Tierisch große Polizeieinsätze im Görlitzer Park
Die legendärsten Polizeieinsätze im Görlitzer Park hatten nichts mit Drogen zu tun, sondern mit Tieren, die sich anders verhielten als ihre Artgenossen außerhalb Kreuzbergs. Diese ungewöhnlichen Protagonisten des zivilen Ungehorsams lösten großangelegte Polizeieinsätze aus.
Anfang der 1980er Jahre, kurz nach der Eröffnung des Kinderbauernhofs im Görli, arbeitete dort ein Pfleger namens Michael. Er brachte einen jungen Bären und einen Hund mit und übte mit ihnen Zirkustricks. Der Bär entwickelte eine so enge Bindung zu Michael, dass dieser in einem Zirkuswagen auf dem Hof schlafen musste. Eines Nachts, als Michael nicht da war, begann der Bär bitterlich zu weinen. Die Nachbarn hielten das Geräusch für einen Hilferuf. Gegen 23 Uhr rückten fünf Polizeiwagen und drei Feuerwehrautos an. Innerhalb kurzer Zeit versammelten sich 300 Menschen auf der Straße. Die Polizei fühlte sich zum Handeln gezwungen, obwohl ein weinender Bär keine Gefahr darstellte. Sie forderte Hundefänger an, um das Tier zu betäuben. Doch die Anwohner stellten sich auf die Seite des Bären und protestierten lautstark. Um eine Straßenschlacht zu verhindern, holte jemand Michael. Er beruhigte den Bären und beendete den Einsatz.
Dreißig Jahre später sorgte die Pute »Puti« für Aufregung im Görli. Puti kam 2017 von einer Geflügelfarm auf den Bauernhof. Zunächst allein, suchte sie Anschluss bei den Enten. Doch da sie nicht schwimmen konnte, soff sie bei ihren Annäherungsversuchen beinahe ab.
Der SPD-Politiker Sven Heinemann wollte Abhilfe schaffen und schenkte dem Bauernhof einen Gefährten für Puti. Diesen taufte er Martin, nach dem damaligen SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz. Doch Martin zeigte sich in der Balz ebenso ungeschickt wie sein Namensvetter im Wahlkampf. Erst flirtete Puti mit einem viel kleineren Perlhuhnmännchen, dann fiel Martin eines Morgens einfach tot um.
Am 15. Oktober 2017 verschwand Puti spurlos. Die Kinder vom Bauernhof starteten eine Suche wie in »Emil und die Detektive«. Zwei Polizeistreifen schlossen sich an, doch die Fahndung blieb erfolglos. Wahrscheinlich landete die charakterstarke Puti in einem Kochtopf. Ihr Perlhuhn-Partner verstummte und verfiel in Depressionen.
Erschienen in der gedruckten KuK vom Oktober 2026 (auf Seite 12).
