Ziemlich glückselig

Die »Balkan Beats« mischen regelmäßig das Lido auf


Normalerweise bin ich ja auch eher dafür, Künstler zu empfehlen. Die haben die gleichen Songs, über die kann man reden und man kann sie wieder und wieder anhören. Bei Partys ist das schon etwas anderes. Da gibt es auch Künstler – unter Profis auch DJs genannt – aber die sind eben immer andere und haben auch immer andere Songs dabei, die sie manchmal auch nur einmal so spielen, wie genau dieses eine Mal.

Doch trotzdem hat sich eine Kreuzberger Party nun schon sehr oft als sehr gut und darin auch konstant bewiesen. Es geht um »Balkan Beats«. An jedem zweiten Samstag im Monat wird das Lido in der Cuvrystraße auf den Kopf gestellt: Verschiedene Musiker verwandeln die Besucher des Clubs – mit Instrumenten oder Mischpult – für einen Abend in eine riesige, tanzende, trinkende und ziemlich glückselige, bosnische Hochzeitsgesellschaft. Das Parkett des Lidos hüpft dabei gleichsam fröhlich auf und ab. Die Künstler verbinden die von Akkordeon, Dudelsack und Blasinstrumenten geprägte osteuropäische Musik mit viel Bass und einer Prise Elektroswing und heraus kommt eine Art, bei der mit Sicherheit kein Bein stehen bleibt.

Das nächste Mal kann man dieses nächtliche Tanz Work-Out am 14. April erleben. Vorher spielt noch die Band Marko Marković aus Serbien, die sich dem jungen Crossover des sogenannten Balkan Brass verschrieben hat. Ab 21 Uhr geht es los, 12 Euro kostet der Eintritt, wer erst nach Mitternacht kommt, zahlt nur noch 7 Euro.

Erschienen in der gedruckten KuK vom April 2018.

Die Stunde der Begehrlichkeiten

47.000 Quadratmeter sind eine verdammt große Fläche. Und auch eine Fläche, die Begehrlichkeiten weckt. Offiziell wird die Fläche Ende Juni an das Land Berlin rückübertragen. Es handelt sich um das heftig umstrittene Dragonerareal, das um ein Haar an einen Investor in Wien gegangen wäre. Letztlich hatte der Bundesrat den 36-Millionen-Deal gestoppt.

Erschienen in der gedruckten KuK vom März 2018.

Mit Perlenkette und Lippenstift

Ezra Furman ist mehr als ein genialer Musiker Das Saallicht geht aus, vier komplett in weiß gekleidete Musiker betreten die Bühne des Festsaals Kreuzberg. Nach ihnen sieht man eine in langem, schwarzen Mantel gekleidete, schlaksige Person auf die Bühne wanken. Als Ezra Furman mit seiner Musik be­ginnt, fühlt es sich nicht so an, als ob […]

Erschienen in der gedruckten KuK vom März 2018.

Deutschlands intelligenteste Band

Tocotronic auf dem Weg in die Ewigkeit »Die Unendlichkeit« – so lautet der Titel des neuen, mittlerweile zwölften Studioalbums der Band Tocotronic. Seit 25 Jahren gibt es die Gruppe um Sänger Dirk von Lotzow nun schon – und das ist, nach eigener Aussage, der Unendlichkeit ja schon ziemlich nah. Angefangen haben die Musiker als Dilettanten. […]

Erschienen in der gedruckten KuK vom Februar 2018.

»Privileg, Dinge anders sehen zu können«

Nicht die »zitty« und auch nicht der »tip« – Berlins auflagenstärks­tes Stadtmagazin ist die »Siegessäule« mit einer verbreiteten Auflage von über 50.000. Doch angefangen hat Verlegerin Manuela Kay, die das Blatt 2012 übernahm, mit weitaus geringerer Reichweite.
Das war 1986. Damals fragte sie beim Hörfunkprogramm »Eldoradio« an, ob auch Lesben mitmachen können. Die Sendung, die als erstes schwules Radioprogramm Deutschlands gilt, war damals noch Bestandteil des Berliner Kabelpilotprojektes, bevor sie Teil von West-Berlins erstem Privatsender »Radio 100« wurde. Als Redakteurin und Moderatorin öffnete Manuela die Sendung für lesbische Themen und berichtete bis zum Ende des Senders 1991 über Neuigkeiten aus der Szene sowie politische Entwicklungen.

Wem gehört die Straße?

Es gibt jetzt zwar einen Radweg, nur parken dort auch Autos So war das alles nicht geplant. Anfang Dezember verkündeten die Unterstützer des »Volksentscheids Fahrrad« von Bündnis 90/Die Grünen noch feierlich, nun endlich einen Radstreifen an der Gitschiner Straße neben der Strecke der U1 vollendet zu haben. Doch die Freude bleibt nicht lang: durch ein […]

Erschienen in der gedruckten KuK vom Januar 2018.

