Jetzt geht es um die Wurst

Sensationsfund bei Kneipenrenovierung

Currywurst mit Pelle und KetchupCurrywurst, der es vermutlich an Heuwers Geheim­sauce fehlt. Foto: Sumit Surai (CC BY-SA 4.0) (Quelle )

Archäologische Sensation in Kreuzberg: Bei Ausgrabungsarbeiten in einer coronabedingt geschlossenen Kreuzberger Eckkneipe wurde eine handschriftliche Aufzeichnung gefunden, bei der es sich offenbar um das Rezept für die berühmte »Chillup«-Sauce der mutmaßlichen Currywursterfinderin Herta Heuwer handelt.

»Wir wollten die Gelegenheit nutzen und endlich mal die Küche rausreißen, die wir als Raucherkneipe ohnehin nicht mehr betreiben dürfen«, erzählt Gastwirt Günther P., der vorerst anonym bleiben will. »Da fanden wir hinter der Spüle das Rezept.«

Schon länger hatten Farcimenologen (Wurstwissenschaftler) vermutet, dass Heuwer ihr 1949 entwickeltes Geheimrezept jemandem mitgeteilt haben musste, bevor sie 1999 starb. In den späten Achtzigerjahren, an die sich allerdings kaum jemand erinnert, der sie erlebt hat, soll die ältere Dame Stammgast bei Günther P.s Vorvorgänger gewesen sein und dem damaligen Wirt ihr Rezept anvertraut haben. Doch ein Beweis für das Gerücht konnte nicht gefunden werden – bis jetzt.

Selbst benutzen will Günther P. das Rezept nicht. »Ich habe jetzt ja keine Küche mehr«, stellt er enttäuscht fest. Allerdings habe er bereits mehrere interessante Anfragen von Sterneköchen erhalten, die ihm das Rezept unbedingt abkaufen wollen.

Bevor es so weit ist, muss aber erst die Authentizität des Schriftstücks nachgewiesen werden. Ein entsprechendes Gutachten wird zum 1. April 2022 erwartet. P. ist aber zuversichtlich.

»Das Magazin ‚stern‘ hat mir 9,3 Millionen Euro geboten, und das würden die ja wohl nie tun, wenn es sich um eine Fälschung handelte.«

Erschienen in der gedruckten KuK vom April 2021.

Wirte verbittert über Sky

Sender fordert Geld von geschlossenen Kneipen Auf gemeinschaftliche Fußballerlebnisse in Kneipen werden die Fans wohl noch einige Zeit verzichten müssen. Ob das künftig noch in der Stammkneipe geht, ist allerdings auch fraglich. Eine ganze Reihe von Wirten ist frustriert, und manche sind so zornig, dass sie überlegen, sich nach der Krise ganz vom Fußball in […]

Erschienen in der gedruckten KuK vom April 2021.

Urbane Mitte macht mobil

Widerstand gegen Hochhausprojekt am Gleisdreieckpark Ein Gespenst geistert um den Gleisdreieckpark, ein ziemlich großes sogar. Fast 100 Meter soll es messen. Sein Name: Urbane Mitte. Zwischen Park und Technikmuseum sollen insgesamt sieben Gebäude entstehen. Zwei von ihnen sollen die stattliche Höhe von 90 Metern erreichen, und am Ende stehen 100.000 Quadratmeter zur Verfügung – für […]

Erschienen in der gedruckten KuK vom März 2021.

O sole mio!

Viele Menschen verlassen dieser Tage – vernünftigerweise – kaum mal die eigenen vier Wände, außer um einzukaufen oder sich vielleicht die aktuelle Ausgabe der Kiez und Kneipe (die es übrigens auch online gibt!) vor der Redaktion abzuholen. Und wenn man so aus dem Fenster schaut, dann wirkt das trübe Wetter auch nicht gerade einladend für längere Aufenthalte im Freien. Kaum mal scheint die Sonne für mehr als ein paar Stunden am Tag. Und doch ist sie da und der Erde näher als im Hochsommer – nur, dass sie derzeit vor allem die Südhalbkugel anstrahlt. Wir wollen Euch trotzdem ein wenig Sonne in die Wohnungen zaubern und widmen unsere Mittelseiten diesen Monat dem Thema Sonne.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Februar 2021.

