Durstige Straßenbäume …

… würden Bewässerungssäcke ausleihen (wenn sie könnten)

Bewässerungssack wartet auf Wasser. Foto: ksk

So ein Bewässerungssack ist eine nützliche Sache. Im Prinzip ist es nur ein großer Plastikbeutel, in den man 75 Liter Wasser hineinschütten kann. Aber weil er unten viele kleine Löcher hat, gibt er das Wasser nur langsam wieder ab und wirkt wie eine Betropfungsanlage, erklärt Christian Hönig vom BUND.

Das mögen die Bäume und es ist viel besser, als wenn man mit dem Schlauch herumhantiert und das meiste Wasser im Gully landet.

Solche Bewässerungssäcke, dazu aber auch Standrohre für Hydranten, Handhacken und Eimer, kann sich jetzt jeder am Werkhof an der Wiener Straße, gegenüber Ecke Ratiborstraße, ausleihen (Mi 14-16, Fr 16-18 Uhr). Damit will das Bezirksamt engagierte Anwohner unterstützen und das Gießen von Straßenbäumen erleichtern.

Umweltstadträtin Clara Herrmann griff letzte Woche selbst demonstrativ zur Gießkanne und stellte gleich fest: »Die ist aber schwer!« Außerdem will sie mithelfen, versprach sie, dass die kaputte Schwengelpumpe 92 in der Mittenwalder Straße bald wieder funktioniert.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Juli 2020.

Endlich mit Aufzug

U-Bahnhof Gneisenaustraße wird barrierefrei und bekommt einen dritten Eingang

Noch nicht das Dach über dem geplanten Aufzug, aber der erste Schritt dazu: Arbeiten am Ost-Eingang. Foto: ksk

Ein oranger Bauwagen ist zu sehen, ein Container-Standplatz, kürzlich wurde sogar ein mächtiger Wetterschutz aufgerichtet. Am östlichen Eingang des U-Bahnhofs Gnei­se­nau­stra­ße wird seit Wochen gebaut. Die KuK hat bei der BVG nachgefragt: Derzeit wird die bisherige Treppe abgerissen, ein neuer Treppenlauf betoniert und außerdem noch ein schönes, neues Bahnhofsschild aufgestellt, ein sogenannter Gre­nan­der­bo­gen. Das alles dauert bis zum zweiten Quartal 2021 – solange ist der Eingang an der Mittenwalder also zu.

Das ist aber erst der Anfang, denn dann beginnen die »Grund­instandsetzung« und der barrierefreie Ausbau, die noch einmal zwei Jahre dauern und insgesamt 15 Millionen Euro verschlingen. Dabei bekommt der U-Bahnhof auf dem Mittelstreifen zwi­schen den beiden bisherigen Zugängen einen dritten, komplett neuen Ausgang mit Treppenanlage und Aufzug. So sehen es die Pläne vor, für die derzeit die Genehmigung läuft.

Laut Verkehrssenato­rin Regine Günther sollte das Berliner U-Bahn-Netz ursprünglich bereits 2020 komplett barrierefrei sein. Vom Gesetz ist der 1. Januar 2022 als Termin für barrierefreie Zugänge vorgeschrieben.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Juni 2020.

Könnte es bitte eine Scharlach-Kastanie sein?

Der Bezirk bekommt im Herbst 155 neue Bäume – wenn die Bürger kräftig in die Tasche greifen

Straßenbaum … Foto: ksk

In der Großstadt gibt es drei Arten von Bäumen. Die Straßenbäume: Platanen, Linden, die im Sommer süßlich duften, Baumhaseln, über die sich Eichhörnchen freuen. Und natürlich Kastanien. Wenn ihre Früchte im Herbst auf die Autodächer prasseln, klingt es wie Gewehrschüsse und überall heulen die Alarmanlagen auf.

Dann gibt es die Straßenbäumchen, Chinesische Wildbirne etwa. Im Frühjahr blüht sie ein bisschen rot, ab und zu werden Äste dürr und wenn ein etwas heftigeres Lüftchen weht, fällt so ein Bäumchen schon mal mit einem leisen Seufzer um.

… und Straßenbaum-Attrappe. Foto: ksk

In der Mittenwalder Straße ist das vor ein paar Jahren passiert, da konnte man dann sehen, wie flach der Wurzelballen eigentlich ist. Ohnehin fragt man sich, wie sie in ihrer Mini-Baumscheibe überhaupt leben können. Außerdem existieren noch Straßenbaum-Attrappen in hässlichen Pflanzkübeln. Die sind häufig dürr und könnten genauso aus Plastik sein.

Jedes Jahr müssen Bäume gefällt werden. Allein in Friedrichshain-Kreuzberg sind es in diesem Jahr 622 Stück – aber da zählen auch die Anlagenbäume mit. Zum Ausgleich sollen immerhin 155 neue Bäume gepflanzt werden. Aber so wenig der Bezirk im Sommer Wasser zum Gießen hat, so wenig Geld hat die Senatsverwaltung für Umwelt für die neuen Bäume. Von den 2000 Euro, die ein Bäumchen in den ersten zwei Jahren kostet, sollen deshalb Anwohner 500 Euro übernehmen.

Entlang der Mittenwalder Straße werden noch für die Hausnummern 34, 37, 39, 41, 47, 49 und 50 Baumpaten gesucht, für den schönen Platz vor dem »Zweiten Büro« an der Fürbringer / Zossener wurden offenbar schon Spender gefunden. Aber bitte, könnte es statt der vorgesehenen Wildbirne vielleicht eine gegen Miniermotten resistente Scharlach-Kastanie sein?

Hier kann man die Kampagne verfolgen; hier ist die Liste der Bäume und hier wird jeder einzelne Baum aufgeführt. Nur dass viele der dort eingezeichneten Schwengelpumpen leider gar nicht funktionieren.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Juni 2020.

