Archiv des Ressorts ‘Kiez und Kintopp’

Kiez und Kintopp

11. November 2009 (14:32)

Authentisch, intensiv und exzessiv

Robert S. Plaul war beim 4. Pornfilmfestival Berlin

Diskussionsrunde der Pornoregisseurinnen: Ovidie, Anna Peak, Renee Pornero, Anna Brownfield, Shine Louise Houston und Julie Simone. Foto: rspDiskussionsrunde der Pornoregisseurinnen: Ovidie, Anna Peak, Renee Pornero, Anna Brownfield, Shine Louise Houston und Julie Simone. Foto: rsp

»Wer alleine Pornos guckt, ist ein Wichser« – so drastisch, aber auch missverständlich formulierte es der Trailer zum 4. Pornfilmfestival, das Ende Oktober im Moviemento stattfand. Denn bei der Veranstaltung ging es mitnichten um die klassischen »Rubbelfilme«, wie sie von den großen Distributoren in hoher Zahl für ein überwiegend männliches Publikum produziert werden. Pornografie nämlich kann – ebenso wie der Sex, den sie darstellt – mehr sein, als die immer gleiche Abfolge von bestimmten Standardstellungen, dargeboten von dickbusigen Blondchen in Strapsen und muskulösen Bodybuilder-Typen, die untenrum gut ausgestattet sind. Wie es anders geht, zeigte etwa der Eröffnungsfilm »The Band« der australischen Regisseurin Anna Brownfield. Klar, es gibt explizite Sexszenen, aber eben auch eine Handlung, eine Geschichte, eine Spannungskurve. Zwar würde der Film theoretisch auch ohne pornografische Elemente funktionieren, aber das wäre so wie bei einem intelligenten Actionfilm ohne Prügelszenen oder Schießereien. Damit sind die Vertriebsprobleme der Produktion allerdings auch schon vorprogrammiert, denn im normalen Einzel- und Versandhandel dürfen »pornografische Schriften« nicht ohne weiteres angeboten werden, und die existierenden Verkaufsmöglichkeiten über Sexshops werden von der Mainstream-Industrie dominiert, deren Kunden »Vorspulfilme« nach üblichem Schema erwarten und kein Interesse an gleichermaßen intelligenter wie stimulierender Unterhaltung haben. Oder haben sie es doch? Um diese Frage kreiste unter anderem die Diskussionsrunde unter dem Titel »Chicks with Guts«, bei der sechs Filmemacherinnen die Frage diskutierten, ob es so etwas wie »feministische Pornografie« gibt, was die Probleme des Mainstream-Marktes sind und wie sie sich vielleicht lösen ließen.

Doch nicht alle gezeigten Filme waren »Pornos« (in welchem Sinne auch immer), und nicht alle – wenn auch gut 40 Prozent – der Filme waren von Frauen. »Stalags – Holocaust and Pornography in Israel« von Ari Libsker zum Beispiel ist eine Dokumentation, die dem Phänomen der in den 60er Jahren in Israel überaus populären pornografischen Stalag-Heftchen auf den Grund geht, die in stereotyper Weise die sexuelle Misshandlung von Gefangenen durch weibliche SS-Offiziere in den Nazi-Stammlagern schildern. Weitaus weniger ernst ging im »Fun Porn«-Kurzfilmprogramm zu, etwa bei den Episoden von »Making of Teeny-Stuten 7«, die das Making-Of-Genre und gängige Pornofilmproduktionsklischees gleichermaßen parodieren. Deutlich mehr zur Sache ging es beim Episodenfilm »Roulette« der Amerikanerin Courtney Trouble, der in sieben unterschiedlichen Szenen die Queer-Subkultur San Franciscos ungeschminkt darstellt und inszeniert. Gerade aus jener Szene ist in den nächsten Jahren noch eine ganze Menge zu erwarten – vielleicht nicht für jeden Geschmack und jede Vorliebe – aber auf jeden Fall authentisch, intensiv und exzessiv.

