Zu viel, zu schnell, zu laut

Anwohner*innen wollen die Verkehrssituation in der Mittenwalder Straße verbessern

Die Kreuzung Mittelwalder Straße / Fürbringerstraße samt Eckparkern. Foto: mh

Eine neue Petition beschäftigt die Anwohner*innen der Mittenwalder Straße in Kreuzberg. Seit vielen Jahren beschweren sich immer mehr Menschen über die Verkehrssituation dort. Seit die Baerwaldstraße im Mai 2025 gesperrt wurde, ist der Druck aber noch größer geworden. Teils gelenkt durch Navigationsdienste nutzen immer mehr Fahrzeuge die Mittenwalder Straße als Umgehung. 

Das erhöhte Verkehrsaufkommen trifft in der Straße auf zahlreiche in zweiter Reihe parkende Fahrzeuge, was einerseits zu stockendem Verkehr führt und andererseits die Fahrzeugführer aufs Gaspedal drücken lässt, um schnell an den parkenden Fahrzeugen vorbei zu kommen. Generell wird hier sowieso häufig viel zu schnell gefahren. All dies führt in Verbindung mit der Kopfsteinpflasterbefestigung zu einer hohen Lärmbelastung, unter der die Anwohner*innen leiden. Zudem berichten diese von riskanten Situationen beim Überqueren der Straße oder beim Radfahren.

Seit Jahren treffen sich deshalb Bewohner*innen der Mittenwalder Straße, um in Gemeinschafts- oder Einzelaktionen die Polizei und Behörden auf die Verkehrssituation in ihrer Straße aufmerksam zu machen. Bei einem dieser Treffen entstand dann die Idee einer Petition. Mitte Februar startete Birte diese unter dem Titel »Kiezblock Mittenwalder Straße/Fürbringerstraße« digital. Sie wählte den Titel »Kiezblock«, da dieser als etabliertes Schlagwort für verkehrsberuhigende Konzepte steht. Sie betont jedoch, dass hinter der Petition keine offizielle Kiezblock-Initiative steckt. Vielmehr handele es sich um eine Einladung zur Beteiligung der Nachbarschaft. Die Petition fordert regelmäßige Geschwindigkeitskontrollen und konsequente Ahndung von Verstößen sowie verstärkte Überwachung des Parkens in zweiter Reihe.

Petition kann noch bis Mitte April mitgezeichnet werden

Als dauerhafte Lösung zur Verbesserung der Verkehrssituation wird die Einführung von Parkraumbewirtschaftung samt Anwohnerparkausweisen gefordert, um Parksuchverkehr zu reduzieren, sowie Modalfilter (z. B. Poller) an der Kreuzung Mittenwalder Straße / Fürbringerstraße, um den Durchgangsverkehr zu unterbinden. Diese Maßnahmen sind in Berlin nicht unumstritten. Befürworter*innen sehen in Modalfiltern und Anwohnerparken eine Chance auf mehr Ruhe und Sicherheit, während Kritiker*innen vor möglichen Verlagerungseffekten und Belastungen für mobilitätseingeschränkte Bewohner*innen mit PKW warnen.

Die bis zum 15. April 2026 laufende Petition richtet sich unter anderem an das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, die Polizei Berlin-Direktion 5 , die Bezirksverordnetenversammlung und die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt. Nach der Übergabe der Petition plant Birte, die Nachbarschaft aktiv einzubinden. Konkrete Formate wie Infoabende wurden erwähnt, falls Bedarf besteht. Alle, die sich beteiligen oder informieren möchten, können über diesen Link einfach auf die Petitionsplattform zugreifen und Birte dort kontaktieren.

Erschienen in der gedruckten KuK vom März 2026 (auf Seite 1).

Kiezblocks – außenrum statt mittendurch

Zahlreiche Initiativen wollen den Durchgangsverkehr aussperren

Wollen keinen Durchgangsverkehr: Gneisenau-Kiezblock-Initiatoren Andreas Langner und Philipp Stiegel. Foto: rsp

Wer sich in den letzten Monaten mit den verkehrspolitischen Maßnahmen in Berlin und im Bezirk beschäftigt hat, dürfte auch immer wieder über den Begriff Kiezblock gestolpert sein. Aber was ist ein Kiezblock eigentlich – und was nicht?

Unter dem Dach des Vereins Changing Cities e.V. haben sich in ganz Berlin Initiativen gegründet, die die Verkehrssituation in ihrem jeweiligen Kiez verbessern wollen. Auch wenn die annähernd autofreien »Superblocks« in Barcelona Pate stehen für die Idee, geht es den Initiativen nicht um so etwas wie flächendeckende Fußgängerzonen.

