Kunst zum Gedenken an Knut

Kulturkuratorium in Kreuzberg will den toten Eisbären würdigen

Der Eisbär Knut in jungen JahrenTrauer um Knut – auch in Kreuzberg. Foto: Jens Koßmagk/Wikipedia

Der unerwartete Tod von Eisbär Knut hat auch in Kreuzberg große Bestürzung hervorgerufen. Doch mit einfacher Trauer um den Dahingeschiedenen wollte es die 57jährige Sozialpädagogin und angehende Kunsthistorikerin Chlodhild Rheinweis dann doch nicht bewenden lassen. Die Kreuzbergerin gehörte zu den großen Fans von Knut und stattete dem Bären in den letzten vier Jahren mindestens zwei Mal wöchentlich einen Besuch ab.

Seither habe sie auch keinen Urlaub mehr gemacht, erklärt sie. Für Knut, der zum Inbegriff des Berliner Bären geworden sei, müsse mehr getan werden, als eine Statue im Zoo zu errichten oder ihn ausgestopft im Naturkundemuseum zu präsentieren.

»Kreuzberg ist das kreative Epizentrum der Republik«, meint Frau Rheinweis, die ankündigt, zu Ehren des verstorbenen Polarbären das »Kulturkuratorium Knut Kreuzberg«, kurz KKK zu gründen. Zentrale Aufgabe des Kuratoriums wird sein, einmal jährlich zweiwöchige Knut-Festspiele zu organisieren, in dem in vielfältigen künstlerischen Formen des Zoolieblings gedacht wird. Schon vor der Gründungsversammlung am 1. April im ehemaligen Bethanien-Krankenhaus haben sich zahlreiche Aktionsbündnisse entfaltet.

Beispielsweise arbeitet derzeit eine Gruppe an einem Ausdruckstanz, der Knut in seinem ebenso klischeebehafteten wie problematischen Verhältnis zum anderen Geschlecht darstellen soll. Dazu Frau Rheinweis: »Ich sage nur Giovanna!« Die Münchner Eisbärin hatte Knut einst auf offener Bühne geohrfeigt.

Weiterhin sind Ausstellungen, Konzerte und Körperperformances geplant. Eine Oper, die den Auftakt der Festspiele im August bilden soll, sieht gerade ihrer Vollendung entgegen.

Das neugegründete Kuratorium hat allerdings zu gewissen Verstimmungen zwischen den Bezirken Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg geführt. Chlodhild Rheinweis räumt zwar ein: »Uns ist wohl bewusst, dass Knut eigentlich ein Tiergärtner war, aber hier geht es um das kreative Potential.« Der Konflikt konnte allerdings entschärft werden. Höhepunkt der Festspiele wird am 28. August die »Knut-Parade«, die von den Yorckbrücken aus zum Landwehrkanal und von dort bis zum Zoo führen wird.

Erschienen in der gedruckten KuK vom April 2011.

Kampf den Touri-Monstern

Ein Gespenst geht um in Europa. Es trägt meistens einen überdimensionierten Rucksack, hält in der einen Hand eine Bierflasche, in der anderen den Lonely Planet, macht auf der Admiralbrücke Krach, zerdeppert Flaschen und klettert über Autos. Kampf dem internationalen Tourismus!

Ist das zu fassen? Kreuzberg, Hort der Toleranz, Hochburg des Multikulturismus, Austragungsort des Karnevals der Kulturen ist fremdenfeindlich? Jeder religiös, rassisch oder gendermäßig Verfolgte von Botswana bis Papua wird hier mit offenen Armen – zurecht – empfangen. Nur saufende, gröhlende Spanier, Italiener, Engländer oder Skandinavier, die hier eine Menge Geld liegen lassen, sollen draußen bleiben. Mann, oh Mann! Das ist auch ‘ne Art der Problembewältigung. Warum kommen die wohl ausgerechnet nach Kreuzberg? Sicher nicht wegen der warmen Quellen und dem Alpenpanorama.

Auf begehbaren Pfaden

Fußgänger haben es in diesem Winterchaos besser als im letzten

Es war ein Déjà-Vu der schlimmeren Sorte, als der Dezember mit Eis und Schnee begann. »Geht das schon wieder los«, hat der eine oder andere gedacht und der nächste hatte schlagartig Frühling, Sommer und Herbst verdrängt: »Hatten wir das nicht erst vor drei Wochen?«

Verschneite AutosWer braucht schon sein Auto? Die meisten Wagen im Kiez bekamen Winterferien. Foto: phils

