Kunst zum Gedenken an Knut

Kulturkuratorium in Kreuzberg will den toten Eisbären würdigen

Der Eisbär Knut in jungen JahrenTrauer um Knut – auch in Kreuzberg. Foto: Jens Koßmagk/Wikipedia

Der unerwartete Tod von Eisbär Knut hat auch in Kreuzberg große Bestürzung hervorgerufen. Doch mit einfacher Trauer um den Dahingeschiedenen wollte es die 57jährige Sozialpädagogin und angehende Kunsthistorikerin Chlodhild Rheinweis dann doch nicht bewenden lassen. Die Kreuzbergerin gehörte zu den großen Fans von Knut und stattete dem Bären in den letzten vier Jahren mindestens zwei Mal wöchentlich einen Besuch ab.

Seither habe sie auch keinen Urlaub mehr gemacht, erklärt sie. Für Knut, der zum Inbegriff des Berliner Bären geworden sei, müsse mehr getan werden, als eine Statue im Zoo zu errichten oder ihn ausgestopft im Naturkundemuseum zu präsentieren.

»Kreuzberg ist das kreative Epizentrum der Republik«, meint Frau Rheinweis, die ankündigt, zu Ehren des verstorbenen Polarbären das »Kulturkuratorium Knut Kreuzberg«, kurz KKK zu gründen. Zentrale Aufgabe des Kuratoriums wird sein, einmal jährlich zweiwöchige Knut-Festspiele zu organisieren, in dem in vielfältigen künstlerischen Formen des Zoolieblings gedacht wird. Schon vor der Gründungsversammlung am 1. April im ehemaligen Bethanien-Krankenhaus haben sich zahlreiche Aktionsbündnisse entfaltet.

Beispielsweise arbeitet derzeit eine Gruppe an einem Ausdruckstanz, der Knut in seinem ebenso klischeebehafteten wie problematischen Verhältnis zum anderen Geschlecht darstellen soll. Dazu Frau Rheinweis: »Ich sage nur Giovanna!« Die Münchner Eisbärin hatte Knut einst auf offener Bühne geohrfeigt.

Weiterhin sind Ausstellungen, Konzerte und Körperperformances geplant. Eine Oper, die den Auftakt der Festspiele im August bilden soll, sieht gerade ihrer Vollendung entgegen.

Das neugegründete Kuratorium hat allerdings zu gewissen Verstimmungen zwischen den Bezirken Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg geführt. Chlodhild Rheinweis räumt zwar ein: »Uns ist wohl bewusst, dass Knut eigentlich ein Tiergärtner war, aber hier geht es um das kreative Potential.« Der Konflikt konnte allerdings entschärft werden. Höhepunkt der Festspiele wird am 28. August die »Knut-Parade«, die von den Yorckbrücken aus zum Landwehrkanal und von dort bis zum Zoo führen wird.

Erschienen in der gedruckten KuK vom April 2011.

Kampf den Touri-Monstern

Ein Gespenst geht um in Europa. Es trägt meistens einen überdimensionierten Rucksack, hält in der einen Hand eine Bierflasche, in der anderen den Lonely Planet, macht auf der Admiralbrücke Krach, zerdeppert Flaschen und klettert über Autos. Kampf dem internationalen Tourismus! Ist das zu fassen? Kreuzberg, Hort der Toleranz, Hochburg des Multikulturismus, Austragungsort des Karnevals der […]

Mein letzter Abend mit Wölfi

Sibylle Tinschert erinnert sich an die „Seele des Südsterns“ Als ich am Samstagabend ins Roxy kam, saß u.a. Wölfi da. Fußballübertragung war vorbei, also konnte ich mich dazusetzen. Wir kamen wie immer ins Quatschen. Diesmal ging es wie so häufig um seinen „Bratkartoffel-Disput“ mit Gunter. Klar, dass wir auf alte Freunde zu sprechen kamen, um […]

Mit Machete auf das Spielfeld

Die Schiedsrichterin eines Bezirksligaspiels hat Sonntagnachmittag ein Fußballspiel in Kreuzberg aufgrund von Spielerbedrohungen durch Zuschauer vorzeitig abgebrochen. Während des Spiel, das um 15 Uhr 30 auf der Willi-Boos-Sportanlage an der Gneisenaustraße angepfiffen wurde, kam es zu einer Unsportlichkeit zwischen zwei Gegenspielern, die von der 39-jährigen Unparteiischen geahndet wurde. Unvermittelt rannten mehrere „Fans“ auf das Spielfeld. […]

Erbonkel und Friedensstifter

Manchmal lohnt es sich auch, einen Blick zurück zu werfen, wenn man in die Zukunft schauen will. Vor einem Jahr prophezeihten wir an dieser Stelle, dass das SO36 nicht dicht gemacht werde. Ehrlicherweise stand das damals weniger als Vorhersage, sondern als ein eher verzweifelter Wunsch. Und? Er ist dann doch noch in Erfüllung gegangen. Und […]

Erschienen in der gedruckten KuK vom Januar 2011.

