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Bildung

Selbstbestimmte zweite Chance

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Interview

Vom Europäer zum Ausländer

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Politik

CDU blockiert Flüchtlingsunterkunft

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Das KuK-Büro in der Fürbringerstraße 6

Bildung

3. Juli 2016 (16:22)

Selbstbestimmte zweite Chance

Die »Schule für Erwachsenenbildung« gewinnt den 2. Platz beim Deutschen Schulpreis / von Robert S. Plaul

Als sich die Jury des Deutschen Schulpreises bei der Kreuzberger »Schule für Erwachsenenbildung e.V.« (SFE) zum Vororttermin ankündigte, gab es ein paar Probleme: Die Juroren wollten mit der Schulleitung und der Elternvertretung sprechen und morgens um acht vorbeikommen. Doch eine Schulleitung gibt es bei der SFE ebensowenig wie eine Elternvertretung. Und außerdem beginnt der Unterricht erst um 9:30 Uhr.

Denn bei der SFE ist alles ein wenig anders: Basisdemokratisch entscheiden die derzeit rund 200 Schüler und 17 Mitarbeiter über alle Angelegenheiten der Schule, alle zwei Wochen in der Vollversammlung (VV). Auch die Entscheidung, dass die beiden KuK-Redakteure, die an jenem Dienstag zu Besuch sind, filmen und fotografieren dürfen, wird im Plenum gefällt. »Und wenn wir Nein gesagt hätten«, fragt ein Schüler?« – »Tja, das ist das Los des Journalisten«, sagt Klaus, einer der 12 Lehrer der SFE und fast von Anfang an mit dabei.

1973 wurde die Schule nach einem Streik an einer Privatschule von interessierten Schülern gegründet. Ende der Siebziger kaufte man zusammen mit anderen linken Projekten das Gebäude Gneisenaustraße 2a, den heutigen Meh­ring­hof.

Die SFE ist eine alternative Einrichtung des »Zweiten Bildungswegs«, die vor allem denjenigen, die durch das Raster des klassischen Schulsystems gefallen sind, eine Chance bietet, den Mittleren Schulabschluss (MSA) bzw. das Abitur zu erwerben. Dabei bestimmen die Schüler im Rahmen des verbindlichen Lehrplans auch die Lehrinhalte und Lernmittel gemeinsam mit ihren Lehrern – die von ihren Klassen im Prinzip sogar abgewählt werden können.

Alles im Plenum: Die Schule für Erwachsenenbildung ist der Basisdemokratie verpflichtet.

Foto: rspAlles im Plenum: Die Schule für Erwachsenenbildung ist der Basisdemokratie verpflichtet. Foto: rsp

Noten gibt es an der SFE nicht. Stattdessen wird die Fähigkeit vermittelt, sich ohne Leistungsdruck und Konkurrenzdenken solidarisch und kollektiv Wissen anzueignen.

Ein Konzept, das aufgeht, auch wenn die relativ hohe Abbrecherquote zeigt, dass die teils wenig gradlinigen Biografien der Lernenden immer noch überraschende Wendungen bereithalten. Doch an der SFE geht es vor allem darum, jedem die Chance zu geben, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen – dass der Umgang mit dieser Freiheit leicht ist, davon war nie die Rede.

Auch die gelebte Demokratie ist nicht immer leicht und manche Diskussion auf der VV verläuft im Sande – etwa die um die vom Büro dringend benötigten Info­flyer, für die die »AG Öffentlichkeitsarbeit« verantwortlich zeichnet.

Dafür berichten zwei fertige Abiturienten (die an einer »normalen« Schule vermutlich längst über alle Berge wären) von der Preisverleihung des Deutschen Schulpreises, bei dem die SFE einen zweiten Platz gewonnen hat. Auch wenn die erste Frage dem Eintreffen des Preisgelds gilt, ist man sich doch vor allem darüber einig, dass die Auszeichnung eine Bestätigung ist: Dafür, dass das in Deutschland einzigartige, selbstbestimmte Konzept der SFE in all seiner Unfertigkeit und trotz mancher Probleme ein wichtiger und ernstzunehmender Beitrag zum Bildungssystem ist.