Dass das neue Jahr mit Tauwetter begonnen hat, kann kaum darüber hinwegtäuschen, dass die letzten vier Wochen von 2010 auf manche wie ein Spiegelbild der ersten sechs wirkten.
Trotzdem gibt es doch einige gravierende Unterschiede. Beispielsweise war es im letzen Winter nicht nötig gewesen, das Nationaldenkmal auf dem Kreuzberg zu sperren. Diesmal hielt es das Bezirksamt für dringend geraten, den Schinkelbau vor Silvester dicht zu machen. Gesperrt war eine höfliche Untertreibung. Das Denkmal war mit einem Bauzaun verrammelt.
Manch ein Räumdienst hat nach dem zweiten schneereichen Winter in Folge die weiße Fahne gehisst. Die, die übrig geblieben sind, machen es, so scheint es, dann doch ein wenig besser. Zwar war es niemandem gegeben, die ganze weiße Pracht einfach verschwinden zu lassen, doch zumindest auf den Gehsteigen gibt es diesmal erkenn- und vor allem begehbare Pfade. Die hatte es vor einem knappen Jahr fast nirgendwo mehr gegeben. Vorherrschend waren meist unpassierbare hochgefährliche Eisbahnen.
Die Erkenntnis, dass Split auch für Fußwege eine durchaus segensreiche Einrichtung ist, hat sich im Winter 2010/11 offensichtlich ziemlich flächendeckend durchgesetzt.
Insgesamt scheint es so, als habe der Kiez aus den sechs Horrorwochen zu Beginn des vergangenen Jahres einige wichtige Lehren gezogen, wenngleich nach dem dezemberlichen Wintereinbruch viele genau dieses bezweifelt hatten.
Ob daran die drastischen Strafandrohungen für Räummuffel schuld sind, oder ob die neue Begehlichkeit der Wege auf die Einsicht der Hauseigentümer zurückzuführen ist, ist letzlich egal.
Dass diesmal wenigstens die Gehwege zu begehen sind, macht schließlich Sinn, denn die Straßen für Auto- oder gar Radfahrer freizumachen, ist zwar löblich, aber die meisten von denen sind inzwischen auch Fußgänger geworden. Das erkennt man an ihren Fahrzeugen, die sie seit Wochen unter gigantischen Schneehaufen versteckt haben.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Januar 2011.

Die Kreuzberger Trockenlegung

So war 2010 im Kiez / Ein Jahresrückblick von Peter S. Kaspar

Das Jahr beginnt so, wie es aufhören wird, mit Schnee und Frost. Es gibt einen kleinen, aber bedeutenden Unterschied. Der Jahresbeginn leitete eine sechswöchige Eis- und Kälteperiode ein. Am Ende des Jahres währt die schon seit vier Wochen.
Bei Radio Multicult2.0 herrscht Freude: Die Ex-Multikulti-Macher haben nun ein Studio in der Marheineke-Markthalle. Außerdem gibt’s wieder ein kleines Fenster auf einer Frequenz.
Im Februar lehnt die BVV fast einhellig den Haushalt für 2010 und 2011 ab. Nur die SPD stimmt dafür. Alle anderen Parteien demonstrieren damit gegen die Politik des Senats, der die Bezirke am ausgestreckten Arm verhungern lässt.
Fast wie ein Aprilscherz mutete es an, dass der Bezirk versucht einen möglichst alkoholfreien 1. Mai durchzusetzen. Der tatsächliche Aprilscherz der KuK, nämlich dass Kreuzberg Europäisches Pilotprojekt für ein absolutes Rauchverbot wird, segelt derweil unter die Top 100 der besten deutschen Aprilscherze 2010.
Die gute Nachricht im April: Der monatelange Kampf um den Erhalt des SO36, in den sich unter anderem auch heldenhaft die »Toten Hosen« gestürzt hatten, ist erfolgreich. Der Club bleibt – und wird auch noch zum besten Deutschlands gewählt.
Doch nicht überall sieht es an der Gentrifizierungsfront so gut aus. Im Fanny-Hensel-Kiez explodieren die Mieten für alle Mieter mit türkischen und arabischen Nachnamen. Wer sich solidarisiert und protestiert muss ebenfalls mehr bezahlen – und dann gibt’s auch noch einen Verzweiflungstoten.
Der Eyjafjallajökull verfinstert Europas Luftraum und lässt auch so manchen Kreuzberger irgendwo stranden. Abenteuerliche Geschichten von abenteuerlichen Heimfahrten häufen sich.
Der erste Mai kommt und es gibt doch an ein paar Bühnen Bier. Die dürfen aber nur Bier ausschenken, wenn sie eine umfangreiche Security stellen. Die aber kostet Geld. Der Bierausschank rechnet sich nur, wenn während des gesamten Myfestes alle neun Sekunden ein Bier über den mobilen Tresen geht.

Rettung, Rücktritt, Ränke schmieden – Was in der zweiten Hälfte von 2010 passierte