Für Bedürftige

Neue Corona-Aktion von mog61

Auch wenn jetzt die Kneipen wieder öffnen, ist Corona noch längst nicht vorbei. Der Verein »mog61 – Miteinander ohne Grenzen« hat sich in der Corona-Pandemie bereits stark engagiert, jetzt startet er eine neue Initiative: Noch im Juni sollen an die 300 Care-Pakete an Bedürftige und Obdachlose verteilt werden. Gedacht ist an eine kleine Textiltasche mit Überlebenshilfen in dieser schwierigen Zeit: Haltbare Lebensmittel wie abgepacktes Brot, Wurst und Käse, Schokolade, Seife, Zahnbürste, Zahnpasta, Toilettenpapier, Desinfektionsmittel – das alles könnte sehr nützlich sein.

Um die Taschen zu füllen, ist der Verein auf großzügige Spender angewiesen. Vor allem Gewerbetreibende dürfen sich angesprochen fühlen, aber auch andere Menschen werden gebeten, die Aktion zu unterstützen. Eine Spendenquittung wird gerne erstellt.

»Die Corona-Pandemie bedroht viele Menschen in ihrer Gesundheit und Existenz und stellt unsere Gesellschaft vor neue Herausforderungen«, sagt mog61-Vorsitzende Marie Hoepfner. »Besonders Menschen mit sozialen Schwierigkeiten sind gefährdet, wie Straßenkinder, Obdachlose und Bedürftige.«

Der Verein, der in Nicht-Corona-Zeiten vor allem durch sein jährliches Straßenfest in der Mittenwalder Straße bekannt geworden ist, hat gleich zu Beginn der Pandemie als Ersatz für physischen Kontakt einen Online-Treffpunkt eingerichtet und inzwischen mehr als 800 Mund-Nasen-Masken genäht, die an soziale Einrichtungen verteilt wurden. Kontakt: 0176 99 743 624 oder info@mog61ev.de

Erschienen in der gedruckten KuK vom Juni 2020.

Mag Lupinen und Glockenblumen

Wildes Kreuzberg: Waldmaus (Apodemus sylvaticus) / Mindestens drei Familien sind im Kiez unterwegs

Apodemus sylvaticus bei nächtlichen Abenteuern. Foto: ksk

An der Kreuzung Mittenwalder / Gneisenaustraße wohnen mindestens drei Mäusefamilien. Die eine ist hinter einem Regenfallrohr gleich rechts vom Edeka-Markt zu Hause. Nachts wagen sich die Angehörigen mutig aufs Trottoir, schnuppern neugierig auf der Baumscheibe herum, wo im Moment schöne gelbe Narzissen blühen, und verschwinden dann wieder schnell in einem kleinen Loch am Verteilerkasten.

Die zweite ist unten an der U-Bahn zugange und scheint eine ziemlich große Sippe zu sein. Wenn man genau hinguckt, sieht man ab und zu ein graues Mäuschen über den Schotter wieseln. Dann machen die Touristen »Ah« und »Oh« (jedenfalls taten sie das, als in Berlin noch Touristen erlaubt waren), schnippen ein Stück Abfall auf die Gleise und die Mäuse freuen sich. Der U-Bahn-Lärm scheint sie nicht zu stören. Ob die beiden Clans sich gegenseitig besuchen, weiß man nicht, aber bei so Mäusen muss man mit allem rechnen.

Die dritte Familie bewirtschaftet das Straßenbegleitgrün oben vor der »Transmitter«-Sprachschule, wo seit letztem Sommer der Verein »mog61 Miteinander ohne Grenzen« Blumen pflanzt. Oder vielmehr zu pflanzen versucht. Denn die Mäuse dort lieben nicht nur die Körner heiß und innig, welche Rentner Herrmann mit vollen Händen an Spatzen verteilt, sondern auch die kleinen grünen Sämlinge. »Lupinen und Sonnenblumen haben sie ratzeputz aufgefressen«, klagt mog-Gärtner K. empört. »Und von den hübschen Glockenblumen, die uns Frau Koll geschenkt hat, ist auch fast nichts mehr übrig!«

Bleibt zu hoffen, dass die Koexistenz zwischen mog61 und den Mäusen dieses Jahr besser funktioniert. Es ist übrigens nicht ganz sicher, welche Spezies es genau ist. Vieles spricht für die Waldmaus. Wer beweisen kann, dass es sich um eine überaus ähnliche, selbst von Experten kaum unterscheidbare Gelbhalsmaus (Apodemus flavicollis) handelt, bekommt eine Tüte Gummibärchen.

Erschienen in der gedruckten KuK vom April 2020.

Mein Freund, der Baum, lebt!

Anfang März gehen an der Mittenwalder / Blücherstraße endlich die Lichter an

Trotz neuer Ampeln dürfen an der Kreuzung Mittenwalder / Blücherstraße alle Bäume stehen bleiben. Foto: ksk

Uns erreichen immer mehr Anfragen, ja sogar Beschwerden, was es mit den Ampeln an der Kreuzung Mittenwalder / Blücherstraße auf sich hat. Nicht eigentlich zu den Ampeln, die sind ja noch gar nicht da, sondern gerade deswegen: Warum sie nämlich so lange auf sich warten lassen. Seit Ende August wird an der Kreuzung herumgebastelt. Es wurden wundervolle Linksabbiegerspuren eingerichtet, ein aufwändiges Blindenleitsystem, sogar Tempo 30 gibt es dort im Moment – allerdings nur vorläufig, wie man erfährt. Nur die versprochenen Ampeln fehlen noch. Die stählernen Masten existieren schon, wären sie lebendig, würde man vielleicht sagen, sie strecken „anklagend die Hände zum grauen Winterhimmel“ empor, aber statt dessen stehen sie nur etwas ratlos in der Gegend herum und das tun viele verunsicherte Anwohner auch.

