Ein ehemaliges Bürogebäude wird zur Aufnahmeeinrichtung
Ende September fand in der zukünftigen Aufnahmeeinrichtung für Geflüchtete, Hasenheide 23-27, ein Tag der offenen Tür statt. Das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten und Unterbringung (LFU) als Mieter des Gebäudes lud in Zusammenarbeit mit dem Betreiber, dem Landesbetrieb für Gebäudebewirtschaftung Berlin – Betriebsteil B (LfG-B) Anwohnende, Kiezakteure und Interessierte ein, das Gebäude vorm Einzugsstart am 1. Oktober zu erkunden und sich ein Bild von der Situation zu machen.
In dem großen Gebäudekomplex unweit des Hermannplatzes, wo einst die Telekom und später die Deutsche Rentenversicherung tätig waren, sollen nun bis zu 921 Personen aus unterschiedlichen Herkunftsländern die ersten Schritte in ihrer neuen Heimat machen. Die neue Unterkunft ist eine Erstaufnahmeeinrichtung: Hier werden nur Asylsuchende in der ersten Phase nach ihrer Ankunft in Berlin einziehen, direkt nach ihrer Registrierung im Ankunftszentrum.
Das drei- bis neunstöckige Gebäude ist dabei in zwei Einheiten unterteilt: Der größere Teil bietet 758 Plätze in Zwei- bis Vier-Bett-Zimmern und soll von Familien, Paaren und allein reisenden Männern bezogen werden. Der kleinere Gebäudeteil beinhaltet 163 Plätze, die alleinerziehenden Müttern und ihren Kindern sowie allein reisenden Frauen zur Verfügung gestellt werden sollen. Eine Unterbringung unbegleiteter Minderjähriger ist hingegen nicht vorgesehen. Der Zugang zur Einrichtung wird digital kontrolliert – die Bewohnenden checken mittels einer Karte an der Pförtner-/Security-Loge im Eingangsbereich ein und aus. Diese Erfassung sei unter anderem wichtig, wenn im Notfall schnell geklärt werden müsse, wer sich gerade im Gebäude aufhält, erklärte eine Vertreterin des Betreibers. Alle Bewohnenden erhalten Vollverpflegung (drei tägliche Mahlzeiten) im großen Speisesaal der Unterkunft, Selbstversorgung ist nicht vorgesehen. Es stehen Gemeinschaftsduschen, Toiletten und Waschmaschinenräume zur Verfügung, zusätzlich gibt es Gemeinschaftsräume, Teeküchen und Mehrzweckbereiche, zum Beispiel als Jugendtreff oder zur Kinderbetreuung. Eine Beschulung ankommender Kinder in Willkommensklassen war im ursprünglichen Konzept vorgesehen, da jedoch in den umliegenden Schulen genügend Plätze vorhanden sind, wird diese nicht umgesetzt. Der Betreiber (LfG-B) sorgt für eine Betreuung der Bewohnenden durch eigene Sozialarbeitende und koordiniert die Anbindung an die Nachbarschaft mit eigenen Ehrenamtskoordinatoren.
Der gut besuchte Tag der offenen Tür wurde durch den Pressesprecher Sascha Langenbach und den kommissarischen Präsidenten Steffen Weickert des LFU sowie durch die Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann im geräumigen Speisesaal der Unterkunft eröffnet. Clara Herrmann betonte das Bild von Friedrichshain-Kreuzberg als Willkommensbezirk und erklärte, dass im Vorfeld der Eröffnung der Einrichtung eine enge Zusammenarbeit des LFU mit dem Bezirksamt und den direkt berührten Ressorts wie Jugendamt, Volkshochschule und auch mit der Polizei erfolgte. Ebenso wurde der Dialog mit den Nachbarn und den Kiez-Akteuren geführt und gefördert, mit dem Ziel, den Geflüchteten nicht nur ein Dach über dem Kopf bieten zu können, sondern auch Integration in die Nachbarschaft. Obwohl die Förderung des Landes für den gesamten Bezirk nur einen Teil des Bedarfes im Sozialraum um die Einrichtung decke, würde dieser priorisiert, um das Ziel einer guten nachbarschaftlichen Anbindung zu erreichen.
Apropos nachbarschaftliche Anbindung: Durch einen separaten Eingang ist die Kiezküche erreichbar. Hier sollen in Zusammenarbeit mit dem Betreiber Berlin Mondiale gUG ein Kochstudio und ein Mehrzweckraum für integrative Veranstaltungen mit Bewohnenden der Unterkunft und Nachbarn bespielt werden.
Erschienen in der gedruckten KuK vom Oktober 2026 (auf Seite 3).



