Heimtückischer Überfall am Südstern: Am Donnerstag Abend wurde einem Mann sein Fahrrad in Kreuzberg geraubt. Der 36-Jährige stand gegen 23 Uhr 50 auf einem Treppenabsatz auf dem U-Bahnhof Südstern und lehnte dabei an seinem Fahrrad. Eine unbekannte Person, die ihn zunächst ansprach und in ein Gespräch verwickelte, schubste den Fahrradbesitzer plötzlich die Treppe hinunter. Der Räuber nahm sich das Rad und fuhr davon. Das Opfer verletzte sich durch den Sturz an den Knien und begab sich selbst in ärztliche Behandlung. Die Kriminalpolizei ermittelt.
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Lange Nacht der Sachbeschädigung
Gestern und in der vergangenen Nacht sah sich die Polizei berlinweit mit einer Reihe offenbar politisch motivierter Straftaten konfrontiert, darunter zahlreiche Sachbeschädigungen.
Wie die Berliner Polizei berichtet, wurde bereits gestern in den frühen Morgenstunden das ver.di-Gebäude im Bona-Peiser-Weg in Mitte mit mehreren gewerkschafts- und polizeifeindlichen Schmierereinen verunziert.
In Mitte wurden fünf Autos – zwei Mercedes, zwei 3er BMW und ein Dodge – Opfer von Scratchings, die sich beispielsweise gegen „Bonzen“ richteten.
Auch am Abend gab es zahlreiche Fälle von Sachbeschädigung zu vermelden: In der Warschauer Straße in Friedrichshain etwa kam es zu Vandalismus im Vorraum einer Sparkassenfiliale, in Tempelhof wurde das Gebäude der Bundesagentur für Arbeit mit einem Schriftzug politischen Inhalts versehen, und auch in Kreuzberg in der Liegnitzer Straße mussten die Bewohner eines Gebäudes mit Loftwohnungen Sprünge in den gläsernen Haustüren beklagen.
In Mitte wurde ein Citroen mit französischem Kennzeichen in den Abendstunden Ziel eines Brandanschlags.
Bereits im Laufe des Nachmittags hatten sich 40 Personen unberechtigt auf einem umzäunten Gelände in der Rigaer Straße in Friedrichshain niedergelassen, vier Zelte aufgebaut und Transparente an den Zäunen angebracht. Die 27 Männer und 13 Frauen hatten Tische, Bänke, Lebensmittel und Kochgelegenheiten mitgebracht sowie Material zum Herstellen von Transparenten. Die Polizei räumte, stellte die Personalien fest und erteilte Platzverweise. Der Einsatz verlief ruhig.
Messerstiche unter Bekannten
In der vergangenen Nacht kam es in der Skalitzer Straße gegen 2:30 Uhr zu einer Messerstecherei. Wie die Berliner Polizei berichtet, handelt es sich offenbar um einen Streit im Bekanntenkreis. Ersten Ermittlungen zufolge hatte ein 26jähriger einen 24jährigen mit einem Messer bedroht und Geld sowie persönliche Gegenstände verlangt. Der Bedrohte überreichte die geforderten Sachen, als der Ältere unvermittelt mehrmals auf ihn einstach. Dieser wehrte sich nun ebenfalls mit einem Messer und verletzte seinen Kontrahenten. Beide Männer kamen mit schweren Verletzungen zur stationären Behandlung in Krankenhäuser. Gegen den 26jährigen wurde ein Verfahren wegen eines versuchten Tötungsdeliktes, gegen den 24jährigen eines wegen gefährlicher Körperverletzung eingeleitet. Eine Mordkommission hat die weiteren Ermittlungen übernommen.
