Wasser marsch!

mog61 sitzt nicht auf dem Trockenen

Der Verein »Miteinander ohne Grenzen – mog61 e.V.« veranstaltet nicht nur das jährliche Straßenfest in der Mittenwalder Straße und organisiert im Sommer eine Bühne zur »Fête de la Musique«. Schon vor Jahren sah mog61 mit Blick auf den Klimawandel auch nach Baumscheiben und anderem Straßenbegleitgrün.

In diesem Sommer beteiligte sich der Verein an der Aktion »Jede Wiese zählt!« des Netzwerks Nachbarschaft und nahm sich besonders der Stockrosen am U-Bahnhof Gneisenaustraße an. Einziges Problem – zumal in einem so heißen, trockenen Sommer: Woher kommt das Wasser zum Gießen?

Die Schwengelpumpe K092 vor der Hausnummer 44 könnte es liefern, die ist aber leider kaputt. Die Lösung kam in Gestalt von Felix Weisbrich, dem Chef des Straßen- und Grünflächenamts des Bezirks: Der stellte unbürokratisch ein Standrohr zur Verfügung, mit dem Wasser aus Hydranten am Straßenrand entnommen werden kann. Die Stockrosen sind gerettet und Vereinschefin Marie Hoepfner sagt: »Wir sind dem Bezirk ganz besonders dankbar, dass er uns geholfen und uns nicht auf dem Trockenen sitzen gelassen hat!«

Erschienen in der gedruckten KuK vom Oktober 2019.

Mit Feuerwehr und Fahrradcheck

In der Mittenwalder ist am 7. September zum siebten Mal großes Straßenfest

Ausgelassene Stimmung in der Mittenwalder Straße beim Fest im vergangenen Jahr. Foto: mog 61

Das Fest ist ganz bewusst nicht-kommerziell – das heißt, die Rostbratwurst ist erschwinglich und die anderswo üblichen Billigprodukte aus Fernost fehlen sowieso. Am Samstag, 7. September, von 12 bis 22 Uhr ist wieder Straßenfest in der Mittenwalder Straße. Zum siebten Mal übrigens – schon eine kleine Tradition.

Organisiert wird das Fest vom Verein »mog 61 – Miteinander ohne Grenzen«. Einer der Höhepunkte ist ein knallrotes Feuerwehrauto der  Wache Urban, an dem vor allem Kinder ihr Vergnügen haben dürften. Es gibt Bachi-Ki-Do-, Aikido- und Capoeira-Vorführungen, ein Kinderprogramm mit Clowndame Julchen und andere spannende Mitmachaktionen. Außerdem den fast schon traditionellen kostenlosen Fahrradcheck.

Dazu natürlich eine große Bühne mit Live-Musik, auf der in diesem Jahr unter anderem die Musikschule BKMZ Musik aus Anatolien präsentieren wird. Das Lesezelt, das letztes Jahr so großen Anklang fand, wird es ebenfalls wieder geben. Die Künstlerinnen Maria M. Hahmann  und Kerstin Zobus stellen im Rahmen der ART Kreuzberg auf dem Fest ihre Werke vor.

Und Essen und Trinken? Erstmals werden in diesem Jahr äthiopische Speisen angeboten. Singhalesisch, italienisch, türkisch, Rostbratwürste sowieso. Bier auch.

Zum siebten Mal

Marie Hoepfner ist Vorsitzende des Vereins mog 61 e.V., der das Straßenfest zum siebten Mal veranstaltet. Foto: ksk

Marie Hoepfner ist Vorsitzende des mog 61 e.V., der das Mittenwalder Straßenfest organisiert.

KuK: Was ist das Besondere am diesjährigen Straßenfest?

Marie: Wir haben zum ersten Mal äthiopisches Essen. Darauf freue ich mich ganz besonders.  Insgesamt sind wir sehr multikulturell aufgestellt: Die türkische Musikschule ist mit dabei. An einem Stand wird ein Friseur die Haare schneiden. Er ist ein Geflüchteter, und wir wollen so zeigen, dass Integration funktioniert.

Was war diesmal am schwierigsten?

Weil die Standgebühren so niedrig sind, melden sich immer wieder Leute an und springen dann in letzter Minute ab. Das ist für uns schwierig zu koordinieren. Außerdem gibt es eine große Baustelle in der Straße. An einer anderen Stelle waren Tiefbauarbeiten geplant, die wurden glücklicherweise verschoben.