Da hat die KuK natürlich nachgefragt. Die gute Nachricht: Es liegt nicht am üblichen Berliner Schlendrian, den böse Zungen gern unterstellen, dass der harmlose Umbau einer Kreuzung nicht Ende Oktober 2019 fertig geworden ist, wie ursprünglich angekündigt, sondern immer noch nicht. Es liegt an einem Baum! Tatsächlich stehen direkt an der Kreuzung ein paar Bäume herum, vermutlich Platanen, und da musste erst umfänglich geklärt werden, ob angesichts der „neuen Lichtsignalanlage“ speziell „der Standort eines Baumes so bleiben kann“. Bei der Senatsverwaltung für Umwelt und Verkehr heißt es nun: „Diese Klärung ist abgeschlossen, der Baum kann stehen bleiben.“ Das ist die zweite gute Nachricht.

Die dritte gute Nachricht ist, dass die Ampeln jetzt endlich – Ende Februar, Anfang März – doch kommen sollen, wie die zuständige Alliander Stadtlicht GmbH versichert. Die vierte: Der Umbau sollte mit Stand August 380.000 Euro kosten, inzwischen ist von 385.000 Euro die Rede. Und über so eine geringe Steigerung muss sich nun wirklich niemand aufregen.

 

Was ist wichtig im Leben?

Buddha-Bärchen von mindsweets helfen beim Nachdenken

Meditierende Buddha-Bärchen in der Mittenwalder Straße mit Arne Schaefer. Foto: ksk

Sie sehen auf den ersten Blick aus wie Gummibärchen. Aber es sind gar keine Gummibärchen, sondern Buddha-Bärchen. Erstens erkennt man das natürlich sofort an ihrer meditativen Haltung. Zweitens sind sie nicht aus Gelatine, sondern von Kopf bis Fuß vegan, gluten- und lactosefrei und ohne künstliche Aromen.

Und drittens meditieren nicht nur die Bärchen selbst, sondern auch der Konsument sollte oder könnte das zumindest tun, wenn er sie sich auf der Zunge zergehen lässt. Arne Schaefer, der Gründer der mindsweets GmbH, hat dafür ein eigenes Wort erfunden: »Naschdenken«. Das bedeutet: Süßigkeiten genießen und dabei über das wirklich Wichtige im Leben nachdenken.

Mindsweets entstand 2010 in Kreuzberg und stellt vegane Bio-Süßigkeiten her. Vor allem für den Großhandel, wo sie dann an Supermärkte wie Bio Company oder LPG verteilt werden, oder für den Online-Shop. Im April zog das Büro von der Arndtstraße in die Mittenwalder Straße und natürlich kann man auch dort ein paar Bärchen bekommen.

Im Sommer sitzen Marketingfrau Elisabeth Illgen und ihre Kollegen gerne vor der Tür in der Sonne und basteln an neuen Ideen. Neben Buddha- gibt es inzwischen freche Berlin-Bärchen, die sich über den nicht existenten Flughafen lustig machen. Pro Tütchen gehen zehn Cent an Kinder und Jugendliche in Not.

Denn die Bärchen sind nicht nur ökologisch, sondern auch sozial: »Sie werden in einer Behindertenwerkstatt in Berlin von Hand konfektioniert«, sagt Illgen. Tatsächlich balanciert die Bärchen-Firma mutig zwischen Kapitalismus und Buddhismus. Natürlich geht es ums Geldverdienen. Andererseits sind alle vier Beschäftigten aktive Buddhisten und »Naschdenken« ist im Prinzip die buddhistische Achtsamkeitsübung in Form einer Ess-Meditation.

Deshalb sollte der »Schoko-Schamane«, der große Bruder der Buddha-Bärchen, auch nicht einfach so, sondern besser nach dem in der aufwendigen Verpackung genau beschriebenen Ritual verzehrt werden.

Zum mindsweets-Shop

Erschienen in der gedruckten KuK vom Dezember 2019.

Mit Feuerwehr und Fahrradcheck

In der Mittenwalder ist am 7. September zum siebten Mal großes Straßenfest

Ausgelassene Stimmung in der Mittenwalder Straße beim Fest im vergangenen Jahr. Foto: mog 61

Das Fest ist ganz bewusst nicht-kommerziell – das heißt, die Rostbratwurst ist erschwinglich und die anderswo üblichen Billigprodukte aus Fernost fehlen sowieso. Am Samstag, 7. September, von 12 bis 22 Uhr ist wieder Straßenfest in der Mittenwalder Straße. Zum siebten Mal übrigens – schon eine kleine Tradition.

Organisiert wird das Fest vom Verein »mog 61 – Miteinander ohne Grenzen«. Einer der Höhepunkte ist ein knallrotes Feuerwehrauto der  Wache Urban, an dem vor allem Kinder ihr Vergnügen haben dürften. Es gibt Bachi-Ki-Do-, Aikido- und Capoeira-Vorführungen, ein Kinderprogramm mit Clowndame Julchen und andere spannende Mitmachaktionen. Außerdem den fast schon traditionellen kostenlosen Fahrradcheck.

Dazu natürlich eine große Bühne mit Live-Musik, auf der in diesem Jahr unter anderem die Musikschule BKMZ Musik aus Anatolien präsentieren wird. Das Lesezelt, das letztes Jahr so großen Anklang fand, wird es ebenfalls wieder geben. Die Künstlerinnen Maria M. Hahmann  und Kerstin Zobus stellen im Rahmen der ART Kreuzberg auf dem Fest ihre Werke vor.

Und Essen und Trinken? Erstmals werden in diesem Jahr äthiopische Speisen angeboten. Singhalesisch, italienisch, türkisch, Rostbratwürste sowieso. Bier auch.