Ob es deshalb am 1.Mai recht ruhig bleibt? Nun ja – es regnet auch und der Niederschlag spült wie immer eine Menge Krawallbereitschaft weg.
Berlin ohne Bundesliga? Hertha macht‘s möglich nach dem Abstieg. Für ein paar Fans ist das wohl zuviel. Sie attackieren beim Umzug zum Karneval der Kulturen den Wagen von Tennis Borussia.
Das Tempelhofer Feld ist offen für alle. Aus dem einstigen Kiezflughafen wird die größte Spielwiese südlich von Kreuzberg.
Marga Behrends ist tot. Sie verbrachte ihre 102 durchaus aufregenden Lebensjahre alle im Kiez zwischen Tempelherren- und Fürbringerstraße. Außerdem war die Jugendfreundin von Marlene Dietrich die letzte überlebende Tänzerin vom Admiralspalast.
Es ist wie im Jahr 2006. Nach einem kühlen, feuchten Frühling wird es mit Beginn der Fußball-WM richtig warm, das lässt hoffen.
Auf dem Tempelhofer Feld hat offenbar ein Sportflieger noch nicht realisiert, dass hier kein Flughafen mehr ist. Er landet zwischen Skatern und Drachenfliegern. Notlandung, meint der Pilot.
Große Ehre: Der Preis »Europa nostra« geht an die Initiative für die Sanierung des Baerwaldbades.
Es wird immer heißer. Im Juli ist Kreuzberg an einem Tag sogar der heißeste Fleck der Republik. Die WM endet – und der Sommer ist faktisch zu Ende. Dafür kommt Wowi zum Kiezbesuch und kuckt sich den Kotti an. Für die Berliner Schüler beginnt die Sekundarschul-Ära – für die in der neuen Friedrich-Ludwig-Jahn-Sekundarschule im Graefekiez beginnt sie zunächst gar nicht. Das Schulgebäude stellt sich zu Schulbeginn als nicht beziehbar heraus. Die Bezirksstadträtinnen Monika Herrmann und Jutta Kalepky streiten sich darüber, wer schuld ist.
Im September ist Marathon – ohne Sonne und ohne Haile. Da kommt unvermutet ein Lichtlein: Der konservative CDUler Kurt Wansner denkt darüber nach, gut ausgebildete junge Kreuzberger Türken zurück in die Heimat zu holen – wenn sie inzwischen einen gut bezahlten Job am Bosporus gefunden haben.
Eigentlich hätte jetzt im Oktober das letzte Stündlein für das Archiv der Jugendkulturen geschlagen. Doch die Rettung in letzter Minute heißt: Stiften gehen. Eine Stiftung rettet das Archiv. Keine Rettung dagegen gibt’s für die Auslage des Revolutionsladens M99 in der Manteuffelstraße in 36. Vermutlich sind es Neonazis, die das Feuer gelegt haben.
Das Gegenteil von Integration: Im fränkischen Hof fliegt ein junges Paar aus dem gebuchten Hotel. Begründung: Ihr Wohnort ist Kreuzberg.
Abschied von Miran Hauptmann. Der Mitbegründer der KuK stirbt im Alter von 57 Jahren.
Im November werden die Preisträger für die beste Friedensidee auf der Admiralsbrücke gekürt. Ob die Ideen funktionieren, wird sich wohl erst im Frühjahr zeigen, wenn es wieder warm und trocken ist.
Der Wahlkampf im Bezirk fängt früh an. Ein gutes Jahr vor den Kommunalwahlen verkündet SPD-Chef Jan Stöß, dass er der nächste Bezirksbürgermeister werden will.
Ihre eigene Eckkneipe in Kreuzberg war ihr letztes Lebensziel. Die hatte Berlins dickste Hure, Molly Luft, zwar 2004 noch eröffnen, aber nicht halten können. Im November stirbt sie in einem Pflegeheim in Köpenick im Alter von 66 Jahren.
Irgendwie hatten wir das alles schon: Diesmal kommt der große Schnee bereits Anfang Dezember. Wie lang soll dieser Winter denn werden? Winterliche Überraschung: Baustadträtin Jutta Kalepky tritt zurück, was Insider nicht wirklich überrascht.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Januar 2011.

Mieter raus und Touris rein

Kurze Momentaufnahmen zum Thema Gentrifzierung im Kiez

Gentrifizierung und die Folgen. Foto: psk

Die Gentrifizierung schlägt immer stärker zu. In der Willibald-Alexis-Straße 34 wollen sie sich die Bewohner nun Hilfe beim Regierenden Bürgermeister holen, an den sie sich in einem offenen Brief wenden.

Hier nun einige Beispiel, was gerade in Sachen Gentrifizierung passiert:

Nachdem die Eck-Kneipe »Tabula Rasa« im Chamisso-Kiez vor zwei Jahren nach Verkauf des Hauses und einer heftigen Mieterhöhung schließen musste, werden nun die Räume zu Ferienwohnungen umgebaut. Da Touristen bereit sind, im beliebten Kiez in der Nähe der Bergmannstraße 50 Euro pro Nacht und mehr zu zahlen, werden schnell Gelddruckmaschinen aus Räumen, in denen sich auf Grund der hohen Miete keine Kneipe mehr wirtschaftlich betreiben lässt.

Im Graefekiez ist nun das eingetreten, was angeblich nicht eintreten sollte. Bewohner der Luxuswohnungen im Fichtebunker haben nun gegen den benachbarten Sportplatz geklagt. Gegen den Bau dieser Wohnungen hatte es vor drei Jahren massive Proteste gegeben, weil genau dieses befürchtet wurde.

Die AG Mieten im Graefekiez hat bei ihrem jüngsten Kiezspaziergang festgestellt, dass es auch im Graefekiez starke Tendenzen gibt, Mieter aus ihren Wohnungen zu vertreiben, um sie dann in Eigentums- oder Ferienwohnungen zu verwandeln. Konkrete Fälle haben sie dabei in Böckhstraße, zweimal in der Dieffenbachstraße, in der Graefestraße und in der Grimmstraße ausgemacht.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Dezember 2010.

