Baby, you can park my car

Marcel Marotzke hat nicht reserviert

Display eines Parkscheinautomaten: »Kein Vorverkauf!«Kein Vorverkauf und draußen nur Kännchen: Parkscheinautomat mit typisch Berliner Servicebewusstsein. Foto: rsp

Ich habe es schon einmal gestehen müssen: Ich bin Besitzer eines Autos mit Verbrennungsmotor, schlimmer noch: mit Dieselmotor. Zu meiner Verteidigung kann ich allerdings anführen, dass dieses Auto, gerade in letzter Zeit, praktisch nie bewegt wird, außer wenn am augenblicklichen Standort gerade Baumschnitt- oder Dreharbeiten, Umzüge, Straßenfeste, U-Bahnhof-Deckensanierungen oder Erneuerungen der Strom-, Wasser-, Gas-, Telefon- oder Kabelanschlussleitungen stattfinden. Im Schnitt tritt ein solcher Fall zwar alle zwei Wochen ein, aber da sich trotz Park­raum­be­wirt­schaf­tung im Nachbarkiez meistens doch irgendwann ein Parkplatz findet, sind meine automobilen Ausflugsstrecken in Summe vermutlich kürzer als die sporadischen Bewegungsfahrten eines durchschnittlichen Katastrophenschutzfahrzeugs – das dann allerdings auch etwa 40 Liter auf 100 Kilometer verbraucht, weil es Jahrzehnte vor der Ölkrise gebaut wurde.

Neulich war ich dann allerdings doch einmal mit der von mir liebevoll »Dreckschleuder« genannten Karre unterwegs, namentlich in einem Teil Berlins, in dem Park­raum­be­wirt­schaftung nicht wie in Kreuzberg als der letzte Schrei gefeiert wird, sondern seit Jahrzehnten etabliert ist.

Der dortige Park­schein­au­to­mat jedenfalls grüßte mich freundlich mit den Worten: »Kein Vorverkauf!«

Jedes Schild hat seine Geschichte, sagt man, und ich bin sicher, dass das auch für Anzeigen auf Parkscheinautomaten gilt. Was aber ist die Geschichte dieses Satzes? Oder anders gefragt: Wer käme auf die Idee, einen Parkschein im Vorverkauf zu erwerben?

Man stelle sich das vor: Das junge Paar sitzt abends noch bei einem Glas Rotwein zusammen, die Kinder sind schon im Bett, und dann sagt er: »Komm Schatz, lass uns am Samstag doch mal nach Steglitz zum Parken fah­ren!«

»Ach, ich weiß nicht«, sagt sie dann. »Da sind die Parkplätze doch immer so heiß begehrt.«

»Kein Problem, Schatz«, erwidert er, »ich kaufe uns einfach ein Ticket im Vorverkauf!«

Ähnlich wie bei der Deutschen Bahn ziehen dann am Samstag früh die Mitarbeiter des Ordnungsamtes von Automat zu Automat und legen die Disketten mit den Reservierungen ein. Manchmal klappt das natürlich nicht, weil irgendetwas bei der Datenübertragung schiefgegangen ist, und dann zeigt der Automat nur den Hinweis »Parkplatz ggf. freigeben« an oder »Reserviert für berlin.comfort-Kunden«. Immerhin muss man nicht befürchten, dass sich aus betrieblichen Gründen die Straßenreihung ändert und der reservierte Parkplatz plötzlich in Hellersdorf ist, während man doch eigentlich für Spandau reserviert hatte. Trotzdem bestünde natürlich die Gefahr, dass just am geplanten Park­aus­flugs­tag und -ort ein Umzug, Bauarbeiten oder eine Impfgegner-Demo stattfinden.

Wir sehen also: Vorverkauf macht nur Probleme. Rettung ist zum Glück in Sicht. Wie man liest, vergibt die Zulassungsstelle bis auf weiteres keine Termine mehr, so dass sich auch das mit den Parkplätzen bald erledigt hat.

Erschienen in der gedruckten KuK vom September 2020.

Das Blöde ist immer und überall

Marcel Marotzke lässt sich professionell beraten

Ischgl ist weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt für seine wunderschönen Konsonanten. Foto: unbek./ETH Zürich

Ich kam ein paar Minuten zu spät zu meiner samstäglichen kolumnistischen Beratungsstunde. In Mitte war fast alles gesperrt gewesen, weil rund 20.000 Menschen dort allen Ernstes »für das Ende von Corona« demonstriert hatten, wie ich einem Plakat entnehmen konnte. Wie sie sich das vorstellten, war nicht recht verständlich, und dass keiner eine Maske trug, machte ihr eigenartiges Anliegen um so unglaubwürdiger. Immerhin, mit dem Sprechchor »Wir sind die zweite Welle« mochten sie recht haben. Es war erbarmungswürdig.

»Du bist spät dran«, kommentierte meine Beraterin.