Zum siebten Mal

Marie Hoepfner ist Vorsitzende des Vereins mog 61 e.V., der das Straßenfest zum siebten Mal veranstaltet. Foto: ksk

Marie Hoepfner ist Vorsitzende des mog 61 e.V., der das Mittenwalder Straßenfest organisiert.

KuK: Was ist das Besondere am diesjährigen Straßenfest?

Marie: Wir haben zum ersten Mal äthiopisches Essen. Darauf freue ich mich ganz besonders.  Insgesamt sind wir sehr multikulturell aufgestellt: Die türkische Musikschule ist mit dabei. An einem Stand wird ein Friseur die Haare schneiden. Er ist ein Geflüchteter, und wir wollen so zeigen, dass Integration funktioniert.

Was war diesmal am schwierigsten?

Weil die Standgebühren so niedrig sind, melden sich immer wieder Leute an und springen dann in letzter Minute ab. Das ist für uns schwierig zu koordinieren. Außerdem gibt es eine große Baustelle in der Straße. An einer anderen Stelle waren Tiefbauarbeiten geplant, die wurden glücklicherweise verschoben.

Funktionierte der Kontakt mit dem Ordnungsamt?

Seit 2013 werden wir vom Ordnungsamt Friedrichshain-Kreuzberg immer, immer unterstützt. Ohne diese Hilfestellung wäre so ein Fest nicht zu machen.

Wie wird das Straßenfest überhaupt finanziert?

Wir bekommen keine institutionelle Förderung und sind komplett auf Spenden angewiesen. Wichtigster Baustein dabei ist die kräftige Unterstützung durch »Aktion Mensch«. Von Stromnetz Berlin bekommen wir nicht nur den elektrischen Strom, sondern auch den Anschluss umsonst. Das wären sonst mehr als 2000 Euro. Dafür bedanken wir uns sehr.

Gibt es auch wieder den legendären Fahrradcheck?

Ja. Die Idee ist, dass die Leute ihr Fahrrad mitbringen. Wir gucken dann, ob alles in Ordnung ist. Kleine Reparaturen können kostenlos vor Ort erledigt werden, bei größeren Sachen gibt es eine Empfehlung fürs Fachgeschäft.

Kannst du in der Nacht vor dem Fest überhaupt schlafen?

Ja, das geht schon. Es ist ja mittlerweile das siebte Straßenfest, das wir organisieren, und vieles ist inzwischen Routine geworden. Obwohl im letzten Moment immer wieder Probleme entstehen, wo man sie vorher am wenigsten erwartet hat.

Nicht nur für Kinder

»Es geht darum, sich selbst zu finden«, sagt Ralf Bartzsch. Foto: ksk

Wer glaubt, Bachi-Ki-Do sei nur eine Sache von Muskelkraft und von roher Gewalt, liegt ganz falsch. »Es geht darum, sich selbst zu finden«, erklärt Ralf Bartzsch. »Um Fragen wie: Wer bin ich? Bin ich stark? Durch das Training soll Selbstbewusstsein entstehen und

Ausstrahlung, damit man gar nicht erst in schwierige Situationen kommt.«

Der 65-Jährige hat Bachi-Ki-Do begründet und aus anderen chinesischen Kampfkünsten für moderne Zeiten weiterentwickelt. Auf dem Straßenfest gibt seine Kampfsportschule Proben ihres Könnens. 

Gleich daneben breitet der Kranich Dojo vom Mehringdamm seine Matte aus und demonstriert Aikido – eine  traditionelle japanische Kampfkunst, bei der ebenfalls Konzentration, Disziplin und Selbstbehauptung im Mittelpunkt stehen. Und der Capoeira Angola e.V. ist mit einer Kampftanz-Show vertreten. Capoeira stammt aus Brasilien und wurde dort während der Kolonialzeit von aus Afrika verschleppten Sklaven praktiziert.

Außerdem gibt es auf dem mog-Straßenfest wieder viele spannende Mitmachspiele für Kinder mit Clowndame Julchen, Kinder­yoga und einen kreativenTextildruck-Workshop – der ist aber auch für interessierte Erwachsene.

Essen & Trinken

Ethiopia Mandefro  serviert leckere Speisen auf Injera. Foto: privat

Zum ersten Mal ist auf diesem Straßenfest ein Stand mit original äthiopischem Essen vertreten. Ethiopia Mandefro  vom »Little Ethiopia« in der Gneisenaustraße 63 serviert leckere Speisen auf Injera, dem leicht säuerlich schmeckenden  Fladenbrot, das in Afrika traditionell auf einem heißen Stein  gebacken wird. Vegan mit Linsensoße, Grünkohl, Weißkohl, Karotten und Kartoffeln oder mit scharfem Rindfleisch und mildem Hüttenkäse. 

Aber das ist nicht alles: Außerdem gibt es leckere  Gemüse- und Fleischgerichte aus Sri Lanka, gut gewürzte türkische Köfte direkt vom Grill, italienische Kleinigkeiten und natürlich die klassische Rostbratwurst im Brötchen mit Ketchup oder Senf. Und »ganz, ganz viel Kuchen«, wie mog-Chefin Marie Hoepfner versichert.

Und zu trinken? Fassbier ohne Ende, spanische Weine von »Wein & Vinos«, Cocktails, Raki, die üblichen Softdrinks und selbstverständlich Kaffee.

Knallrote Feuerwehr

Das Lösch- und Hilfsfahrzeug (LHF) 16/12 wurde speziell für die Großstadt  entwickelt. Foto: ksk

Auf der Feuerwache Urban in der Wilmsstraße ist neben der  Berufsfeuerwehr auch eine Abteilung der Freiwilligen Feuerwehr stationiert. Mit ihren 19 Mann und einer Frau rückt sie immer aus, wenn die hauptberuflichen Kollegen Unterstützung brauchen. Deshalb müssen Ausbildung und  Qualifikation genauso gut sein wie bei der Berufsfeuerwehr. Die freiwilligen Feuerwehrleute haben ständig einen Piepser dabei und im Alarmfall sind sie innerhalb von 30 Minuten einsatzbereit.