rsp

Kiez und Kintopp

5. November 2009 (12:24)

Grenzerfahrungen

Robert S. Plaul sah »Drei Stern Rot«

Christian und seine Jugendliebe Jana – will Nattenklinger sie trennen? Foto: Hoferichter & JacobsChristian und seine Jugendliebe Jana – will Nattenklinger sie trennen? Foto: Hoferichter & Jacobs

Bei Dreharbeiten zu einem Film, der an der deutsch-deutschen Grenze spielt, dreht der Schauspieler Christian Blank (Rainer Frank), der einen DDR-Grenzer spielen soll, plötzlich durch, attackiert aus heiterem Himmel einen Kollegen und landet in der Psychiatrie. In einem Gespräch mit einer Ärztin wird seine ostdeutsche Vergangenheit aufgerollt. Seine Kindheit direkt an der Mauer, seine große Liebe Jana (Meriam Abbas) und vor allem seine Zeit bei der NVA, in der er selbst als Grenzer an der »Staatsgrenze« stand. Und immer wieder ist da ein gewisser Major Nattenklinger (Dietmar Mössmer), der ihn scheinbar durch sein ganzes Leben verfolgt hat und den er in dem angegriffenen Schauspieler wiederzuerkennen glaubte. Nattenklinger, der schon immer da war, als Polizist, als Lehrer und schließlich als Vorgesetzter beim Militär. Aber ist jener, dem Christian vorwirft, seinen ganzen damaligen Lebensentwurf zerstört zu haben, tatsächlich real oder nur ein Hirngespinst, eine Projektionsfläche? Ärztin Wehmann (Petra Kleinert) bohrt nach und fördert die Geschichte jener drei Jahre NVA-Dienst am Todesstreifen zutage, die für ihren Patienten so prägend waren, dass er auch Jahre später noch unter Paranoia leidet.

»Drei Stern Rot« – übrigens das Leuchtraketensignal, das von den Grenzern bei Fluchtversuchen verwendet wurde – gibt einen Einblick in den Grenzer-Alltag am Todesstreifen – in all seiner Absurdität und Bizarrität. Trotzdem ist der Film von Olaf Kaiser und Holger Jancke weder ein anstrengender Problembewältigungsfilm noch die nächste Ostalgie-Komödie á la Sonnenallee. Komische Szenen und NVA-Realität verschwimmen durch den retrospektiven Blick des psychisch angeknacksten Christian Blank zu einem eigenartigen, aber spannenden und unterhaltsamen Konglomerat. Acht Jahre nach Erstaufführung kommt »Drei Stern Rot« im Jubiläumsjahr des Mauerfalls jetzt wieder in die Kinos. Das ist auch gut so, denn der Film ist absolut sehenswert.

Ab 5. November im Sputnik.

rsp

Kiez und Kintopp

26. Oktober 2009 (0:00)

Zwei Kieze, zwei Filme

Robert S. Plaul war unterwegs zwischen Neukölln und Kreuzberg

Foto: Dirk Lütter" rel="lightbox">Murat und Hakan hängen und albern an ihrer Stra­ßen­ecke rum Foto: Dirk LütterMurat und Hakan hängen und albern an ihrer Stra­ßen­ecke rum Foto: Dirk Lütter

Eigentlich bezeichnet das Wort »Kreuzkölln« den Reuterkiez und steht zugleich für einen Ort wie auch dessen Entwicklung, eine geo­gra­fi­sche und eine gesellschaftliche Lage gewissermaßen. Unter dem gemeinsamen Titel »Kreuzkölln« kommen jetzt aber auch zwei Filme ins Kino, von denen nur der erste, »Moruk«, zumindest teilweise in jenem nördlichen Zipfel Neuköllns spielt.

Die beiden Deutschtürken Murat (Oktay Özdemir) und Hakan (Burak Yigit) hängen die meiste Zeit an ihrer Straßenecke herum, kiffen, träumen und philosophieren. Ab und zu ziehen sie mal jemanden ab, der sie für Dealer hält. Da begegnen sie Irina (Irina Potapenko) und Klara (Klara Reinacher) und ihr Leben gerät ein wenig in Bewegung. Viel mehr passiert in dem 29minütigen Kurzfilm von Serdal Karaça eigentlich nicht. Trotzdem ein gelungener Blick über den soziokulturellen Tellerrand – und eine gute Einstimmung auf den ‚Hauptfilm‘, die Dokumentation »24 Stunden Schlesisches Tor«.