»Ja, ich weiß«, druckste ich herum und erklärte ihr, was mich aufgehalten hatte.

»Vielleicht solltest du die Schuld nicht immer bei anderen suchen?«, warf sie ein.

»Machen die doch auch!«, erwiderte ich patzig. »Immer muss irgendwer am eigenen Unwohlsein schuld sein. Bill Gates, Merkel, die 5G-Lobby … Das ist doch affig«, regte ich mich auf. »Nur weil die zu blöd oder faul sind, eine Maske zu tragen und ein bisschen Rücksicht auf andere zu nehmen.«

Meine kolumnistische Beraterin nickte verständnisvoll. Ihre Vergangenheit als Psychologin kam mal wieder zum Vorschein.

»Im Übrigen habe ich es satt, ständig über irgendwas mit Corona zu schreiben«, kam ich zum eigentlichen Grund meines Besuchs. »Ich brauche mal wieder ein Thema, das Menschen glücklich macht, statt sie zu frustrieren und … denen … in die Arme zu treiben.«

Sie überlegte. »Schreib doch was über Skifahrer«, sagte sie dann.

»Skifahrer?«, erwiderte ich irritiert. »Und wo ist da der Kreuzberg-Bezug?«

»Na, du wirst doch wohl auch Leute in Kreuzberg kennen, die Ski fahren.«

»Ja, aber du weißt schon, dass wir gerade den ersten August haben?« Draußen waren an die 30 Grad. Meine kolumnistische Beraterin musste einen Hitzschlag erlitten haben.

»Antizyklisch denken!«, forderte sie mich auf.

»Also ich denke beim Skifahren vor allem an Bänderrisse und Knochenbrüche«, überlegte ich. »Und an den Corona-Ausbruch in Ischgl natürlich.«

»Da hast du recht, das ist nicht gut«, gab sie zu. »Vielleicht was über den Postraub gestern am Hermannplatz?«

»Ich glaube, da ist der Kollege Reuter schon dran. Außerdem: Die Frage, die mich am meisten beschäftigt, ist ja, ob die Bankräuber eigentlich Masken trugen. Wir haben schließlich gerade eine Pandemie – auch wenn einige Leute das nicht glauben wollen.« Ich fing schon wieder an, mich aufzuregen.

Sanft legte sie ihre Hand auf meine Schulter. »Du fängst schon wieder an, dich aufzuregen«, stellte sie fest. »Schreib doch was über Kneipen. Das geht immer!«

»Kneipen und Aerosole?«, fragte ich. Ich konnte mir das Grinsen nicht verkneifen, aber da ich eine Maske trug, konnte sie es nicht sehen.

»Oh Mann!« Sie fasste sich an den Kopf. »Hauptsache«, seufzte sie, »du lässt mich da raus.«

»Keine Sorge«, log ich. »Niemals würde ich öffentlich zugeben, dass ich kolumnistische Beratung in Anspruch nehme.«

Erschienen in der gedruckten KuK vom August 2020.

Die Nacht ist nicht lang genug

Marcel Marotzke hat eine Filmidee

Ein Glas Grüne Berliner Weisse»Weisse mit Schuss. Gerührt, nicht geschüttelt.« Foto: cs

Man kann über die Corona-Pandemie und die Social-Distancing-Maßnahmen sagen, was man will, aber zu einem waren sie immerhin gut: Ich konnte mich endlich einmal mit dieser DVD-Box beschäftigen, die vor ein paar Monaten im Sonderangebot war: eine vollständige Sammlung sämtlicher James-Bond-Filme, die bislang erschienen sind und von denen ich tatsächlich einige noch nicht kannte.

Der Film-Marathon brachte im Wesentlichen drei Erkenntnisse:

Erstens: Eigentlich gibt es nur ein bis zwei wahre Bond-Darsteller.

Zweitens: Das ist aber egal. Heutzutage darf offenbar jeder Bond spielen.

Drittens: Die Handlung ist eigentlich genauso beliebig wie die Besetzung.

Aus all dem folgt zwingend, dass es auch genauso gut einen Kreuzberger Bond-Ableger geben könnte, um nicht zu sagen: sollte.

»Mein Name ist Grabowski. Günther Grabowski.« Als Doppelschrägstrichagent im Geheimdienst des Ordnungsamtes hat Grabowski, von den Kollegen nach seinem Stellenkürzel stets »//7« genannt, die Lizenz zum Abschleppen. Er berichtet direkt an M, die ihn als Bezirksbürgermeisterin mit den wirklich heiklen Aufträgen betraut.