Digitalisierungsprobleme

Noch vor nicht allzu langer Zeit wurden Video­kon­fe­ren­zen eher belächelt und Livestreaming galt vielen als Medium der Generation YouTube, nicht jedenfalls als ernstzunehmende Bezugsquelle von Kulturellem oder Informativem. Doch die Zeiten haben sich geändert: Der Umgang mit Video­kon­fe­renz­sys­te­men hat breite Schichten der Bevölkerung erreicht, und Livestreaming gibt es gewissermaßen auf allen Kanälen, von Kabarettbühne bis Philharmonie.
Und so hätte an dieser Stelle eigentlich eine Erlebnisreportage über eine Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung gestanden, die Ende Januar als Videokonferenz stattfand und live via YouTube übertragen wurde. Mit zwei Anträgen zur Abwahl von Bezirksstadtrat Florian Schmidt hätte auch ein Thema auf der Tagesordnung gestanden, das umso dringlicher nach der ohnehin vorgeschriebenen Öffentlichkeit verlangt hätte.
Doch die Öffentlichkeit wollte sich nicht herstellen lassen. Eine knappe Stunde lang verfolgten die anfangs um die 50 Zuschauer die verzweifelten Bemühungen, die Technik irgendwie an den Start zu kriegen. Immer wieder brach der Stream ab und wurde – unter einer neuen Adresse – neu gestartet. Bis kurz vor Schluss war kaum mal ein Wort zu verstehen, und auch was man auf dem Bildschirm zu sehen bekam – ein pixeliges Bewegtbild mit einem Neuntel der Auflösung eines halbwegs zeitgemäßen Fernsehers – gab kaum Anlass zur Hoffnung. Als dann endlich wenigstens der Ton funktionierte, hatte der Ältestenrat beschlossen, die noch offenen Tagesordnungspunkte später nachzuholen. Bis auf die Beschlussfassung zur sogenannten Konsensliste und die Bestätigung der Tagesordnung waren das: alle – inklusive, wohlgemerkt, der offenen TOPs der letzten Sitzung, die im Dezember wegen nicht funktionierender Technik vertagt wurde.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Februar 2021.

Datenautobahn statt Fahrradschnellweg

Verkehrsberuhigung light dank Baustelle Ein bisschen sieht es aus wie ein Testlauf für die geplanten Umbaumaßnahmen des »Modellprojekts Bergmannstraße«, über das wir im Oktober berichtet hatten: Seit Mitte Januar ist die Zufahrt in die westliche Bergmannstraße vom Marheinekeplatz aus nur noch mit dem Fahrrad möglich. An der Ecke Zossener Straße blockieren großzügige Absperrungen den motorisierten […]

Erschienen in der gedruckten KuK vom Februar 2021.

Dezentral und im August

Bezirk sagt alle Straßenfeste ab, doch der Karneval der Kulturen soll trotzdem stattfinden Die unscheinbare Pressemitteilung vom 22. Januar hatte es in sich: »Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg hat einstimmig entschieden, dass aufgrund der Corona-Pandemie im Frühjahr und Sommer 2021 im Bezirk keine großen Veranstaltungen oder Feste im öffentlichen Straßenland oder Grünanlagen stattfinden können.« Davon betroffen seien […]

Erschienen in der gedruckten KuK vom Februar 2021.

Klare Haltung, falsches Signal

Die klare Haltung des Bezirks zum Thema Straßenfeste ist zweifellos vernünftig: Niemand, der halbwegs bei Trost ist, kann in den nächsten Monaten ernsthaft Veranstaltungen mit mehreren zehn- oder gar hunderttausend Besuchern in Erwägung ziehen – jedenfalls nicht mit dem dichten Gedränge, wie wir es seit Jahren vom MyFest, vom Bergmannstraßenfest und eben auch vom Karneval […]

Erschienen in der gedruckten KuK vom Februar 2021.

