Was tun bei Großschadenslage?

BVV beschäftigt sich mit dem Thema Katastrophenschutz

Auf diese Rohrleitungsbrücke über den Teltowkanal wurde ein Brandanschlag verübt. Foto: Lienhard Schulz (CC BY-SA 3.0)

Rund 45.000 Haushalte und mehr als 2.200 Betriebe im Südwesten Berlins waren Anfang Januar von einem Brandanschlag betroffen, der die Stromversorgung teilweise mehr als vier Tage lang lahmlegte – und damit nicht nur Beleuchtung, Telekommunikation und Elektroherde von rund 100.000 Menschen, sondern auch die meisten Heizungen, unabhängig vom Energieträger.

Doch wie sicher ist das Stromnetz vor weiteren Anschlägen, beispielsweise in Kreuzberg? Und wie gut ist der bezirkliche Katastrophenschutz auf derartige Großschadenslagen vorbereitet?

Mit seinen insgesamt 35.000 Kilometern Leitungen ist das Berliner Stromnetz das größte städtische Netz Europas. 99 Prozent der Leitungen seien bereits unterirdisch verlegt, erklärt Henrik Beuster, Pressesprecher von Stromnetz Berlin. »Das macht das Netz grundsätzlich sehr resilient.« Die noch überirdisch verlaufenden Leitungen sollen bis in die 2030er Jahre ebenfalls unter die Erde gebracht werden. Eines sei aber auch klar: »Einen 100-prozentigen Schutz unserer Infrastruktur wird es nicht geben können.«

Derzeit sei man mit vielen Partnern in der Stadt und auf Bundesebene im engen Austausch darüber, was man aus dem Brandanschlag ableiten kann und muss. 

Auch die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) beschäftigte sich im Januar mit dem Thema. In einer Großen Anfrage hatte die Grünen-Fraktion sich beim Bezirksamt erkundigt, wie es um den Ka­ta­stro­phen­schutz in Friedrichshain-Kreuzberg bestellt sei.

Bezirksstadtrat Andy Hehmke (SPD), der die Anfrage beantwortete, nutzte die Gelegenheit auch für Kritik an der Landesebene. Angesichts  der »vielfältigen Bedrohungen der Funktionsfähigkeit unserer Infrastruktur und damit auch der Bedrohung unserer Bevölkerung« sei das Thema Katastrophenschutz »viel zu lange und zu Unrecht unterbelichtet« gewesen.

Finales Organisationskonzept fehlt noch

Inzwischen habe aber auch die Landesebene anerkannt, »dass der bezirkliche Katastrophenschutz, aber auch die Krisenvorsorge bei Großschadens- und Schadensereignissen unterschiedlichster Art und die Resilienz der öffentlichen Infrastruktur allgemein gestärkt werden müssen.«

Während der Bezirk immerhin über 250 Feldbetten und Schlafsäcke verfüge, um Notübernachtungsplätze in bezirklichen Einrichtungen zur Verfügung stellen zu können, hapere es aber etwa bei den sogenannten Katastrophenschutz-Leuchttürmen und -Informationspunkten, die als Anlaufstellen für die Bevölkerung dienen sollen. Bei diesem Landesprojekt fehle es noch am finalen Organisationskonzept.

Auch verfügt das Bezirksamt nicht über eine Liste pflegebedürftiger Personen, die nicht stationär gepflegt werden, im Krisenfall aber evakuiert werden müssten. Hier fehle schlicht die gesetzliche Ermächtigung für entsprechende Register. Stattdessen greife das Bezirksamt auf bestehende Kooperations- und Kommunikationsstrukturen mit ambulanten Pflegediensten, stationären Pflegeeinrichtungen sowie den regional zuständigen DRK-Kreisverbänden zurück. Darüber hinaus sei das Amt für Soziales abrufberechtigt in der Datenbank des Vereins Notfallregister e.V., der Daten zur bedarfsgerechten Unterstützung von Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen auf freiwilliger Basis erfasst.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Februar 2026 (auf Seite 1).