Seine jüngsten Ermittlungen im Kneipenmilieu führen ihn auf die Spuren der mächtigen Geheimorganisation DEHOGA, die offenbar die Übernahme der kulinarischen Weltherrschaft plant. Nach einer wilden Nacht mit Punk-Mädchen Heike, Bedienung in einer widerständigen Alternativkneipe in SO 36, kommt es zu einer Verfolgungsjagd auf dem Landwehrkanal, bei der ein Ausflugsdampfer der Reederei Riedel kentert und einige Gitarren von Touristen auf der Admiralbrücke zu Bruch gehen. M ist not amused über //7s Vorgehensweise, die dem Bezirkshaushalt empfindlichen Schaden zugefügt hat. Auch Q, Bastler in einem Friedrichshainer Maker-Space, ist wenig erbaut vom Ablauf der Verfolgungsjagd, weil dabei das von ihm konstruierte schwimmende Dienstlastenfahrrad vollständig zerstört wurde.

M, eigentlich loyal zu ihrem Mitarbeiter, hat keine andere Wahl, als Grabowski vorübergehend freizustellen, auch weil seitens des Senats Vorwürfe laut wurden, Grabowski sei ein Maulwurf der Gegenseite. Doch beim Verlassen von Ms Büros überreicht ihre Sekretärin Gudrun Moneypenny //7 ein Dossier, aus dem sich ein Zusammenhang des Falles mit den Machenschaften der Immobilienbranche ergibt.

Während des Umzugs beim Karneval der Kulturen kommt es schließlich zum Showdown. Grabowski kapert eine Kameradrohne des rbb und gelangt nach einer spektakulären Stunt-Szene auf das Dach des Post-Towers, wo Oberschurke Christian Blofeld sein Hauptquartier bezogen hat. An seiner Seite: eine weiße Katze und ein buntes Punk-Mädchen. Heike ist die unfreiwillige Gespielin des Bösewichts!

Tja, und an dieser Stelle sollte jetzt eigentlich das ganze Gebäude einstürzen, dem Grabowski und Heike in letzter Sekunde mit Blofelds Privat-Gyrokopter entkommen. Leider war der Baustadtrat für die Einholung der Genehmigung telefonisch nicht erreichbar.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Juni 2020.

They’re talkin’ about an isolation

Marcel Marotzke kennt die Profiteure der Krise

Angeschnittenes selbstgebackenes BrotWer selbst Brot bäckt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren. Foto: rsp

Ich bin bei dieser Zeitung gewiss nicht derjenige, der für Verschwörungstheorien verantwortlich zeichnet, aber beim Thema Corona muss ich dann doch mal die entscheidende Frage stellen: Cui bono? Wem nützt es? Die Antwort ist einfach: Leuten wie mir.

Während soziale Distanz und Isolation, Nudel- und Klopapier-Engpässe, geschlossene Kneipen und offene Rechnungen für Otto Normalverbraucher zunehmend zum Problem werden, gibt es auch Profiteure der Krise: Lesebühnenautoren und Kiezzeitungskolumnisten. Corona sei Dank können sie endlich schreiben, was noch nie jemand wissen wollte: Was für ein ödes Leben sie zu Hause in den eigenen vier Wänden führen. Wie der erste Brotbackversuch gelaufen ist. Was sie im Supermarkt gekauft haben und was nicht. Wie ihrer Meinung nach das Wort »Quarantäne« ausgesprochen wird. Wie gut die erste Videokonferenz geklappt hat. Was sie bei Netflix gesehen und auf Facebook gelesen haben.

All das haben wir Alltagsschreiber zwar schon immer geschrieben, aber erst die Krise adelt die belanglose Beobachtung zur pointierten Pulsmessung der Zeit. Geistloses wird zur Gesellschaftskritik, Genretext zur Gegenwartsliteratur.

Und noch eine Bevölkerungsgruppe darf derzeit jubilieren. Denn auch wenn fast 29 Jahre nach Erfindung der Webcam viele Menschen schon einmal Skype benutzt haben, sind Videokonferenzen doch erst seit Corona Mainstream geworden. Menschen, die derlei Hexenwerk benutzten und nicht wenigstens Journalisten oder Wirtschaftsfunktionäre waren, galten noch vor drei Monaten als hoffnungslose Nerds – genau wie jeder, der Computer bedienen konnte, die nicht im gleichen Raum waren, wie er selbst.

Und heute? Personen, die stets für ihre Tech­nik­affi­ni­tät belächelt wurden, werden plötzlich hofiert, weil nur sie erklären können, wie man das mit dem virtuellen Familien- oder Arbeitstreffen macht, und Tech­nik­skep­tiker, die das Internet bisher nur für WhatsApp, YouPorn und die elektronische Ein­kommens­steuer­erklä­rung benutzt haben, stehen plötzlich auf und sagen: »Danke, ihr Nerds dieser Welt, dass ihr damals das Internet für uns erfunden habt. Das war sehr weise von Euch.«

Tja, nein, leider tun sie das nicht. Dabei wäre es mal höchste Zeit dafür. Statt sich darüber zu beschweren, dass es beim Skypen ein Echo gibt, dass YouTube ruckelt und dass Windows schon wieder Updates installieren will, wäre jetzt eine gute Gelegenheit, sich bei denen zu bedanken, die den ganzen Kram überhaupt erst erfunden und die letzten Jahrzehnte damit verbracht haben, einer sich stetig vergrößernden Horde von Technikdeppen das Leben leichter zu machen.

