Kein Liebeslied

Hobo Johnson & the LoveMakers machen: Liebe

»Hi, wie ist dein Name? Wie geht‘s dir? Wie ist dein Leben? Oh, du hast einen Freund? Bist du verliebt? Wenn ja, auf welche Art?«

So lautet oder so jedenfalls die deutsche Übersetzung des Songs über Peach Scones. Oder, na ja, so zumindest ist der Name des Songs. In Wirklichkeit handelt er vom Verliebtsein. Vielleicht auch vom ersten Mal, verliebt zu sein. Und besonders davon, zum ersten Mal unglücklich verliebt zu sein. Vom Gefühl, dass die Liebe nicht oder nicht so richtig erwidert wird. Davon, dass die Angebete eben schon einen Freund hat. Und von der Frage, ob man wirklich mit ihr zusammen sein will oder eher nur einfach nicht allein sein möchte.

Hier höre ich mit der Zusammenfassung auf. Denn das gelingt eh nicht: Der Songtext ist mindestens doppelt so lang wie der hier vorliegende Text. Und konnte von jeder einzelnen Person im Kreuzberger Privatclub damals im Dezember mitgesungen werden. So gut sogar, dass der Frontmann die Menge manchmal schon stoppen musste.

Weiter heißt es in dem Song: Manche sagen, Hobo Johnson wäre ein Rapper. Aber das ist er nicht. Er produziert sich allein. Und darauf sei er, verdammt nochmal, sehr stolz.

Ich persönlich würde es als gesungene Poesie bezeichnen. Wikipedia sagt: Emo-Rap, HipHop, Spoken Word. Mit Musik nennt sich das Ganze dann Hobo Johnson & the LoveMakers.

Der Name ist Programm. Die Texte handeln so gut wie alle von der Liebe. Zum Leben, zu Menschen oder zum NBA-Verein »Sacramento Kings«.
Dort, in Sacramento, lebte »The Homeless Johnson« eine Weile in seinem Auto. Aus Homeless wurde dann bald Hobo. Aus Auto wurde dann irgendwann Musik machen.
»Ich hatte Tränen in den Augen. Einfach so«, sagt mein nah am Wasser gebauter Freund, als er mir die Empfehlung gibt.

Vielleicht doch nicht einfach so. Irgendwie war ja doch mal jeder zum ersten Mal verliebt. Nur vergessen wir das manchmal. Hobo Johnson vergisst es nicht. Und schafft es, dieses Gefühl erst durch seine Lyrik wieder in Erinnerung zu rufen und dann durch seine expressive Stimme zusammen mit dem eindrucksvollen Gesang wachzukitzeln. Oh, ihr Emotionen!

Erschienen in der gedruckten KuK vom Januar 2020.

Glühlämpchen, Glühlämpchen flimmre (flimmre)

Mein Freund Stefan könnte stundenlang über Lichtstimmungen philosophieren. Schon Jahre bevor das »Smart Home« zum Massenphänomen wurde und selbst bei Aldi und Lidl in den Regalen mit der Aktionsware irgendwelche »smarten« Fernost-Leuchter mit App-Steuerung auf experimentierfreudige Käufer warteten, hatte Stefan seine Anderthalbzimmerwohnung komplett auf LEDs umgestellt.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Dezember 2019.

Was kommt da noch?

Das Jahr geht zu Ende und man würde ihm wohl kaum ein Unrecht antun, wenn man es als etwas zäh bezeichnen würde.

In den USA reiht sich eine trumpsche Ungeheuerlichkeit an die andere, und jede neue Ungeheuerlichkeit ist noch ungeheurer als die vorige, und je ungeheurer die Ungeheurigkeiten werden, desto wurstiger werden die Wähler, die Trump in einem Jahr wiederwählen werden.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Dezember 2019.

Schon wieder Kult?

2020 feiern die Einstürzenden Neubauten 30-Jähriges Ich lese einen Wikipedia-Artikel. Dort heißt es: »Die Besetzung fluktuierte anfangs und konsolidierte sich 1981 personell um Bargeld, […]«. Ha, denke ich mir, wenn man den Satz jetzt einfach jemandem zu lesen geben würde, da wüsste die Person wohl auch nicht recht, was damit anzufangen wäre. Auflösung: es gibt […]

Erschienen in der gedruckten KuK vom Dezember 2019.

»Ich habe meinen Beruf zum Hobby gemacht«

»Sag mal Uli, kennst du eine gute Druckerei?« Mit dieser unschuldigen Frage fing das alles an, als Miran Hauptmann und Peter S. Kaspar vor etwas über 15 Jahren die Idee für eine Kiezzeitung hatten. Heute ist Uli Sattler neben dem Chefredakteur gewissermaßen der dienstälteste Mitarbeiter der Kiez und Kneipe. Als freier Mitarbeiter der Druckerei KOMAG hat er beinahe alle Ausgaben der KuK gedruckt.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Dezember 2019.

Ansporn und Motivation

Dies ist eine ganz besondere Ausgabe der Kiez und Kneipe. Einerseits markiert sie unseren Geburtstag. Am 4. Dezember vor 15 Jahren erschien das Kreuzberger Lokalblättchen nämlich zum ersten Mal.
Dass wir nun in unseren 16. Jahrgang gehen, ist so selbstverständlich nicht. Wer in den letzten Wochen und Monaten die Berichterstattung in eigener Sache verfolgt hat, wird registriert haben, dass diese Ausgabe und damit auch der weitere Fortbestand der KuK zeitweise in den Sternen stand.
Mittlerweile hat sich einiges geändert. Getragen von einer Welle der Solidarität und aktiver Unterstützung, die uns überrascht und berührt hat, ist die Existenz der KuK für das kommende Jahr und hoffentlich darüber hinaus aus heutiger Sicht gesichert.

Erschienen in der gedruckten KuK vom Dezember 2019.

Die Suche nach Freiheit

An welchen Song denken Sie beim Stichwort Mauerfall? Freiheitslieder gibt es ja so einige. Kaum eine Sängerin, kaum eine Band, kein Liedermacher hat kein Lied, in dem sie über den Drang, den Wunsch oder die Schönheit der eigenen Entscheidungsmacht singen. Neben meinem geliebten »I want to break free« von Queen und dem hinreißenden »Free as […]

Erschienen in der gedruckten KuK vom November 2019.

»bUm« statt Google Campus

Einst wollte Google das Umspannwerk am Paul-Lincke-Ufer selbst beziehen. Es wäre der weltweit siebte Google-Campus geworden, mit einem Betreuungsprogramm für Start-ups und einem Google-Café. Jetzt hat dort stattdessen das bUm eröffnet, ein Haus für die engagierte Zivilgesellschaft, in dem gemeinnützigen Organisationen und sozial engagierten AkteurInnen Raum zum Arbeiten geboten wird. Die Trägerorganisationen sind betterplace und Karuna, denen Google das Umspannwerk fünf Jahre mietfrei zur Verfügung stellt. Dass es dazu kam, ist ein Verdienst der organisierten Kiezbewohner Kreuzbergs.

Erschienen in der gedruckten KuK vom November 2019.

Der Osten und der Westen

Die Geschichten der Menschen, die dabei waren, als die Mauer fiel, sind spannend. Aber davon haben wir mittlerweile die meisten gehört. Also fragen wir unsere beiden Redaktionsküken. Was bedeutet Ost und West für Menschen, die nach 1990 geboren sind? Ist die Wiedervereinigung ihrer Meinung nach geglückt? Oder ist Deutschland immer noch gespalten?

Erschienen in der gedruckten KuK vom November 2019.