Funktionierte der Kontakt mit dem Ordnungsamt?

Seit 2013 werden wir vom Ordnungsamt Friedrichshain-Kreuzberg immer, immer unterstützt. Ohne diese Hilfestellung wäre so ein Fest nicht zu machen.

Wie wird das Straßenfest überhaupt finanziert?

Wir bekommen keine institutionelle Förderung und sind komplett auf Spenden angewiesen. Wichtigster Baustein dabei ist die kräftige Unterstützung durch »Aktion Mensch«. Von Stromnetz Berlin bekommen wir nicht nur den elektrischen Strom, sondern auch den Anschluss umsonst. Das wären sonst mehr als 2000 Euro. Dafür bedanken wir uns sehr.

Gibt es auch wieder den legendären Fahrradcheck?

Ja. Die Idee ist, dass die Leute ihr Fahrrad mitbringen. Wir gucken dann, ob alles in Ordnung ist. Kleine Reparaturen können kostenlos vor Ort erledigt werden, bei größeren Sachen gibt es eine Empfehlung fürs Fachgeschäft.

Kannst du in der Nacht vor dem Fest überhaupt schlafen?

Ja, das geht schon. Es ist ja mittlerweile das siebte Straßenfest, das wir organisieren, und vieles ist inzwischen Routine geworden. Obwohl im letzten Moment immer wieder Probleme entstehen, wo man sie vorher am wenigsten erwartet hat.

Nicht nur für Kinder

»Es geht darum, sich selbst zu finden«, sagt Ralf Bartzsch. Foto: ksk

Wer glaubt, Bachi-Ki-Do sei nur eine Sache von Muskelkraft und von roher Gewalt, liegt ganz falsch. »Es geht darum, sich selbst zu finden«, erklärt Ralf Bartzsch. »Um Fragen wie: Wer bin ich? Bin ich stark? Durch das Training soll Selbstbewusstsein entstehen und

Ausstrahlung, damit man gar nicht erst in schwierige Situationen kommt.«

Der 65-Jährige hat Bachi-Ki-Do begründet und aus anderen chinesischen Kampfkünsten für moderne Zeiten weiterentwickelt. Auf dem Straßenfest gibt seine Kampfsportschule Proben ihres Könnens. 

Gleich daneben breitet der Kranich Dojo vom Mehringdamm seine Matte aus und demonstriert Aikido – eine  traditionelle japanische Kampfkunst, bei der ebenfalls Konzentration, Disziplin und Selbstbehauptung im Mittelpunkt stehen. Und der Capoeira Angola e.V. ist mit einer Kampftanz-Show vertreten. Capoeira stammt aus Brasilien und wurde dort während der Kolonialzeit von aus Afrika verschleppten Sklaven praktiziert.

Außerdem gibt es auf dem mog-Straßenfest wieder viele spannende Mitmachspiele für Kinder mit Clowndame Julchen, Kinder­yoga und einen kreativenTextildruck-Workshop – der ist aber auch für interessierte Erwachsene.

Essen & Trinken

Ethiopia Mandefro  serviert leckere Speisen auf Injera. Foto: privat

Zum ersten Mal ist auf diesem Straßenfest ein Stand mit original äthiopischem Essen vertreten. Ethiopia Mandefro  vom »Little Ethiopia« in der Gneisenaustraße 63 serviert leckere Speisen auf Injera, dem leicht säuerlich schmeckenden  Fladenbrot, das in Afrika traditionell auf einem heißen Stein  gebacken wird. Vegan mit Linsensoße, Grünkohl, Weißkohl, Karotten und Kartoffeln oder mit scharfem Rindfleisch und mildem Hüttenkäse. 

Aber das ist nicht alles: Außerdem gibt es leckere  Gemüse- und Fleischgerichte aus Sri Lanka, gut gewürzte türkische Köfte direkt vom Grill, italienische Kleinigkeiten und natürlich die klassische Rostbratwurst im Brötchen mit Ketchup oder Senf. Und »ganz, ganz viel Kuchen«, wie mog-Chefin Marie Hoepfner versichert.

Und zu trinken? Fassbier ohne Ende, spanische Weine von »Wein & Vinos«, Cocktails, Raki, die üblichen Softdrinks und selbstverständlich Kaffee.