Denn wie öde und kom­pli­ziert wäre das Leben in- und außerhalb der eigenen vier Wände ohne all das? Ohne Brotrezepte aus dem Internet, ohne Onlineshops für Waren des täglichen Bedarfs, ohne Kontakt zu Freunden und Familie, ohne Unterhaltung und Information aus aller Welt – und ohne Webwörterbücher, die einem die korrekte Aussprache von »Quarantäne« erklären und vorspielen? Insofern: Danke, Nerds!

Erschienen in der gedruckten KuK vom Mai 2020.

Ja, wenn wir alle Hamster wären

Marcel Marotzke lässt sich nicht von der Panik anstecken

Hamster in verschiedenen GrößenAlle ausverkauft: Hamster, sortiert nach Größe. Illustration: Shazz, Hamster – size, CC BY-SA 3.0

Als bei meinem Onkel-Edeka-Laden an der Ecke neulich das 3-lagige Klopapier ausverkauft war, hätte ich eigentlich schon etwas ahnen müssen. Doch erst ein paar Tage später fiel mir auf, dass etwas ganz gehörig nicht stimmte: In der ansonsten stets mit einer großen Auswahl an TK-Pizza gefüllten Kühltruhe herrschte – bis auf eine Packung ungenießbare Gut-und-günstig-Edelsalami – gähnende Leere. Auch das Konservendosenregal wirkte einigermaßen ausgedünnt, und bei den Süßigkeiten sah es aus wie kurz nach dem Weihnachtsschlussverkauf Anfang Januar. Kein Zweifel: Meine sonst so besonnenen Kiezmitbewohner waren der Corona-Panik anheimgefallen und hatten Hamsterkäufe getätigt!

Wie kann man nur so irrational sein?, fragte ich mich, während ich die fünf Dosen Erbseneintopf zu Dauerwürsten, Spiralnudeln und der Salamipizza aufs Kassenband legte. Es muss doch niemand Angst haben, dass es morgen nichts mehr zu essen gibt! Waren denn hier alle zu Preppern mutiert?

Schwer mit der ersten Fuhre meiner Vorräte bepackt verließ ich kopfschüttelnd das kleine Geschäft, das jetzt ein bisschen so wirkte, wie ich mir einen Konsum zu DDR-Zeiten vorstellte.

Zu Hause angekommen beschloss ich, die ganze Sache einmal rational anzugehen. Es bestand ganz offensichtlich keinerlei Anlass für Panik! Nur sicherheitshalber führte ich eine Inventur des Vorratsregals durch.

Die Nudeln zu kaufen, wäre in der Tat überflüssig gewesen, denn neben dreieinhalb Tüten Fusilli, befanden sich dort auch noch zwei Packungen Spaghetti, zwei Mal Maccheroni sowie drei Beutel Tagliatelle. Das Glas Bolognese-Sauce sowie die Tetrapaks mit den passierten Tomaten waren allerdings offenbar überlagert. Ich überlegte. Mindestens haltbar bis 10/2012? Sollte es sich dabei um die Reste der Notfallration für die Schweinegrippe handeln? Hatte ich damals etwa zu den Panischen gehört? Das wäre ja lachhaft!

Mit zwei Dosen Mais und drei Gläsern Gewürzgurken würde ich kaum über eine längere Versorgungslücke hinwegkommen, aber wie albern war es doch anzunehmen, dass eine solche ins Haus stünde!

Mit Mühe quetschte ich die Ekelsalami-Pizza ins Tiefkühlfach, wo bereits genug Notnahrung für eine mittelgroße Kleinfamilie lagerte. Für mich alleine würde all das Zeug sicherlich für mindestens zwei Wochen halten, dazu kämen noch die Tage, die ich mit einer Erbensuppenmonodiät überleben könnte, sowie die Dauerwursttage.

In den drauffolgenden Monaten der Apokalypse würde das Menü dann allerdings etwas langweiliger werden, denn was ich zu den insgesamt fünfeinhalb Kilo Reis als Beilage essen würde, war noch ungeklärt. Aber halt – es würde ja gar keine Apokalypse geben! Schon ein bisschen peinlich, wie sich meine Nachbarn von den Medien manipulieren ließen. Immerhin hatte ich noch einen klaren Kopf. Und Vorräte.

Was ich allerdings nicht hatte, waren die Dinge, wegen denen ich eigentlich beim Edeka gewesen war: Kaffee, Milch, Bier, Kippen. Aber wozu auch. Ich bin ja kein Prepper.