Neonazis fackeln Revolutionsladen ab

Übergriffe von Rechtsextremisten nehmen zu

Zum Glück keine Verletzten. Die verbrannte Auslage des »M99«. Foto: Andreas Potzlow

Ende Oktober verübten Neonazis einen nächtlichen Brandanschlag auf den linksalternativen Laden »M99« in der Manteuffelstraße. Nachdem sie die Auslage des Geschäftes in Brand gesetzt hatten, griff das Feuer auf die Fassade des Wohnhauses über. Laut Geschäftsführer Hans-Georg Lindenau entstand ein Sachschaden von rund 4000 Euro. Das Feuer konnte relativ schnell von der anrückenden Feuerwehr gelöscht werden, so dass glücklicherweise niemand verletzt wurde.

In derselben Nacht kam es zu neonazistischen Sprühereien an dem benachbarten Szeneladen »Red Stuff« und in Neukölln. Dort wurden unter anderem die Scheiben von zwei Kiezinitiativen durch Steinwürfe zerstört und eine Morddrohung an die Wand eines Gewerkschafters gesprüht, der in einem Prozess gegen Neonazis ausgesagt hatte.

Eine weitere Morddrohung wurde in einem Hausflur in Kreuzberg entdeckt. Auch diese betroffene Antifaschistin hatte in einem Prozess gegen Nazis ausgesagt.

Am Abend darauf versammelten sich spontan etwa 300 Linke am Heinrichplatz, um gegen die Angriffe zu demonstrieren. Sie brannten Feuerwerkskörper ab und machten durch Parolen und Transparente auf sich aufmerksam. Als die Polizei anrückte, kam es zu Rangeleien und Festnahmen.

In Neukölln planen lokale Initiativen derweil den zweiten Langen Tag gegen Nazis. Am 13. November wollen sie bei Informations- und Kulturveranstaltungen im Kiez Stellung beziehen. Vorbeischauen lohnt sich bestimmt.

Mehr Informationen zu der Veranstaltung gibt es unter neukoelln.blogsport.de

Erschienen in der gedruckten KuK vom November 2010.

Lange Nacht der Sachbeschädigung

Gestern und in der vergangenen Nacht sah sich die Polizei berlinweit mit einer Reihe offenbar politisch motivierter Straftaten konfrontiert, darunter zahlreiche Sachbeschädigungen.

Wie die Berliner Polizei berichtet, wurde bereits gestern in den frühen Morgenstunden das ver.di-Gebäude im Bona-Peiser-Weg in Mitte mit mehreren gewerkschafts- und polizeifeindlichen Schmierereinen verunziert.

In Mitte wurden fünf Autos – zwei Mercedes, zwei 3er BMW und ein Dodge – Opfer von Scratchings, die sich beispielsweise gegen „Bonzen“ richteten.

Auch am Abend gab es zahlreiche Fälle von Sachbeschädigung zu vermelden: In der Warschauer Straße in Friedrichshain etwa kam es zu Vandalismus im Vorraum einer Sparkassenfiliale, in Tempelhof wurde das Gebäude der Bundesagentur für Arbeit mit einem Schriftzug politischen Inhalts versehen, und auch in Kreuzberg in der Liegnitzer Straße mussten die Bewohner eines Gebäudes mit Loftwohnungen Sprünge in den gläsernen Haustüren beklagen.

In Mitte wurde ein Citroen mit französischem Kennzeichen in den Abendstunden Ziel eines Brandanschlags.

Bereits im Laufe des Nachmittags hatten sich 40 Personen unberechtigt auf einem umzäunten Gelände in der Rigaer Straße in Friedrichshain niedergelassen, vier Zelte aufgebaut und Transparente an den Zäunen angebracht. Die 27 Männer und 13 Frauen hatten Tische, Bänke, Lebensmittel und Kochgelegenheiten mitgebracht sowie Material zum Herstellen von Transparenten. Die Polizei räumte, stellte die Personalien fest und erteilte Platzverweise. Der Einsatz verlief ruhig.