Zukunft statt Zaun

Bündnis Görli zaunfrei präsentiert Konzept

Das Bündnis Görli zaunfrei hat im Dialog mit Anwohnern und sozialen Trägern rund um den Görlitzer Park ein Konzept erarbeitet, das auf Hilfe und Zusammenarbeit statt Ausgrenzung setzt. Statt auf eine eindimensionale Betrachtungsweise im Hinblick auf Sicherheit und Kriminalität wurde auf nachhaltige, lösungsorientierte und an wissenschaftlichen Erkenntnissen orientierte Module gesetzt.

Ergebnis der Bedarfsanalyse ist, dass Hilfestellungen und Angebote sich an die unterschiedlichen Bedürfnisse je nach Jahreszeit anpassen sollten. Die sozialen Unterstützungsangebote reichen derzeit nicht aus und bedürfen einer Erweiterung. Das Konzept setzt dabei auf Module zum Ausbau und der Etablierung einer sozialen Infrastruktur im Sozialraum Görlitzer Park und Umgebung, die vor allem für die Abend- und Nachtstunden eine Struktur schaffen sollen.

Im Sozialraum (Modul 1) soll Krisenintervention geleistet werden, durch aufsuchende Arbeit durch Peers und Sozialarbeitende sollen Kontakte aufgebaut werden und Betroffene in die weiteren Module oder andere Hilfesysteme vermittelt werden.

Modul 2 bietet Beratung und medizinische Versorgung, inklusive eines barrierefreien Ruhe-, Rückzugs- und Aufenthaltsorts, Zugang zu Lebensmitteln und Hygieneartikeln, psychosoziale Angebote und Sozialberatung.

Modul 3 des Konzepts setzt auf einen sicheren Konsumraum zum Zweck der Schadensminimierung mit Materialien für Safer Use und Erster Hilfe im Notfall sowie der Möglichkeit zur Vermittlung in weiterführende Angebote.

Modul 4 bietet sanitäre Angebote. Mit diesen werden im Zweifelsfall auch Menschen erreicht, die auf keines der weiteren Angebote eingehen wollen oder können. Hier sollen barrierefreie Toiletten und Duschen, Waschgelegenheiten und auch eine Kleiderausgabe geboten werden.

Wer diese Aufstellung liest, kommt früher oder später zur Frage, ob dies im Vergleich zu einem Zaun nicht übermäßig teuer würde. Auch darauf findet sich die Antwort in Form einer beispielhaften Kalkulation: Kostet der Zaun einmalig 1.741.000 Euro und verursacht jährliche Instandhaltungs- und Unterhaltskosten von 800.000 Euro, werden für die Einrichtung des Modulsystems einmalige Bau-/Installationskosten von ca. 220.500 Euro veranschlagt, die jährlichen Kosten sollen ca. 672.661 Euro betragen.

Das Konzept »Görli to the Future – Zukunft statt Zaun« setzt auf Selbstbestimmung, Menschenrechte, professionelle Strukturen und nachhaltige Lösungsansätze und bietet zusätzlich noch ein erhebliches Einsparpotenzial.

Das gesamte Konzept ist als PDF verfügbar.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Oktober 2026 (auf Seite 3).

Kreatives für Kleine und Große

Die Berlinische Galerie lädt ein

Der Blick aus dem Fenster zeigt es: die Tage werden kürzer, das Wetter wechselhafter und die Spielplatz- und Draußen-Tobe-Saison neigt sich dem Ende zu. Wer noch Inspiration für kreative Aktivitäten für die Familie sucht, wird eventuell bei der Berlinischen Galerie fündig.

Los geht es am 10.10. mit der »Kindervernissage«: Ab 15 Uhr warten im ganzen Museum Stationen zum Mitmachen, Zeichnen, Bauen und Spielen auf die kleinen Gäste. Die Veranstaltung richtet sich an Kinder ab 6 Jahre. Jüngere Geschwister dürfen gerne mitkommen, der Eintritt ist frei, der Einlass beginnt um 14:30 Uhr. Inspiriert wird das Ganze durch Werke der Künstler*innen Lovis Corinth und Jeewi Lee und des Architekten Josef Kaiser. Unter dem Motto »Alles Theater!« können ausgehend von Lovis Corinths Entwürfen Kostüme und Bühnenbilder geschaffen werden. »Stadtleben, Stadtschatten« lädt in Anlehnung an die Ausstellung zu Josef Kaiser dazu ein, eine imaginäre, drei-dimensionale Stadtlandschaft zu gestalten. Und die »Bröselnde Landschaft« entsteht aus kinetischem Sand, im Stil von Jeewi Lee.