Auf begehbaren Pfaden

Fußgänger haben es in diesem Winterchaos besser als im letzten Es war ein Déjà-Vu der schlimmeren Sorte, als der Dezember mit Eis und Schnee begann. »Geht das schon wieder los«, hat der eine oder andere gedacht und der nächste hatte schlagartig Frühling, Sommer und Herbst verdrängt: »Hatten wir das nicht erst vor drei Wochen?« Dass […]

Erschienen in der gedruckten KuK vom Januar 2011.

Die Kreuzberger Trockenlegung

So war 2010 im Kiez / Ein Jahresrückblick von Peter S. Kaspar Das Jahr beginnt so, wie es aufhören wird, mit Schnee und Frost. Es gibt einen kleinen, aber bedeutenden Unterschied. Der Jahresbeginn leitete eine sechswöchige Eis- und Kälteperiode ein. Am Ende des Jahres währt die schon seit vier Wochen. Bei Radio Multicult2.0 herrscht Freude: […]

Erschienen in der gedruckten KuK vom Januar 2011.

Mieter raus und Touris rein

Die Gentrifizierung schlägt immer stärker zu. In der Willibald-Alexis-Straße 34 wollen sie sich die Bewohner nun Hilfe beim Regierenden Bürgermeister holen, an den sie sich in einem offenen Brief wenden. Doch auch anderswo im Kiez schreitet die Gentrifizierung voran.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Dezember 2010.

Ein bisschen Frieden für die Brücke

Charmant waren sie ja allesamt, die Ideen zur Befriedung der Admiralbrücke. Ob jetzt allerdings eine Kunstinstallation, in die Kronkorken eingeworfen werden können, oder mit einer Lizenz zum Lärmen legitimierte Straßenmusiker das Brückenproblem ein für alle mal lösen können, darf bezweifelt werden. Eindeutig kontraproduktiv für ein friedlicheres Miteinander hingegen war das Verhalten einiger Anwohner, die offensichtlich […]

Erschienen in der gedruckten KuK vom Dezember 2010.

Watschenfrau will nicht mehr

Es war ein glänzender Triumph für Dr. Franz Schulz, als er vor vier Jahren endlich wieder ins Amtszimmer des Bürgermeisters einziehen durfte und dann noch mit einer satten Mehrheit der Grünen im Rücken. Da kann man auch mal großzügig sein und jemanden ohne Parteibuch in die Verwaltungsspitze holen. Er holte eine ausgewiesene Expertin in das […]

Jutta Kalepky tritt zurück

Die parteilose Baustadträtin Jutta Kalepky tritt zum 14. Dezember von ihrem Amt zurück. Dies teilte sie Bezirksbürgermeister Dr. Franz Schulz, wie aus einer Pressemitteilung des Bezirksamtes hervorgeht, heute mit. Die parteilose Architektin war 2006 auf dem Ticket der Grünen ins Bezirksamt eingezogen. Dort erbte sie von ihrem neuen Chef, dem Bezirksbürgermeister Dr. Franz Schulz, das […]

Rettung in letzter Sekunde

Was ist der Unterschied zwischen Gothics und Emos? Welche Musik hören Skater? Und wie ist das mit der Jugendkriminalität? Fragen wie diese sind es, die sich hevorragend im Archiv der Jugendkulturen in der Fidicinstraße klären lassen – vorausgesetzt, man ist bereit, sich durch den riesigen Berg von rund 8.000 Büchern, 30.000 Fanzines, 8.000 Schülerzeitungen und 480 Diplomarbeiten zu wühlen. In zwölfeinhalb Jahren ist hier die wahrscheinlich umfangreichste Sammlung zum Thema Jugendkultur entstanden und kann von jedermann kostenlos für Recherchen genutzt werden.

Erschienen in der gedruckten KuK vom November 2010.