Raven gegen Deutschland

Die Band Egotronic polarisiert – und begeistert Eigentlich kommen die Mitglieder der Elektro-Punkband um Sänger, Frontmann und Ich-AG Projekt Torsun Burkhardt gar nicht aus Berlin. Das heißt: nicht hier geboren. Doch als sich die erste Möglichkeit ergab, steuerte Torsun Berlin als neue Heimat an. Verständlich, denn wer noch nicht über die Bezeichnung Elektro-Punk gestolpert ist, […]

Erschienen in der gedruckten KuK vom Januar 2018.

Silvio-Meier-Preis an Edeltraut Pohl

Auch Initiave gegen Rassismus wird ausgezeichnet Es ist jetzt 25 Jahre her, dass in Friedrichshain in der Samariterstraße Silvio Meier von Rechtsextremisten erstochen wurde. Im vergangenen Jahr vergab der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg zum ersten Mal den Silvio-Meier-Preis. Damit will der Bezirk »Menschen, Vereine, Initiativen und Projekte ehren und unterstützen, die sich in herausragender Weise gegen Rechtsextremismus, […]

Erschienen in der gedruckten KuK vom Dezember 2017.

So viel Ehrlichkeit

Max Prosa inspiriert mit großartiger Poesie Wie ein deutscher Bob Dylan – so wird Max Prosa in den großen Medien beschrieben. Das liegt natürlich nahe, wenn man den Mann mit den Locken, der Gitarre und einer Mundharmonika spielen sieht. Dass er allerdings ein Songbuch von Bob Dylan zur eigenen Inspiration nutzt, verfeinert das Bild umso […]

Erschienen in der gedruckten KuK vom Dezember 2018.

Nach Farbbeuteln fliegen Steine

Der Protest gegen das Hotel »Orania« nimmt nicht ab Hier irrt die Bezirksbürgermeisterin: »Es hätten auch Luxuslofts sein können«, kommentierte sie das noble Hotel »Orania«, das seine Pforten im Sommer am Oranienplatz geöffnet hat und seither immer wieder Ziel unerfreulicher Aktionen ist. Mal fliegen Farbbeutel, zuletzt gar Pflastersteine. Und warum irrt die Bürgermeisterin? Weil es […]

Erschienen in der gedruckten KuK vom November 2017.

Düster und extrem traurig

In Kreuzberg erlebte Nick Cave seine punkigen Zeiten Geheimnisvoll und düster ist die Comic-Biografie, in der der Berliner Illustrator Reinhard Kleist Nick Cave portraitiert – zwei Adjektive mit denen ein jeder Cave-Fan sein Idol verbindet. Ursprünglich in Australien geboren, zieht der Sänger erst nach São Paulo, später nach London, Berlin und Brighton. Obwohl er dort […]

Erschienen in der gedruckten KuK vom November 2017.

Hausbesetzers Hausband

Ton Steine Scherben nahmen 1967 ihre ersten Songs auf Welche Band kommt Ihnen als erstes in den Sinn, wenn Sie an Kreuzberg denken? Welche Richtung und welches Flair vermittelt diese Musik? Und aus welcher Zeit stammt sie und warum wurde sie geschrieben? In dieser Kolumne gehen wir den Kreuzberger Nächten und ihrer musikalischen Untermalung auf […]

Erschienen in der gedruckten KuK vom Oktober 2017.

Politik goes Schankwirtschaft

Öffentliche Redaktionsgespräche mit Direktkandidaten des Wahlkreises Wie vor jeder Bundestagswahl hat sich sie Kiez und Kneipe auch in diesem Jahr mit Direktkandidaten aus dem Wahlkreis getroffen, um zu erfahren, mit welchen Themen sie den Kiez auf Bundesebene vertreten wollen. In Form von öffentlichen Redaktionsgesprächen haben wir die Kandidaten der vier im Bundestag vertretenen Parteien zu […]

Erschienen in der gedruckten KuK vom September 2017.

»Mehr war mit der CDU nicht drin«

Cansel Kiziltepe kämpft für eine linke Mehrheit im Bundestag Unter den Direktkandidaten des Wahlkreises 83 geht Cansel Kiziltepe als einzige mit Bundestagserfahrung ins Rennen. Bereits vor vier Jahren war sie über die Landesliste der SPD ins Parlament eingezogen. Mit Platz 3 auf der diesjährigen Liste kann das Mandat der gebürtigen Kreuzbergerin auch bei der kommenden […]

Erschienen in der gedruckten KuK vom September 2017.