Artikel mit dem Schlagwort ‘BVG’

Tageskommentar

8. Dezember 2018 (18:04)

Winter ist nicht irgendwann

U-Bahnhöfe sind gefährlich und eignen sich nicht wirklich gut als Übernachtungsplätze für eine wachsende Anzahl von Obdachlosen. Das hätte man schon im Sommer wissen können. Dass der Winter irgendwann vor der Tür stehen wird, ebenfalls. Trotzdem sah der Senat offenbar keinen Anlass, sich rechtzeitig um Alternativen für diejenigen Menschen zu kümmern, für welche die bereits existierenden Angebote der Kältehilfe eine zu hohe Hürde darstellen.

Das riecht nach Symbolpolitik: Hauptsache gute Gesinnung und große Worte – die Arbeit aber lässt man lieber andere machen. In diesem Fall die BVG, die aber mit der Betreuung von Wohnungslosen schlicht überfordert ist. Jetzt plötzlich sollen es neue »Warte- und Wärmehallen« richten – in zwei Wochen oder in drei Wochen oder halt irgendwann. Für eine Stadt wie Berlin ist das eher peinlich: Winter ist nicht in zwei Wochen oder an Weihnachten, sondern jetzt.

Soziales

8. Dezember 2018 (17:39)

Moritzplatz wird Kältebahnhof

BVG und Senat einigen sich doch noch auf eine gemeinsame Lösung

Der Ostwind bläst über den Moritzplatz. Es ist bitterkalt. Jetzt um Mitternacht ist auf dem U-Bahnhof nicht mehr viel los. Im Zwischengeschoss liegen zwei Obdachlose neben dem Geldautomaten, an der Wand gegenüber redet ein dritter laut mit sich selbst. Unten bei den Gleisen kauert ein weiterer Mann in sich versunken zwischen acht leeren Bierflaschen. Hier sind sie wenigstens vor der schneidenden Kälte geschützt. Die ganze Nacht über – auch nach der letzten U-Bahn um 0:54 Uhr – wird der Bahnhof bis zum Morgen offen bleiben.

Noteingang: Der U-Bahnhof Moritzplatz bleibt im Winter nachts für Obdachlose geöffnet. Foto: ksk

Nach längerem Streit haben sich die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und die Senatsverwaltung für Soziales endlich auf eine gemeinsame Lösung verständigt: Neben dem Moritzplatz (U8) öffnet auch Lichtenberg (U5) nachts für Obdachlose die Tore. Inzwischen wurden mobile Toiletten eingerichtet, Sicherheitsleute und Sozialarbeiter sollen regelmäßig vorbeischauen, auch der Kältebus wird die Bahnhöfe nachts anfahren. Von der Stadtmission stammt die Idee, direkt daneben beheizte Wartecontainer aufzustellen, die ständig besetzt sind und wo heißer Tee ausgeschenkt wird. Wie schnell das geht und wo genau sie dann stehen werden, ist noch unklar. »Auf jeden Fall noch vor Weihnachten«, verspricht Sprecherin Ortrud Wohlwend.

»Niemand wird in Berlin in kalten Nächten einfach auf die Straße geschickt«, hatte BVG-Chefin Sigrid Evelyn Nikutta verkündet. Und Sozialsenatorin El­ke Breitenbach (Linke) dankte allen Beteilig­ten, dass sie »in einer schwierigen Situation den Dialog gesucht und gemeinsam eine Lösung gefunden haben«. Tatsächlich hatte es hinter den Kulissen ganz gewaltig gekracht.

Erst verkündete die BVG im September, dass es diesen Winter gar keine Kältebahnhöfe geben werde. Begründet wurde das vor allem mit Sicherheitsbedenken. Wegen der wachsenden Anzahl von Wohnungslosen vor allem aus Osteuropa sei die Lage nicht mehr beherrschbar: Immer wieder stürzten Menschen ins Gleisbett oder verrichteten dort ihre Notdurft – was wegen der Stromschienen lebensgefährlich sein kann.

