Baustellenchaos im Gneisenau-Kiez

Die Mittenwalder Straße unter Verkehrsdruck

Update: Am 3. November 2026 wurde die Mittenwalder Straße an der Ecke Gneisenaustraße erneut für den Kfz-Verkehr gesperrt. Laut Auskunft des Bezirks erfolgte diese Maßnahme durch die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, ausgehend von Vor-Ort-Beobachtungen und nach Hinweisen aus der Bevölkerung.

Dass Berlin nur noch aus Absperrungen, Baggern und Umleitungen zu bestehen scheint, ist nichts Neues. Doch im Gneisenau-Kiez erreicht die Belastung für die Anwohner:innen inzwischen eine neue Dimension. Es fühlt sich an, als lebten sie im Epizentrum einer einzigen großen Baustelle.

Baustellenbaken und zahlreiche Verkehrsschilder an der Gneisenaustraße; ein Müllfahrzeug steht in zweiter Reihe.Schilderwald, Baustellenbaken, und dann auch noch die Müllabfuhr in zweiter Reihe. Foto: mh

Neben der Baerwaldstraße, in der seit Mai 2025 die Bauarbeiten von BWB und NBB quälend langsam voranschreiten, ist jetzt die nördliche Seite der Gneisenaustraße zwischen Südstern und Solmsstraße gesperrt. Dies führt dazu, dass der Verkehr von der Zossener Straße und der Baerwaldstraße durch die Mittenwalder Straße geleitet wird. Im Prinzip handelt es sich um den gesamten Nord-Süd-Durchgangsverkehr zwischen Hermannplatz und Mehringdamm. Zusätzlich wird noch der Verkehr, der von der Gneisenaustraße zu den Wohnblöcken des Gneisenaukiezes fahren will, durchgeleitet. Dies bedeutet eine enorme Belastung für die Wohnstraße.

Großsteinpflaster, enge Straßenbebauung und regelmäßiges Falschparken in zweiter Reihe verstärken den Lärm. Die Straße wird als Schulweg genutzt, auch befindet sich hier ein Kinderspielplatz, aber gesicherte Querungsmöglichkeiten fehlen völlig.

Besonders gefährlich ist die Kreuzung Gneisenaustraße/Mittenwalder Straße. Hier kreuzen sich umgeleiteter Autoverkehr sowie Rad- und Fußverkehr. Der Kfz-Verkehr ignoriert zumeist die Stoppschilder, da die Kreuzung mit Baken zugestellt ist und ein Schilderwald sowie die Ampel für eine vollkommen unübersichtliche Verkehrssituation sorgen. Aus Sicht von Verkehrsexpert:innen ist das eine unvertretbare Situation. Es kommt regelmäßig zu Beinahe-Unfällen. Eine sichere Verkehrsführung sieht anders aus.

Laut Auskunft des Baubetriebs soll die jetzige Verkehrsführung bis Ende 2027 andauern. Bei dem Tempo der bisherigen Bauarbeiten steht zu befürchten, dass dieser Zustand noch viel länger bestehen bleiben wird.

Wieder mal keine Information im Vorfeld

Baustellenabsperrungen an der Kreuzung Mittenwalder Straße und Gneisenaustraße.Die Überquerung der Mittenwalder an der Ecke Gneisenau ist derzeit lebensgefährlich. Foto: rsj

Eine Vorabinformation für die Anwohner:innen gab es nicht und verständlicherweise ist der Ärger groß.

Bereits bei den Baumfällungen auf der Mittelinsel der Gneisenaustraße, die Anfang 2026 erfolgten, wurden die Bürger:innen nicht informiert. Diese Bäume hätten erst mal stehen bleiben können, da die BVG immer noch nicht mit der Sanierung der U-Bahn-Tunneldecke begonnen hat.

Somit formiert sich erneut Widerstand im Kiez. Bei einem Treffen im Kiez-Laden des Vereins mog61 e.V., zu dem eine Bewohnerin aus der Mittenwalder Straße eingeladen hatte, wurde dazu aufgerufen, die Initiative zur Verkehrsberuhigung im Wohnblock wieder aufzunehmen, die aktuelle Verkehrssituation bei der Polizei anzuzeigen und dem Ordnungsamt zu melden.

Auch eine Petition läuft bereits: »Verkehrschaos und Lärm! Stoppt den Durchgangsverkehr in der Mittenwalder-/Fürbringerstraße!«. Zudem wurde eine Fachaufsichtsbeschwerde bei der zuständigen Behörde eingereicht. Der Verein mog61 e.V. unterstützt in erster Linie die Forderung nach einer schnellen Entschärfung der gefährlichen Verkehrssituation an der Kreuzung sowie die Unterbindung des Durchgangsverkehrs in der Mittenwalder Straße.

Erschienen in der gedruckten KuK vom November 2026 (auf Seite 1).

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