»Wir sind ja keine Radikalen«, sagt Philipp Stiegel, der für den Gneisenau-Kiezblock, also den Bereich zwischen Blücher-, Schleiermacher-, Gneisenaustraße und Mehringdamm, einen Einwohner*innenantrag vorbereitet hat und derzeit Unterschriften sammelt. »Wir sind nicht grundsätzlich gegen Autoverkehr, sondern gegen motorisierten Durchgangsverkehr.« Von dem gibt es im Kiez reichlich, und das nicht nur in der Zossener Straße, die nach dem Willen der Initiative möglichst bald ihren Status als übergeordnete Straße verlieren soll, damit der Bezirk und nicht der Senat für die Straße zuständig ist. Auch die kleineren Straßen werden gerne als vermeintlich zeitsparende Schleichwege genutzt, insbesondere sobald es auf den Hauptstraßen ein wenig stockt.

Ein Problem seien auch Navigationssysteme, die die kleinen Nebenstraßen als kürzeste Route vorschlagen, ergänzt sein Mitstreiter Andreas Langner. Der hat bereits einen ersten Entwurf erstellt, der zeigt, wie man mit wenigen kleinen Maßnahmen den Durchgangsverkehr fernhalten könnte. Zu den Ideen gehören beispielsweise Dia­go­nal­sperren oder auch Einbahnstraßenregelungen, die den Kiezblock für Autos und Lkw zwar befahrbar, aber eben nicht durchfahrbar machen. Für Rettungsdienste und den 248er-Bus könnte in der Zossener Straße ein versenkbarer Poller installiert werden. In anderen Straßen würden Kraftfahrzeuge gewissermaßen in Schleifen wieder aus dem Kiez herausgeführt. Für den Fuß- und Fahrradverkehr gäbe es keine Änderungen.

Zwei Diagonalsperren, ein versenkbarer Poller – so einfach könnte der Durchgangsverkehr aus dem Kiez genommen werden. Illustration: Andreas Langner, rsp

Wieviel nur eine einzige Sperrung ausmacht, zeigte sich, als die Ampel an der Kreuzung Mittenwalder Straße/Blücherstraße errichtet wurde und der nördliche Teil der Mittenwalder zeitweise zur Sackgasse wurde. »Es war ein Unterschied wie Tag und Nacht«, erzählt Philipp. Obwohl er in der Fürbringerstraße wohnt, bekommt er akustisch mehr vom Verkehr in der Mittenwalder Straße mit, als ihm lieb ist – auch wegen des Kopfsteinpflasters.

Ein anderes Mitglied der Initiative hat in der Solmsstraße die durchfahrenden Autos gezählt. Als vor einiger Zeit wegen einer Bombenentschärfung die Lindenstraße gesperrt war, seien es 40 Kraftfahrzeuge pro Stunde gewesen, an einem normalen Wochentag kam er tagsüber auf 420 pro Stunde.

Tatsächlich gibt der Einwohner*innenantrag, für den 1000 Unterschriften zusammenkommen müsen, allerdings keine konkreten Baumaßnahmen vor, sondern enthält nur die Forderung, einen verkehrsberuhigten Bereich zu schaffen und auf den angrenzenden Straßen für Tempo 30 zu sorgen. Wie das dann genau geschieht, darüber muss die Ende September zu wählende Bezirksverordnetenversammlung (BVV) abstimmen.

Es wird nicht der einzige derartige Antrag sein, weder im Bezirk, noch berlinweit. 180 potentielle Kiezblocks hat Changing Cities in Berlin ausgemacht. In 47 von ihnen gibt es entsprechende Initiativen, zehn davon allein in Kreuzberg sowie weitere drei in Friedrichshain. In der hiesigen BVV treffen die Anträge dabei auf fruchtbaren Boden. Erst Ende Mai wurde die Einrichtung eines verkehrsberuhigten Viktoriakiezes beschlossen.

Das dürfte auch daran liegen, dass die Forderungen der Kiezblock-Initiativen deutlich weniger invasiv (und preiswerter in der Umsetzung) sind als beispielsweise die umstrittene Umgestaltung des Bergmann- und Chamissokiezes oder die Pläne für die Oranienstraße, in der sämtliche Parkmöglichkeiten auch für Anwohner wegfallen sollen.

Wer die Gneise­nau-Kiezblock-Initiative kontaktieren oder unterstützen möchte, erreicht die Initiatoren per E-Mail unter und findet sie auf Twitter.

Eine ausführliche Darstellung der Forderungen und einen »Faktencheck« zu Vorbehalten gegenüber dem Vorhaben, hat Changing Cities unter kiezblocks.de/konzept veröffentlicht.