Ihr Schmuckstück und Hauptarbeitsmittel ist ein Lösch- und Hilfsfahrzeug (LHF) 16/12, das speziell für die Großstadt  entwickelt wurde. Es hat einen Löschwassertank mit 1200 Litern, Pumpe, Schaummittel und  jede Menge technische Geräte an Bord. Das knallrote Feuerwehrauto ist eine der Hauptattraktionen dieses Straßenfestes. Kinder können sich die Technik erklären lassen und auch darin herumklettern.

»Natürlich kann es bei so einem Einsatz auch mal gefährlich werden«, gibt der stellvertretende Wachleiter Dominique Schimo Auskunft. »Aber aufgrund unserer Ausbildung ist das ein kalkuliertes Risiko. Im Grunde leben wir hier den Traum jedes kleinen Jungen aus.«

Kultur im Lesezelt

Carpathia-Verleger Robert S. Plaul will Literatur auf die Straße bringen. Foto: ksk

Auch diesmal gibt es auf dem Straßenfest wieder ein Lesezelt. Die Idee stammt vom Carpathia Verlag und stieß im vergangenen Jahr auf große Resonanz. Autoren und Autorinnen von Kleinverlagen im Kiez und anderswo lesen zwischen 15 und 20 Uhr aus ihren Werken, jeder eine halbe Stunde lang. »Wir wollen damit Kultur auf die Straße bringen und gleichzeitig die Vielfalt des Programms unabhängiger Verlage zeigen«, so Carpathia-Chef Robert S. Plaul. Das Programm:

15:00 Nadire Biskin: »Flexen. Flâneusen* schreiben Städte« (Verbrecher Verlag)

15:45 Carsten Zehm: »Operation Romulus« (acabus Verlag)

16:30 Maik Gereckes: »Zerschlagen« (VHV-Verlag)

17:15 Kathrin Wildenberger: »ZwischenLand« (Verlag duotincta)

18:00 Thilo Bock: »Der Berliner ist dem Pfannkuchen sein Tod« (Satyr Verlag)

18:45 Tibor Baumann: »Was du nie siehst« (Carpathia Verlag)

19:30 Marion Alexa Müller: »Die unterschätzte Kunst des Scheiterns und weitere Mysterien im Leben von Menschen und anderen Kleintieren« (Periplaneta Verlag).

Und weil wir schon bei der Kultur und beim Lesen sind: Natürlich ist auch die KuK-Redaktion auf dem Fest mit einem eigenen Stand vertreten.

Musikprogramm

13:30 Barny and the Pale Blue Dot Arkestra 

(Jazz / Soul / R&B / Rap)

Barny ist ein alter Bekannter, der schon auf früheren Straßenfesten mit dabei war. Jetzt hat er sich eine Band zugelegt. Neben Gesang und Keyboards gibt es nun auch Gitarre, Schlagzeug und Bass.

15:00 Bildung Kultur Musik Zentrum e.V.

(Musik aus Anatolien)

Das BKMZ von Müzik Okulu ist eine Musikschule in der Mittenwalder Straße 15. Es treten Kinder, Jugendliche und Frauen auf und natürlich darf auch getanzt werden!

17:00 Melodi

(Pop und Balladen)

Melodi ist 17 Jahre alt und macht eine Ausbildung als Altenpflegerin. Sie singt auf Englisch – zum Beispiel den berühmten Song »Hallelujah«.

17:30 DJ Mixanthrope

(Afrikanische Musik zum Tanzen)

DJ Mixanthrope kommt aus Frankreich und legt afrikanische Musik auf, die er auf ausgesprochen kreative Weise verändert. Kenner der Szene sagen über ihn: »He loves shaking dancefloors with african voices, electronic beats and tropical grooves.«

19:30 Pirilampos Experimental Flights

(Musik mit südafrikanisch-brasilianischen Wurzeln)

Pirilampos spielten diesen Sommer beim »Karneval der Kulturen«. Meditative Gedichte treffen auf heiße Rhythmen, traditionelle afrikanische Instrumente auf modernen Pop. 

21:00 Orquesta Randalera

(Swing / Latin / Rock / Jazz / Funk)

Das Orquesta Randalera beweist, dass Humor und Musik zusammengehören. Die witzigen spanischen Texte machen sich über das nicht immer einfache moderne Leben lustig, und die Musik reißt selbst den mit, der nicht besonders gut Spanisch versteht.

Die komplette Themenseite mit Plan vom Straßenfest gibt es hier als PDF zum Downloaden.

Erschienen in der gedruckten KuK vom September 2019.

Ampeln am Unfallschwerpunkt

Mittenwalder Straße bis Oktober gesperrt

Labyrinthische Plastikabsperrungen an der Mittenwalder Straße. Fotos: ksk

Das erste Labyrinth der Geschichte, das König Minos auf Kreta anlegen ließ, war so kompliziert, dass man nur mit Hilfe von Ariadnes Faden wieder herausfand. So einen Faden hätte man jetzt gerne zwischen all den komplizierten Schranken und Hinweisschildern an der Kreuzung Mittenwalder / Blücherstraße. Nun ist das aber gar kein Labyrinth.

Vielleicht der neue Lagerplatz für alle hässlichen orangen Plastikabsperrungen in Berlin? Auch falsch. Nur eine simple Baustelle. Weil es an der Kreuzung immer wieder zu Unfällen kommt, erhält sie eine behindertengerecht ausgebaute Ampelanlage, Kosten: 380 000 Euro.

