für Handel, Gastronomie, Schulen, Krankenhäuser, Pflegeheime und für Privatpersonen.

(Stand: 31.03.2020; ohne Gewähr)

 

 

Erschienen in der gedruckten KuK vom April 2020.