Kiez und Kintopp

5. November 2009 (12:24)

Grenzerfahrungen

Robert S. Plaul sah »Drei Stern Rot«

Christian und seine Jugendliebe Jana – will Nattenklinger sie trennen?

Foto: Hoferichter & JacobsChristian und seine Jugendliebe Jana – will Nattenklinger sie trennen? Foto: Hoferichter & Jacobs

Bei Dreharbeiten zu einem Film, der an der deutsch-deutschen Grenze spielt, dreht der Schauspieler Christian Blank (Rainer Frank), der einen DDR-Grenzer spielen soll, plötzlich durch, attackiert aus heiterem Himmel einen Kollegen und landet in der Psychiatrie. In einem Gespräch mit einer Ärztin wird seine ostdeutsche Vergangenheit aufgerollt. Seine Kindheit direkt an der Mauer, seine große Liebe Jana (Meriam Abbas) und vor allem seine Zeit bei der NVA, in der er selbst als Grenzer an der »Staatsgrenze« stand. Und immer wieder ist da ein gewisser Major Nattenklinger (Dietmar Mössmer), der ihn scheinbar durch sein ganzes Leben verfolgt hat und den er in dem angegriffenen Schauspieler wiederzuerkennen glaubte. Nattenklinger, der schon immer da war, als Polizist, als Lehrer und schließlich als Vorgesetzter beim Militär. Aber ist jener, dem Christian vorwirft, seinen ganzen damaligen Lebensentwurf zerstört zu haben, tatsächlich real oder nur ein Hirngespinst, eine Projektionsfläche? Ärztin Wehmann (Petra Kleinert) bohrt nach und fördert die Geschichte jener drei Jahre NVA-Dienst am Todesstreifen zutage, die für ihren Patienten so prägend waren, dass er auch Jahre später noch unter Paranoia leidet.

»Drei Stern Rot« – übrigens das Leuchtraketensignal, das von den Grenzern bei Fluchtversuchen verwendet wurde – gibt einen Einblick in den Grenzer-Alltag am Todesstreifen – in all seiner Absurdität und Bizarrität. Trotzdem ist der Film von Olaf Kaiser und Holger Jancke weder ein anstrengender Problembewältigungsfilm noch die nächste Ostalgie-Komödie á la Sonnenallee. Komische Szenen und NVA-Realität verschwimmen durch den retrospektiven Blick des psychisch angeknacksten Christian Blank zu einem eigenartigen, aber spannenden und unterhaltsamen Konglomerat. Acht Jahre nach Erstaufführung kommt »Drei Stern Rot« im Jubiläumsjahr des Mauerfalls jetzt wieder in die Kinos. Das ist auch gut so, denn der Film ist absolut sehenswert.

Ab 5. November im Sputnik.

Erschienen in der gedruckten KuK vom November 2009.

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