Wie echt ist van Gogh?

Erster Kunst-Krimi von Leif Karpe

»Würde uns die ‚Sternennacht‘ weniger interessieren, wenn sie nicht von Vincent van Gogh wäre?« Die Frage steht auf der Rückseite des Covers von Leif Karpes erstem Roman »Der Mann, der in die Bilder fiel«. Derjenige, der da fällt, ist der New Yorker Kunsthistoriker und Detektiv wider Willen Peter Falcon, der eigentlich nur seinen kleinen Comic-Laden am Leben erhalten will.
Der Auftrag des großen Auktionshauses Chrosebys, nach Europa zu reisen, um dort ein berühmtes Gemälde auf seine Echtheit zu überprüfen, kommt ihm da gerade recht – trotz seiner Flugangst.
Was wie eine Routineangelegenheit aussieht, entpuppt sich als rasanter Kriminalfall, der Peter Falcon quer durch Paris und die halbe Provence führt, immer auf der Spur der großen Künstler des 19. und 20. Jahrhunderts.
Peter Falcon kommt dabei eine einzigartige Fähigkeit zu Hilfe. Er kann sich nämlich in die Bilder der großen Impressionisten und Expressionisten hineinleben. Alles um ihn wird plötzlich so real, dass er, und damit auch der Leser, den großen Künstlern direkt begegnet. Diesen Kniff des Autors umweht zwar ein Hauch des Esoterischen, doch er entpuppt sich auch als genial, wenn all die Monets und van Goghs die reale Geschichte voranantreiben.
Angenehm ist, dass bei einem Krimi nicht Mord und Totschlag im Zentrum des Geschehens stehen müssen, sondern dass das Thema Fälschung nicht weniger spannend sein kann.
In der Tat ist gerade die Frage »Was ist ein echter van Gogh?« seit Jahren ein heiß umstrittenes Thema. Es liegt daran, dass van Goghs Arzt Dr. Gachet selbst künstlerische Ambitionen verspürte. Er ließ sich von van Gogh mit Bildern honorieren. »Das Porträt des Dr. Gachet« war eine Zeitlang das teuerste Gemälde der Welt.
Doch ist so mancher vermeintliche van Gogh nicht in Wirklichkeit ein Gachet? Der Arzt und seine Nachkommen galten immerhin als sehr begabte Kopisten, manche würden Fälscher sagen.
In einer Zeit, in der für einen van Gogh zwei-, ja bald dreistellige Millionen-Beträge bezahlt werden, ist die Herausforderung für die wichtigen Auktionshäuser noch größer geworden, das Richtige vom Nachgemachten zu unterscheiden.
So tut sich dem Leser, der in der Kunstbranche weniger beheimatet ist, eine völlig neue Welt auf, in der es um Täuschen und Tarnen, um Illusion und Realität geht. Diese Welt ist der Hintergrund eines sehr spannenden und rasanten Krimis, bei dem der Leser auch noch eine Menge lernen kann – und eine bezaubernde Reise durch Frankreich erlebt.
Und die Reise geht weiter. Der Verlag Nagel & Kimche will mit den Peter-Falcon-Krimis das Genre Kunst-Krimi etablieren.
Peter S. Kaspar

Leif Karpe: Der Mann, der in die Bilder fiel, 272 Seiten, ISBN 978-3-312-01161-2, 22 Euro

Erschienen in der gedruckten KuK vom Februar 2020.

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