Mittenwalder Straße gesperrt, Brachvogelstraße gesperrt, mindestens bis Ende Oktober. Fehlen nur noch ein paar große Findlinge.

 

Erschienen in der gedruckten KuK vom September 2019.

Die KuK berichtete …

Mal zu viel, mal zu wenig Wasser

In der August-Ausgabe hatte sich die KuK mit den Schwengelpumpen im Kiez beschäftigt. Bei einem großen Test haben von 32 Straßenbrunnen lediglich elf funktioniert. Während die beiden Plumpen in der Baruther und der Fürbringerstraße munter Wasser spenden, liegen die beiden Brunnen in der Mittenwalder Straße seit Jahren brach.

Das ist besonders misslich, weil die Pumpen in trockenen Sommern eine wertvolle Hilfe beim Gießen von Straßenbäumen darstellen könnten. Jetzt hat auch die SPD das Thema entdeckt. Sie fordert das Bezirksamt auf, dafür zu sorgen, dass die Brunnen funktionieren oder eben durch neue ersetzt werden.

Generell solle »die AnwohnerInnenschaft beim Gießen unbürokratisch unterstützt« werden, heißt es in dem SPD-Antrag. Der wurde inzwischen im Umweltausschuss beraten und zur Annahme empfohlen.

Gute Nachrichten gibt es auch vom Gewobag-Hochhaus in der Friedrichstraße 4. Nachdem Alexander Gustov in der KuK darüber klagte, dass in der Wohnung seiner Eltern das Wasser auf den Balkonen nicht abfließt, waren inzwischen mehrfach die Handwerker da und alles ist paletti.

Der Kinderzirkus Cabuwazi, über den die KuK im August-Heft berichtete, bangt hingegen immer noch um seine weitere Zukunft auf dem Tempelhofer Feld. Eine Gruppe von Eltern und Kindern hat deshalb jetzt eine Petition an den Berliner Senat für den Erhalt des kreativen Freizeitangebots gestartet.

Erschienen in der gedruckten KuK vom September 2019.

Den Sommeranfang feiern mit Musik an allen Ecken

Wieder viele Kreuzberger Bühnen zur Fête de la Musique

mog61-Bühne auf der Fête de la MusiqueMusik umsonst und draußen. Die Fête de la Musique fällt 2019 auf einen Freitag. Foto: phils

Mit erfreulich wenig gesperrten Straßen kommt wie immer die Fête de la Musique zum Sommeranfang am 21. Juni aus. Na gut – die Fürbringerstraße (zwischen Mittenwalder und Schleiermacherstraße) hat’s mal wieder erwischt – aber die ist ja auch keine wichtige Durchgangsstraße und dafür steht da dann auch wie schon in den letzten Jahren die vermutlich größte Bühne im Kiez, gemeinsam organisiert vom Verein mog61 e.V. und dem unterRock. Hier gibt es von 16 bis 22 Uhr ein hochkarätiges Programm mit Schwerpunkt Rock. Tipp der Redaktion: Die Potsdamer Band Sonator ganz am Ende. Wenige Meter weiter verbindet das House of Life auch in diesem Jahr die Fête mit ihrem jährlichen Sommerfest. Hier geht es schon um 15:45 Uhr los mit der Verleihung des »Prize of Life«, danach wird mit mehreren Livebands und gutem Essen gefeiert.

Ebenfalls eine feste Größe ist die Bühne auf dem Marheinekeplatz vor dem Matzbach. Das Programm stand zu Redaktionsschluss noch nicht fest, aber aus gut unterrichteten Kreisen ist zu vernehmen, dass am frühen Abend Berlin Beat Club dort auftreten wird – wer die beste (Rock‑)Musik der Hippie-Ära mag, ist da richtig.

Gerne würden wir an dieser Stelle auf die Webseite der Fête de la Musique verweisen, allerdings ist diese bisher alles andere als vollständig, sowohl bezüglich der Bühnen als auch bezüglich des Programms. Daher ganz kurz und knapp noch ein paar andere Orte in Kreuzberg, an denen in der kürzesten Nacht des Jahres Musik gemacht wird. Überall – wie immer zur Fête – ist der Eintritt frei:

  • Passionskirche (Marheinekeplatz): Chormusik
  • Dodo (Großbeerenstraße): Buntes Programm von Singer/Songwriter bis Pop und Rock
  • Melitta Sundström (Mehringdamm): Nicht nur Pop im wandernden Wohnzimmer »Jesterfield«
  • Gretchen (Obentrautstraße): Blockparty mit Tanzmusik live und vom Plattenteller
  • Regenbogenfabrik (Lausitzer Straße): Kinderprogramm, Drehorgel und mehrere Bands
  • Birgit und Bier (Lohmühleninsel): Blues und Blech
  • Exploratorium (Mehringdamm): Experimentelles mit teils sehr ungewöhnlichen Instrumenten
  • Bona-Peiser-Projekträume (Oranienstraße): Rap, Jazz und Musikprojekte aus dem Kiez
  • Expedition Metropolis (Ohlauer Straße): Folk, Mathrock, Indie
  • Pirata Patata (Kotti): Punk, Indie and more
  • unterRock (Fürbringerstraße): Rock
  • Matzbach (Marheinekeplatz): Rock

Aus Gründen des Lärmschutzes ist um 22 Uhr überall draußen Schluss, aber danach geht für die echten Nachteulen in einigen Locations die Fête de la Nuit drinnen weiter – und das ohne Reue, da der 21. Juni ja 2019 auf einen Freitag fällt. Junction Bar (Gneisenaustraße), Gretchen und Ritter Butzke seien hier als geeignete Party-Locations empfohlen.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Juni 2019.

