Fridolin, Fridolina, Transhörnchen

Wildes Kreuzberg: Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) / Warum auf dem Friedhof ein paar Haselnüsse sehr nützlich sind

Fridolin bei der Nahrungsaufnahme, ganz konzentriert. Foto: ksk

Bevor man ein paar nette Worte über Eichhörnchen verlieren kann, muss erst im befreundeten Umfeld geklärt werden, ob sie nicht eigentlich »böse« sind. Klar, im Frühling machen sich die kleinen Räuber schon mal über die Nester von Vögeln her. Schließlich kämpft so ein Eichhörnchen ums Überleben und hat nicht den Bio-Supermarkt direkt um die Ecke, wie der gewöhnliche vegane Kreuzberger. Aber lassen wir das auf sich beruhen.

Eichhörnchen sind ausgesprochen niedliche Tiere. Auf den Friedhöfen vor dem Halleschen Tor gibt es mindestens drei: Fridolin, Fridolina und Transhörnchen. Fridolina ist, wie bei Mädchen häufig, etwas hübscher als Fridolin und sie hat eine besonders nette Art, den Kopf schief zu legen und um Nüsse zu betteln. Transhörnchen heißt so, nicht weil es nicht wüsste, ob es männlich oder weiblich ist. Aber wir haben es noch nicht herausgefunden, deshalb nennen wir es so. Vielleicht lebt es schon länger hier, vielleicht ist es ein Geflüchtetes, keine Ahnung. Auch das lassen wir lieber auf sich beruhen.

Abgesehen von der Paarungszeit sind Eichhörnchen Einzelgänger, aber die drei scheinen sich gut zu verstehen. Sie toben die Bäume hinauf und hinunter, lassen ihre rotbraune Rute zwischen den Grabsteinen leuchten und verbuddeln fleißig Nüsse im Boden, die sie ohnehin nie wieder finden.

Wenn sie einen noch nicht so gut kennen, pirschen sie sich vorsichtig von hinten aus der Deckung heran, schnappen nach einer Nuss und bringen sich gleich wieder in Sicherheit. Nach einer Weile kommen sie direkt auf einen zugesprungen, gucken fragend und bleiben sitzen. Schönes Gefühl, wenn so ein lebendiges Wesen, das doch bei aller Zutraulichkeit immer noch ein wildes Tier voller Würde ist, keine Angst mehr vor einem hat.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Januar 2020.

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Erschienen in der gedruckten KuK vom Januar 2020.

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Erschienen in der gedruckten KuK vom Januar 2020.

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Kreuzberg definiert sich auch über seine Künstler. Das ist ein Grund dafür, dass der Bezirk das Projekt »Art up – Erfolg im Team« fördert. Hier sollen Kreuzberger Künstler genau in dem Bereich gestärkt werden, der vielen besonders schwer fällt: der Vermarktung der eigenen Kunst. Geleitet wird das Projekt von Christine (…)

Erschienen in der gedruckten KuK vom Januar 2020.

Kein Liebeslied

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»Hi, wie ist dein Name? Wie geht‘s dir? Wie ist dein Leben? Oh, du hast einen Freund? Bist du verliebt? Wenn ja, auf welche Art?«

So lautet oder so jedenfalls die deutsche Übersetzung des Songs über Peach Scones. Oder, na ja, so zumindest ist der Name des Songs. In Wirklichkeit (…)

Erschienen in der gedruckten KuK vom Januar 2020.

Was ist wichtig im Leben?

Buddha-Bärchen von mindsweets helfen beim Nachdenken

Sie sehen auf den ersten Blick aus wie Gummibärchen. Aber es sind gar keine Gummibärchen, sondern Buddha-Bärchen. Erstens erkennt man das natürlich sofort an ihrer meditativen Haltung. Zweitens sind sie nicht aus Gelatine, sondern von Kopf bis Fuß vegan, gluten- und lactosefrei und ohne künstliche Aromen.

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Erschienen in der gedruckten KuK vom Dezember 2019.

Glühlämpchen, Glühlämpchen flimmre (flimmre)

Mein Freund Stefan könnte stundenlang über Lichtstimmungen philosophieren. Schon Jahre bevor das »Smart Home« zum Massenphänomen wurde und selbst bei Aldi und Lidl in den Regalen mit der Aktionsware irgendwelche »smarten« Fernost-Leuchter mit App-Steuerung auf experimentierfreudige Käufer warteten, hatte Stefan seine Anderthalbzimmerwohnung komplett auf LEDs umgestellt.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Dezember 2019.

Was kommt da noch?

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In den USA reiht sich eine trumpsche Ungeheuerlichkeit an die andere, und jede neue Ungeheuerlichkeit ist noch ungeheurer als die vorige, und je ungeheurer die Ungeheurigkeiten werden, desto wurstiger werden die Wähler, die Trump in einem Jahr wiederwählen werden.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Dezember 2019.

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2020 feiern die Einstürzenden Neubauten 30-Jähriges

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Erschienen in der gedruckten KuK vom Dezember 2019.

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Erschienen in der gedruckten KuK vom Dezember 2019.

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Erschienen in der gedruckten KuK vom Dezember 2019.

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Erschienen in der gedruckten KuK vom Dezember 2019.

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Erschienen in der gedruckten KuK vom Dezember 2019.