Zeitreise durch Berlins Mitte

Dieter Kramer hat alles fotografiert

Dietmar Kramer signiert in der Buchhandlung Moritzplatz sein Buch „Stadt Mitte Berlin“. Foto ksk

Den Hauptbahnhof mit seinem kalten, betonstarrenden Untergeschoss muss man nicht mögen. Aber das neue Bundeskanzleramt verdient zumindest als Gebäude Respekt. Und die filigrane, transparente Kuppel auf dem Reichstag wurde inzwischen zu einem ausdrucksstarken Symbol der deutschen Demokratie. Kaum eine andere europäische Metropole hat sich in den vergangenen Jahrzehnten so stark verändert wie Berlin – vor allem in seiner historischen Mitte.

Dieter Kramer ist dabei gewesen. Der heute 75-Jährige lebt seit 1964 in Berlin, studierte an der Hochschule der Künste und arbeitete später als Gestalter von Ausstellungen. Und er hat fotografiert. Das Ergebnis sind tausende Bilder: auf alten Negativfilmen, sich allmählich zersetzenden Dias, mit der modernen Digitalkamera. Wegen der besseren Aussicht kletterte er dabei schon mal mit der Leiter auf das Dach seines Mercedes-Lieferwagens. Vor fünf Jahren ist ein erstes Buch über Kreuzberg entstanden, jetzt hat Kramer mit einem Bildband unter dem Titel »Stadt Mitte Berlin« nachgelegt.

»Ich bin kein Profifotograf, kein Schriftsteller, kein Stadthistoriker, das ist alles nur Hobby«, sagte er kürzlich in der Buchhandlung Moritzplatz bescheiden. Tatsächlich kann man wohl nirgendwo sonst die baulichen Veränderungen in Berlins Mitte so minutiös nachvollziehen. Straße für Straße, fast Gebäude für Gebäude stellt Kramer Einst und Jetzt gegenüber, ergänzt um erklärende Bildtexte. Friedrichstadt, Wilhelmstraße, Dorotheenstadt, Spreebogen, Potsdamer Platz, Kulturforum – eine atemberaubende Zeitreise für Fremde, die Berlin kennenlernen wollen, aber auch für Einheimische, die zahllose neue Ecken entdecken werden.

In seinem Kreuzberg-Buch hatte Kramer damals Partei genommen – für bürgerschaftliches Engagement und gegen brutalen Abriss. Das neue Buch sei eher dokumentarisch angelegt, meint er. Sein Resümee? »Ich bin ungeheuer froh über die Wiedervereinigung. Berlin hat einen gigantischen Sprung gemacht. Architektonisch ist enorm viel passiert und das meiste ist durchaus in Ordnung.«

Dieter Kramer: Kreuzberg 1968-2013: Abbruch, Aufbruch, Umbruch. 29,95 €.

Dieter Kramer: Stadt Mitte Berlin: Eine Zeitreise vom Halleschen Tor bis zum Spreebogen. 29,95 €.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Oktober 2018.

Flaschenhalsproblem flugs gelöst

Neues Gelände vollendet Parktryptichon am Gleisdreieck

ÜBER DIESE BRÜCKE muss man gehn, wenn man vom Ost- in der Flaschenhalspark will.

Foto: pskÜBER DIESE BRÜCKE muss man gehn, wenn man vom Ost- in der Flaschenhalspark will. Foto: psk

Eigentlich ist man von dieser Stadt ja anderes gewöhnt. Gibt es bei einem Projekt Probleme, dann scheint es fast ein Naturgesetz zu sein, dass die nächste Hiobsbotschaft bald folgt und alles immer schlimmer wird. Das beste Beispiel ist die nicht enden wollende Pannenserie des geplanten Berliner Großflughafens.

Da tut es doch gut, wenn es auch anders geht. Der Start des neusten Parks in Berlin stand unter keinem besonders günstigen Stern. Und wäre dieser Schildbürgerstreich nicht passiert, dann wüssten die meisten Berliner wohl noch nicht einmal, dass die urbane Parklandschaft um eine weitere Liegenschaft erweitert worden ist.

Der sogenannte »Flaschenhalspark« vollendet das Parktryptichon am Gleisdreieck, das nun von der Monumentenstraße bis direkt vor den Potsdamer Platz reicht. Allerdings war es zunächst nicht möglich, den Weg direkt zurückzulegen. Die vierspurige Yorckstraße trennte Ost- und Westpark von ihrem neuen Anhängsel. Angesichts von mehr als einem Dutzend Brücken, die an dieser Stelle über die Yorckstraße führen, war es schon ziemlich absurd, dass Fußgänger erst ein- oder zweihundert Meter in die eine oder andere Richtung gehen mussten, um eine Fuß­gänger­ampel zu finden. Dort, wo sich Ostpark und Flaschenhalspark hätten treffen sollen, hinderten Absperrungen Fußgänger daran, die Straße zu überqueren, allerdings nur mit mäßigem Erfolg.

Dabei wäre eine Brückenanbindung ja für 2015 eingeplant gewesen.

Und dann ging plötzlich alles ganz ganz schnell. Kaum hatten die ersten Unmutsäußerungen die Presse erreicht, wurde rasche Abhilfe versprochen. Noch vor dem 1. Mai solle eine Verbindung geschaffen werden – am 17. April wurde die Fußgänger- und Radfahrerbrücke eröffnet.

Sie führt in einen schmalen Park, der so ganz anders ist als seine beiden großen Geschwister. Auf den rund sechs Hektar Fläche ist alles viel ruhiger, viel beschaulicher. Lediglich zwei Schaukeln gibt es als Zeitvertreib und unter der Monumentenbrücke ein Basketballfeld, dem aber noch die Körbe fehlen.

Ansonsten ist es ein Platz für Eisenbahnnostalgiker, die sich an Überresten von antiken Signalanlagen oder der Ruine eines Stellwerks erfreuen können. Das Ganze hat etwas Verträumtes, ja Verwunschenes.

Im Süden endet der Park etwas abrupt unter der Monumentenbrücke. Aber da soll auch noch nicht endgültig Schluss sein. Die Verbindung zum Südkreuz soll der nächste Abschnitt sein, der in Angriff genommen wird.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Mai 2014.