Als Sozialverbände diese Entscheidung als »unmenschlich« kritisierten, bot die BVG im Oktober rund 30 leerstehende Technikräume an. »Es gab eine Menge Begehungen«, bestätigt Regina Kneiding, Sprecherin der Senatsverwaltung für Soziales.

BVG sieht Bahnhöfe nur als Notnagel

Aber der Senat konnte sich mit keinem Vorschlag anfreunden, auch ein ungenutzter Fußgängertunnel am Alexanderplatz fiel unter den Tisch.Ende November sanken die Nachttemperaturen dann erstmals unter den Gefrierpunkt und der BVG blieb nicht anderes übrig als nachzugeben. »Es war klar, dass am Ende wieder alles an uns hängen bleibt«, schimpft Sprecherin Petra Reetz.

Die Zahl der Obdachlosen in Berlin wird auf 4.000 bis 6.000 geschätzt. Im Rahmen der Kältehilfe stehen bis zu 1.200 Übernachtungsplätze zur Verfügung. Die beiden U-Bahnhöfe sind für die ungefähr 80 bis 100 Menschen gedacht, die diese Einrichtungen aus unterschiedlichen Gründen nicht nutzen – weil sie ihren Hund mitnehmen, nachts Alkohol trinken, Drogen einwerfen oder einfach ihre Ruhe haben wollen. Manche haben auch psychische Probleme mit geschlossenen Räumen.

Für die BVG sind die Bahnhöfe trotzdem allenfalls ein Notnagel, aber keine Lösung. »Da können Sie sich nicht mal die Hände waschen«, sagt Sprecherin Reetz. Sie verlangt vom Senat alternative, niederschwellige Angebote. Dort setzt man offenbar auf die geplanten, noch gar nicht existierenden »Warte- und Wärmehallen« an den Bahnhofseingängen und feiert sie schon als Modellprojekt, das sich »dauerhaft etablieren« könnte.

Mehr Infos: Kältehilfe Berlin

Wärmebus des DRK: 0170 / 910 00 42

Kältebus der Berliner Stadtmission: 0178 / 523 58 38

Kommentar: Winter ist nicht irgendwann

Polizeimeldungen

26. September 2011 (15:20)

Knast statt Burger

Dank des schnellen Eingreifens von Zeugen wurde ein 17-jähriger Räuber in der Nacht zum Montag in Kreuzberg festgenommen. Der Jugendliche hatte kurz nach 1 Uhr eine Fastfoodfiliale in der Yorckstraße betreten, trat hinter den Kassenbereich und bedrohte einen 24-jährigen Angestellten mit einer Schusswaffe. Der Täter verlangte die Öffnung der Kasse, entnahm Geld und flüchtete die Yorckstraße entlang. Der 29-jährige Filialleiter bemerkte den Überfall, sprach zwischenzeitlich in einem nahegelegenen Imbiss drei Sicherheitsmitarbeiter der BVG an und bat um Hilfe. Die Mitarbeiter sahen den Räuber aus der Filiale flüchten, nahmen die Verfolgung auf und stellten ihn in der Nähe des U-Bahnhofes Mehringdamm. Alarmierte Polizeibeamte übernahmen den Festgehaltenen, der noch im Besitz der Beute und der Schusswaffe war. Der 24-Jährige erlitt bei dem Überfall leichte Verletzungen am Arm. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei der Direktion 5 dauern an.

Kiez

21. September 2011 (16:03)

Der Verkehr und der Heilige Vater

Benedikt XVI. macht den Südstern zum Nadelöhr

Ein Bett für den Papst gibt es in der Nuntiatur. Für die Anwohner im Umkreis eines halben Kilometers dagegen jede Menge Stress. Foto: rsp

[Aktualisierte Fassung!]

50.000 Katholiken gibt es in Berlin, von denen sich wohl die meisten auf den Besuch von Papst Benedikt XIV. zwischen dem 22. und 23. September freuen werden. Soweit sie jedoch rund um den Südstern leben, wird ihre Freunde möglicherweise auf eine harte Geduldsprobe gestellt werden.