Knallrote Feuerwehr

Das Lösch- und Hilfsfahrzeug (LHF) 16/12 wurde speziell für die Großstadt  entwickelt. Foto: ksk

Auf der Feuerwache Urban in der Wilmsstraße ist neben der  Berufsfeuerwehr auch eine Abteilung der Freiwilligen Feuerwehr stationiert. Mit ihren 19 Mann und einer Frau rückt sie immer aus, wenn die hauptberuflichen Kollegen Unterstützung brauchen. Deshalb müssen Ausbildung und  Qualifikation genauso gut sein wie bei der Berufsfeuerwehr. Die freiwilligen Feuerwehrleute haben ständig einen Piepser dabei und im Alarmfall sind sie innerhalb von 30 Minuten einsatzbereit.

Ihr Schmuckstück und Hauptarbeitsmittel ist ein Lösch- und Hilfsfahrzeug (LHF) 16/12, das speziell für die Großstadt  entwickelt wurde. Es hat einen Löschwassertank mit 1200 Litern, Pumpe, Schaummittel und  jede Menge technische Geräte an Bord. Das knallrote Feuerwehrauto ist eine der Hauptattraktionen dieses Straßenfestes. Kinder können sich die Technik erklären lassen und auch darin herumklettern.

»Natürlich kann es bei so einem Einsatz auch mal gefährlich werden«, gibt der stellvertretende Wachleiter Dominique Schimo Auskunft. »Aber aufgrund unserer Ausbildung ist das ein kalkuliertes Risiko. Im Grunde leben wir hier den Traum jedes kleinen Jungen aus.«

Kultur im Lesezelt

Carpathia-Verleger Robert S. Plaul will Literatur auf die Straße bringen. Foto: ksk

Auch diesmal gibt es auf dem Straßenfest wieder ein Lesezelt. Die Idee stammt vom Carpathia Verlag und stieß im vergangenen Jahr auf große Resonanz. Autoren und Autorinnen von Kleinverlagen im Kiez und anderswo lesen zwischen 15 und 20 Uhr aus ihren Werken, jeder eine halbe Stunde lang. »Wir wollen damit Kultur auf die Straße bringen und gleichzeitig die Vielfalt des Programms unabhängiger Verlage zeigen«, so Carpathia-Chef Robert S. Plaul. Das Programm:

15:00 Nadire Biskin: »Flexen. Flâneusen* schreiben Städte« (Verbrecher Verlag)

15:45 Carsten Zehm: »Operation Romulus« (acabus Verlag)

16:30 Maik Gereckes: »Zerschlagen« (VHV-Verlag)

17:15 Kathrin Wildenberger: »ZwischenLand« (Verlag duotincta)

18:00 Thilo Bock: »Der Berliner ist dem Pfannkuchen sein Tod« (Satyr Verlag)

18:45 Tibor Baumann: »Was du nie siehst« (Carpathia Verlag)

19:30 Marion Alexa Müller: »Die unterschätzte Kunst des Scheiterns und weitere Mysterien im Leben von Menschen und anderen Kleintieren« (Periplaneta Verlag).

Und weil wir schon bei der Kultur und beim Lesen sind: Natürlich ist auch die KuK-Redaktion auf dem Fest mit einem eigenen Stand vertreten.

Musikprogramm

13:30 Barny and the Pale Blue Dot Arkestra 

(Jazz / Soul / R&B / Rap)

Barny ist ein alter Bekannter, der schon auf früheren Straßenfesten mit dabei war. Jetzt hat er sich eine Band zugelegt. Neben Gesang und Keyboards gibt es nun auch Gitarre, Schlagzeug und Bass.

15:00 Bildung Kultur Musik Zentrum e.V.

(Musik aus Anatolien)

Das BKMZ von Müzik Okulu ist eine Musikschule in der Mittenwalder Straße 15. Es treten Kinder, Jugendliche und Frauen auf und natürlich darf auch getanzt werden!

17:00 Melodi

(Pop und Balladen)

Melodi ist 17 Jahre alt und macht eine Ausbildung als Altenpflegerin. Sie singt auf Englisch – zum Beispiel den berühmten Song »Hallelujah«.

