Fridolin, Fridolina, Transhörnchen

Wildes Kreuzberg: Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) / Warum auf dem Friedhof ein paar Haselnüsse sehr nützlich sind

Fridolin bei der Nahrungsaufnahme, ganz konzentriert. Foto: ksk

Bevor man ein paar nette Worte über Eichhörnchen verlieren kann, muss erst im befreundeten Umfeld geklärt werden, ob sie nicht eigentlich »böse« sind. Klar, im Frühling machen sich die kleinen Räuber schon mal über die Nester von Vögeln her. Schließlich kämpft so ein Eichhörnchen ums Überleben und hat nicht den Bio-Supermarkt direkt um die Ecke, wie der gewöhnliche vegane Kreuzberger. Aber lassen wir das auf sich beruhen.

Eichhörnchen sind ausgesprochen niedliche Tiere. Auf den Friedhöfen vor dem Halleschen Tor gibt es mindestens drei: Fridolin, Fridolina und Transhörnchen. Fridolina ist, wie bei Mädchen häufig, etwas hübscher als Fridolin und sie hat eine besonders nette Art, den Kopf schief zu legen und um Nüsse zu betteln. Transhörnchen heißt so, nicht weil es nicht wüsste, ob es männlich oder weiblich ist. Aber wir haben es noch nicht herausgefunden, deshalb nennen wir es so. Vielleicht lebt es schon länger hier, vielleicht ist es ein Geflüchtetes, keine Ahnung. Auch das lassen wir lieber auf sich beruhen.

Abgesehen von der Paarungszeit sind Eichhörnchen Einzelgänger, aber die drei scheinen sich gut zu verstehen. Sie toben die Bäume hinauf und hinunter, lassen ihre rotbraune Rute zwischen den Grabsteinen leuchten und verbuddeln fleißig Nüsse im Boden, die sie ohnehin nie wieder finden.

Wenn sie einen noch nicht so gut kennen, pirschen sie sich vorsichtig von hinten aus der Deckung heran, schnappen nach einer Nuss und bringen sich gleich wieder in Sicherheit. Nach einer Weile kommen sie direkt auf einen zugesprungen, gucken fragend und bleiben sitzen. Schönes Gefühl, wenn so ein lebendiges Wesen, das doch bei aller Zutraulichkeit immer noch ein wildes Tier voller Würde ist, keine Angst mehr vor einem hat.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Januar 2020.

Radler schwer verletzt

Bei einem Verkehrsunfall in der Nacht zum Donnerstag wurde ein Radfahrer schwer verletzt. Der 49-Jährige fuhr auf dem Gehweg der Skalitzer Straße in Richtung Hallesches Tor. Als er gegen 0:45 Uhr bei Rot die Fußgängerfurt passierte, wurde er von einem 54-jährigen Fahrer eines Ford erfasst, der vom Kottbusser Tor rechts in die Reichenberger Straße abbiegen wollte. Der Radler wurde bei dem Zusammenstoß über die Motorhaube gegen die Windschutzscheibe geschleudert und dabei schwer verletzt. Er kam zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus.

Fest, Fester, am Festesten

Der Kiez zwischen Karneval der Kulturen und Bergmannstraßenfest

Abschiedsvorstellung? Afoxé Loni führt seit 15 Jahren den KdK-Umzug an. Es war in diesem Jahr wohl das letzte Mal. Foto: mr

Im Juni kam es dann wirklich knüppeldick. Dass sich im späten Frühjahr und im frühen Frühsommer die Feste häufen, ist ja nichts Außergewöhnliches, doch eine solche Ballung auf einen Monat hat es selten gegeben. Mit schuld war natürlich der Kalender, der in diesem Jahr Ostern und damit logischerweise auch Pfingsten auf den zweitspätesten nur möglichen Termin im Jahr geschoben hat. Damit rückte der Karneval der Kulturen anderen traditionellen Junifesten schon bedenklich nahe.

Über eine Million Menschen zog es innerhalb der vier Festtage auf den Blücherplatz und am Pfingssonntag zum großen Umzug. Der wurde möglicherweise zum letzten Mal traditionell von der brasilianischen Formation Afoxé Loni angeführt. Den weiß-gelben Bahnbrechern geht das Geld aus, und ein Auftreten beim Karneval 2012 ist zumindest ungewiss.

Die Gruppe Comparsa Chamanes wusste die Jury am besten zu überzeugen und gewann den Wettbewerb mit 107 Punkten, gefolgt von »Der ungarische Schnurrbart« und den Kids 44 aus Neukölln, die bereits im Vorjahr für ihren Wagen ausgezeichnet worden waren.

Während der Karneval der Kulturen in diesem Jahr vom Wettergott einigermaßen begünstigt war, hatten die anderen Feste nicht ganz soviel Glück. Die Fête de la musique ertrank zwar nicht ganz so im Regen wie vor einigen Jahren, doch der eine oder andere kalte Guss sorgte dann doch für Abkühlung. Insgesamt gab es zumindest im Süden Kreuzbergs etwas weniger Bands, als in den letzten Jahren zu hören, was wohl auch dem Termin mitten in der Woche an einem Dienstag geschuldet war.

Einen feuchten Auftakt erlebte auch das Bergmannstraßenfest. Drei Tage wurde dort gejazzt und am Chamissoplatz von Sterneköchen gekocht. Auf vier Bühnen und in der Passionskirche wurde drei Tage fleißig Musik gemacht. Jazz war dabei aber nicht alles. Darüber hinaus war die Bühne in der Nostizstraße für Theaterprojekte reserviert.

Guten Appetit: Die Kreuzberger Spitzenköche präsentierten am Chamissoplatz für wenig Geld ihr großes Können. Foto: phils

Für den kulinarischen Höhepunkt sorgten sechs Kreuzberger Spitzenköche, angeführt von Stefan Hartmann, der erst vor kurzem für seine Küchenkunst mit einem Stern im Guide Michelin belohnt wurde. Er servierte gebackenen Kabeljau mit französischem Gemüse und Wildkräutern. Für gerade mal sieben Euro konnte sich der Besucher auf diese Weise einmal von einem echten Sternekoch bekochen lassen.

Den Festreigen vervollständigte schließlich das Festival »Berlin lacht«. Auf dem Mariannenplatz hatten sich wieder zahllose Straßenkünstler versammelt, die dort gemeinsam ihr Können darboten. Ganz ungetrübt blieben die Feiern indes nicht. Am ersten Tag des Karnevals stürzte ein betrunkener Gast am Halleschen Tor in den Landwehrkanal und ertrank.