Ein bisschen Frieden für die Brücke

Charmant waren sie ja allesamt, die Ideen zur Befriedung der Admiralbrücke. Ob jetzt allerdings eine Kunstinstallation, in die Kronkorken eingeworfen werden können, oder mit einer Lizenz zum Lärmen legitimierte Straßenmusiker das Brückenproblem ein für alle mal lösen können, darf bezweifelt werden. Eindeutig kontraproduktiv für ein friedlicheres Miteinander hingegen war das Verhalten einiger Anwohner, die offensichtlich nur zur Preisverleihung gekommen waren, um in bester Waldorf-und-Statler-Manier jede der vorgestellten Ideen mit Hohn und Spott zu kommentieren. Natürlich fördert über Jahre immer wieder durch Brückenlärm gestörter Nachtschlaf nicht unbedingt ein gelassenes Gemüt, aber so verhärtet, wie die Fronten im Brückenkrieg mittlerweile zu sein scheinen, hilft hier wohl nur eine drastische Lösung. Ob Heiner Geißler, wenn er in Stuttgart fertig ist, vielleicht mal in Kreuzberg vorbeikommen könnte?

Erschienen in der gedruckten KuK vom Dezember 2010.

„Kann das alles rechtens sein?“

Bewohner der Willibald-Alexis-Straße 34 wenden sich an den Regierenden

Die Verzweiflung vieler Menschen ist groß. Die Bewohner der Willibald-Alexis-Straße 34 sehen ihre Hausgemeinschaft und ihre Wohnexistenz durch einen neuen Eigentümer bedroht. In einem Offenen Brief wollen sie den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit auf ihre Probleme aufmerksam machen.

Hier können Sie den Brief in voller Länge lesen (PDF-Datei).

Erschienen in der gedruckten KuK vom Dezember 2010.

Rettung in letzter Sekunde

Archiv der Jugendkulturen geht stiften

Was ist der Unterschied zwischen Gothics und Emos? Welche Musik hören Skater? Und wie ist das mit der Jugendkriminalität? Fragen wie diese sind es, die sich hevorragend im Archiv der Jugendkulturen in der Fidicinstraße klären lassen – vorausgesetzt, man ist bereit, sich durch den riesigen Berg von rund 8.000 Büchern, 30.000 Fanzines, 8.000 Schülerzeitungen und 480 Diplomarbeiten zu wühlen. In zwölfeinhalb Jahren ist hier die wahrscheinlich umfangreichste Sammlung zum Thema Jugendkultur entstanden und kann von jedermann kostenlos für Recherchen genutzt werden.

Archivgründer Klaus Farin inmitten der Zeitschriftensammlung. Foto: rsp

Doch obwohl das als Verein geführte Projekt seit Jahren auch einen wichtigen Beitrag für die Forschung leistet und bereits mehrfach für seine Schulprojekte ausgezeichnet wurde, muss es ohne einen Cent Regelförderung auskommen. Nach Bundesfamilienministerin Schröder hat zuletzt auch Bildungssenator Zöllner eine Förderung der Einrichtung abgelehnt. Die laufenden Kosten werden aus Spenden von Mitgliedern, einzelnen Förderern und den Einnahmen des eigenen Buchverlags mehr schlecht als recht getragen, die meisten Mitarbeiter arbeiten ehrenamtlich. Zu Ende Oktober stand deshalb die Entscheidung an, ob man den Mietvertrag verlängert oder das Projekt aufgibt.

Bereits vor einigen Monaten hatte der Verein daher die Gründung einer Stiftung beschlossen. Ziel war es, bis zum 31. Oktober die Stiftungssumme von 100.000 Euro zusammenzubekommen.

Dank der Spendenbereitschaft von Wissenschaftlern, Privatpersonen, Bundestagsabgeordneten aber auch 15-jährigen Schülern und Jugendclubs kamen bis zum Stichtag immerhin knapp 94.000 Euro zusammen. Damit wird es auf jeden Fall weitergehen, so Klaus Farin, Gründer des Archivs. Trotzdem darf natürlich weitergespendet werden. Denn wenn mehr als 100.000 Euro zusammenkommen, hat er auch schon Pläne.

»Wir bekommen ständig Anfragen von Leuten, die ein Freiwilliges Soziales Jahr machen wollen, können uns das aber momentan nicht leisten«, erklärt Farin. Mit dem Geld könnte das Archiv einen FSJ-Platz einrichten.

Sinn der Stiftungsgründung ist vor allem, in Zukunft einfacher an Fördergelder zu kommen, denn die Gesetzgebung erlaubt es, Spenden an Stiftungen einfacher steuerlich abzusetzen. Darüberhinaus genießen Stiftungen aufgrund ihrer Rechtsform ein relativ hohes Ansehen, da Spender sich sicher sein können, dass keine Gelder veruntreut werden.

Viel zu forschen: Meterweise Literatur zu den vielen Aspekten von Jugendkultur ergänzt die Sammlung von Fanzines und Flyern. Foto: rsp

Geld jedenfalls wird das Projekt auch weiterhin benötigen. Denn allein für Miete und Nebenkosten wie Strom und Versicherungen für die 700 Quadratmeter wird monatlich ein Betrag im oberen vierstelligen Bereich fällig.