Warenhaus überfallen
Vier maskierte Täter haben gestern Abend ein Einrichtungsgeschäft in Kreuzberg überfallen. Die Räuber betraten das Geschäft am Blücherplatz gegen 20:30 Uhr durch den Hintereingang und bedrohten zwei Angestellte mit Schusswaffen und Messern. Die Unbekannten raubten diverses Bargeld und die Mobiltelefone der beiden 44jährigen Männer. Anschließend flüchtete das räuberische Quartett in Richtung Mehringdamm. Die Angestellten blieben unverletzt. Ein Raubkommissariat des Landeskriminalamtes hat die weiteren Ermittlungen übernommen.
Unterwegs in Sachen Weltfrieden
Stefan Horvath wandert für den Weltfrieden. Foto: pskAußergewöhnlicher Besuch in der KuK-Redaktion: Der Weltfriedenswanderer Stefan Horvath aus Wien schaute auf einen kurzen Besuch herein, um Kreuzberg zu grüßen. Der 50jährige ist jetzt schon 20 Jahre auf Schusters Rappen unterwegs, um für den Weltfrieden zu werben. 48.000 Kilometer ist er seither gewandert. Das entspricht etwa einmal einer Wanderung entlang des Äquators mit einem kleinen Abstecher nach New York und zurück. Angefangen hatte bei ihm alles mit dem Fall der Mauer und der Erkenntnis, dass er nun hinaus in die Welt müsse, um für dieselbe etwas zu tun. So führte ihn seine Ein-Mann-Friedensmission zum Beispiel bis ins afrikanische Ruanda.
Derzeit ist er in Deutschland unterwegs. Berlin ist dabei stets ein ganz besonderer Anlaufpunkt für ihn. Vor allem Kreuzberg und Schöneberg schätzt er ganz besonders. Diesmal steht allerdings nicht der Weltfrieden im allgemeinen, sondern die Kinderarmut in Deutschland auf seiner Agenda. Gegen sie wendet er sich speziell bei dieser Wanderung. Der ehemalige Bauunternehmer hat mittlerweile zahlreiche Einrichtungen gefunden, die ihn in seinem Wirken unterstützen.
Hexenfeste
Die Walpurgisnacht, also die Nacht zum 1. Mai, stand dieses Jahr nicht nur für Randale in Friedrichshain, sondern auch für ausgelassene Partys bei uns im Kiez. Die schönsten Eindrücke haben wir in einer Fotostrecke zusammengestellt.
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Die Kleingärtner am Gleisdreieck können nun doch erstmal bleiben
Empörung auf der Empore des BVV-Saals im Kreuzberger Rathaus bei der gemeinsamen Sitzung von Bau- und Sportausschuss. Foto: csFür die Kleingärtner am Gleisdreieck waren die letzten Wochen trotz Frühjahrswetter alles andere als entspannend. Ohne es vorher mit ihnen zu besprechen, hatte das Bezirksamt ihr Gelände zur Disposition gestellt. Bezirksbürgermeister Dr. Franz Schulz ließ ein Bauvorhaben für zwei wettkampfgerechte Trainingsplätze samt Funktionsräumen für den Sportverein Türkiyemspor auf die »überbezirkliche Dringlichkeitsliste« setzen und beantragte Mittel in Höhe von 5,5 Millionen Euro beim Senat. Nur ein Bruchteil der Parzellen wäre erhalten geblieben. Die anderen – und mit ihnen rund 300 Obst- und Laubbäume – wären der Planierraupe zum Opfer gefallen. Als die Laubenpieper Wind von den Plänen des Bezirks bekamen, waren sie entrüstet. »Es zeugt von mangelnder politischer Sensibilität, ausgerechnet eine interkulturelle Kleingartenkolonie und ein integratives multiethnisches Sportprojekt gegeneinander aufzustellen«, schreiben sie in einem Flugblatt. Seit gut 60 Jahren existiert die Kolonie, die von Bahnern nach dem Krieg auf den Trümmern des Potsdamer Güterbahnhofs aufgebaut wurde. »Nicht nur Prellböcke, Gleise und Kopfsteinpflaster erzählen von der Bahngeschichte, sondern auch die Kleingärten«, meint Kolonievorsitzender Klaus Trappmann. Waren es früher überwiegend Bahnarbeiter, die hier in ihrer kargen Freizeit Gemüse für den Eigenbedarf anbauten und einen Ausgleich zu ihrem harten Beruf fanden, so ist die »Kleingartenkolonie Potsdamer Güterbahnhof« heute bunt durchmischt – sowohl vom Alter her, als auch was die Herkunft angeht. Menschen aus neun Nationen verbringen hier ihre Freizeit miteinander.