17:30 DJ Mixanthrope

(Afrikanische Musik zum Tanzen)

DJ Mixanthrope kommt aus Frankreich und legt afrikanische Musik auf, die er auf ausgesprochen kreative Weise verändert. Kenner der Szene sagen über ihn: »He loves shaking dancefloors with african voices, electronic beats and tropical grooves.«

19:30 Pirilampos Experimental Flights

(Musik mit südafrikanisch-brasilianischen Wurzeln)

Pirilampos spielten diesen Sommer beim »Karneval der Kulturen«. Meditative Gedichte treffen auf heiße Rhythmen, traditionelle afrikanische Instrumente auf modernen Pop. 

21:00 Orquesta Randalera

(Swing / Latin / Rock / Jazz / Funk)

Das Orquesta Randalera beweist, dass Humor und Musik zusammengehören. Die witzigen spanischen Texte machen sich über das nicht immer einfache moderne Leben lustig, und die Musik reißt selbst den mit, der nicht besonders gut Spanisch versteht.

Die komplette Themenseite mit Plan vom Straßenfest gibt es hier als PDF zum Downloaden.

Erschienen in der gedruckten KuK vom September 2019.

Bergmannstraßenfest dieses Jahr in der Kreuzbergstraße

Das Programm des Bergmannstraßenfests 2019 steht fest

Lageplan Bergmannstraßenfest 2019Im Westen was neues: Kreuzberg jazzt dieses Jahr auf der anderen Seite des Mehringsdamms bis zur Katzbachstraße. Grafik: Toge Schenck

Das Bergmannstraßenfest findet entgegen anders lautenden Ankündigungen auch dieses Jahr wieder statt. Zum 25. Jahr in Folge werden vom 28. bis 30. Juni 50 Bands auf drei Bühnen zu hören sein. Die Theaterbühne an der Großbeerenstraße zeigt neben Theater, Comedy und Tanz auch wieder das beliebte Kinderprogramm am Samstag und Sonntagvormittag.

Eigenartigerweise findet das Bergmannstraßenfest dieses Jahr jedoch nicht in der Bergmannstraße statt. Weil die umstrittenen Parklets, Fahrradbügel und Fahrbahnübergänge den Veranstaltern zu viel Platz in Anspruch nehmen, wird es ausnahmsweise ein paar hundert Meter weiter in die Kreuzbergstraße verlegt. Dort soll eine ganz eigene Begegnungszone geschaffen werden, in der Anwohner aus Berlin, Brandenburg und tausende Besucher der Stadt zusammenkommen können. In der Bergmannstraße wären aufgrund der neuen Straßenmöblierung 80 bis 90 Prozent der zu vermietenden Stände weggefallen. Da der Veranstalter Kreuzberg Festival e.V. keine öffentlichen Gelder bezieht und das Fest sich durch Standgebühren trägt, kam die Bergmannstraße somit nicht mehr in Frage. Daraufhin wurde der Weg geebnet, die Kreuzbergstraße zu bespielen.

Neben der Vielzahl musikalischer Beiträge und kultureller Aktivitäten wird eine abwechslungsreiche Bewirtung mit Getränken und internationalen Leckereien angeboten. Auch Spitzenköche aus Kreuzberg werden in einem Zelt bei der Bühne Großbeerenstraße zu kleinem Preis Kostproben ihres Könnens anbieten.

Mit Wille & The Bandits (UK) und der Honey Island Swamp Band (USA) konnten zwei großartige internationale Bands engagiert werden. Unter den vielen Berliner Auftritten sind Mi Solar, Marcos Coll, Pugsley Buzzard und Kreuzberger Kiezgrößen wir Eb Davis, Roger Raddatz und Blue Bayou. Ebenso wieder mit dabei sind Bühnenprogramme der Kreuzberger Musikalischen Aktion e.V. und der im Kiez ansässigen Agentur Ahoi. Mit dem Slogan »Kreuzberg Jazzt« fassen die Veranstalter den Begriff »Jazz« also relativ offen. Das könnte für dieses Jahr besonders gelten, unter anderem weil der sonst prägende Yorkschlösschen Chef Olaf Dähmlow zum ersten Mal nicht mitorganisiert. Das komplette Programm mit Soundproben der verschiedenen Bands kann auf auf der Webseite des Straßenfests eingesehen werden.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Juni 2019.

Mehr Kameras, weniger Müll

Karneval der Kulturen setzt auf Nachhaltigkeit – und verschärft sein Sicherheitskonzept

Umzugshelferin in Dienstkleidung. Foto: rsp

Bereits zum 24. Mal findet am Pfingstwochenende der Karneval der Kulturen statt. Neben dem Straßenfest rund um den Blücherplatz lockt vor allem der Umzug am Sonntag jedes Jahr unzählige Besucher in den Kiez – 2018 waren es zusammen eine knappe Million Menschen.