Mehr Kameras, weniger Müll

Karneval der Kulturen setzt auf Nachhaltigkeit – und verschärft sein Sicherheitskonzept

Umzugshelferin in Dienstkleidung. Foto: rsp

Bereits zum 24. Mal findet am Pfingstwochenende der Karneval der Kulturen statt. Neben dem Straßenfest rund um den Blücherplatz lockt vor allem der Umzug am Sonntag jedes Jahr unzählige Besucher in den Kiez – 2018 waren es zusammen eine knappe Million Menschen.

Wie schon im letzten Jahr geht der Umzug wieder in der noch etwas ungewohnten Richtung von der Yorckstraße über Gneisenaustraße und Hasenheide bis zum Hermannplatz. 74 Gruppen mit gut 4.400 Beteiligten ziehen über die Strecke. Neu ist, dass rund ein Drittel der Gruppen ohne motorbetriebenen Wagen auskommt. Stattdessen kommen Lastenräder, Rikscha und geschobene Plattformen zum Einsatz. 

Überhaupt solle der Karneval nachhaltiger werden, erklärte Leiterin Nadja Mau bei der Pressekonferenz zwei Wochen vor dem Event und hob unter anderem das ausgeklügelte Mehrwegsystem des Straßenfests hervor. Die Berliner Wasserbetriebe, die die Akteure des Umzugs seit 16 Jahren mit Trinkwasser versorgen, verzichten zudem komplett auf Einweg-Plastikbecher. Für den trotzdem allenthalben anfallenden Müll stehen drei Mal soviele Behälter bereit wie noch im Vorjahr.

Nachhaltigkeit und Achtsamkeit finden sich auch im Programm wieder: Bei zahlreichen Gruppen des Umzugs stehen explizit Themen wie Umweltschutz, Müllvermeidung und Artenvielfalt im Vordergrund. Mit »Shanti Town« wird mitten auf dem Festgelände ein Aktionscamp gegen Rassismus und Krieg, für Vielfalt, Nachhaltigkeit und Verantwortung errichtet. Unter anderem gibt es dort Filmprojektionen, Workshops und Mitmach-Aktionen.

Weniger Müll und überhaupt mehr Nachhaltigkeit ist eines der Ziele des Karnevals der Kulturen. Foto: rsp

Die kulturelle Vielfalt, für die der Karneval steht, schlägt sich wie immer auch im Musikangebot nieder. Neben den drei großen Bühnen »Latinauta« (Gitchiner Straße; Latin Grooves), »Black Atlantica« (vor der Heilig-Kreuz-Kirche; afrikanische Musik) und »East2West« (AGB; u.a. Reggae, Ska, Balkan Beats) gibt es zehn kleinere »Music Corners«, die übers ganze Festgelände verteilt sind.

»Eine neue Kultur des Miteinanders auf Großveranstaltungen« wollen die Veranstalter des Karnevals der Kulturen etablieren, und dazu gehöre es auch, alle Beteiligten für die Bedürfnisse der Anwohner zu sensibilisieren – etwa durch eine Reduktion der Zeit für den Soundcheck im Aufstellungsbereich des Umzugs.

Zudem sind die Gruppen angehalten, unsoziales Verhalten in der Umgebung ihres Wagens zu identifizieren und anzusprechen. Angespannte Situationen sollen mit angepasster Musik beruhigt werden.

Zur Entspannung der Sicherheitslage soll eine punktuelle Videoüberwachung entlang der Strecke und auf dem Straßenfest beitragen. Damit sollen Besucherströme beobachtet und gegebenenfalls gelenkt werden. Am Tag des Umzugs sind Nostitz‑, Solms‑, Zossener und Mittenwalder Straße zwischen Gneisenau- und Baruther bzw. Fürbringerstraße auch für Fußgänger komplett gesperrt, Mehringdamm und Schleiermacherstraße funktionieren als Einbahnstraße (siehe Plan). Anwohner sollten deshalb unbedingt einen Ausweis oder ein ähnliches Dokument dabei haben, wenn sie vorhaben, vor Ende des Umzugs nach Hause zu kommen. In den genannten Straßen wird es auch ein flächendeckendes Parkverbot geben.

Quo vadis, Karnevalsbesucher? Am Pfingstsonntag sind zahlreiche Straßen komplett gesperrt, auch für Fußgänger. Grafik: KdK

Ob speziell die Straßensperrungen bei den unmittelbaren Anwohnern für eine höhere Akzeptanz sorgen, erscheint fraglich. Immerhin dürfte die Zahl der Wild- und Hauseingangspinkler in den gesperrten Straßen rückläufig sein. 

Die Fürbringerstraße fungiert als eine Art »Rückstaubereich« – für ortsfremde Besucher vermutlich verwirrend, da es von dort keinen Zugang zum Umzug und keinen direkten Rückweg zum Fest gibt. Von außerhalb des Festes kommt man nur via Baruther oder Schleiermachenstraße in die Fürbringerstraße.

Wer doch in diesen Bereich findet – oder nicht mehr heraus –, ist jedenfalls herzlich willkommen vor den Redaktionsräumen der Kiez und Kneipe (Fürbringerstraße 6), wo wie immer der Bierzelttisch aufgestellt ist und Caipirinha bereitsteht.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Juni 2019.