Am 25.10. um 14:00 Uhr startet die Family Tour. In dieser Führung können Familien mit Kindern ab 7 Jahren spielerisch die Ausstellung »Lovis Corinth. Dann kam Berlin!« erleben. Die Führung ist im Museumseintritt enthalten, aufgrund der begrenzten Teilnehmendenzahl ist eine Anmeldung bis drei Tage vor dem Termin erforderlich. Jüngere Geschwister dürfen mitgebracht werden. Der nächstfolgende Termin ist der 01.11.2026.

Ebenfalls am 25.10. und 01.11. von 14:30 Uhr bis 17:30 Uhr können Kinder ab 3 Jahren und Erwachsene die Möglichkeiten entdecken, die kinetischer Sand bietet; ein Material, das an sich selbst haftet und sich immer wieder neu formen lässt. Und daraus werden Bilder: Die Formen und Umrisse können mit dem Zeichenstift festgehalten werden und werden dann in unterschiedlichen Größen projiziert – auf den Spuren der Künstlerin Jeewi Lee und ihrer Ausstellung »Residual Memories«. Der Workshop »Kleiner Kosmos Sand« ist im Eintritt enthalten, der Einstieg ist jederzeit möglich.

Der Kunstsonntag am 18.10. steht im Zeichen der Stop-Motion-Filmtechnik. Von 11 bis 14 Uhr können Familien mit Kindern ab 8 Jahren ihren eigenen Film in dieser Technik erstellen, bei der Bilder von unbewegten Motiven aufgenommen und anschließend aneinandergereiht werden. Am Ende des Workshops werden die Filme zusammen präsentiert. Die Kosten für die Teilnahme einer erwachsenen Person und eines Kindes, inklusive Materialkosten, betragen 20 Euro. Der Workshop in Deutsch, Farsi, Dari und Englisch findet im Atelier »Bunter Jakob« statt, eine Anmeldung bis drei Tage vor dem Termin ist erforderlich.

Weitere Termine für Kinder und Familien gibt es auf der Website der Berlinischen Galerie.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Oktober 2026 (auf Seite 10).

Auf dem Weg in eine neue Heimat

Ein ehemaliges Bürogebäude wird zur Aufnahmeeinrichtung

Ende September fand in der zukünftigen Aufnahmeeinrichtung für Geflüchtete, Hasenheide 23-27, ein Tag der offenen Tür statt. Das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten und Unterbringung (LFU) als Mieter des Gebäudes lud in Zusammenarbeit mit dem Betreiber, dem Landesbetrieb für Gebäudebewirtschaftung Berlin – Betriebsteil B (LfG-B) Anwohnende, Kiezakteure und Interessierte ein, das Gebäude vorm Einzugsstart am 1. Oktober zu erkunden und sich ein Bild von der Situation zu machen.

In dem großen Gebäudekomplex unweit des Hermannplatzes, wo einst die Telekom und später die Deutsche Rentenversicherung tätig waren, sollen nun bis zu 921 Personen aus unterschiedlichen Herkunftsländern die ersten Schritte in ihrer neuen Heimat machen. Die neue Unterkunft ist eine Erstaufnahmeeinrichtung: Hier werden nur Asylsuchende in der ersten Phase nach ihrer Ankunft in Berlin einziehen, direkt nach ihrer Registrierung im Ankunftszentrum.

Mehrbettzimmer der Aufnahmeeinrichtung in der Hasenheide mit Etagenbetten, einem Einzelbett und Schränken.Insgesamt bieten die Mehrbettzimmer Platz für 921 Personen. Foto: dh