Wie schon im letzten Jahr geht der Umzug wieder in der noch etwas ungewohnten Richtung von der Yorckstraße über Gneisenaustraße und Hasenheide bis zum Hermannplatz. 74 Gruppen mit gut 4.400 Beteiligten ziehen über die Strecke. Neu ist, dass rund ein Drittel der Gruppen ohne motorbetriebenen Wagen auskommt. Stattdessen kommen Lastenräder, Rikscha und geschobene Plattformen zum Einsatz. 

Überhaupt solle der Karneval nachhaltiger werden, erklärte Leiterin Nadja Mau bei der Pressekonferenz zwei Wochen vor dem Event und hob unter anderem das ausgeklügelte Mehrwegsystem des Straßenfests hervor. Die Berliner Wasserbetriebe, die die Akteure des Umzugs seit 16 Jahren mit Trinkwasser versorgen, verzichten zudem komplett auf Einweg-Plastikbecher. Für den trotzdem allenthalben anfallenden Müll stehen drei Mal soviele Behälter bereit wie noch im Vorjahr.

Nachhaltigkeit und Achtsamkeit finden sich auch im Programm wieder: Bei zahlreichen Gruppen des Umzugs stehen explizit Themen wie Umweltschutz, Müllvermeidung und Artenvielfalt im Vordergrund. Mit »Shanti Town« wird mitten auf dem Festgelände ein Aktionscamp gegen Rassismus und Krieg, für Vielfalt, Nachhaltigkeit und Verantwortung errichtet. Unter anderem gibt es dort Filmprojektionen, Workshops und Mitmach-Aktionen.

Weniger Müll und überhaupt mehr Nachhaltigkeit ist eines der Ziele des Karnevals der Kulturen. Foto: rsp

Die kulturelle Vielfalt, für die der Karneval steht, schlägt sich wie immer auch im Musikangebot nieder. Neben den drei großen Bühnen »Latinauta« (Gitchiner Straße; Latin Grooves), »Black Atlantica« (vor der Heilig-Kreuz-Kirche; afrikanische Musik) und »East2West« (AGB; u.a. Reggae, Ska, Balkan Beats) gibt es zehn kleinere »Music Corners«, die übers ganze Festgelände verteilt sind.

»Eine neue Kultur des Miteinanders auf Großveranstaltungen« wollen die Veranstalter des Karnevals der Kulturen etablieren, und dazu gehöre es auch, alle Beteiligten für die Bedürfnisse der Anwohner zu sensibilisieren – etwa durch eine Reduktion der Zeit für den Soundcheck im Aufstellungsbereich des Umzugs.

Zudem sind die Gruppen angehalten, unsoziales Verhalten in der Umgebung ihres Wagens zu identifizieren und anzusprechen. Angespannte Situationen sollen mit angepasster Musik beruhigt werden.

Zur Entspannung der Sicherheitslage soll eine punktuelle Videoüberwachung entlang der Strecke und auf dem Straßenfest beitragen. Damit sollen Besucherströme beobachtet und gegebenenfalls gelenkt werden. Am Tag des Umzugs sind Nostitz‑, Solms‑, Zossener und Mittenwalder Straße zwischen Gneisenau- und Baruther bzw. Fürbringerstraße auch für Fußgänger komplett gesperrt, Mehringdamm und Schleiermacherstraße funktionieren als Einbahnstraße (siehe Plan). Anwohner sollten deshalb unbedingt einen Ausweis oder ein ähnliches Dokument dabei haben, wenn sie vorhaben, vor Ende des Umzugs nach Hause zu kommen. In den genannten Straßen wird es auch ein flächendeckendes Parkverbot geben.

Quo vadis, Karnevalsbesucher? Am Pfingstsonntag sind zahlreiche Straßen komplett gesperrt, auch für Fußgänger. Grafik: KdK

Ob speziell die Straßensperrungen bei den unmittelbaren Anwohnern für eine höhere Akzeptanz sorgen, erscheint fraglich. Immerhin dürfte die Zahl der Wild- und Hauseingangspinkler in den gesperrten Straßen rückläufig sein. 