Der Grund ist recht einfach. Während seines Besuchs wohnt das Staatsoberhaupt des Vatikanstaates nicht etwa in einer Nobelherberge, sondern in der eigenen Botschaft, der Nuntiatur, die in der Lilienthalstraße liegt, direkt neben der Johannes-Basilika, der Papstkirche in Berlin.

Es fängt bereits am 20. September mit den Einschränkungen an, also zwei Tage vor dem Eintreffen des Pontifex mit weiträumigen Sperrungen um den Südstern. Zwischen 6 und 18 Uhr wird es dort laut Polizeipräsidium zu Verkehrsbeinträchtigungen kommen.

Am 22. landet der Papst um 10:30 Uhr auf dem Flughafen Tegel. Derweil sind die Straßen rund um den Südstern bereits geräumt. Ab sechs Uhr dürfen keine Fahrzeuge, nicht einmal mehr Motorräder, Roller, Mofas oder Fahrräder auf den betroffenen Straßen stehen.

Von Tegel aus geht es aber nicht etwa in die Nuntiatur, sondern gleich ins Schloss Bellevue, wo Bundespräsident Christian Wulff das Oberhaupt der Katholiken empfängt.

Ob sich der Heilige Vater danach schnell in der Nuntiatur frisch machen wird, ehe er im Bundestag um 16:45 Uhr zu den Volksvertretern sprechen wird, ist nicht ganz klar, aber wenn dem so ist, dann wird der Verkehr um den Südstern erst einmal ruhen.

Vom Reichstag geht es dann ins Olympiastadion, wo die so lange umstrittene Messe jetzt doch stattfindet. Ursprünglich war sie vor dem Schloss Charlottenburg geplant.

Danach wird es am Südstern wieder eng, wenn sich Benedikt zur Nachtruhe begibt.

Um welche Straßen handelt es sich nun eigentlich? Sperrungen und Halteverbote gibt es auf der Hasenheide vom Haus 63 (Berliner Mieterverein) bis Südstern und auf der Nordseite von Hasenheide 58 bis Körtestraße. Schlimmer trifft es hingegen die Gneisenaustraße, die bis zur Baerwaldstraße betroffen ist, gleiches gilt für die Blücherstraße. Auch Lilienthal-, Zülichauer und Golßener Straße (bis Jüterboger Straße) sind davon betroffen. Anwohner müssen sich in den abgesperrten Bereichen mit ihrem Personalausweis identifizieren.

Der Trost bleibt, dass der ganze Spuk am nächsten Tag vorbei ist. Um 12 Uhr sollen die Sperrungen wieder aufgehoben werden. Allerdings weiß niemand, wie sich die Übernachtung des Papstes in der Nacht von Donnerstag auf Freitag auf die angrenzende Gastronomie auswirken wird. Die hat wenigstens einen Trost: Am Samstag beginnt dann schon das Berlin-Marathon-Wochenende – und da gibt es bestimmt wieder viel zu tun.

Bereits am Dienstag wurden in der Lilienthalstraße die Kanal- und Gullideckel versiegelt. Foto: rsp

Update: Anscheinend werden die Einschränkungen nicht so stark sein, wie anfangs befürchtet. Auf Rückfrage teilte der für die Maßnahmen rund um die Nuntiatur zuständige Polizeiabschnitt 55 mit, dass nur der Bereich unmittelbar um die vatikanische Botschaft von den Sperrungen betroffen ist. Zwar gilt in den angrenzenden Straßen ein umfassendes Halteverbot – auch für Mopeds und Fahrräder – doch kommt es nur während der An- und Abreise des Papstes tatsächlich zu Sperrungen für den Durchgangsverkehr. Auch der U-Bahnhof Südstern ist entgegen einer Meldung des Tagesspiegels laut BVG ganz normal geöffnet. Allerdings werden die dazugehörigen Bushaltestellen zwischen Donnerstagmorgen und Freitagmittag nicht angefahren. Wegen der derzeitigen Bauarbeiten auf der U7 wirkt sich das dann aber nicht erst auf den Nachtverkehr (N7), sondern bereits auf den ab ca. 22 Uhr verkehrenden Schienenersatzverkehr aus.