Das drei- bis neunstöckige Gebäude ist dabei in zwei Einheiten unterteilt: Der größere Teil bietet 758 Plätze in Zwei- bis Vier-Bett-Zimmern und soll von Familien, Paaren und allein reisenden Männern bezogen werden. Der kleinere Gebäudeteil beinhaltet 163 Plätze, die alleinerziehenden Müttern und ihren Kindern sowie allein reisenden Frauen zur Verfügung gestellt werden sollen. Eine Unterbringung unbegleiteter Minderjähriger ist hingegen nicht vorgesehen. Der Zugang zur Einrichtung wird digital kontrolliert – die Bewohnenden checken mittels einer Karte an der Pförtner-/Security-Loge im Eingangsbereich ein und aus. Diese Erfassung sei unter anderem wichtig, wenn im Notfall schnell geklärt werden müsse, wer sich gerade im Gebäude aufhält, erklärte eine Vertreterin des Betreibers. Alle Bewohnenden erhalten Vollverpflegung (drei tägliche Mahlzeiten) im großen Speisesaal der Unterkunft, Selbstversorgung ist nicht vorgesehen. Es stehen Gemeinschaftsduschen, Toiletten und Waschmaschinenräume zur Verfügung, zusätzlich gibt es Gemeinschaftsräume, Teeküchen und Mehrzweckbereiche, zum Beispiel als Jugendtreff oder zur Kinderbetreuung. Eine Beschulung ankommender Kinder in Willkommensklassen war im ursprünglichen Konzept vorgesehen, da jedoch in den umliegenden Schulen genügend Plätze vorhanden sind, wird diese nicht umgesetzt. Der Betreiber (LfG-B) sorgt für eine Betreuung der Bewohnenden durch eigene Sozialarbeitende und koordiniert die Anbindung an die Nachbarschaft mit eigenen Ehrenamtskoordinatoren.

Der gut besuchte Tag der offenen Tür wurde durch den Pressesprecher Sascha Langenbach und den kommissarischen Präsidenten Steffen Weickert des LFU sowie durch die Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann im geräumigen Speisesaal der Unterkunft eröffnet. Clara Herrmann betonte das Bild von Friedrichshain-Kreuzberg als Willkommensbezirk und erklärte, dass im Vorfeld der Eröffnung der Einrichtung eine enge Zusammenarbeit des LFU mit dem Bezirksamt und den direkt berührten Ressorts wie Jugendamt, Volkshochschule und auch mit der Polizei erfolgte. Ebenso wurde der Dialog mit den Nachbarn und den Kiez-Akteuren geführt und gefördert, mit dem Ziel, den Geflüchteten nicht nur ein Dach über dem Kopf bieten zu können, sondern auch Integration in die Nachbarschaft. Obwohl die Förderung des Landes für den gesamten Bezirk nur einen Teil des Bedarfes im Sozialraum um die Einrichtung decke, würde dieser priorisiert, um das Ziel einer guten nachbarschaftlichen Anbindung zu erreichen.

Apropos nachbarschaftliche Anbindung: Durch einen separaten Eingang ist die Kiezküche erreichbar. Hier sollen in Zusammenarbeit mit dem Betreiber Berlin Mondiale gUG ein Kochstudio und ein Mehrzweckraum für integrative Veranstaltungen mit Bewohnenden der Unterkunft und Nachbarn bespielt werden.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Oktober 2026 (auf Seite 3).

Kulturschaffende bringen sich ein

Kampagne #DeineStimmeFürKultur gestartet

Demonstration gegen KulturabbauDemo gegen Kulturabbau. Foto: Christian von Polentz/transitfoto.de

Im Vorfeld der Berlin-Wahl startete im April die Kampagne #Deine­Stimme­Für­Kultur, mit der die  Initiatoren Kultur im Wahljahr sichtbar machen und deutlich zeigen wollen: Kultur ist kein Luxus, sondern demokratischer Raum, gesellschaftlicher Motor und prägender Teil der Berliner Identität. Gleichzeitig stehen viele kulturelle Einrichtungen und Akteur*innen zunehmend unter Druck – durch steigende Kosten, unsichere Förderstrukturen, den Verlust kultureller Räume und prekäre Arbeitsbedingungen.

Kulturakteur*innen aus mehr als 480 Berliner Institutionen und Organisationen haben bislang eine gemeinsame Erklärung unterschrieben, die die Politik zu einem klaren Bekenntnis zur Berliner Kultur auffordert.

Dabei geht es nicht nur um vorrangig finanzielle Aspekte wie einen dauerhaft abgesicherten Anteil von 3% des Landeshaushalts, verlässliche Förderstrukturen und ein Kulturfördergesetz, faire Honorare und soziale Absicherung sowie Investitionsmittel für Kulturbauten und zukunftsfähige Infrastruktur, sondern auch um die Sicherung der Kunstfreiheit und der Autonomie der Kultur, um den Ausbau von Diskriminierungsschutz und Barrierefreiheit und die Stärkung von kultureller Bildung und breiter gesellschaftlicher Teilhabe.

Ziel ist ein verbindlicher Dialog der Politik mit der Kultur und die Beteiligung der Kulturschaffenden an kulturpolitischen Entscheidungen.