Einen Tag und eine Nacht lang waren die Regisseurinnen Eva Lia Reinegger und Anna de Paoli mit ihrem Team rund ums Schlesische Tor unterwegs und haben die Menschen dort beobachtet und interviewt. Anwohner und Ausgehwütige, Migranten und Müllwerker, Künstler und Kaputte – die Mischung der Gesprächspartner ist chaotisch und teilweise bizarr, aber irgendwie auch ziemlich treffend. Ohne störenden Erzählerkommentar aus dem Off portraitiert der Film eine Gegend und deren Menschen, die erstaunlich offen von ihrem Leben, ihren Problemen und Träumen oder ihren Ansichten erzählen.

Leider geht keiner der Filme auf das ein, was der Titel nahelegen würde: Das Problem der Gentrifizierung, der steigenden Mieten und der Verdrängung ärmerer Bevölkerungsteile – dabei hätte sich das gerade am Beispiel des Schlesischen Tors gut zeigen lassen können. Nichtsdestotrotz aber zwei sehr stimmungsvolle Filme, die man auch und gerade jedem Neu-Berliner sehr ans Herz legen kann.

Ab 29. Oktober im Moviemento

rsp

Kiez und Kintopp

22. Oktober 2009 (13:52)

Porno im Kino

Viertes PornfilmfestivalBerlin im Moviemento

Obwohl Pornografie vermutlich der florierendste Zweig der Filmbranche ist, haben Pornos nach wie vor ein Schmuddel­image, erst recht, wenn sie im Kino laufen. Genau das geschieht aber vom 22. bis 25. Oktober beim 4. PornfilmfestivalBerlin im als Pornokino völlig unverdächtigen Moviemento. Gezeigt werden rund 100 Spiel-, Kurz- aber auch Dokumentarfilme rund um die Themen Sex, Erotik und Geschlechterbilder. Das Festival nimmt für sich in Anspruch, die ganze Bandbreite he­te­ro-, homo- und transsexuellen Begehrens darzustellen. Stolz sind die Veranstalter auf die Tatsache, dass fast die Hälfte der Filme von Frauen stammen, so dass auch der weibliche Blick auf Sexualität und Lust eröffnet wird. Einige der Filmemacherinnen sind auch anwesend, darunter die Britin Petra Joy, die erstmalig den »Joy Award« für Erotik-Nachwuchsregisseurinnen vergeben wird. Verstärkt wird auch das Thema Fetisch angegangen. So wird es auch zahlreiche Filme zu sehen geben, in denen Menschen ihre Lust an Fesselung, Rollenspielen oder bestimmten Materialien zelebrieren. Neben dem Filmangebot gibt es zahlreiche Workshops und Diskussionsrunden zum Thema Pornografie, die im WirrWarr in der Dieffenbachstraße stattfinden. Eine Reihe von Ausstellungen und Performances im Kino runden die Veranstaltung ab.

Weitere Informationen und das Programm gibt es unter ­pornfilmfestivalberlin.de.

rsp

Kiez und Kintopp

6. Juni 2009 (16:46)

Skorpione zum Frühstück

Robert S. Plaul war im Kino auf Niveausuche – vergeblich

Das Training, das Stan durchlaufen muss, ist nicht eben harmlos. Foto: Twentieth Century FoxDas Training, das Stan durchlaufen muss, ist nicht eben harmlos. Foto: Twentieth Century Fox

Man nehme einen Gefängnisfilm, viel Martial Arts und einen Haufen Klischees und werfe das Ganze in die große Komödienrührschüssel – und heraus kommt ein Film wie »Big Stan«: Den frisch verurteilten Immobilienbetrüger Stan Minton (gespielt von Rob Schneider, der auch Regie führte) erwartet eine dreijährige Gefängnisstrafe. Weil er Angst hat, dass ihn die großen Jungs im Knast vergewaltigen, heuert er für die sechs Monate, die ihm bis zum Haftantritt verbleiben, einen obskuren Martial-Arts-Guru (David Carradine †) an, der ihn in den asiatischen Kampfkünsten unterweisen soll. Zum großen Entsetzen seiner Frau Mindy (Jennifer Morrison), beinhaltet die Ausbildung neben allerlei Selbstkasteiungen auch den Verzehr lebender Skorpione am Frühstückstisch und andere Scheußlichkeiten.