Erschienen in der gedruckten KuK vom März 2020.

Meine Oma hört im Hühnerstall Motörhead

Marcel Marotzke geht dem Wahrheitsgehalt von historischem Liedgut auf die Spur

Vierzylindermotorrad des belgischen Herstellers FN vom 1905Der belgische Vierzylinder des Herstellers FN ist kaum wendig genug für einen durchschnittlichen Hühnerstall. Foto: Yesterdays Antique Motorcycles en Classic Motorcycle Archive, FN 363 cc viercilinder 1905, CC BY-SA 3.0

Bevor mich jemand der Urheberrechtsverletzung oder, schlimmer, des unwissenschaftlichen Arbeitens zeiht, sage ich es lieber gleich zu Anfang: Die Überschrift dieser Kolumne stammt nicht von mir, sondern vom Twitter-User @mogelpony. Sie hat auch nichts mit der eigenartigen Debatte vom Jahreswechsel zu tun, in der es, so darf man das wohl zusammenfassen, darum ging, ob und mit welchen Worten man seine Ahnen der Umweltverpestung bezichtigen darf, denn der zitierte Tweet stammt von 2012.

Und sie hat auch nichts mit meiner eigenen Oma zu tun. Denn auch wenn ihre Eltern damals eine Schmiede hatten – soweit ich weiß ohne Hühnerstall –, war es in den Zwanzigerjahren mit Heavy-Metal noch nicht so weit her. Allerdings fuhr meine Oma durchaus Motorrad, denn das Lyzeum, das man ihr zu besuchen erlaubte, war mit dem ÖPNV, den man damals noch nicht so nannte, nicht vernünftig zu erreichen. A little bit of history repeating.

Auch mein Opa litt unter dem mies ausgebauten Personennahverkehr, und so lernte er einige Jahre später meine Oma kennen, als sie wiederholt seine Taxi-Chauffeurin war. Der urgroßelterliche Betrieb hatte sich mittlerweise auf das Reparieren von Automobilen verlegt und mit den Kraftdroschken ein zweites Standbein aufgebaut. Motorisierter Individualverkehr war damals die Zukunft. Einem Rühmann-Film mit dem Titel »Die drei von der Bushaltestelle« wäre wenig Erfolg beschieden gewesen.

Zu meinen frühesten Leseerinnerungen gehört das gelbe Schild an der großelterlichen Garage, das vor einer Kohlenmonoxidvergiftung beim Laufenlassen des Motors warnte. Und als mir meine Oma das Lied mit der Motorradfahrerin beibrachte, war meine größte Sorge nicht die Verletzungsgefahr des Federviehs, sondern die giftige Luft im Stall. Meine Oma erklärte mir damals, dass es ja nicht um eine wirkliche Oma in einem wirklichen Hühnerstall ginge, sondern dass das Ganze einfach nur ein lustiges Lied sei. Deshalb besäße sie auch keinen Nachttopf mit Beleuchtung, keine Brille mit Gardinen, und sie hätte auch – zu ihrem Bedauern, wie sie anfügte – kein Radio im hohlen Zahn. Den Scherz mit der gesparten Rundfunkgebühr, den sie dann noch machte, verstand ich zwar als kleiner Knirps noch nicht, aber den Unterschied zwischen Wirklichkeit und Fiktion verstand ich schon. Eine Fiktion, in der niemand zu Schaden kommt, weder die aufgescheuchten Tiere, noch die tollkühne Bikerin, so bescheuert und unvernünftig ihr Verhalten auch gewesen sein mochte.

»Wo wir gerade von hohlen Zähnen sprechen«, sagte meine Oma dann, »du musst noch Zähne putzen.« Mit der zerstörten Hoffnung auf ein eigenes Radio wurde ich ins Bad geschickt.

Meine Oma war vielleicht, wie man so sagt, »ein Kind ihrer Zeit«, aber zweifellos auch ’ne ganz patente Frau. Und wenn sie nicht kurz vor Einführung des Grünen Punktes gestorben wäre, hätte sie auch die Sache mit der Mülltrennung hinbekommen, da bin ich mir sicher.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Februar 2020.

Ein Kellnerblock, der deinen Namen trägt

Marcel Marotzke enthüllt ein gastronomisches Geheimnis

FBI-Agenten bei Schießübungen»FBI« ist ohne jeden Zweifel und ganz eindeutig eine Abkürzung für »Flaschenbier-Ingo«. Foto: FBI

Alles begann, als es in der Stammkneipe kürzlich ans Bezahlen ging. Der Betrag, den die Bedienung genannt hatte, entsprach zwar im Großen und Ganzen meinem Trunkenheitsgrad, aber irgendwas war dann doch komisch. Jedenfalls studierte ich die vorgelegte Seite des Kellnerblocks ein wenig aufmerksamer als sonst. Tatsächlich stimmte alles, soweit ich das in meinem Zustand beurteilen konnte. Etliche Biere waren dort aufgelistet, und auch die zwei Wodka, die ich ausnahmsweise hatte bestellen müssen, um die Verdauung einer ungewöhnlich widerspenstigen Köftemahlzeit überhaupt erst zu ermöglichen, fehlten nicht.
Doch dann entdeckte ich ganz oben zwei Buchstaben: »FK«.