Mehr Infos zur Schule unter: sfeberlin.de

Erschienen in der gedruckten KuK vom Juli 2016.

Interview

1. Juli 2016 (19:30)

Vom Europäer zum Ausländer

Wie Adrian Garcia-Landa den Brexit erlebte

»Ich bin morgens aufgewacht und war plötzlich Ausländer«, schildert Adrian Garcia-Landa seine Gefühlslage, als er vom Votum der Briten für den Brexit erfuhr. Wenn es jemanden gibt, der so etwas wie ein fleischgewordener Ideal­euro­päer ist, dann der Sohn einer deutschen Mutter, eines spanischen Vaters, der in Frankreich aufgewachsen ist – (…)

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Politik

1. Juli 2016 (13:21)

CDU blockiert Flüchtlingsunterkunft

Rund 160 Flüchtlinge, die bisher in Notunterkünften in Kreuzberg untergekommen waren, müssen jetzt den Kiez verlassen, da die Turnhallen der Hector-Peterson-Schule am Tempelhofer Ufer und der Bür­ger­meis­ter-Herz-Grundschule in der Geibelstraße »freigezogen« werden sollen. Gut 100 von ihnen – alles Familien mit Kindern – hätten eigentlich in den Nordflügel der ehemaligen Gerhart-Hauptmann-Schule (GHS) umziehen sollen, die bereits seit Anfang des Jahres bezugsfertig ist. Doch unter Federführung der CDU wurde eine Entscheidung über die Unterkunft in der GHS jetzt vom Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses auf September vertagt. Den Familien steht nun ein Umzug nach Hohenschönhausen bevor, die übrigen Personen sollen berlinweit verteilt werden, unter anderem in die Hangars des Flughafens Tempelhof.

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Politik

1. Juli 2016 (13:06)

Die Qualen vor den Wahlen

Probleme mit den Wählerregistern noch immer nicht gelöst / Bezirk sieht sich gerüstet

Bezirksstadtrat Knut Mildner-Spindler sah das Unheil schon im Mai kommen. Da wurde schon mal die Berlin-Wahl simuliert. »Die Erfahrungen stimmen mich nicht optimistisch«, lautete sein höflich umschriebenes Fazit.

Um so größer war seine Überraschung, wie das Landeswahlamt die Trockenübung bewertete. In den Wahlämtern (…)

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In eigener Sache

3. Juni 2016 (16:11)

Vorschau Juni 2016

Die Juni-Ausgabe ist da. Und das erwartet Euch:

Die komplette Ausgabe gibt es hier: Kiez und Kneipe Juni 2016

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Politik

3. Juni 2016 (16:06)

Der Spielplatz bleibt – die Kritik auch

Lebhafte Infoveranstaltung zum geplanten Bauprojekt in der Blücherstraße

Das Problem ist dasselbe wie vor einem Jahr. Plätze für Therapieeinrichtungen werden mit steigendem Wachstum der Stadt rarer und rarer. Die Mietpreiserhöhungen führen laut Bezirksstadtrat Knut Mildner-Spindler (DIE LINKE) immer häufiger dazu, dass Plätze in sozialen Einrichtungen wegfallen. Um dem entgegenzuwirken, planen die sozialen Träger »Jugendwohnen im Kiez« (…)

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Allgemeines / Im Kiez getroffen

3. Juni 2016 (15:50)

Von Ruanda bis Kurdistan

Robert S. Plaul sprach mit Verleger und Bunkerbetreiber Enno Lenze – »Wenn viele Leute etwas wollen, ist es ein Geschäft«, sagt Enno Lenze. Das, was die Leute 2009 wollten, waren iPhones, doch die gab es in Deutschland nur zusammen mit einem Telekom-Vertrag. Also gründete er zusammen mit Randolf Jorberg kurzerhand die 3Gstore.de GmbH und importierte die Smartphones mit dem Apfel im großen Stil aus anderen EU-Ländern.

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