Vorstadtkrokodile

Robert S. Plaul hat die Neuverfilmung eines Kinderbuchklassikers gesehen

vorstadtkrokodileDie Vorstadtkrokodile verstecken sich. Foto: © 2008 Constantin Film Verleih GmbH

Um bei den Vorstadtkrokodilen, der „coolsten Jugendbande der Welt“ mitmachen zu dürfen, muss Hannes (Nick Romeo Reimann) als Mutprobe das Dach einer alten Ziegelei erklettern. Als er beim Abstieg abzustürzen droht, wird er von Kai (Fabian Halbig) gerettet, der die Szene per Fernrohr beobachtet und die Feuerwehr gerufen hat. Auch Kai wäre gerne bei den Krokodilen dabei. Einziges Problem: er ist querschnittsgelähmt, sitzt im Rollstuhl und wird als „Spasti“ verlacht, der noch nicht mal wegrennen kann, wenn’s brenzlig wird. Doch der durchaus selbständige Junge weiß etwas, das ihn für die Krokos interessant macht: Mit seinem Fernrohr hat er auch die Täter eines Einbruchs gesehen, auf deren Ergreifung eine hohe Belohnung ausgesetzt ist. Die Suche nach den Verbrechern verbindet die Kinder, doch als sich abzeichnet, dass einer der Täter der große Bruder von Krokodil Frank ist, drohen die Freundschaften auseinander zu brechen.

Regisseur Christian Ditter ist es gelungen, Max von der Grüns Kinderbuchklassiker von 1976 behutsam in die Gegenwart zu übertragen, ohne den Ruhrgebietscharme des Originals zu verlieren und vor allem ohne in eine unrealistische Pseudo-Jugendsprache zu verfallen. Zwar wurde die Bande von zehn auf acht Kinder reduziert, die meisten Namen geändert und die Biografien den heutigen Verhältnissen angepasst – so lebt etwa Hannes alleine mit seiner jungen Mutter (großartig gespielt von Nora Tschirner) – doch das, worum es geht, ist erhalten geblieben: Freundschaft, Mut und der Umgang mit Vorurteilen. Die schauspielerischen Leistungen der jugendlichen Darsteller sind beeindruckend, und die Rollen wirken realistisch. Denn anders als der Titelsong es behauptet, sind die Vorstadtkrokodile keine Superhelden, sondern ganz normale Kinder, wenngleich ziemlich coole. Nicht nur die minderjährigen Zuschauer dieses hervorragenden Familienfilms werden sich wünschen, selbst ein Krokodil zu sein. Die gesunde Mischung aus Spaß, Abenteuer und ernsten Themen bietet auch nach Ende der 98 Minuten genug Potential zum darüber Nachdenken und Reden.

Abgerundet wird der Film durch die Gastauftritte von Martin Semmelrogge (der schon zusammen mit seinem Vater Willy in der WDR-Verfilmung von 1977 mitspielte) als Minigolfplatzbesitzer und Ralf Richter als mürrischer Ruhrpottpolizist.

FSK 6, ab 26. März im Kino.

Cindy und Calle wieder da

Nach zweieinhalb Monaten sind Cindy und Calle wieder wohlbehalten in Kreuzberg angekommen. Die beiden Hobby-Globetrotter hatten sich Ende Dezember auf eine ausgedehnte Afrikareise begeben, bei der unter anderem auch die zuvor gesammelten Spenden für ein Frauenhaus in Mauretanien überbracht wurden. Auf der Hinreise hatte sie ihr treuer Mercedes-Bus begleitet, der in Gambia plangemäß verkauft wurde – dort wird er trotz roter Umweltplakette noch einige Jahre fahren dürfen. Weiter ging es dann mit Boot, Pferdekarren, Taxi und schließlich mit Flugzeug und Bahn. Trotz zahlreicher Komplikationen sind Cindy und Calle zufrieden. „Gehabte Schmerzen hab‘ ich gerne“, schreiben die beiden in ihrem letzten Reise-Newsletter. Nach der Ankunft heute morgen um acht Uhr, ist jetzt wohl erstmal ausschlafen angesagt. Schließlich müssen sie heute Abend fit sein, um mit den Daheimgebliebenen ihre Wiederkehr zu feiern – im Too Dark, wo alles anfing.

