Ab an die Urne!

Am 20. September werden Abgeordnetenhaus und BVV neu gewählt

Karte der Wahlkreise in Friedrichshain-Kreuzberg zur Berlinwahl 2026Die fünf diesjährigen Abgeordnetenhauswahlkreise. Karte: Landeswahlleiter (dl-de/by-2-0)

Schon wieder Wahl in Berlin? Ja, und zwar endlich wieder ganz regulär im fünfjährigen Turnus nach den beiden Wiederholungswahlen aufgrund der Pannen bei der Doppelwahl (Land und Bund) im Jahr 2021.

Am Sonntag, den 20. September, öffnen die Wahllokale im Kiez und in ganz Berlin von 8 bis 18 Uhr. In welchem Wahllokal man wählen soll, entnimmt man am besten der Wahlbenachrichtigung, die spätestens Ende August mit der Post gekommen sein sollte.

Wer die Wahlbenachrichtigung bis zum Erscheinen dieser KuK-Ausgabe noch nicht bekommen hat, sollte das Bezirkswahlamt kontaktieren (bezirkswahlamt@ba-fk.berlin.de, 030-90223-1850). Wer sie lediglich postwendend verschmissen hat, kann die Wahllokalsuche auf der Seite des Landeswahlleiters nutzen.

Mitzubringen ist ein amtliches Ausweisdokument mit Lichtbild (Personalausweis, Reisepass, Führerschein), das in diesem Fall sogar abgelaufen sein darf. Wer die Wahlberichtigung nicht verlegt hat, bringt sie am besten auch mit.

Briefwahlunterlagen müssen bis zum 18. September beantragt werden, online bis zum 15. September. Letzteres geht komfortabel über den QR-Code auf der Wahlbenachrichtigung.

Alternativ bekommt man in der Briefwahlstelle des Bezirks im Rathaus Frankfurter Allee 37 Briefwahlunterlagen und kann mit diesen entweder sofort direkt vor Ort oder am Wahlsonntag in einem beliebigen Wahllokal wählen.

Aufgrund demografiebedingter Verschiebungen hat der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg in 2026 nur noch fünf Wahlkreise statt der vorher üblichen sechs. Die genaue Aufteilung hatte vor einem Jahr für einige Querelen in der BVV gesorgt, Kiez und Kneipe berichtete in der September- und Oktober-Ausgabe 2025.

Wer gewinnt die fünf Wahlkreise?

Wahlkreis 1 und 2 liegen vollständig auf Kreuzberger, Wahlkreis 4 und 5 vollständig auf Friedrichshainer Gebiet. Wahlkreis 3 überspannt die Spree und beinhaltet damit Teile beider Bezirksteile. Ein Novum.

Ein weiteres kleines Novum: es gibt nur noch zwei Stimmzettel, nicht mehr drei. Dennoch hat jede:r Wahlberechtigte nach wie vor drei Stimmen. Es sind lediglich für die Abgeordnetenhauswahl die Direktkandidierenden der Parteien (Erststimme) und die Bezirks- bzw- Landeslisten papiersparend auf einem Bogen abgedruckt.  Nicht alle Parteien gehen mit einer eigenen Bezirksliste an den Start. 

Für die BVV gibt es einen eigenen Stimmzettel.

2021 hatten die Grünen in fünf der damals 6 Wahlkreise das Direktmandat gewonnen und mit 32,3 % auch die meisten Zweitstimmen im Bezirk. 

Für die Linken hatte Damiano Valgolio den damaligen Wahlkreis 4 gewonnen, die Partei erzielte das zweitbeste Zweitstimmenergebnis (23,6 %). Auf Platz drei der Zweitstimmen kam die SPD ohne Direktmandat mit 15,1 %.

In diesem Jahr schicken die Parteien teils seit vielen Jahren im AGH vertretene Politikerinnen ins Rennen, wie etwa die Grüne Katrin Schmidberger, die seit 2011 ein Mandat für die Grünen innehat, und teils auf Landesebene neue Gesichter wie den SPD-Bezirksverordneten Thomas Giebel, der das erste Mal fürs Abgeordnetenhaus antritt.

Die über viele Jahre stabile grüne Vorherrschaft im Bezirk könnte sich dieses Jahr zugunsten der Linken verschieben, zumindest legen das die Ergebnisse der letzten Bundestagswahl 2024 und die aktuellen Umfragen nahe. Auch in BVV und Bezirksamt könnte es einen Machtwechsel geben.

Seit 20 Jahren ist das Bürgermeisteramt fest in Grüner Hand, angefangen mit Franz Schulz, der es von 2006 bis 2013 innehatte, über Monika Herrmann (2013 bis 2021) und Clara Herrmann. Die hatte im März 2026 überraschend angekündigt, nicht mehr zur Wahl antreten zu wollen.