Neben dem reinen Archivbetrieb, wird in der Fidicinstraße auch selbst zum Thema geforscht. Mit dem »Journal der Jugendkulturen« gibt es eine eigene Fachzeitschrift. Regelmäßig finden in den Räumlichkeiten auch Ausstellungen statt – wie zuletzt die Fotoausstellung »Heimat«, bei der es um Berliner Jugendliche mit verschiedenen kulturellen Hintergründen ging. Darüberhinaus ist das Archiv auch bundesweit unterwegs: Im Rahmen des Projektes »Culture on the Road« werden in Workshops und Projekttagen jugendkulturelle Themen vermittelt. Zielgruppe sind einerseits Schüler, andererseits Lehrer, Sozialarbeiter und Erzieher.

Weitere Infos: www.jugendkulturen.de

Erschienen in der gedruckten KuK vom November 2010.

Die Einschläge kommen näher

Eigentlich gibt es ja gute Nachrichten vom rechten Rand. Korruptionsaffären und Führungskämpfe schwächen die Neonazis. Seit ihr wichtigster Geldgeber gestorben ist, scheint auch der Geldhahn zu zu sein, und von der heftigen Intergrationsdebatte können sie auch nicht profitieren.

Aber es gibt auch sehr schlechte Nachrichten. Die braunen Trupps wagen sich nun immer öfter dahin, wo für sie früher eine echte No-Go-Aerea war: Nach Kreuzberg SO 36. Natürlich tun sie es nachts und sie tun es feige, aber sie tun es. Die Einschläge kommen offenbar immer näher.

Vielleicht hat ja das eine mit dem anderen zu tun. Wenn die Führungsstrukturen erodieren, dann wird die Basis unberechenbar. Vielleicht zeigen die Anschläge im autonomen Herzen Kreuzbergs die wahre Verzweiflung der Neonazis. Doch wenn sie wirklich ihre letzte Schlacht schlagen, dann könnte es in den nächsten Wochen und Monaten eher schlimmer als besser werden.

Neonazis fackeln Revolutionsladen ab

Übergriffe von Rechtsextremisten nehmen zu

Zum Glück keine Verletzten. Die verbrannte Auslage des »M99«. Foto: Andreas Potzlow

Ende Oktober verübten Neonazis einen nächtlichen Brandanschlag auf den linksalternativen Laden »M99« in der Manteuffelstraße. Nachdem sie die Auslage des Geschäftes in Brand gesetzt hatten, griff das Feuer auf die Fassade des Wohnhauses über. Laut Geschäftsführer Hans-Georg Lindenau entstand ein Sachschaden von rund 4000 Euro. Das Feuer konnte relativ schnell von der anrückenden Feuerwehr gelöscht werden, so dass glücklicherweise niemand verletzt wurde.

In derselben Nacht kam es zu neonazistischen Sprühereien an dem benachbarten Szeneladen »Red Stuff« und in Neukölln. Dort wurden unter anderem die Scheiben von zwei Kiezinitiativen durch Steinwürfe zerstört und eine Morddrohung an die Wand eines Gewerkschafters gesprüht, der in einem Prozess gegen Neonazis ausgesagt hatte.

Eine weitere Morddrohung wurde in einem Hausflur in Kreuzberg entdeckt. Auch diese betroffene Antifaschistin hatte in einem Prozess gegen Nazis ausgesagt.

Am Abend darauf versammelten sich spontan etwa 300 Linke am Heinrichplatz, um gegen die Angriffe zu demonstrieren. Sie brannten Feuerwerkskörper ab und machten durch Parolen und Transparente auf sich aufmerksam. Als die Polizei anrückte, kam es zu Rangeleien und Festnahmen.

In Neukölln planen lokale Initiativen derweil den zweiten Langen Tag gegen Nazis. Am 13. November wollen sie bei Informations- und Kulturveranstaltungen im Kiez Stellung beziehen. Vorbeischauen lohnt sich bestimmt.

Mehr Informationen zu der Veranstaltung gibt es unter neukoelln.blogsport.de

Erschienen in der gedruckten KuK vom November 2010.

Wo wärst du heute, wenn die Mauer noch stehen würde?

Neun Kreuzberger fragen sich, wie ihr Leben verlaufen wäre. Erinnerung und Spekulation über ein geteiltes Deutschland

Vor fast 21 Jahren fiel die Mauer, und 20 Jahre ist die Wiedervereinigung her. Viele Menschen sind in Zeitungen und im Fernsehen zu Wort gekommen und haben erzählt, wie sie die Wende erlebt haben. Wir haben die umgekehrte Frage gestellt: Wie wäre dein Leben verlaufen, wenn die Mauer noch stehen würde? Wo wärst du heute, wenn es noch zwei deutsche Staaten geben würde?