Böse Falle Blücherstraße

Ordnungsamt verläuft sich im Schildawald

Böse Falle: Was aus Richtung der Zossener Straße ein Radweg ist (hier: linke Spur) …

Fahrradfahrer sind in Berlin einiges gewöhnt, was blockierte Radwege, Baustellen und unverständliche Beschilderungen angeht. In der Blücherstraße, gegenüber der Heilig-Kreuz-Kirche, drohte wochenlang eine ganz böse Falle. Eine harmlose Baustelle mit Gerüst und Tunnel für Radweg (links) und Gehweg (rechts). In der Gegenrichtung, von der Mittenwalder Straße aus, waren beide Passagen jedoch als Gehweg ausgeschildert. Ahnungslose Fußgänger wurden damit geradezu dazu eingeladen, auch den straßenseitigen Tunnel zu benutzen und dort mit entgegenkommenden Radlern zu kollidieren. »Das geht überhaupt nicht«, sagt Dirk von Schneidemesser vom Netzwerk Fahrradfreundliches Friedrichshain-Kreuzberg. »Damit werden Unfälle geradezu provoziert.«

… bringt in der Gegenrichtung als Gehweg Fußgänger auf Kollisionskurs. Fotos: ksk

Gefahr im Verzug? Radweg? Fußweg? Eine Beschwerde beim Ordnungsamt Mitte Juni hatte keinen Erfolg. Erst eine Mail an die Verkehrslenkung Berlin – sechs Wochen später. Nun ist das falsche Schild verschwunden, beide Spuren sind durch orange Streifen getrennt, die Einfahrt in den Radfahrertunnel ist weniger holprig. Wer wäre schuld gewesen, wäre es in diesen sechs Wochen zu einem Unfall gekommen?

»Dass unser Ordnungsamt völlig überlastet ist, ist ein offenes Geheimnis«, so Sprecherin Sara Lühmann vom Bezirksamt. Bezirksstadtrat Andy Hehmke sagt, die nicht einmal 30 Beschäftigten im Außendienst seien jetzt schon »in zwei Schichten unterwegs an sieben Tagen der Woche. Sie können nicht überall sein.«

Inzwischen stehen aus Richtung Mittenwalder gar keine Schilder mehr, aus Richtung Zossener Straße dafür aber zwei Fußgänger- und ein Radfahrerschild. Keine Ahnung, was das jetzt wieder zu bedeuten hat.

Erschienen in der gedruckten KuK vom September 2018.

Kreuzberg wehrt sich

Initiative gegen Initiative gegründet

Am 12. Februar titelte der Tagesspiegel: »Kreuzberger wollen Drogenabhängige vertreiben«. Dahinter verbirgt sich die Initiative einer Anwohnerin. Ihr missfällt eine Gruppe von Leuten, die sich täglich auf dem U-Bahnhof Gneisenaustraße trifft. Es handelt sich dabei um ehemalige Drogenabhängige, die in einem Methadonprogramm untergekommen sind. Die Ausgabestelle des Substituts ist in der Heimstraße. Es sind also Leidensgenossen, die sich dort treffen. Die Anwohnerin will, dass die Substituierten verschwinden. Sie verlangt auch die Schließung der Methadonausgabestelle. Unter anderem soll sie auch schon mit Flugblättern auf das Problem ausmerksam gemacht haben.

Unterdessen hat sich aber eine zweite Initiative gegründet, die eben nicht will, dass die Menschen von dort vertrieben wären. Die allerdings wären auch gerne woanders. Doch sie haben schlechterdings keine Möglichkeit, sich andernorts zu treffen. Die Initiative »Tolerantes Kreuzberg« will die Gruppe vom U-Bahnhof Gneisenaustraße nun unterstützen und erst Mal eine Vertreibung vom Bahnhof verhindert. In einem nächsten Schritt will sie mit allen beteiligten Lösungsmöglichkeiten für die verschiedenen Probleme erarbeiten. Weitere Informationen gibt es auf der Homepage: Tolerantes Kreuzberg

Am Donnerstagabend wurde diese Initiative offiziell aus der Taufe gehoben. Tags darauf kommt dann auch schon die erste Pressemitteilung heraus:

Initiative wirbt für Tolerantes Kreuzberg
Über 100 Unterstützer stärken der Gruppe vom U-Bahnhof Gneisenaustraße den Rücken
»Tolerantes Kreuzberg«, diesen Namen hat sich eine neue Bürgerinitiative in Kreuzberg gegeben. Auslöser für die Gründung der Initiative waren Berichte über eine andere Initiative, die versucht, 15 bis 20 Methadon-Patienten, die sich tagsüber am U-Bahnhof Gneisenaustraße treffen, von dort zu vertreiben. Erstmals traf sich die Initiative »Tolerantes Kreuzberg« am Donnerstagabend im »Backbord« in der Gneisenaustraße. Mit dabei waren auch zwei der Betroffenen, die die Situation am U-Bahnhof aus ihrer Sicht schilderten. Dabei stellte sich heraus, dass die Gruppe sich nur deshalb dort trifft, weil sie sonst keine gar keine andere Möglichkeit habe.
Gemeinsam wollen nun die Initiative und die Gruppe vom U-Bahnhof Lösungsmöglichkeiten erarbeiten. Eine der ersten Maßnahmen der Initiative »Tolerantes Kreuzberg« wird eine Einladung zu einem Gespräch sein, die an den Sozialstadtrat Knut Mildner-Spindler geht und an die Initiative, die die Gruppe vom U-Bahnhof entfernen will. Der Verein Kiez-Community will dafür Räume in House of Life zur Verfügung stellen. Nach Vorstellung der Initiative »Tolerantes Kreuzberg« soll dieses Gespräch in der zweiten Märzwoche stattfinden.
Die Resonanz auf die Initiative im Kiez rund um den U-Bahnhof ist groß. In weniger als 48 Stunden hatten bei einer schnell improvisierten Unterschriftenaktion sich 100 Menschen solidarisch erklärt. »Vertreibung aus unserem Kiez geht gar nicht«, war dabei einer der Sätze, die die Unterschriftensammler am häufigsten zu hören bekamen. Auch die Nachbarschaftsvereine Kiezcommunity und mog61 sagten der neuen Initiative jegliche Unterstützung zu.

Bitte beachten Sie die Gegendarstellung zu diesem Artikel.

Erschienen in der gedruckten KuK vom März 2017.