»Was soll denn das heißen?«, erkundigte ich mich. »Fanta-Korn?«

»Fischkopp«, erklärte die Bedienung. »Du kommst doch ausm Norden.«

»Ja und?« Ich verstand nicht.

»Na, ‚Marcel‘ kann ich nicht schreiben, da gibt’s ja noch einen hier.« Sie deutete in Richtung Ecktisch, wo mein Namensvetter saß und an seinem Schult­heiss nuckelte.

»Na, dann schreib doch ‚MM‘ wie ‚Marcel Marotzke‘», schlug ich vor.

»Nee«, sagte sie, »‚MM‘ steht schon für Maurer-Micha.«

»Ach so.« Ich verstand. »Und Klempner-Micha, oder wie du ihn nennst, heißt dann ‚KM‘?«

»Nein, der heißt ‚GWS‘.« Ich musste wohl etwas irritiert geguckt haben. »Gas–Wasser–Scheiße«, erklärte sie ruhig.

»Weiß er das?«

»Nein, das weiß er nicht«, erwiderte sie und ihr Blick verfinsterte sich. »Und dich geht das auch nichts an. Wolltest du nicht gerade gehen? Du hast auch übrigens noch nicht bezahlt.«

Nicht ohne sie meiner Diskretion zu versichern, bezahlte ich den geforderten Betrag sowie ein üppiges Trinkgeld und ging nach Hause.

Doch die rätselhaften Namensabkürzungen ließen mich nicht los. Beim Bezahlen hatte ich noch einen verstohlenen Blick auf die übrigen Zettel geworfen und weitere Kürzel entdeckt: »S1«, »S2« und »S3« waren selbsterklärend. Es konnte sich dabei nur um die sage und schreibe drei Stefans handeln, die auch heute da waren und mit den Michaels unter den Stammgästen um die Vorherrschaft in Sachen Sammelbegriff konkurrierten. »ABC« war natürlich Claudia, von Beruf Grundschullehrerin. Bei »KFZ« brauchte ich ein wenig, bis mir klar wurde, dass sich dahinter nicht Alex verbergen konnte, der zwar eine Autowerkstatt besaß, aber an dem Abend gar nicht da gewesen war. Es musste Kalle sein, der, jetzt erinnerte ich mich, mit bürgerlichem Namen Karl-Friedrich Ziegler hieß. Und »XXX« war natürlich Angie, die, wenn sie betrunken war, damit prahlte, früher in Erwachsenenfilmen mitgespielt zu haben. Am Ende blieb nur ein Kürzel übrig.

»Ich weiß, es geht mich nichts an«, fragte ich am nächsten Abend kleinlaut. »Aber bitte, bitte verrate mir doch, wer sich hinter ‚VS‘ verbirgt.«
»Das kann ich dir leider nicht sagen«, erklärte mir die Bedienung mit Verschwörermiene. »Das ist Verschlusssache.«

Erschienen in der gedruckten KuK vom Januar 2020.

Glühlämpchen, Glühlämpchen flimmre (flimmre)

Marcel Marotzke hat Lichtstimmungsschwankungen

Mein Freund Stefan könnte stundenlang über Lichtstimmungen philosophieren. Schon Jahre bevor das »Smart Home« zum Massenphänomen wurde und selbst bei Aldi und Lidl in den Regalen mit der Aktionsware irgendwelche »smarten« Fernost-Leuchter mit App-Steuerung auf experimentierfreudige Käufer warteten, hatte Stefan seine Anderthalbzimmerwohnung komplett auf LEDs umgestellt. Die waren damals freilich noch nicht warmweiß, sondern rot, gelb und grün, und sorgten für eine eher spärliche Ausleuchtung, aber sie konnten per PC gesteuert werden. Also ausschließlich per PC. Über die Tastatur durch Eingabe einiger einfacher Befehle, wie er mir erklärte. Ich stellte mir das unheimlich praktisch vor, vor allem wenn man nachts mal auf Klo muss und dafür erst den Steuerrechner hochfahren darf, der aus Lärmschutzgründen in der Speisekammer hinter der Küche steht.