Almut Gothe: Noch drei Jahre Dienst bei der NVA. Foto: rsp

Für Almut Gothe ist die Antwort einfach. »Ich wäre noch die nächsten drei Jahre bei der NVA.« Schon mit 14 Jahren hatte sie verkündet, Offizier werden zu wollen. Als 20jährige fing sie an, Militärfinanzen zu studieren und verpflichtete sich für 25 Jahre zum Dienst bei der Armee. Ohne die Wende wäre ihr Lebensweg damit fest vorgezeichnet gewesen. Oder zumindest größtenteils. »Vielleicht würde ich jetzt auch im Knast sitzen, weil ich meine Klappe nicht halten konnte.«

Heiko Salmon: »Wäre die Wende nicht gekommen wäre ich Pferdezüchter.« Foto: rsp

Auch Heiko Salmon, glaubte seinen Lebensweg zu kennen. »Ich wäre jetzt Pferdezüchter«, erzählt der gebürtige West-Berliner. Neben seinem Job als Verwaltungsbeamter hatte er damals mit zwei Freunden mit der Pferdezucht begonnen. Nach dem Mauerfall aber brach der Markt zusammen, da das Brandenburger Umland mehr und günstigere Weideflächen bot. Dazu schwand das Interesse des Berliner »Geldadels« am Trabrennen. Auch dass Wehrpflicht jemals ein Thema für ihn sein könnte, hatte er nicht erwartet, bis er Mitte der 90er zur Musterung bestellt wurde.

Harald Jaenicke: Auch kein Jurist, aber schneller. Foto: rsp

Harald Jaenicke, Kreuzberger Kellerkneipenkellner, kam dank anwaltlicher Beratung gerade noch so um den Wehrdienst herum. »Ich weiß nicht, ob es viel anders wäre, vermutlich hätte ich mein Jura-Studium drei Jahre früher abgebrochen«, sagt er. Das Interesse vieler Studenten aus den neuen Bundesländern an einem Studium an der FU sorgte für einen höheren NC und damit für Wartezeit für Harald. »Ich bin ein typisches West-Berliner Kiezkind, aber wahrscheinlich könnte ich mir die Wohnung in Schöneberg nicht mehr leisten.«

Iris Praefke: Vielleicht kein Kino, aber wohl doch was mit Kultur. Foto: rsp

Für Moviemento-Betreiberin Iris Praefke ist die Wende nur ein Faktor von vielen. »Hätte ich nicht zufällig meinen damaligen Freund kennengelernt, hätte ich nie Sozial- und Politikwissenschaften studiert« – was sie durch ein Auslandsstipendium wiederum indirekt zum Kino brachte. In der DDR hätte die Weimarerin aber garantiert nichts politisches studiert. »Wahrscheinlich hätte ich jetzt Kinder und wäre verheiratet. Aber irgendwas kulturelles würde ich wohl schon machen.«

Dominique Croissier: Zurück in der Provinz mit Kind und Kegel. Foto: privat

Dominique Croissier kam schon vor dem Mauerfall her und wäre wohl irgendwann wieder nach Heidelberg zurückgegangen. »West-Berlin war groß aber piefig. Da gab‘s zwar Kreuzberg, aber das war wie ein Dorf.« Als die Mauer weg war, gab es in Ost-Berlin einen gefühlt rechtsfreien Raum, in dem man ein Vakuum besetzten konnte – in Dominiques Fall einen ehemaligen Friseurladen, in dem sie mit ein paar Freunden einen angesagten Club aufmachte. »Ansonsten wäre ich wohl einfach in der Provinz versackt, mit einem ekligen Mann verheiratet, und hätte aus Verzweiflung Kinder bekommen, die wie Opossums an mir hängen würden.«

Chen Castello: »Wäre die Mauer nicht gefallen, wäre ich heute vielleicht tot.« Foto: psk

»Vielleicht würde ich dann gar nicht mehr leben«, meint Chen Castello nachdenklich. 1985 war er wegen des Bürgerkriegs aus seinem Heimatland Mozambique in die DDR geflüchtet und hatte dort im sächsischen Seifhennersdorf einen vierjährigen Arbeitsvertrag erhalten, der 1989 auslief. Ihm drohte die Rückführung und erneute Verfolgung. Ein befreundeter tschechischer Grenzbeamter wollte ihm zur Flucht durch die ČSSR nach Österreich verhelfen. Doch dann fiel die Mauer.

Silke Walter: Markenmanagerin in Berlin statt Kunstlehrerin in der Provinz. Foto: privat

Wäre die Mauer noch da, so würde Silke Walter heute als Englischlehrerin und Kunsterzieherin an einem Gymnasium in einer sächsischen Kleinstadt unterrichten. Wahrscheinlich hätte sie einen Ehemann und zwei Kinder, ihr Leben wäre in ruhiger Bahn verlaufen. Mit dem Fall der Mauer aber hat sich alles geändert. Sie machte Karriere in Berlin in einem internationalen Konzern als Marketingmanagerin und unterrichtet heute als Hochschuldozentin in Sachsen und Berlin ihr Fach Marketing.

Joachim Mühle: Gedenkstätte statt Gaststätte. Foto: rsp

»In der Gastronomie wäre ich eher nicht gelandet«, überlegt Joachim Mühle, Chef des Valentin. Er vermutet, dass er stattdessen ein gutes Auskommen im öffentlichen Dienst oder bei einem freien Träger in West-Berlin hätte. Als Diplom-Politologe suchte er nach dem Abschluss 1993 nach einem Job in einer antifaschistischen Gedenkstätte – aber da gab es 250 Bewerber, teils bereits promovierte Experten aus der DDR.