Glück und Pech und Willkür

»Glücksrad könnte auch zu Jubel führen, und Sie wissen, das dürfen Sie nicht.« Diese Auskunft einer Mitarbeiterin des Umweltamtes war wenig hilfreich für Gerald, Wirt des Anno64, der unlängst sämtliche Konzerte in seiner Kneipe bis auf weiteres absagen musste und jetzt nach Alternativen sucht. Denn für Live-Musik fehlt ihm die passende Konzession, und ohne beträchtlichen finanziellen Aufwand für Lärmschutzmaßnahmen und Gutachten wird sich daran auch nichts ändern. Denn was schon immer geduldet wurde, wird auf einmal behördlich verfolgt. Und damit ist Gerald nicht alleine. Die meisten Gastwirte im Kiez hatten schon Besuch vom Ordnungsamt und fühlen sich immer mehr gegängelt. Daher lud die KuK eine Reihe von Wirten zu einem Treffen ein, um über die Problematik zu sprechen.

Joachim vom Valentin konnte von ähnlichen Problemen berichten. Für seinen »Kabarettistischen Jahresrückblick« hatte er eigens eine Sondergenehmigung für 200 Euro beantragt – nachdem er einen längeren Behördenmarathon zwischen Ordnungs- und Umweltamt absolviert hatte. Dabei nützt ihm der teure Wisch im Zweifelsfall auch nichts, sollte es Beschwerden über Lärmbelästigungen geben. Und die gibt es bei fast jedem Gastronom, und sei es, weil er seine Gäste vorschriftsmäßig zum Rauchen vor die Tür schickt.

Vor die Tür schicken muss auch Sylvia ihre Gäste, denn weil es im hinteren Bereich Billard und Kicker gibt, herrscht im Logo trotz eigens eingerichtetem Raucherraum Rauchverbot. Gerade im Winter gehen da viele Gäste lieber gleich nach Hause statt noch auf ein Bier wieder reinzukommen. Andere Wirte, wie zum Beispiel Andreas vom Backbord, gerieten in Konflikt mit der behördlichen Definition von »zubereiteten Speisen«: Obwohl das Backbord unter die Einraumkneipenregelung des Bundesverfassungsgerichtes fällt, darf er das Rauchen nicht erlauben, ohne sein Essensangebot einzustellen. Genau das hat er jetzt getan, denn seinen Gästen ist die Möglichkeit, auch im Winter im Warmen zu rauchen, wichtiger.

»Glück und Pech und Willkür finden momentan ganz unten statt«, meint Andreas. Denn häufig scheint es von der Tagesform der Kontrolleure abzuhängen, was erlaubt sein soll und was nicht oder welche Bußgelder fällig werden.

So erntete dann auch Sylvias Vorschlag, sich einen gemeinsamen Rechtsbeistand zu suchen, der auch die einzelnen laufenden Verfahren miteinander vergleicht, regen Zuspruch. Überhaupt würde sie gerne eine Art Interessensgemeinschaft gründen, die dem Erfahrungsaustausch dienen soll. Zwar wurden organisatorische Details noch vertagt, doch einigte man sich darauf, sich auf jeden Fall wiedertreffen zu wollen. Dann sollen auch weitere ‚Schlachtpläne‘ geschmiedet werden, um die schwierige Situation gemeinsam zu meistern. Gefragt sein werden einerseits Ideen, wie die Bedrohung der Kneipenkultur auch politisch zu thematisieren ist, andererseits gilt es, die Probleme auch als Chance für neue Konzepte wahrzunehmen und zu nutzen. So hat etwa Gerald gerade ein neues Programm angekündigt – mit wöchentlichen Terminen für Kartenspiel und After-Work-Partys, letztere sogar mit Glücksrad. Jetzt kann er nur hoffen, dass der Jubel unbemerkt bleibt.

Der Wirtestammtisch trifft sich wieder am 16.3. um 18:00 Uhr im Mrs. Lovell’s in der Gneisenaustraße 53. Weitere interessierte Gastwirte sind herzlich eingeladen vorbeizukommen.

Erschienen in der gedruckten KuK vom März 2009.