Der große Frust am Snooker-Tisch

Die KuK-Redaktion verschwendet ihre wertvolle Freizeit beim Spiel mit bunten Bällen

Snooker-Spielen will gelernt sein – insbesondere wenn Mitredakteure kritisch dabei zuschauen. Foto: ksk

Es fühlt sich an wie das Meer. Gut, da sind keine Wellen und es ist auch nicht blau, sondern grasgrün, aber der Tisch ist mindestens genau so groß. Am anderen Ufer sind vage die Umrisse eines roten Balls zu erkennen. Den muss man jetzt mit dem anderen, dem weißen Ball, treffen, und am Ende läuft es natürlich gerade so wie befürchtet: Der Stoß geht daneben, und man ist schon froh, die Weiße nicht verfehlt zu haben.

Das ist Snooker.

Snooker ist eigentlich mein Lieblingssport. Es fühlt sich wunderbar an, im warmen Sessel zu sitzen, eine Tüte Chips auf den Knien, und Ronnie O’Sullivan beim Potten zuzusehen. Am Anfang wirkt das Spiel ein wenig langweilig, und tatsächlich hat es fast ein Jahr gedauert, bis ich mir die Reihenfolge merken konnte, in der die bunten Bälle in ihre Löcher plumpsen müssen.

Aber langsam offenbaren sich die Feinheiten. Wie raffiniert ist das denn, den Gegner so zu blockieren, dass er keine Kugel mehr anspielen kann! Ich begriff, dass es vor allem auf die Ablage ankommt, auf den nächsten und den übernächsten Stoß! Schon ist man Fan, und so wie sich andere über Dortmund, Hertha oder den VfB ereifern, streitet man plötzlich über Ronnie »The Rocket« und John Higgins. Was für ein geniales Spiel!

Soweit die Theorie.

Dann steht der Autor plötzlich im Ballhaus in der Bergmannstraße am Snookertisch, der mit seinen 3,56 mal 1,78 Metern wirklich gewaltig ist, und versteht die Welt nicht mehr. Eben noch fühlte er sich als erwachsener Mann, der elegant rückwärts einparken kann, wahrscheinlich mit Leichtigkeit einen Bagger, vielleicht sogar ein Überschallflugzeug lenken könnte – aber die dämlichen Bälle weigern sich beharrlich, in den Löchern zu verschwinden, in die sie gehören.

Vielleicht fehlt es an der richtigen Haltung? Also Beine auseinander, Oberkörper nach unten, Kinn aufs Queue. »Du weißt schon, dass du Rücken hast?«, lässt sich der Rücken vernehmen. Und die Gleitsichtbrille, die auf die Nasenspitze rutscht, ist auch nicht wirklich amüsiert.

Ab und zu ein scheuer Seitenblick zu den KollegInnen. Glücklicherweise scheinen die vor allem mit ihrem eigenen Unglück beschäftigt und kriegen gar nicht mit, was man für ein Loser ist. Keine Frage: Das Queue in der rechten Hand fühlt sich ganz cool an. Es kommt auch gut, mit nachdenklicher Miene einmal rund um den Tisch zu spazieren, als ob man über komplizierte Stellungen brüten würde. Nur wäre es eben auch ganz schön, wenn das mit dem Einlochen besser klappen würde.

Nach viereinhalb Stunden haben alle fürs Erste genug. Im Laufe des Abends habe sie Fortschritte wahrgenommen, freut sich die Kollegin – »von abgrundtief schlecht zu ganz normal schlecht«. Ein Mit-Redakteur war beeindruckt »von der schieren Größe des Sportgeräts«. Ein zweiter ist frustriert. Er spiele lieber am Computer, sagt er: »Dort klappt es schon ziemlich gut.«

Auch der Autor zieht sich nach ein paar Bierchen an den heimischen Bildschirm zurück. Chips und Gummibärchen halt. Um sich dann das Maximum Break von Ronnie O’Sullivan von 1997 in fünf Minuten, 20 Sekunden reinzuziehen. Meine Fresse, ist das ein geniales Spiel!

Ballhaus, Bergmannstraße 102: Mo-Sa ab 17 Uhr, So ab 15 Uhr. Wer Pool lernen will, kann im Ballhaus auch Unterricht bekommen.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Februar 2019.

Auf dem Trockenen

Kreuzberg gehen im Winterhalbjahr die Bäder aus

Keine Wellen mehr im Wellenbad: Ab September bleibt das Bad am Spreewaldplatz zweieinhalb Jahre lang geschlossen. Foto: ksk

Kreuzberg liegt bedauerlicherweise nicht am Meer – Prinzenbad und Landwehrkanal sorgen immerhin für einen gewissen Ausgleich. Im Winterhalbjahr jedoch sitzen Schüler und Vereine bald auf dem Trockenen. Das geht aus den kürzlich vorgestellten Plänen der Berliner Bäder-Betriebe hervor.