Claudia Bombach: Keine Souvenirstände am Potsdamer Platz mehr. Foto: psk

»Ich bin fast ein bisschen erschrocken, als ich über die Frage nachgedacht habe«, meint Claudia Bombach. Bei ihr hätte sich ohne den Mauerfall so gut wie nichts geändert. Als Stadtführerin würden ihre Touren heute noch an den Souvenirständen am Potsdamer Platz enden und ein Highlight der Tour wäre noch immer das Schöneberger Rathaus. »Ach, ja und die Mieten in Kreuzberg wären billiger.«

cs

psk

ro

Erschienen in der gedruckten KuK vom Oktober 2010.

Wowi am Kotti

Der Regierende erfährt etwas über das Kreuzberger Gewerbe

Für die Junkies war es an diesem Tag nicht einfach, den direkten Weg aus dem U-Bahnhof zum Dealer zu finden, denn die Menschentraube, die sich um Wowi scharte, versperrte gewohnte Pfade. So huschten sie, vor sich hinschimpfend, sich klein machend, Wowi keines Blickes würdigend und völlig irritiert außen herum oder durch die Masse hindurch.

Wowi – bürgernah Foto: mr

Mit einer Verspätung von 20 Minuten traf der Tross mit und um den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit am Kottbusser Tor ein. Der Stuhlkreis im Graefekiez hatte etwas länger gedauert. Umringt von seinen Bodyguards, Reportern, seinen politischen Mitstreitern und Wirtschaftsstadtrat Peter Beckers aus Kreuzberg war für die Bevölkerung nur ein Durchkommen unter heftigstem Einsatz von Ellenbogen, gepaart mit einer nicht zu überhörenden Lautstärke. So wird Wowereit womöglich das Plakat einer Bürgerinitiative mit der Aufschrift »Wowi, rück die Verträge raus« entgangen sein. Gemeint waren hier die Verträge der Wasserbetriebe.

Nachdem sich Wowi und seine Groupies in Richtung Seniorenwohnheim, das wegen der Dominanz der Junkies unter Bewohnermangel leidet, in Bewegung setzte, hatte Houda Tautenhahn endlich die Chance, Klaus Wowereit ihr Projekt vorzustellen. Houda Tautenhahn ist im Auftrag von LOK im Projekt »Kreuzberg handelt« seit Januar rund um das Kottbusser Tor unterwegs mit dem Ziel, die ansässigen Geschäftsleute zu einer Ideenwerkstatt zu ermutigen. Am Kottbusser Tor können in den Geschäften keine hohen Preise verlangt werden, hier sind die Lebenssituationen der Kiezbewohner in der Regel prekär, der Cent wird vor dem Ausgeben mehrfach umgedreht. »Im Verhältnis zu den Einnahmen sind die Mieten genauso hoch wie am Kudamm«, so einer der anwesenden Geschäftsinhaber zu Wowereit. Die studierte Sozialwissenschaftlerin und perfekt arabisch sprechende Houda Tautenhahn zeigt mit großem Engagement, wie es geht: »zwei bis dreimal pro Woche besuche ich die ansässigen Geschäftsleute, immerhin gibt es einen intensiven Kontakt bereits zu fünf Geschäftsinhabern, die ihre Situation gemeinsam ändern möchten.« Eine stolze Leistung, denn Houda Tautenhahns Auftritt rund um den Kotti wurde zunächst sehr kritisch beäugt. Ihr Charme, ihre respektvolle Haltung gegenüber Menschen und ihre Unermüdlichkeit machten dies möglich. »Und wir sind erst am Anfang«, denn das Projekt ist auf drei Jahre angelegt“, so Houda Tautenhahn. Wer weiß, vielleicht macht der Kreuzberger aus dem Bergmann- oder Graefekiez in drei Jahren einen Ausflug zum Flanieren in der Adalbertstraße.

Erschienen in der gedruckten KuK vom September 2010.

Gute Idee bringt bares Geld

Mediatorinnen loben Preis für Admiralbrückenbefriedung aus

Kommt nun Bewegung in den Streit um die Admiralbrücke? Im Mai wurde »Streit Entknoten – Büro für Mediation und Interkulturelle Kommunikation« vom Bezirksamt eingeschaltet, nachdem sich der Bezirk darauf geeignet hatte, den Konflikt durch eine Mediation zu lösen.

Sosan Azad und Doris Wietfeldt sollen nun erst einmal herausfinden, wo die Konfliktlinien verlaufen und wo Gespräche sinnvoll geführt werden können.

Voraussetzung für eine erfolgreiche Mediation ist strikte Neutralität. Mediatoren sind dazu da, zwei Seiten miteinander ins Gespräch zu bringen, die bislang im gegenseitigen Umgang sprachlos waren.