Doch nun sollte all das vorbei sein. Zwar sind die Pläne, Sportanlagen auf dem Gleisdreiecksgelände zu errichten, nicht neu, bisher war man aber von Planungssicherheit bis mindestens 2014 ausgegangen. Doch nun ging alles ganz schnell: Nach dem Antrag beim Senat hatte das Bezirksamt dem Bauplanungsausschuss einen Beschluss für das Areal vorgelegt, der eine Umwidmung des Kleingartengeländes in der südwestlichen Ecke des Gleisdreiecks zu einer Nutzung als Sportfläche vorsah.
Fast zeitgleich offerierte die Senatsinnenverwaltung dem Sportverein Türkiyemspor den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark im Prenzlauer Berg als Heimatstadion – verbunden mit einer Finanzspritze für den notwendigen Umbau in Höhe von 6 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II. Damit hätte der Kreuzberger Traditionsverein nach 30 Jahren endlich einen festen Platz für Training und Turniere, ohne dass Kleingärten weichen müssten. Doch dann geisterte die Meldung durch die Presse, dass das Bauprojekt am Gleisdreieck trotzdem stattfinden solle.
Ein bisschen Idylle mitten in der Stadt Foto: pskVon der gemeinsamen Sitzung des Bauplanungs- und Sportausschusses am 22. April erhofften sich die Kleingärtner eine Klärung und die Möglichkeit, ihren Standpunkt nochmal darzulegen.
Als ihr Anliegen dann endlich verhandelt wurde – zuvor ging es noch um zwei Friedrichshainer Wagenburgen, deren Bewohner ebenso zahlreich wie die Kleingärtner erschienen waren – ging alles einfacher als gedacht. Klaus Trappmann bekam Gelegenheit, auf die Wichtigkeit von Kleingärten hinzuweisen, die vom Bezirk scheinbar als »Vorhaltefläche für kommunale Bauprojekte« gesehen würden und mahnte die Beteiligung der Kleingärtner an, die bereits vor einem Jahr von der BVV beschlossen worden war.
Dann kam Bezirksbürgermeister Schulz zu Wort, der eingestehen musste, dass die Planung von der Realität überholt worden war: Zum einen wusste man damals nichts von den Plänen der Senatsinnenverwaltung, zum anderen habe man festgestellt, dass der Platz auf dem Gelände der Kleingärtner überhaupt nicht ausreichen würde, um wie geplant zwei wettkampfgerechte Sportplätze zu errichten. Wenn aber höchstens ein Platz möglich sei, käme man nicht auf eine Summe von über 5 Millionen Euro. Damit ließe sich das Bauvorhaben aber nicht über die Dringlichkeitsliste vom Senat finanzieren, sondern müsste vom Bezirk bezahlt werden. Zwar beharrte Bezirksstadträtin Sigrid Klebba auf den Bau wenigstens eines großen Platzes, doch da war die Entscheidung eigentlich schon getroffen. Schulz räumte ein, der Beschluss sei zurückzuziehen, und selbst die Vorsitzende des Sportausschusses Jutta Schmidt-Stanojevic hielt ein flammendes Plädoyer für die Laubenpieper und schlug vor, über alternative Orte wie etwa das Flughafengelände in Tempelhof nachzudenken.
Zum Glück ist das keine Entscheidung, die in Kreuzberg gefällt werden muss. Dort ist man jetzt wieder auf dem Stand von 2008.
Erschienen in der gedruckten KuK vom Mai 2009.