David Carradine tot

David Carradine als "Der Meister" Foto: Twentieth Century Fox

»Big Stan« ist zugleich einer der letzten Filme mit David Carradine. Der Schauspieler wurde am 3. Juni 72jährig tot in seinem Hotelzimmer in Bangkok aufgefunden. Carradine ist vor allem durch seine Rolle als Shaolin-Mönch Kwai Chang Caine in der 70er-Jahre-Fernsehserie »Kung Fu« bekannt. Im Kino spielte er unter anderem die Titelrolle in Quentin Tarantinos Zweiteiler »Kill Bill«. Nach Angaben seines Managers hielt er sich in Thailand zu Dreharbeiten für den Film »Stretch« des französischen Regisseurs Charles de Meaux auf. Die genaue Todesursache ist bislang ungeklärt.

Erstaunlicherweise zeitigt das unkonventionelle Training beeindruckende Erfolge, so dass der schmächtige Stan zur wahren Kampfmaschine geworden ist, als er schließlich ins Gefängnis kommt. Dort herrschen tatsächlich rauhe Sitten, doch Stan hat keine Angst davor, sich mit den Bandenbossen anzulegen…

Die Martial-Arts-Komödie »Big Stan«, die in Deutschland den sinnigen Untertitel »Kleiner Arsch ganz groß!« trägt, sorgt fraglos für etliche Lacher – vorausgesetzt, man kann sich mit dem derben Humor, den nicht wenig brutalen Gewaltszenen und den genretypischen Klischeedarstellungen von Schwarzen, Schwulen und Schwerverbrechern anfreunden. Anspruchsvolle Unterhaltung ist sicherlich etwas Anderes. Aber wer für einen lustigen Abend im Kino bereit ist, seinen guten Filmgeschmack über Bord zu werfen, der kommt hier fraglos auf seine Kosten. Ein herrlich niveauloser Film ohne jegliche künstlerische Ambitionen, der aus gutem Grund das FSK-16-Siegel trägt.

Ab 25. Juni im Kino.

rsp

Kiez und Kintopp

5. Juni 2009 (15:58)

Rezitieren statt Rechnen

Robert S. Plaul sah den Dokumentarfilm »Korankinder«

Als Regisseur Shaheen Dill-Riaz 1992 sein Heimatland Bangladesh verließ, gab es das noch nicht: Mit 3 Millionen Menschen findet in Dhaka jährlich das nach Mekka größte Pilgertreffen der Welt statt. Die neue islamische Religiosität zeichnet sich aber auch im alltäglichen Leben der Bevölkerung ab, in der wachsenden Anzahl der Koranschulen, der Madrasas. Sorgten diese Schulen früher für eine umfassende Bildung, so beschränkt sich das Unterrichtsangebot heute oft auf ein einziges Fach: Koranrezitation.

Schon im Grundschulalter beginnen viele Kinder in Bangladesh mit dem Auswendiglernen des Koran. Foto: MAYALOKSchon im Grundschulalter beginnen viele Kinder in Bangladesh mit dem Auswendiglernen des Koran. Foto: MAYALOK

Dill-Riaz hat es geschafft, trotz des traditionellen Bilderverbots mit seiner Kamera Zugang zu den Madrasas zu bekommen und mit den Kindern zu sprechen, die dort leben und lernen. Fast den ganzen Tag sind sie damit beschäftigt, die insgesamt 6234 Verse des Koran auswendig zu lernen. Es sieht aus, als wären sie in Trance, wenn sie auf dem Boden sitzen, 70 Kinder in einem Raum, vor sich den Koran. Sie wippen mit dem Oberkörper vor und zurück, um den Takt der kosmischen Zeit zu halten und lesen laut die arabischen Suren, deren Inhalt sie nicht verstehen – die Landessprache in Bangladesh ist Bengali.

