Bezirk, Senat und Gewobag erproben Solarstrom für Mieter
Unter dem Motto »Balkonkraftwerke gemeinsam voranbringen« haben die Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe Franziska Giffey, Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann und Gewobag-Vorstand Markus Terboven Ende Oktober zwei Projekte vorgestellt, die Hürden für die Installation von Balkonkraftwerken in Berlin abbauen sollen. Im Neuen Kreuzberger Zentrum (NKZ) am Kottbusser Tor erhalten 60 Mieterinnen und Mieter im Rahmen eines vom Bezirk gemeinsam mit der Gewobag initiierten Praxisprojekts kostenlos ein Balkonkraftwerk, um eigenen Solarstrom zu erzeugen. Das Projekt soll zeigen, wie sich Hürden für Balkonsolar im Mietwohnungsbestand abbauen lassen. Die Erfahrungen fließen in das von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe geförderte Projekt »Berliner Lösungsbaukasten Balkonkraftwerke« ein.
60 Mieter*innen des NKZ erzeugen künftig ihren eigenen Solarstrom. Foto: BA Friedrichshain-KreuzbergBeide Projekte werden von PLAN B 2030 e. V. umgesetzt. Der Verein berät und unterstützt die Organisation der Installation und fördert die nachbarschaftliche Zusammenarbeit: Mieter*innen werden zu Solarbotschafter*innen geschult und helfen ihren Nachbar*innen bei der Installation. Der Ansatz knüpft an ein gemeinsames Projekt des Vereins und des Bezirksamts am Halleschen Ufer an, bei dem sich eine hohe Bereitschaft zur gegenseitigen Unterstützung gezeigt hat.
Für den landesweiten Lösungsbaukasten wertet PLAN B 2030 e. V. dieses und weitere Berliner Praxisbeispiele aus und bereitet bewährte Vorgehensweisen für unterschiedliche Gebäude- und Balkontypen auf. Öffentlich zugängliche Musteranschreiben, Checklisten und weitere Vorlagen sollen insbesondere Vermietenden die Zustimmung zur Installation erleichtern und so die Nutzung von Balkonkraftwerken in ganz Berlin voranbringen.
»Mit Balkonkraftwerken können alle Berlinerinnen und Berliner eigenen Solarstrom erzeugen, ihre Stromkosten senken und die Energiewende mitgestalten«, verspricht Senatorin Gifffey. »Seit die Geräte deutlich erschwinglicher geworden sind, konzentrieren wir uns auf zwei Dinge: Zum einen bauen wir Hürden bei Zustimmung, Installation und Inbetriebnahme ab. Dafür fördern wir den Berliner Lösungsbaukasten, um gute Praxiserfahrungen in die Breite der Stadt zu tragen. Gleichzeitig fördern wir mit unserem Programm SolarPLUS den Ausbau auf größeren Dachflächen wie auf Ein- oder Mehrfamilienhäusern und Gewerbebauten. Allein in diesem Jahr haben wir bereits über 6.000 Anträge bewilligt und mehr als zehn Millionen Euro ausgezahlt.« Bis 2045 soll Berlin komplett klimaneutral gemacht werden. Bis 2035 sollen 25 Prozent des in Berlin erzeugten Stroms aus Sonnenenergie gewonnen werden.
Clara Herrmann, scheidende Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, will die Anzahl der Balkonkraftwerke im Bezirk bis 2030 verdoppeln. »Jetzt bringen wir das Zentrum Kreuzberg zum Glitzern.«
Auch Markus Terboven, Vorstand der Gewobag, sieht großes Potenzial, gerade in großen Wohnanlagen. »Wenn wir mehrere Anlagen gemeinsam planen und umsetzen, können wir Abläufe vereinfachen und es unseren Mieterinnen und Mietern leichter machen, selbst Solarstrom zu erzeugen und ihre Stromkosten zu senken. Das Zentrum Kreuzberg bietet uns die Chance, solche gebündelten Lösungen in der Praxis zu erproben und Erfahrungen für weitere Bestände zu sammeln.«
Erschienen in der gedruckten KuK vom November 2026 (auf Seite 14).