In zwei Aktionswochen (10.–16.6. und 2.–8.9.) wollen die Unterzeichnenden die Vielfalt der Berliner Kultur sichtbar machen. Nähere Informationen zur Kampagne, zu Terminen und zu Unterstützungsmöglichkeiten gibt es hier.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Juni 2026 (auf Seite 1).

Magere Zeiten für Bücherwürmer

Wie sich die Kürzung der Mittel auf die ZLB auswirkt

Das Land Berlin kürzt seinen Kultureinrichtungen – und damit auch der Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) – Zuwendungen in größerem Umfang. Das bedeutet einen harten Einschnitt. In konkreten Zahlen ausgedrückt, werden insgesamt jährlich 2,2 Millionen Euro fehlen. 

Was bedeutet das nun konkret für die Nutzer*innen?

Fangen wir mit den positiven Nachrichten an: Die umfangreichen Öffnungszeiten – Montag bis Freitag bis 21 Uhr, Samstag bis 19 Uhr – bleiben vorerst erhalten. Auch die Sonntagsöffnungszeit der Amerika-Gedenkbibliothek (AGB) kann bis auf weiteres noch angeboten werden. Innerhalb dieser Zeiträume können sämtliche Selbstbedienungsleistungen der Bibliothek genutzt werden.

Das Hauptgebäude der Amerika-Gedenkkbibliothek aus der Luftperspektive2,2 Millionen Euro werden der Zentral- und Landesbibliothek Berlin jährlich fehlen. Foto: rsp

Im Gegensatz dazu müssen ab dem 01.07.2025 die Servicezeiten eingeschränkt werden. Dies betrifft Leistungen, die durch die Mitarbeitenden der Bibliothek ausgeführt werden, wie die Erteilung von Auskünften, die Ausstellung bzw. Erneuerung von Bibliotheksausweisen und die Bereitstellung von Medien aus dem Magazin. Diese Zeiten werden täglich um eine Stunde gekürzt. Um die Berufstätigen in der Leserschaft nicht zu benachteiligen, endet die Servicezeit an Montagen erst um 20 Uhr. Von Dienstag bis Samstag sind die Mitarbeitenden nur noch bis 19 Uhr anzutreffen. Zudem werden an beiden Standorten einzelne Beratungstheken geschlossen. Aufgrund der Kürzungen müssen über die nächsten Jahre ca. 30 Stellen eingespart werden; auch das wird sich auf die Betreuung der Nutzenden auswirken. 

Ein weiterer Verlust ist die im Sommer sehr beliebte Frischluftbibliothek auf der Wiese vor der AGB. Diese kann 2025 nicht mehr angeboten werden. Wer aber eine Decke oder andere eigene Sitzgelegenheit mitbringt, ist herzlich eingeladen, es sich dort weiterhin mit einem Buch aus der Bibliothek gemütlich zu machen. Zusätzlich wird dort das Bibliotheks-WLAN zur Verfügung gestellt.

Und auch im Bereich des Bestands und der Veranstaltungen machen sich die Kürzungen bemerkbar: Zukünftig werden weniger Veranstaltungen durchgeführt. Abonnements von Zeitungen und Zeitschriften, die weniger genutzt werden, müssen gekündigt werden. Dies wird aktuell ca. 200 Publikationen betreffen. Und auch die digitalen Angebote im VÖBB werden sich sukzessive verringern.

Wie Nutzer*innen ihre Bibliothek unterstützen können

Der Abbau in den Verwaltungs- und anderen Bereichen der ZLB ist zwar für die Nutzer*innen nicht direkt spürbar, die Auswirkungen auf die gesamte Arbeit werden sich jedoch zukünftig bemerkbar machen. 

Fazit: Weitere Kürzungen wird die ZLB nicht verkraften können! Und deshalb fordert sie die Nutzer*innen auf ihrer Website, auf Stellwänden im Foyer und mit einer Postkartenaktion zum Protest auf. An der Servicetheke liegen Postkarten zum Ausfüllen bereit, die gesammelt und im Roten Rathaus übergeben werden sollen. 

Die Bibliothek bittet um zahlreiche Unterstützung – ob nun per Hashtag in den Sozialen Medien, per Post oder E-Mail an den Regierenden Bürgermeister oder mittels der oben genannten Postkartenaktion. Ausführliche und stets aktuell gehaltene Informationen gibt es unter www.zlb.de/kuerzungen.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Juli 2025 (auf Seite 1).