»Heutzutage ist das alles viel praktischer«, versichert mir Stefan, der durchaus um den Experimentalcharakter seiner damaligen Installationen weiß. »Das geht ganz unkompliziert per App.«

Die Bestandteile einer GlühbirneEine Glühbirne ist eine Glühbirne, ist eine Glühbirne – oder war sie zu Opas Zeiten. Illustration: Otto Lueger

Er steht auf, geht am deaktivierten Lichtschalter vorbei zum Tisch und holt sein iPhone. »Siri, schalte die Deckenleuchte ein«, bittet er sein Handy. Keine fünf Sekunden später sitzen wir im Flutlicht. »Diese Sorte LED ist leider nicht dimmbar«, erklärt er mir, »aber dafür stimmt die Farbtemperatur.«

»Farbtemperatur« ist mein Lieblingshasswort, spätestens seit dem letzten Elektroabteilungsbesuch im Baumarkt. Vor ein paar Jahren war der Leuchtmittelkauf noch einfach: 60 Watt für normal, 100 Watt für besonders hell, wahlweise in klar oder matt. Alternativ eine Energiesparlampe, wenn man es lieber funzlig haben wollte oder etwas fürs gute Gewissen oder die Stromrechnung tun wollte. Inzwischen muss man wissen, wie viel Lumen es sein sollen, und wie viel Kelvin. Nie zuvor kam ich mir so unqualifiziert vor wie vorm Osram-Regal im Bauhaus.

Aber ich habe ja einen Profi im Freundeskreis, der mir jetzt mein ganz eigenes Smart Home geplant hat.

Leider hat er mir ein striktes Discounter-Kaufverbot auferlegt, denn was dort angeboten würde, sei hoffnungsloser Murks, der sich, wie er sagte, »nicht vernünftig in eine anständige Smart-Home-Infrastruktur integrieren lässt«.

Etliche hundert Euro später habe ich das Gefühl, dass die Stromrechnung mein geringstes Problem ist. Dafür kann ich jetzt, von der Deckenlampe bis zum Stehleuchter, von der Heizung bis zur Kaffeemaschine alles per App steuern, sogar von unterwegs – vorausgesetzt, ich habe mein Telefon dabei und der Akku ist nicht mal wieder leer.

Nur die Spracherkennung funktioniert noch nicht so richtig, so dass ich schon einige Mal einen Kaffee kochte, wo ich doch eigentlich nur die Nachttischlampe einschalten wollte. Aber auch dafür gibt es eine Smartphone-Lösung. Mit der Taschenlampen-App kann man prima im Bett lesen.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Dezember 2019.

Mr Postman, look and see, is there a parcel in the bag for me?

Marcel Marotzke erleidet eine postapokalyptische Belastungsstörung. Ein posthumes Protokoll

Freitag, 20:11 Uhr. Per E-Mail erfahre ich, dass mein DHL-Paket in der Postfiliale in der Bergmannstraße liegt.

Samstag, 8:30 Uhr. Voller Motivation reihe ich mich in die bereits 30 Meter lange Schlange vor der Post ein. Die Filiale öffnet erst in einer Stunde, aber die guten Plätze in der Schlange sind heiß begehrt.

9:30 Uhr. Pünktlich öffnen sich die Tore. 20 Meter Schlange passen in den Vorraum. Ich stehe vor der Tür, genau wie die rund hundert Menschen hinter mir.

9:45 Uhr. Ein Mitarbeiter vom DRK verteilt alkoholfreien Glühwein gegen die Kälte.

10:00 Uhr. Ich rücke in den Vorraum auf. Hier gibt es kein Problem mit der Kälte, eher im Gegenteil.

Flaschenpost am StrandMit einer Flaschenpost wäre das nicht passiert. Foto: Settergren / Pixabay

10:15 Uhr. Die junge Frau vor mir, von der ich inzwischen weiß, dass sie Miriam heißt, bittet mich, kurz ein Auge auf ihre Kinder zu haben, die vor den Postfächern Pokémon jagen, und ihren Platz in der Schlange freizuhalten, damit sie in der benachbarten Bäckerei mal auf die Toilette gehen könne.

10:40 Uhr. Miriam ist zurück. In der Bäckerei gab es wohl eine längere Kloschlange mit Postkunden. Außerdem hatte sie etwas länger mit den Beamten der Einsatzhundertschaft diskutieren müssen, die draußen den Zugang kontrollieren.

10:55 Uhr. Ein vollbärtiger Typ mit Holzfällerhemd und riesigen Kopfhörern um den Hals hat es irgendwie an der Eingangskontrolle vorbeigeschafft und erklärt den Wartenden, er müsse nur kurz ein Paket abholen. Die Stimmung droht zu kippen, aber bevor es zu einer Schlägerei kommen kann, flüchtet der Hipster nach draußen.

11:10 Uhr. Die beiden Punks, die sich in den letzten Stunden mit dem netten syrischen Flüchtling angefreundet haben, versuchen, ihm den Zungenbrecher mit dem Potsdamer Postkutscher beizubringen. »Der Postdamer Potskutser …«, versucht er es und muss lachen. Die Stimmung ist allgemein etwas gelöster.