Die Fürbringerstraße fungiert als eine Art »Rückstaubereich« – für ortsfremde Besucher vermutlich verwirrend, da es von dort keinen Zugang zum Umzug und keinen direkten Rückweg zum Fest gibt. Von außerhalb des Festes kommt man nur via Baruther oder Schleiermachenstraße in die Fürbringerstraße.

Wer doch in diesen Bereich findet – oder nicht mehr heraus –, ist jedenfalls herzlich willkommen vor den Redaktionsräumen der Kiez und Kneipe (Fürbringerstraße 6), wo wie immer der Bierzelttisch aufgestellt ist und Caipirinha bereitsteht.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Juni 2019.

Kühler Karneval-Neustart

Fehlende Klos lassen Besucher verzweifeln

In nahezu letzter Minute war im vergangenen Jahr der Karneval der Kulturen vor dem Aus gerettet worden. So war 2015 die Handschrift des neuen Veranstalters noch nicht erkennbar. 2016 sollte nun den wirklichen Neuanfang markieren.

Musikalischer und grüner sollte vor allem das Straßenfest werden. Mit dem neuen Veranstalter war auch die Hoffnung verbunden, dass die Kommerzialisierung, die in den letzten Jahren auf dem Blücherplatz stetig zugenommen hatte, ein wenig eingedämmt werden würde.

Der »Grüne Bereich« beim Straßenfest gehörte zu den Neuerungen des neuen Veranstalters.

Foto: pskDer »Grüne Bereich« beim Straßenfest gehörte zu den Neuerungen des neuen Veranstalters. Foto: psk

Momentaufnahmen während und nach dem Fest lassen eher darauf schließen, dass die Neuerungen noch nicht richtig angekommen sind, oder dass sich manche Dinge sogar fundamental verschlechtert haben.

Der »Grüne Bereich« führte bei einigen Besuchern zu gewissen Irritationen. So manch einer hatte es noch nicht einmal richtig mitbekommen, dass in der neu hinzugekommenen Baruther Straße und in der Zossener bis zur Blücherstraße eigentlich der Raum für ökologische Angebote sein sollte. Dass dazu auch Fischstände und Bierwagen gehörten, fiel wiederum jenen auf, die die Grüne Meile als solche durchaus erkannt hatten.

Die hölzernen Klo­häuschen kamen zwar pittoresk daher, waren aber offensichtlich auch nicht für jeden als solche zu erkennen. Andere, denen der Sinn und Zweck klar war, gaben unumwunden zu, dass ihnen Dixie-Klos lieber seien. Da wird also noch einige Überzeugungsarbeit auf die Öko-Klobetreiber zukommen.

Doch gerade die Notdurft war ein ganz großes Thema während des Karnevals der Kulturen. Viel zu wenig öffentliche Toiletten habe es gegeben, klagten viele Besucher. Diesem Umstand ist es wohl auch geschuldet, dass die Zahl der Wild- und Baumpinkler sprunghaft angestiegen ist. Selbst die Lücke zwischen zwei parkenden Autos musste so manches Mal als kurzfristige Bedürftnisanstalt herhalten. Hauseingänge, Bäume, Sträucher, Hecken und Zäune – nichts war vor den den Urin­strah­len sicher.

Auch die »Standpolitik« am Tag des große Umzugs warf Fragen auf. So musste ein überraschter und wenig erfreuter Wirt feststellen, dass ausgerechnet unmittelbar vor seinem Biergarten ein Zelt zum Zwecke des Bierausschanks aufgestellt worden war. Früher, so meinte der Wirt, hätten die Veranstalter Rücksicht auf die angrenzende Gastronomie im Kiez genommen.

Frühes Pfingstfest verhagelt Händlern die Geschäfte

Das erweiterte Musikprogramm dagegen stieß bei vielen Gästen auf Zuspruch. Zu den vier großen Bühnen sind nun noch acht kleine Bühnen in Seitenstraßen gekommen.

Allerdings war ein Besuch auf dem Straßenfest nun auch nicht gerade ein Schnäppchen. Der Caipi-Preis, so etwas wie die Preisreferenz des Festes, ist an manchen Ständen inzwischen auf sechs Euro geklettert. Allerdings ließ sich das nicht von jedem das ganze Fest über durchhalten. Überhaupt war es an dem sehr frühen Pfingstfest viel zu kühl und zu feucht, als dass die Straßenhändler voll auf ihre Kosten gekommen wären.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Juni 2016.