An ihrer Stelle kandidiert für die Grünen der Jurist Thomas Weigelt. Er ist in Jena geboren, hat in Stadtentwicklungs- und Bauplanungsrecht promoviert und saß von 2016 bis 2020 in der BVV.

Die Linken haben den Politikwissenschaftler René Pérez Domínguez aufgestellt, der seit 2016 für seine Partei in der BVV sitzt und derzeit als Referent im Abgeordnetenhaus arbeitet.

Die Kandidaten der SPD und der CDU, Andy Hehmke und Max Kindler, haben, obwohl beide bereits seit 10 bzw. 5 Jahren als Bezirksstadträte im Amt, vermutlich bestenfalls Außenseiterchancen auf das Bürgermeisteramt.

Erschienen in der gedruckten KuK vom September 2026 (auf Seite 1).

Da waren’s nur noch fünf

Neue Wahlkreisaufteilung für die Berlinwahl 2026 beschlossen

Die von den Grünen erarbeitete Vorlage für die neuen Wahlkreise sowie die alten Wahlkreise mit den Ergebnissen der GrünenDie von den Grünen erarbeitete Vorlage für die neuen Wahlkreise sowie die alten Wahlkreise mit den Ergebnissen der Grünen. Karte: BA Friedrichshain-Kreuzberg

Am 20. September 2026 werden in Berlin die Mitglieder des Abgeordnetenhauses und die Bezirksverordneten neu gewählt. Den Termin beschloss der Berliner Senat im Juni diesen Jahres. Ebenfalls beschloss er, dass Friedrichshain-Kreuzberg künftig nur noch fünf statt wie in den letzten Jahren sechs Wahlkreise haben soll. 

Solche demographiebedingten Verschiebungen passieren gelegentlich, denn das Berliner Wahlgesetz schreibt vor, dass auf alle Wahlkreise eine möglichst gleich große Anzahl von Wahlberechtigten entfallen soll.

Die genaue Verortung der Wahlkreise wiederum obliegt dann jeweils den Bezirken.

Das Friedrichshain-Kreuzberger Wahlamt machte sich an die Arbeit und erarbeitete zwei Vorschläge für eine neue Aufteilung. Parallel dazu entwickelte die Grüne Fraktion ihren eigenen Entwurf. 

Am 12. August stimmte das Bezirksamt (BA) über die Entwürfe ab. Die drei Stadträte der Linken, der SPD und der CDU votierten für einen der Entwürfe des Wahlamts, die beiden Grünen Stadträte sowie Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann für den eigenen Entwurf. Bei einem Patt im BA zählt die Bürgermeisterinnenstimme doppelt, so dass die Entscheidung  für die Grünen-Version ausfiel.

Linke, SPD und CDU erheben Vorwürfe gegen die Vorlage der Grünen

Die in der Abstimmung unterlegenen Fraktionen sind mit der von den Grünen vorgelegten Wahlkreiseinteilung unzufrieden und erheben den Vorwurf, die Grenzen seien absichtlich so gezogen worden, dass die Grünen die Chance hätten, alle Wahlkreise zu gewinnen.

In 2023 waren bereits fünf der sechs Wahlkreise an die Partei gegangen, lediglich im damaligen Wahlkreis 4 im westlichen Friedrichshain hatte der Kandidat der Linken, Damiano Valgolio, das Direktmandat geholt.

»Ganz offensichtlich und schamlos wurden hier die Wahlkreisgrenzen nach politischem Interesse verschoben«, äußerte dieser gegenüber dem Tagesspiegel.

In der Tat beinhaltet der neue Wahlkreis 4 einige Kreuzberger Wahlbezirke südlich der Spree, in denen 2023 die Grünen die Mehrheit hatten.

Dass die beschlossenen Zuschnitte völlig an der Lebensrealität der Menschen vor Ort vorbei gingen, beklagt dort auch Cornelius Brandmiller, Co-Vorsitzender der SPD Friedrichshain-Kreuzberg. »Es ist erschreckend, wie wenig Wert die Grünen auf die gewachsenen Strukturen unserer Kieze legen.« 

Allerdings hatte auch der von den drei anderen Fraktionen favorisierte Entwurf des Wahlamts einen teilbezirksübergreifenden Wahlkreis, nämlich den im Südosten gelegenen Wahlkreis 3 (nach neuer Zählung), der einen Teil des alten Kreuzberger Wahlkreises 2 sowie den Süden des alten Friedrichshainer Wahlkreises 6 zusammengefasst hätte. 

Der Bezirkswahlleiter jedenfalls erklärte beide Varianten für rechtlich zulässig.

 

Erschienen in der gedruckten KuK vom September 2025 (auf Seite 1).