11:30 Uhr. Der Mensch mit dem Gitarrenkasten, der bislang eher gelangweilt herumgestanden hat, packt endlich seine Klampfe aus, und wir singen alle gemeinsam »Hoch auf dem gelben Wagen«.

12:00 Uhr. Noch eine Stunde Zeit, bis die Filiale schließt. Mal sehen, ob das reicht.

12:02 Uhr. Mir fällt ein, dass ich keinen Personalausweis dabei habe. Scheiße!

12:04 Uhr. Miriam hat ihren Ausweis dabei. Auf der Rückseite eines Flyers, der den Top-Kundenservice der Postbank bewirbt, schreibe ich ihr eine Vollmacht zur Abholung meiner Post.

12:30 Uhr. Am Horizont verschwindet gerade der einzige Mitarbeiter der Filiale mit einer Benachrichtigungskarte im Lager.

12:35 Uhr. Der Mitarbeiter ist zurück, allerdings ohne Paket. Aber die Zeit ist trotzdem rekordverdächtig.

13:02 Uhr. Es hat geklappt! Miriam wird als letzte Kundin noch bedient und übergibt mir mein Paket. Vor der Tür erteilt die Polizei gerade Platzverweise an die letzten renitenten Wartenden. Das DRK baut seine mobile Suppenküche ab.

Erschienen in der gedruckten KuK vom November 2019.

Auf, ihr Yogis, frisch und frei!

Marcel Marotzke feiert die Freiheit und trotzt den Verboten von Idioten

Erfreulicherweise leben wir in einer Gesellschaft, in der ziemlich viele Dinge ziemlich erlaubt sind: Man kann glauben woran man will, sich aufhalten, wo und mit wem man will, und dann dort im Wesentlichen auch tun oder lassen, wozu man Lust hat – wenigstens vorausgesetzt, alle Beteiligten sind damit einverstanden.

Tai Chi auf der Wiese könnte man auch verbieten, schon wegen des Verletzungsrisikos. Überdies werden hier Menschen diskriminiert, die nicht so gelenkig sind.

Foto: rspTai Chi auf der Wiese könnte man auch verbieten, schon wegen des Verletzungsrisikos. Überdies werden hier Menschen diskriminiert, die nicht so gelenkig sind. Foto: rsp

Und das, so würde es unserer verflossener Regierender vielleicht sagen, ist ja auch gut so. Denn die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden: Die einen spielen Fifty Shades of Grey im Hobbykeller nach, die anderen lieben veganes Kochen. Eine Freundin von mir geht seit neuestem wöchentlich zum Yoga, und auch das darf sie in unserer modernen, aufgeklärten Gesellschaft – unverschleiert, obwohl auch Männer in der Gruppe mitmachen.

Allerdings sind ihre bisherigen Bewegungsfähigkeiten beim Yoga selbst nach eigenem Bekunden nicht so weit gediehen, dass sie versehentlich unkeusche Gedanken erwecken könnten. Doch selbst wenn es mit dem »Lotussitz« noch nicht so recht klappen will, und auch wenn ihr »Adler« eher aussieht wie ein »Sterbender Toldalk« – keiner käme auf die Idee, ihre frisch entflammte Begeisterung für körperliche Ertüchtigung mit spiritueller Untermauerung mit einem kreuzbergweitem Yogaverbot zu torpedieren.

Nein, wer sich im Allgemeinen grob an das gute alte »Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg’ auch keinem and’ren zu« hält, muss eigentlich weder Verbote noch Sanktionen fürchten.

Eine Ausnahme bilden da die Fotozensurabteilung von Facebook, die ihre prüden, amerikanischen Moralvorstellungen gerne auf die ganze Welt angewendet sähe (um die es aber hier nicht gehen soll), und der Berliner Senat. Gerade noch verunsichert der eine verwirrte CDUler mit seinen Alkoholververkaufsverbot-ab-22-Uhr-Plänen eine ganze Branche, da kommt schon der nächste um die Ecke und peitscht eine »Null-Toleranz-Zone« im Görli durch.

Die Dealer am Park­rand, bei denen die Polizei bei Razzien ohnehin nie Drogen findet, wird das wenig kratzen, harmlose Parkbesucher, die alleine oder in Gruppen einen Joint rauchen wollen, um trotz der – auch – politikgemachten Alltagssorgen ent­spannt zu bleiben, dagegen sehr. Grillverbot, Kiff­verbot – was kommt als nächstes, um die besorgten Mütchen der Zehlendorfer Abendschau-Gucker zu kühlen? Ein Musizierverbot würde die Gefahr von Lärmbelästigungen senken, ein Sportverbot könnte eventuell die Unfallstatistiken nach unter korrigieren. Und wenn dann der Park wegen der »Betreten der Grünfläche verboten«-Schilder nicht mehr genutzt wird, ist wieder Platz für neue Luxuswohnungen.

Erschienen in der gedruckten KuK vom April 2015.