Wenn sie fertig sind mit ihrer Ausbildung, dürfen sie sich Hafiz nennen und können selbst als Koranlehrer arbeiten oder sich ihr Auskommen bei feierlichen Anlässen wie Hochzeiten, Todesfällen oder Einweihungen durch Koranrezitation verdienen. Damit bietet die einseitige Ausbildung gerade Kindern ärmerer Familien tatsächlich eine Chance, später ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Doch es gibt auch Madrasas, die mit einem vielfältigeren Fächerangebot aufwarten, und an denen ein staatlicher Schulabschluss erlangt werden kann. Immer muss bei allem aber auch die Geschichte bedacht werden, sind doch die reinen Koranschulen auch eine Gegenbewegung zum kolonialistisch aufoktroyierten britischen Bildungssystem.

Die Interviews mit Schülern, Lehrern und Eltern stellen die Situation in Bangladesh auf äußerst differenzierte Weise dar, auch wenn sie sie für einen religiös wie kulturell Außenstehenden niemals vollkommen erklären können.

Ab 4. Juni im Moviemento.

rsp

Kiez und Kintopp

25. März 2009 (15:59)

Vorstadtkrokodile

Robert S. Plaul hat die Neuverfilmung eines Kinderbuchklassikers gesehen

vorstadtkrokodileDie Vorstadtkrokodile verstecken sich. Foto: © 2008 Constantin Film Verleih GmbH

Um bei den Vorstadtkrokodilen, der „coolsten Jugendbande der Welt“ mitmachen zu dürfen, muss Hannes (Nick Romeo Reimann) als Mutprobe das Dach einer alten Ziegelei erklettern. Als er beim Abstieg abzustürzen droht, wird er von Kai (Fabian Halbig) gerettet, der die Szene per Fernrohr beobachtet und die Feuerwehr gerufen hat. Auch Kai wäre gerne bei den Krokodilen dabei. Einziges Problem: er ist querschnittsgelähmt, sitzt im Rollstuhl und wird als „Spasti“ verlacht, der noch nicht mal wegrennen kann, wenn’s brenzlig wird. Doch der durchaus selbständige Junge weiß etwas, das ihn für die Krokos interessant macht: Mit seinem Fernrohr hat er auch die Täter eines Einbruchs gesehen, auf deren Ergreifung eine hohe Belohnung ausgesetzt ist. Die Suche nach den Verbrechern verbindet die Kinder, doch als sich abzeichnet, dass einer der Täter der große Bruder von Krokodil Frank ist, drohen die Freundschaften auseinander zu brechen.

Regisseur Christian Ditter ist es gelungen, Max von der Grüns Kinderbuchklassiker von 1976 behutsam in die Gegenwart zu übertragen, ohne den Ruhrgebietscharme des Originals zu verlieren und vor allem ohne in eine unrealistische Pseudo-Jugendsprache zu verfallen. Zwar wurde die Bande von zehn auf acht Kinder reduziert, die meisten Namen geändert und die Biografien den heutigen Verhältnissen angepasst – so lebt etwa Hannes alleine mit seiner jungen Mutter (großartig gespielt von Nora Tschirner) – doch das, worum es geht, ist erhalten geblieben: Freundschaft, Mut und der Umgang mit Vorurteilen. Die schauspielerischen Leistungen der jugendlichen Darsteller sind beeindruckend, und die Rollen wirken realistisch. Denn anders als der Titelsong es behauptet, sind die Vorstadtkrokodile keine Superhelden, sondern ganz normale Kinder, wenngleich ziemlich coole. Nicht nur die minderjährigen Zuschauer dieses hervorragenden Familienfilms werden sich wünschen, selbst ein Krokodil zu sein. Die gesunde Mischung aus Spaß, Abenteuer und ernsten Themen bietet auch nach Ende der 98 Minuten genug Potential zum darüber Nachdenken und Reden.

Abgerundet wird der Film durch die Gastauftritte von Martin Semmelrogge (der schon zusammen mit seinem Vater Willy in der WDR-Verfilmung von 1977 mitspielte) als Minigolfplatzbesitzer und Ralf Richter als mürrischer Ruhrpottpolizist.

FSK 6, ab 26. März im Kino.

rsp

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