Der Streit um die Admiralbrücke schwelt nun schon seit mehr als zwei Jahren. Zum ersten Mal drang er ins Bewusstsein der Öffentlichkeit, als Stadträtin Jutta Kalepky ein Schild an der Admiralbrücke anbringen ließ. Darauf bat sie die Brückenbesucher höflich darum, die Brücke sauber zu halten, den Müll selbst zu entsorgen, ab 22 Uhr die Nachtruhe der Anwohner zu beachten und auf das Musizieren zu verzichten. Sie begründete dies mit dem denkwürdigen Satz: »Wasser ist ein guter Schallüberträger«. Das Schild hing nicht besonders lange.

Spätestens nun wurde jedem klar, dass die Admiralbrücke an lauen Sommerabenden eine der angesagtesten Feierlocations der Stadt ist.

Die Anwohner wehrten sich gegen Krach und Müll auf der Brücke, doch je höher sich der Streit aufschaukelte, desto mehr zog die eiserne Brücke im Jugendstil junge Leute zum abendlichen Sonnenuntergangs­spektakel mit Musik an. Inzwischen vergeht kaum eine Woche, an der nicht irgendein Fernsehteam an der Brücke auftaucht, um junge Menschen zu interviewen.

Einerseits ist hier eine Art Touristenattraktion entstanden, andererseits klagen die Anwohner ihr Recht auf Nachtruhe ein. Und hier wollen Sosan Azad und Doris Wietfeldt nun einen Weg finden.

Sie wählen nun eine für eine Mediation vielleicht etwas ungewöhnliche Methode: Sie haben einen Ideen-Wettbewerb ausgeschrieben. Wer glaubt, eine Methode zu kennen, den Frieden zwischen Anwohnern und Brückenbesuchern herzustellen, kann sich daran beteiligen. Die fünf besten Vorschläge werden mit 100 Euro prämiert. Das Geld kommt aus dem Resort von Wirtschaftsstadtrat Peter Beckers (SPD), der »Streit Entknoten« mit der Mediation beauftragt hat. Sechs Monate soll das Mediationsverfahren dauern.

Die Vorschläge können formlos bis zum 31. August eingereicht werden. Alle Informationen zu den Teilnahmebedingungen gibt es auf der Webseite des Mediationsbüros.

Die Mediatorinnen hoffen auf eine rege Beteiligung. »Mit dem Ideenwettbewerb haben Sie die Möglichkeit, sich für ein konfliktfreies Miteinander auf der Admiralbrücke einzusetzen und das Leben im öffentlichen Raum mitzugestalten. Die Brücke soll als Ort der Begegnung bewahrt und der verantwortungsvolle Umgang soll gefördert werden«, heißt es in einer Mitteilung der Mediatorinnen.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Juli 2010.

Fußball satt in fast allen Kneipen

Zur WM in Südafrika gibt es diesmal kaum fußballfreie Zonen

Fußballmuffel werden es in den nächsten Wochen schwer haben – schwerer vielleicht noch als vor vier Jahren, als ganz Deutschland im Sommermärchenfieber taumelte. Einige mutige Wirte hatten damals versucht, gegen den Trend zu fahren und fußballfreie Zonen anzubieten. Im »Valentin« in der Körtestraße hielt der Vorsatz genau bis zum Viertelfinale, »Mrs. Lovell« in der Gneisenau versuchte tapfer durchzuhalten.

»Natürlich zeigen wir Fußball. Fußballfreie Zone machen wir nicht mehr«, erklärt Yana vom »Mrs. Lovell«. Die Erfahrungen bei der WM in Deutschland waren einfach zu bestürzend. In dem englischen Pub gibt es bei dieser Fußballweltmeisterschaft in Südafrika zumindest die Deutschlandspiele auf Großbildleinwand.

Auch Joachim Mühle vom »Valentin« ist dieses Mal vom ersten Spiel an mit von der Partie. Allerdings nun am neuen Standort in der Hasenheide.

Groß rüstete die »Cantina Orange« in der Mittenwalder Straße auf. Fußball gibt es dort gleich auf drei Leinwänden. Auf einer gibt es sogar Out-Door-Public-Viewing. Wenn in der letzten Vorrunde Spiele parallel laufen, können auch zwei Spiele gleichzeitig übertragen werden. Außerdem gibt auch es wieder ein großes Tippspiel.

Das hat auch im »Too Dark« in der Fürbringerstraße eine gewisse Tradition, ebenso wie der riesige Spielplan, der dann an der Wand prangen soll.

An die Tradition des ehemaligen Baghira knüpft der Nachfolger »Martinique« in der Monumentenstraße an. Da gibt‘s Fußball satt auf drei Leinwänden.

Zu den Profis in Sachen Fußball-Public-Viewing gehört das »Brauhaus Südstern« an der Hasenheide. Dagegen gibt es in den »Sieben Stufen« in der Großbeerenstraße eine echte Fußballpremiere. Auch das »Bierkombinat« in der Manteuffelstraße will zum ersten Mal Fußball präsentieren.

Public-Viewing soll es auch im Bürgerbüro der Bundestagsabgeordeneten der Linken, Halina Wawzyniak geben, die selbst begeisterte Fußballerin ist. Dort gibt es nicht nur die Spiele der deutschen Nationalmannschaft. Fans des Teams von Nordkorea kommen am Mehringplatz auch auf ihre Kosten.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Juni 2010.