Aufatmen können auch die in der Gneisenaustraße ansässigen Gastronomen und Ladenbesitzer: Laut Polizei steht einer Öffnung nichts entgegen. Lediglich in der Lilienthalstraße ist der Zutritt ausschließlich für Anwohner mit Personalausweis möglich. Ein Ausweisdokument mit sich zu führen, dürfte sich aber grundsätzlich für alle Besucher der Gegend empfehlen. (rsp)

Kiez

1. November 2009 (21:28)

Bau auf, Bau auf

Baustellen legen Verkehr in Kreuzberg lahm

Hier baut der Bund: Baustelle Gneisenau.

Foto: piHier baut der Bund: Baustelle Gneisenau. Foto: pi

Selbst das Bauamt hat es inzwischen wohl aufgegeben und den Überblick über die Baustellen verloren. Eine Liste gibt es jedenfalls nicht. Nur soviel ist klar: Die Bauorgie im Bezirk wird noch einige Wochen weitergehen.

Ärgerlich ist es für die Autofahrer vor allem, wenn sie in Ost-West-Richtung unterwegs sind. Die drei Magistralen Gitschiner/Skalitzer, Urbanstraße und Gneise­nau­straße sind alle unterschiedlich von Baustellen betroffen. Es nützt also nicht besonders viel, von der einen auf die andere auszuweichen.

Hart hat es die Bewohner rund um den Südstern getroffen. Seit gefühlten fünf Jahren wird da nun gebaut. Grund war der Umbau des U-Bahnhofs. In den letzten Jahren waren sogar Karneval der Kulturen und der Berlin-Marathon immer wieder gezwungen gewesen, ihre angestammten Routen zu verändern. Endlich, so schien es, war ein Ende abzusehen. Die Anlagen nördlich der Kirche waren frisch eingesät, die letzten Bagger verschwunden, und dann kamen schon die nächsten. Jetzt wurde die Fahrbahndecke im Zuge der Stra­ßen­sa­nie­rung erneuert.

Inzwischen ist auch die Zufahrt zur Blücherstraße blockiert, womit eine weitere Ausweichmöglichkeit, dem zwangsläufigen Stau in der Gneisenau zu entkommen, genommen ist.

Immerhin outet sich der Übeltäter an der Gneisenau sehr klar. Hier baut nämlich die Bundesregierung, die dem staunenden Autofahrer mehr oder weniger aufdringlich auf einem Schild klarmacht, dass die Gelder aus dem Konjunkturpaket II gerade in der Gneisenaustraße verbuddelt werden.

Wenn diese Gelder ihre segensreiche Wirkung getan haben werden, dann wird der Verkehr wunderbar und ungestört durch die Gnei­se­nau­straße rollen? Von wegen. Die BVG saniert derzeit die Tunnel der U7, und das bleibt auch nicht ganz ohne Auswirkungen auf den oberirdischen Verkehr.

Wer sich dem Ost-West-Chaos entziehen will, der kann es ja einfach mit einer Nord-Süd-Verbindung versuchen. Auf der Baerwald- und Prinzenstraße kommt er allerdings auch nicht besonders weit. Auch hier wird seit Wochen gebaut. Dann nichts wie raus aus der Stadt, am besten über die Stadtautobahn, doch um dorthin zu kommen, muss der Autofahrer erstmal den Engpass auf dem Tempelhofer Damm passieren.

Bleibt noch die U-Bahn zu benutzen. Aber bitte nicht die U1. Zwischen Warschauer Brücke und Kotti gibt es Schienenersatzverkehr. Vorausgesetzt, der Bus steckt nicht im Stau fest.

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