In Friedrichshain wurde die Schwimmhalle Holzmarktstraße bereits vergangenen Oktober geschlossen, sie soll durch einen Neubau ersetzt werden. Jetzt erwischt es aber auch das Wellenbad am Spreewaldplatz: Im September steht dort eine umfassende Modernisierung an, die nach Angaben der Bäder-Betriebe zweieinhalb Jahre dauern wird. »Die Bauarbeiten sind gute Nachricht für die Bäder«, sagte Vorstand Andreas Scholz-Fleischmann.

Das Baerwaldbad gehört jetzt wieder dem Bezirk. Foto: ksk

Für Kreuzberger Badefreunde sind es eher schlechte Nachrichten. Schülerinnen und Schüler müssen nun in Nachbarbezirke gefahren werden. Beim Bezirkssportbund heißt es, die langen Wege seien eine Zumutung. Für Vereine, berichtet die »Berliner Morgenpost«, sei die Lage existenzbedrohend.

Als Ausgleich soll jetzt im Prinzenbad auf der Liegewiese nahe dem Eingang ein »kleines Interims-Hallenbad« mit 25-Meter-Becken aufgestellt werden. Es könnte viele Jahre nutzbar sein – wann es fertig ist, steht aber noch nicht fest.

Währenddessen ist das seit 2017 geschlossene Baerwaldbad wieder Eigentum des Bezirks. Die weitere Zukunft des historischen Bades mit seiner beeindruckenden Architektur ist allerdings ungewiss. Die Kosten der notwendigen Sanierung könnten sich nach groben Schätzungen auf bis zu 30 Millionen Euro belaufen.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Februar 2019.

Alleine am Südstern

Zuschauer sehen den sensationellen Alleingang des neuen Marathonweltrekordhalters

Kipchoge und der letzte Hase: Auf der Gneisenaustraße war der Olympiasieger schon ziemlich alleine. Foto: ksk

Es war einiges anders beim Berlin-Marathon 2018. Erdoğan-Besuch und Bayern-Gastspiel hatten schon für eine Vorverlegung gesorgt. Die Startzeiten hatten sich geändert, aber das eigentlich Sensationelle ereignete sich auf dem 42 Kilometer langen Rundkurs.

Zuschauer, die schon früh an der Strecke standen, um die Spitzenläufer anzufeuern, erlebten eine kolossale Überraschung. Es gab nicht mehrere Spitzenläufer zu bejubeln, sondern genau einen einzigen. Das hatte es in dieser Form noch nicht gegeben. Als der Kenianer Eliud Kipchoge schon fast am Südstern war, erreichten seine Verfolger gerade den Hermannplatz. Nur drei Tempomacher begleiteten ihn noch, von denen auf der Gnei­se­nau­straße zwei auch noch ausstiegen. 

In all den Jahren war es stets so gewesen, dass sich auf der langen Geraden zwischen Hermannplatz und Yorckstraße eine Spitzengruppe von vier bis fünf Läufern belauert hatte. Doch der 33-jährige Kenianer, der im Jahr zuvor beinahe an den Sohlen seiner Laufschuhe gescheitert wäre – und trotzdem gewann – ließ dieses  Jahr schon nach wenigen Kilometern keine Zweifel mehr aufkommen, wer hier der Sieger sein würde. 

In Kreuzbergs Süden, der etwa die Hälfte des Rennens markierte, war im Grunde alles entschieden. Dass es auch noch einen Weltrekord geben sollte, war mindestens zu erahnen. Doch mit seiner Fabelzeit von 2:01:39h schockte Kipchoge die Fachwelt. Inzwischen wird munter darüber spekuliert, wann Berlin erstmals einen Marathonläufer sehen wird, der die Strecke unter zwei Stunden meistert.

Keine Chance hatte auch die rbb-Marathonstaffel, die seit einigen Jahren versucht, schneller als der jeweilige Sieger zu sein. Das hatte zuletzt auch immer wieder geklappt. Doch dieses Mal scheiterte die Staffel nicht nur an dem Fabelweltrekord Kipchoges. Bei Kilometer 19 auf der Gneisenaustraße suchte der Staffelläufer vergebens nach seinem Partner, dem er den Staffelstab hätte übergeben können. Der hatte sich beim Warmmachen verlaufen und war nicht rechtzeitig in die Wechselzone gekommen. So musste der Läufer für den Abschnitt Kilometer 18 bis 19 auch noch den 20. Kilometer in Angriff nehmen. Damit waren die Chancen dahin.

Der Stimmung tat das keinen Abbruch. Im Kiez begleiteten wieder Tausende von begeisterten Zuschauern bei strahlendem und windstillem Wetter diesen größten deutschen Sportwettbewerb. Fast 45.000 Läufer waren dieses Mal auf die Strecke gegangen, von denen 40.775 auch das Ziel erreichten.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Oktober 2018.