Kreuzberg-Quiz zum Straßenfest

Köpfe qualmten in der Mittenwalder

Zum zweiten Straßenfest in der Mittenwalder Straße Anfang September hatte die Redaktion der Kiez und Kneipe mal wieder was richtig Fieses vorbereitet. An jedem der 50 Stände hing eine Frage zu verschiedensten Themen rund um Kreuzberg. Wer alle Fragen richtig beantworten konnte, bekam am Stand von mog61 e.V. einen Preis.

Damit auch diejenigen, die nicht zum Fest kommen konnten, sowie alle Exil-Kreuzberger mitraten können, gibt es das Quiz jetzt hier auf der KuK-Webseite.

Hier geht’s los! Viel Erfolg!

Bestenliste: Kreuzberg-Quiz zum Straßenfest 2014

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Karneval wird eine Frage des Geldes

Teilnehmerzahlen gehen zurück

Angetrieben mit Muskelkraft: Dieser Wagen benötigte wenigstens keinen Sprit.

Foto: mrAngetrieben mit Muskelkraft: Dieser Wagen benötigte wenigstens keinen Sprit. Foto: mr

Jahre lang hatte die brasilianische Samba-Formation Afoxé Loni den Umzug zum Karneval der Kulturen angeführt. Letztes Jahr fehlte die gelbweiße Formation. Auch in diesem Jahr hatten Gruppen abgewunken. Das Ganze wird einfach zu teuer.

Auch auf dem Straßenfest herrschte nicht nur ungetrübte Freude. Ein Wirt, der sich zum ersten Mal mit einem Stand am Straßenfest zwischen Blücherstraße und Waterloo-Ufer beteiligte, beklagte, dass er rund 3.000 Euro Verlust mit dem Abenteuer Karneval gemacht habe. Tatsächlich waren die Tage außer dem Sonntag alles andere als straßenfestkompatibel. Regen und Kühle vertrieb die meisten Festbesucher recht schnell wieder vom Ort des Geschehens.

Angesichts des Verlustes und der Standmiete von über 3.000 Euro wird der Wirt nicht wiederkommen. Auch Gruppen mit aufwändigen Kostümen und üppiger Ausstattung werden sich eine Teilnahme wohl zweimal überlegen.

Die Macher der größten Parade in Berlin fordern einen öffentlichen Topf, aus dem wenigstens die Teilnehmer des Umzugs ein wenig gesponsort werden können. Angesichts der Haushaltslage beim Senat und im Bezirk wird dies allerdings ein frommer Wunsch bleiben.

Noch immer ist der Karneval der Kulturen ein gewaltiger Magnet für die Besucher. Alleine der Umzug lockt fast eine Million Zuschauer an. Insgesamt waren die Publikumszahlen eher rückläufig, was jedoch dem Wetter geschuldet war.

Ein wenig Geld gibt‘s für die Teilnehmer ja doch – so sie zu dem Preisträgern gehörten. Bei den Gruppen gewann »Ghana« vor »Deutsch-Kameruner Grasland« und »Dancing Dragon«. Bei den Wagen wurde »Carnee« aus Argentinien und einmal mehr der Neuköllner Wagen »49 Kidz 44« ausgezeichnet.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Juni 2013.

Ordnungsrechtliche Kleinkrämerei

Seit Jahren ist Kreuzberg alljährlich Schauplatz von Randale und Krawall. Jetzt hat das Bezirksamt den Übeltäter ausfindig gemacht: Alkohol, vor allem in Flaschen. Zweifellos enthemmt Alkohol, und zweifellos fliegen im Zuge der Konfrontationen mit der Polizei leere Flaschen oder meinetwegen auch volle Dosen. Und ja, der 1. Mai ist ein gesetzlicher Feiertag, an dem die Ladenöffnungszeiten per Gesetz eingeschränkt sind. Aber ein Straßenfest lebt auch und gerade von seiner Stellung als Ausnahmezustand: Wo sonst Autos fahren stehen Bühnen, und am Straßenrand gibt es Stände, und da gibt es dann eben auch – einmal im Jahr – Bier zu kaufen. Wenn jetzt das Bezirksamt durch ordnungsrechtliche Kleinkrämerei versucht, die Problematik des 1. Mais zu lösen, dann ist das vor allem eine Bankrotterklärung, die auch die trifft, die einfach friedlich feiern wollen und ihr Bier lieber trinken als es zu werfen.

Erschienen in der gedruckten KuK vom April 2010.