Kostenlose medizinische Masken für Bedürftige

Ab Dienstag werden auch im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg die vom Senat zur Verfügung gestellten Schutzmasken kostenlos an Bedarfsberechtigte verteilt. Berechtigt sind Empfänger*innen von ALG II, von Leistungen der Grundsicherung, der Hilfe zum Lebensunterhalt, von Hilfen zur Pflege, von Wohngeld sowie Empfänger*innen von Eingliederungshilfen. Auch Empfänger*innen des Kinderzuschlags und von BAföG erhalten kostenlos Masken. Die Ausgabe der Masken, die durch Netzwerkpartner des Bezirks erfolgt, ist auf fünf Stück pro Person begrenzt. Die Berechtigung muss durch Vorlage des BerlinPass oder eines aktuellen Leistungsbescheids nachgewiesen werden.

»Schluss mit Bürgermeisterei«

Schon vor über einem Jahr hatte Monika Herrmann angekündigt, dass sie bei der Berlin-Wahl 2021 nicht mehr für das Amt der Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg kandidieren werde. Damals klang das nach Rückzug aus der Politik, doch inzwischen ist klar, wo die Reise hingehen soll: ins Abgeordnetenhaus.

Eine Karriere in einem Leitungsjob, etwa als Senatorin, schwebt Herr­mann indessen nicht vor. »Wenn ich das wollte, könnte ich auch im Bezirk bleiben«, erklärt sie im Gespräch mit der KuK. Nach 15 Jahren als Bezirksstadträtin und (seit 2013) -bürgermeisterin sei »dann auch mal Schluss mit Bür­ger­meis­terei«.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Januar 2021.

Unterschiedliche Perspektiven auf ein komplexes Problem

Nach einer Informationsveranstaltung zum Drogenkonsum rund um den Südstern mit der Berliner Polizei im August wurden am 27. Oktober andere Perspektiven des Themas beleuchtet. Unter dem Titel »Drogenkonsum, Obdachlosigkeit und Raumnutzungskonflikte« stellten Mitarbeiterinnen von Fixpunkt und Gangway ihre Arbeit vor. Die Suchthilfekoordinatorin des Bezirks, Romy Kistmacher, schilderte ihre Zuständigkeiten und aktuelle Veränderungen bei Unterstützungsleistungen für Dro­gen­kon­su­ment*innen.

Eingeladen hatten das Nachbarschaftshaus Urbanstraße und die BürgerGenossenschaft Südstern e.V. anlässlich zunehmender Raumnutzungskonflikte und des Wunsches vieler Bewohner*innen, besser zu verstehen, wer mit welchen Zuständigkeiten agiert und wie sie selbst in ihrer Nachbarschaft unterstützend wirken können.

Für die Kiezkultur wird’s wieder eng

Gastronomen bekommen 75 Prozent vom letztjährigen Novemberumsatz Jetzt ist es doch passiert: Auf die zweite Corona-Welle, die sich in den letzten Wochen durch stetig steigende Inzidenzzahlen bemerkbar gemacht hat, folgt der zweite Lockdown. Anders als beim ersten Lockdown sind Schulen, Kitas und der Einzelhandel diesmal nicht von Schließungen betroffen, sondern »nur« Theater, Museen, Kinos, Konzerthäuser, […]

Erschienen in der gedruckten KuK vom November 2020.

Das Ende der Begegnungszone

Gleichberechtigt sollten sich alle Verkehrsteilnehmer den Straßenraum teilen. Das jedenfalls war ursprünglich der Plan. Davon kann jetzt ja keine Rede mehr sein, denn Autofahrer sind von der Verteilung im Bergmannkiez nun ausgeschlossen. Aber ist das so schlimm? Kann man zwischen Fußgängern oder Radfahrern überhaupt die Gleichberechtigung, sagen wir mit einem SUV, herstellen? Wer während der […]

Erschienen in der gedruckten KuK vom Oktober 2020.